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Abgabe von Daten

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach sammelt und verwaltet in erster Linie ornithologische Daten aus der ganzen Schweiz. Für viele Gebiete liegen auch Landschaftsdaten vor. Diese Grundlagen können Aussenstehenden für wissenschaftliche Auswertungen, Umweltverträglichkeitsprüfungen, Planungen und andere Projekte abgegeben werden, wobei gewisse Grundregeln und Bedingungen zu beachten sind.

Eine frühzeitige Kontaktnahme mit der Vogelwarte ist zu empfehlen, um abzuklären, welche Daten benötigt werden respektive an der Vogelwarte verfügbar sind und um abzuschätzen, wie aufwändig eine Datenbankabfrage ist.

Richtlinien für die Abgabe von Daten. Dabei richten wir uns nach der Deontologie der faunistischen und floristischen Datenbanken der Schweiz.

Datenbanken der Vogelwarte

Folgende ornithologische Computer-Datenbanken werden geführt:

ID (Informationsdienst): Zufallsbeobachtungen, Meldungen nach bestimmten Kriterien, vor allem Daten eher seltener Vogelarten (ab 1984; ältere Daten nur für einzelne Arten).

Verbreitungsatlas: Brutzeitnachweise aller Brutvogelarten aus der ganzen Schweiz 1993-1996 (Rasterkartierungen).

Monitoring Häufige Brutvögel: jährliche Kartierungen auf 267 Flächen von 1 km2 (ab 1999).

Wasservögel: systematisch erhobene Bestände der Wasservögel im Januar (ab 1967), November (ab 1991), für einige Gebiete (insbesondere Reservate von internationaler Bedeutung) und Jahre auch aus anderen Wintermonaten.

Ringfunde: Funde von beringten Vögeln in der Schweiz oder von in der Schweiz beringten Vögeln im Ausland.

Die Vogelwarte verfügt über weitere Daten (ornithologische und landschaftsbezogene Daten), die im Rahmen von Projekten gesammelt wurden. Für solche Daten ist eine Absprache mit den Projektverantwortlichen notwendig. 

Herkunft der Daten

Die meisten ornithologisch-faunistischen Daten werden von Freiwilligen in deren Freizeit mit viel Engagement erhoben und der Vogelwarte zur Verfügung gestellt. Sie sind entsprechend zu würdigen. Aufbau und Betreuung der Datenbanken werden mehrheitlich durch die Stiftung Schweizerische Vogelwarte finanziert.

Abgabe von Daten

Daten der Vogelwarte können im Rahmen des Stiftungszweckes und sofern nicht Interessen der Vogelwarte (z.B. eigene Projekte) tangiert werden, an Dritte abgegeben oder in Zusammenarbeit mit Dritten verwendet werden.

Gemäss Stiftungszweck sollen sie für die Erforschung und den Schutz der Vögel eingesetzt werden. Die Vogelwarte ist gegenüber ihren freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Daten im Sinne des Stiftungszweckes korrekt verwendet werden. Das bedeutet, dass gewisse Daten, z.B. dort, wo eine zu grosse Verbreitung der Daten dem Fortbestand einer Art oder einer Population schaden könnte, nicht zur Verfügung gestellt werden. Ohne offensichtlichen oder gut begründeten Verwendungszweck werden keine Daten abgegeben. Die Vogelwarte behält sich zudem das Recht vor, die Auswertung und Interpretation der Daten zu überprüfen. Gerade die auf Zufallsbeobachtungen beruhenden Datensammlungen bedürfen einer guten Kenntnis der Umstände, wie die Beobachtungen zustandekommen. In vielen Fällen ist es deshalb sinnvoller, wenn Daten nicht in Rohform abgegeben werden, sondern die Vogelwarte die Zusammenstellung und Beurteilung im Hinblick auf die jeweilige Fragestellung übernimmt.
Die Vogelwarte behält sich vor, gewisse Daten für eigene Auswertungen zurückzubehalten und somit nicht zur Verfügung zu stellen. Die Bearbeitung einer Datenbank-Abfrage erfolgt in der Regel innerhalb einer Woche.

Bedingungen für die Abgabe von Daten

  • Schriftliche Anfrage mit Angabe des Verwendungszwecks, Koordinaten des gewünschten Gebiets oder Kartenausschnitt mit Koordinaten.
  • Die Daten bleiben im Eigentum der Vogelwarte und dürfen nur für das jeweilige Projekt verwendet werden. Nach Abschluss der Arbeit sind sie zu löschen.
  • Eine Integration der Daten in eine eigene Datenbank ist nur mit Einverständnis der Vogelwarte erlaubt.
  • Die Vogelwarte als Datenlieferantin und Beraterin muss in Berichten, Publikationen etc. deklariert werden.
  • Die Berichte oder die die ornithologischen Daten betreffenden Abschnitte müssen der Vogelwarte auf Verlangen vor Abschluss des Berichts zur Prüfung vorgelegt werden.
  • Von Publikationen ist der Vogelwarte ist ein Belegexemplar abzugeben.
  • Die Vogelwarte behält sich vor, bei Nichteinhalten dieser Auflagen keine weiteren Daten zur Verfügung zu stellen.

Entschädigung

Die meisten ornithologischen Daten werden uns von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gratis zur Verfügung gestellt; eine Entschädigung für die eigentlichen Daten muss deshalb in der Regel nicht entrichtet werden. Hingegen verrechnet die Vogelwarte ihren eigenen Aufwand. Die Entschädigung besteht aus einer Grundgebühr (Fr. 50.-/Abfrage) und einer Entschädigung des Zeitaufwands für die Bearbeitung (für Standardabfragen 120.-/h; plus MWST). Sind für das gewünschte Gebiet keine Daten vorhanden, ist die Anfrage gratis. Führt die Vogelwarte grössere Zusammenstellungen und Beurteilungen aus oder werden Daten aus speziellen Projekten verlangt, müssen Auftrag und Entschädigung vorher vereinbart werden. Für LEK- (Lebensraumentwicklungskonzept) und ÖQV- (Öko-Qualitätsverordnung) Projekte bieten wir einen speziellen Auszug der dafür benötigten Arten aus den verschiedenen Datenbanken an (Pauschalbeitrag Fr. 150.-).
Folgende Gruppen von Personen können Daten gratis oder zu reduziertem Tarif erhalten:

  • ID-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter zu ihrem persönlichen Gebrauch;
  • Studierende und wissenschaftlich Tätige an Hochschulen und ähnlichen Institutionen, falls keine Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen;
  • Naturschutzorganisationen, sofern es sich nicht um drittfinanzierte Auftragsprojekte handelt;
  • Andere Personen, die die Daten für einen nicht-kommerziellen Zweck verwenden, z.B. für wissenschaftliche Auswertungen oder für Ausbildungszwecke;
  • Auftraggeber im Rahmen der von ihnen finanzierten Projekte. Für Daten, deren Erhebung die Vogelwarte mit eigenen Mitteln finanziert hat, ist in der Regel eine Kostenbeteiligung notwendig.

Allgemeine Hinweise zu den Daten aus der ID-, Varia-, MHB- und Atlasdatenbank

Neben den Wasservogelzählungen, die separat beschrieben werden, bilden die Daten aus der ID-, der Varia-, der MHB- und der Atlasdatenbank den Hauptteil der avifaunistischen Daten der Schweizerischen Vogelwarte. Diese Daten werden im Rahmen von Monitoring-Projekten (siehe dazu das Faltblatt "Monitoring Vögel Schweiz") in erster Linie dazu erhoben, um langfristige Aussagen zur Bestandsentwicklung, zur Verbreitung und - mit Einschränkungen - zur Phänologie machen zu können. Für raumplanerische oder naturschützerische Zwecke sind sie hingegen nur bedingt geeignet. Oft empfiehlt sich der Beizug von Fachleuten und/oder Gebietskennern, damit die Daten auch korrekt interpretiert werden.
Wenn aus einem gewünschten Raum keine oder fast keine Daten vorliegen, darf daraus keinesfalls geschlossen werden, dass dort tatsächlich keine Vögel vorhanden wären. 

ID (Informationsdienst): Die ID- und die Varia-Datenbank sind von ihrer Struktur her identisch. In die ID-Datenbank fliessen nur standardisiert erhobene Daten von zumeist eher seltenen Vogelarten. Zufallsbeobachtungen beliebiger Arten, die diese Kriterien nicht erfüllen, gelangen in die Varia-Datenbank. Bei Datenbankabfragen von Dritten werden üblicherweise die Daten aus der Varia-Datenbank bei den ID-Daten ohne Aufpreis mitgeliefert. 

Verbreitungsatlas: In der Datenbank des Schweizer Brutvogelatlas (1993-96) sind Daten aus der ganzen Schweiz gespeichert, namentlich jene von systematischen Bestandserhebungen, die in rund 3000 ausgewählten Kilometerquadraten durchgeführt wurden, sowie landesweite Aufnahmen von Koloniebrütern. In der MHB-Datenbank sind Daten von Brutbestandserhebungen aus rund 450 Kilometerquadraten verfügbar. Ferner sind in dieser Datenbank auch Bestandserhebungen aus zahlreichen Feuchtgebieten (MF) vorhanden. 

Vogelarten: Registriert werden in der ID- und Varia-Datenbank rund ums Jahr gesammelte Beobachtungen von allen in der Schweiz auftretenden Arten, wobei das Schwergewicht auf den eher seltenen Arten liegt. In der MHB- und der Atlasdatenbank befinden sich hingegen nur Nachweise von zumindest potenziellen Brutvögeln in geeignet erscheinenden Bruthabitaten. 

Aufnahmejahre: In der ID- und Varia-Datenbank befinden sich Daten ab 1985; die Datenbank wird permanent weitergeführt. Einzelne seltene Arten wurden nacherfasst, so dass von ihnen alle im Archiv der Vogelwarte vorhandenen Meldungen abrufbar sind. In der MHB-Datenbank befinden sich die Ergebnisse von Bestandserhebungen in ausgewählten Kilometerquadraten, die ab 1999 durchgeführt und auch künftig fortgeführt werden. Sie werden durch Aufnahmeergebnisse in Feuchtgebieten ergänzt, wobei deren Datenreihen teilweise weiter zurückreichen. 

Geogr. Einheiten: Die Daten werden in der Regel auf Kilometerquadrat genau festgehalten.

Auszüge aus den Datenbanken

Bei komplizierteren Fragestellungen empfehlen wir zuerst eine telefonische Kontaktnahme mit dem Datenbankbetreuer, damit die dafür geeignetsten Daten selektiert werden können. Abfragen sind z.B. möglich für alle Arten, Artengruppen oder nur einzelne Arten, für einen bestimmten Zeitraum. Listen Sie uns die gewünschten Kilometerquadrate auf (bei grösserer Zahl von Kilometerquadrat in einem Excel- File, wobei die X- und Y-Koordinaten in getrennte Spalten gehören) oder geben Sie die Eckkoordinaten eines rechteckigen Kartenausschnittes an. Möglich sind auch gemeinde-, kantons- oder gebietsweise Auszüge. Geben Sie ferner an, ob Sie nur Daten von Brutvögeln oder auch jene von Gastvögeln möchten. Die Daten können als Listing in Form eines Papierauszuges, eines PDF-Dokumentes oder als Excel-Datei bezogen werden. Weitere Formate auf Anfrage. Shape- Dateien sind hingegen nicht möglich.

Interpretation der Daten

Die Bestandsangaben entsprechen in der Regel Mindestzahlen. In der ID-Datenbank sind öfters Nachweise ohne genaue Zahlenangaben (Code=0, Anzahl=0) enthalten. Sie bestätigen die Anwesenheit der Art. Nur wenn im Feld Atlascode eine 99 steht, dann bedeutet dies einen Negativnachweis, d.h. eine Art konnte trotz spezifischer Suche nicht bestätigt werden.
Bitte beachten Sie, dass nicht bei jeder Brutzeitbeobachtung automatisch auf ein gesichertes Brüten geschlossen werden kann. Oftmals handelt es sich um Brutzeitbeobachtungen in potenziell geeigneten Habitaten, ohne dass ein konkreter Brutnachweis erbracht worden wäre. In der ID- und der Varia-Datenbank gibt der sogenannte Atlascode einen Hinweis, ob es sich nur um eine mögliche, eine wahrscheinliche oder eine sichere Brut gehandelt hat. Aufgrund einzelner Meldungen aus diesen beiden Datenbanken kann in der Regel nicht auf den Gesamtbestand einer Art im betroffenen Gebiet geschlossen werden.

Da Vögel mobil sind und über grosse Territorien verfügen, werden die Beobachtungen routinemässig nur auf den Quadratkilometer genau erfasst. Für speziell interessierende Beobachtungen aus der ID- und der Varia-Datenbank müsste mit dem Melder Rücksprache genommen werden. Bei den Atlasdaten (nur Formular "grau") und den MHB-Daten liegen die Kartierungsergebnisse auch auf Kartenkopien im Vogelwarte-Archiv vor. Einzelne, speziell interessierende Beobachtungen könnten damit grundsätzlich präziser lokalisiert werden. Für solche zusätzlichen Dienstleistungen wende man sich an den Datenbankbetreuer.

Leitung

E-Mail, E-Mail (ID, Verbreitungsatlas, Monitoring Häufige Brutvögel)
E-Mail (Wasservögel)
E-Mail (Ringfunde)
E-Mail (landschaftsbezogene Daten)