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Artenförderung Braunkehlchen

Das Braunkehlchen bewohnt Blumenwiesen. Seine Zukunft hängt von einer mässigen, wenig intensiven Graslandnutzung ohne Düngung, Bewässerung und Silage ab. In der Roten Liste von 2010 wird das Braunkehlchen als verletzlich (VU) geführt.

Artenförderung Braunkehlchen

Ziele

Das Braunkehlchen ist aus den tiefen Lagen der Schweiz wegen der intensiven Grünlandbewirtschaftung weitgehend verschwunden. Heute besiedelt es noch extensiv genutzte Heuwiesen im Berggebiet. Da auch in diesen Gebieten die Bewirtschaftung der Wiesen in den letzten 20 Jahren intensiviert wurde, droht das Braunkehlchen aus weiteren Gebieten zu verschwinden. Mit dem Projekt sollen Lösungen erarbeitet werden, wie die heutigen Bestände erhalten und gefördert werden können. Ziel ist die Umkehr der negativen Bestandsentwicklung. Da das Braunkehlchen grosse, spät gemähte Wiesengebiete braucht, hängt der Erfolg der Braunkehlchenförderung von der Verteilung der Gelder in der Landwirtschaft ab. Je mehr Gelder für die Förderung der Biodiversität (Artenvielfalt) bereitgestellt werden, desto besser für das Braunkehlchen. Das Braunkehlchen ist eine der 50 Prioritätsarten im Rahmenprogramm "Artenförderung Vögel Schweiz" von der Schweizerischen Vogelwarte, dem Schweizer Vogelschutz/SVS BirdLife Schweiz und dem Bundesamt für Umwelt BAFU.

Vorgehen

In Teilprojekten werden Grundlagen für Fördermöglichkeiten für die Art erarbeitet und gemeinsam mit Landwirten umgesetzt. Projektbeispiele:

a) Einfluss von Ausgleichsflächen auf den Bruterfolg und die Populationsökologie des Braunkehlchens (Untersuchungen Ramosch GR und Geschinen VS)
b) Bestandsentwicklung in ausgewählten Gebieten (Unterengadin und Goms)
c) Umsetzung eines Braunkehlchen-freundlichen Weideregimes in Bever GR, Les Ponts-de-Martel NE und in St. Imier
d) Förderung des Braunkehlchens auf dem Plateau de Diesse, und im Unterengadin.
e) Förderung des Braunkehlchens im Obergoms: welche Massnahmen müssen ergriffen werden, damit das Braunkehlchen nicht unter die Räder der Entwicklungen in der Landwirtschaft kommt?

Bedeutung

Das Projekt soll zeigen, ob es möglich ist, Bewirtschaftungsänderungen zu Gunsten einer bedrohten Art einzuführen, wenn die Gründe für die Bedrohung der Vogelart bekannt sind. Die Massnahmen sollen in Braunkehlchengebieten in der ganzen Schweiz gelten. Wichtige Erkenntnisse haben wir in der Publikation "Bestandsrückgang des Braunkehlchens Saxicola rubetra in der Schweiz, mögliche Ursachen und Evaluation von Fördermassnahmen", im Faktenblatt Wiesenbrüter und im Fachblatt Berglandwirtschaft und Braunkehlchen zusammengestellt. Auf das Problem der verbreitet frühen Wiesennutzung macht die Medienmitteilung vom 11. Juni 2009 ("Vielfacher Vogeltod in den Wiesen") aufmerksam.

Ergebnisse

Der Versuch, die kleine Population auf dem Plateau de Diesse im Berner Jura zu retten, ist fehlgeschlagen (Berger et al. 2008). 

Das Projekt in St. Imier zeigt, dass im Rahmen von Vernetzungsprojekten wirkungsvolle Massnahmen für die Förderung des Braunkehlchens umgesetzt werden können. Voraussetzung ist eine gründliche Vorarbeit (genaue Daten zu den Vorkommen des Braunkehlchens) und eine entsprechend grosse, möglichst zusammenhängende spät gemähte Fläche (Bassin 2011).

Unsere Untersuchungen im Engadin zeigen, dass das Hauptproblem für die Braunkehlchen mit dem Management der Blumenwiesen im Talgrund zusammenhängt. Diese Wiesen werden heute (dank Düngung und zwecks Silage) nicht mehr ein- bis zweimal geschnitten, sondern zwei- bis dreimal. Der erste Schnitt erfolgt früher und zu einem Zeitpunkt, da die jungen Braunkehlchen noch im Nest sind. Die meisten Gelege werden zerstört. Es kommt sogar vor, dass die brütenden Weibchen mit dem Nest vermäht werden. Auch der zweite Schnitt der Wiesen erfolgt zu früh, nämlich dann wenn die Ersatzbruten noch im Nest sind. Und auch dieses Mal werden die meisten Nester zerstört. In höher gelegenen Flächen mit einem späten ersten Schnitt (ab 15. Juli) können 80 % der Braunkehlchen erfolgreich brüten. Doch auch in höhere Lage gibt es immer weniger Wiesen, die so lange ungemäht stehen bleiben.

In den kleinen Beständen von Bever GR und Les Ponts-de-Martel NE gehen wir einen Schritt weiter: Mit Zäunen wird die Beweidung in den Brutgebieten der Braunkehlchen während der Brutzeit verhindert. Damit soll dem Braunkehlchen zu einem besseren Bruterfolg verholfen werden. In Les Ponts-de-Martel konnte der Bestand in den letzten Jahren gehalten werden (Bericht 2011). In Bever nahm er seit 1988 ab und ist 2009 mit fünf Revieren auf dem Tiefststand (Monitoringbericht 2011)

 

Das Unterengadin und das Goms sind Hochburgen der Verbreitung des Braunkehlchens in der Schweiz. Doch auch hier nehmen die Bestandszahlen ab.

Engadin

In den landwirtschaftlichen Gunstlagen des Unterengadins wurde daher ab 2004 Nesterschutz als Sofortmassnahme eingeführt: Braunkehlchen, die sich in diesen intensiv genutzten Flächen zum Brüten niederlassen, begeben sich in eine Falle, das Nest hat eigentlich keine Erfolgschancen. Vogelinteressierte Unterengadinerinnen und Unterengadiner beobachten die Brutpaare, um herauszufinden, wo sich die Nester befinden. Sie markieren diese und vereinbaren mit dem Landwirt das Stehenlassen der Wiesen in der Nestumgebung (mindestens 1 Are). Dafür wird der Landwirt entschädigt. Diese pragmatische Massnahme soll die Landwirte für die Bedürfnisse der Wiesenbrüter sensibilisieren. Insgesamt wurden 135 Nester geschützt; 100 Nester waren erfolgreich, 25 erfolglos und der Ausgang von 10 Nestern blieb ungewiss. Hauptgründe für den Misserfolg waren Vermähen und Nestraub (Janet M. 2011).

Goms

Die Ausgangslage für das Braunkehlchen ist im Goms anders als im Engadin, denn im Goms stehen keine deutlich später schnittreifen grossflächigen Wiesen in erhöhter Lage als Ausweich- oder Ersatzlebensraum zur Verfügung. So sind die Nester überall durch eine mögliche Intensivierung der Wiesennutzung gefährdet. 2010 wurde an vier Betrieben beispielhaft untersucht, welche ökonomischen Auswirkungen ein Beibehalten eines späten Schnitttermins für die Landwirte haben würde (Schmid & Horch 2010). Daraus wurden Massnahmen und finanzielle Beiträge für eine wiesenfreundliche Bewirtschaftung abgeleitet (Flyer für Kerngebiete). 2011 konnte in Zusammenarbeit mit den Dienststellen für Landwirtschaft und für Wald und Landschaft und den in diesem Gebiet wirtschaftenden Bauern ein erstes „Kerngebiet Braunkehlchen“ in Geschinen eingerichtet werden, das durch Verträge zwischen Landwirten und Kanton für sechs Jahre gesichert ist.

Um den Konflikt der Überlappung von Brutphänologie und Ablauf der Mahd im Goms besser zu quantifizieren, wurde 2011 gemeinsam mit dem University College, London, eine Masterarbeit erarbeitet (Strebel et al. 2011). Die Untersuchungen zeigten, dass der Konflikt in den intensiver bewirtschafteten und früher gemähten Flächen im Talboden am deutlichsten zu erkennen war, während er in Wiesen auf den Lawinenkegeln oder auf der südlichen Talseite relativ gering war. Die Befunde stützen die Wahl des 15. Juli als frühesten Schnittzeitpunkt, was grundsätzlich mit den geltenden Bewirtschaftungsbedingungen für extensive Wiesen kompatibel ist. Die für einen erfolgreichen Erhalt der Braunkehlchen im Goms nötige Flächengrösse spät gemähter Wiesen ist aber nicht gesichert. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten kurzfristig weitere "Kerngebiete Braunkehlchen" eingerichtet werden. Langfristig wird nur ein ökologisch motivierter Umbau des landwirtschaftlichen Beitragssystems die Braunkehlchenbestände in den landwirtschaftlich genutzten Bergzonen retten können.

Leitung

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Donatoren

Marion J. Hofer-Woodhead-Stiftung
Schiller-Stiftung, Lachen
Alfred Vogel Stiftung, Feusisberg
Volkart Stiftung, Winterthur
Wofona Trust
Zigerli-Hegi-Stiftung
Private Donatoren

Publikationen

Grüebler, M.U., H. Schuler, M. Müller, R. Spaar, P. Horch & B. Naef-Daenzer (2008):
Female biased mortality caused by anthropogenic nest loss contributes to population decline and adult sex ratio of a meadow bird.

Spaar, R., P. Horch, M. Jenny, U. Weibel & M. Müller (2002):
Nachhaltige Berglandwirtschaft für das stark gefährdete Braunkehlchen.