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Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Avifauna der Schweiz

Klima und Bodennutzung sind die wichtigsten bestimmenden Faktoren für die Verbreitung und Häufigkeit der Vögel in der Schweiz. Wie wird sich die Avifauna unter dem Einfluss des Klimawandels und der Veränderung der Bodennutzung entwickeln? Diese Frage wird im Rahmen des Projekts ClimBird untersucht.

Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Avifauna der Schweiz

Ziele

a) Aufzeigen, welche Entwicklungen bezüglich Höhenverbreitung und Bestandsentwicklung ablaufen und für unterschiedliche Szenarien Voraussagen für die künftige Entwicklung formulieren.

b) Modellierung der aktuellen Verbreitung mit verschiedenen Techniken und Darstellung der zu erwartenden künftigen Verbreitung.

c) Entwicklung eines Index, der artweise die Verletzlichkeit gegenüber den Veränderungen wiedergibt.

Vorgehen

a) Die Bestandsentwicklung der verbreiteten und häufigen Brutvögel wird seit 1999 auf 267 1 km2 grossen Flächen im Rahmen des Projekts Monitoring Häufige Brutvögel (MHB) dokumentiert. Wir erwarten, dass gewisse Arten dank der Klimaveränderungen höhergelegene Gebiete besiedeln oder dort eine Bestandszunahme eintritt. Gegenüber der Klimaerwärmung empfindliche Arten könnten aus tiefergelegenen Gebieten verschwinden. Die Analyse der Daten des MHB wird zeigen, welche Arten entsprechend diesen Erwartungen reagieren.

b) Die vielen im Rahmen von verschiedenen Projekten (MHB, Monitoring Seltene Brut- und Gastvögel, Atlas-Projekte) gesammelten Daten erlauben die Erarbeitung von statistischen Modellen der Verbreitung mit Angaben zur regionalen Häufigkeit der Brutvogelarten. Im Projekt ClimBird wird die aktuelle Verbreitung mit verschiedenen Techniken und mit unterschiedlichen Umweltfaktoren modelliert. Die modellierten Vorkommensgebiete werden dann unter der Annahme verschiedener Szenarien für die Zukunft berechnet. Dabei werden die von anderen Institutionen untersuchten Faktoren "Bodennutzung", "Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung" und "Veränderung der Vegetation" eine grosse Bedeutung haben. Die Ergebnisse mit unterschiedlichen Annahmen für die Zukunft werden beurteilt und können als Entscheidungshilfen für die Prioritätensetzung bei der Artenförderung dienen.

c) Aufgrund der unter b) erarbeiteten Resultate werden für jede Art das aktuelle Verbreitungsgebiet und die effektiv besetzte Fläche mit der künftig zu erwartenden Situation verglichen. Das Verbreitungsgebiet und die darin effektiv besetzte Fläche sind Grössen, auf die sich die Einstufung in die Rote Liste gemäss den Richtlinien der IUCN u.a. stützt. Für die Ermittlung der effektiv besetzten Fläche werden wir eine neu entwickelte Methode verwenden, die in einem ersten Schritt die Ansprüche der Arten an die klimatischen Bedingungen berücksichtigt. Danach werden Flächen ausgeschlossen, die keine geeigneten Lebensräume enthalten.

Wir erwarten, dass sich die effektiv besetzte Fläche wegen der Klimaerwärmung gegen Norden und in grössere Höhen verlagern wird. Die Differenz zwischen den aktuellen und vorausgesagten künftig besetzten Flächen erlaubt eine Beurteilung der Empfindlichkeit einer Art gegenüber der Klimaerwärmung (Swiss Bird Vulnerability Index SBVI). Weil die Schweiz ein kleines Land ist, wird allerdings zu berücksichtigen sein, wie die Schweiz im aktuellen und künftigen Verbreitungsgebiet positioniert ist. Umfasst das Verbreitungsgebiet die Schweiz rundherum, werden die Effekte der Klimaerwärmung geringer sein, als wenn die Schweiz zu einer Randregion im Verbreitungsgebiet wird. Die künftig zu erwartende Möglichkeit der Immigration aus dem umliegenden Ausland kann mit den Daten des Climatic atlas of European breeding birds beurteilt werden.

Bedeutung

Verschiedene Vogelarten reagieren sehr empfindlich auf die aktuelle Klimaveränderung, und es lassen sich bereits jetzt Auswirkungen beobachten. Insbesondere werden das Zugverhalten sowie die Phänologie des Zuges und der Fortpflanzung z.T. sehr rasch den neuen Gegebenheiten angepasst. Bei einigen Arten lässt sich auch eine Verschiebung der Verbreitungsgebiete gegen Nordosten und in höhere Lagen beobachten.

Der 4. Bericht des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderung (IPCC) sagt voraus, dass 20-30 % der Pflanzen und Tierarten ein erhöhtes Aussterberisiko haben, wenn die Temperatur sich gegenüber dem Zeitraum 1980-1999 um mehr als 1,5 bis 2,5 °C erhöhen sollte. Der Prozentsatz könnte bei einer Temperaturerhöhung um mehr als 3,5 °C sogar 40-70 % erreichen. Aufgrund der neusten Voraussagen dürfte sich die mittlere Temperatur in der Schweiz gegenüber der Periode 1960-1990 bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um 4 °C erhöhen. Es ist deshalb dringend nötig, dass wir die zu erwartenden Auswirkungen auf Organismen beurteilen, um - wo dies möglich scheint - Massnahmen zu ergreifen. Das Projekt ClimBird soll dazu die nötigen Entscheidungsgrundlagen betreffend der Avifauna liefern.

Leitung

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Partner

Prof. Martin Beniston, Dr. Anthony Lehmann, Dr. Stéphane Goyette, «Climatic Change and Climate Impacts» Group (C3i), Universität Genf, Schweiz
Dr. Boris Schröder, Universität Potsdam, Deutschland
Dr. Niklaus Zimmermann, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Birmensdorf, Schweiz
Dr. Janine Bolliger, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Birmensdorf, Schweiz
Dr. Richard Gregory, Dr. Ruud Foppen, European Bird Census Council (EBCC)