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    Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Vogelwelt der Schweiz

    Klima und verfügbare Habitate sind die wichtigsten Faktoren, welche die Verbreitung und Häufigkeit der Vögel in der Schweiz bestimmen. Bereits sind erste Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Arten erkennbar. Zum Beispiel kehren Kurzstreckenzieher im Frühling häufig früher aus ihren Überwinterungsgebieten heim und Bergvögel ziehen sich in höhere Lagen zurück. Für gewisse Arten werden in den kommenden Jahrzehnten grössere Veränderungen vorausgesagt. Veränderungen bei Verbreitung und Bestand frühzeitig festzustellen ist wichtig, um die Gefährdung von Arten zu erkennen. Mehrere Projekte an der Vogelwarte widmen sich dieser Thematik.

    Ziele

    • Identifizieren von Vogelarten, die vom Klimawandel betroffen sind und Dokumentation der Entwicklung ihrer Höhenverbreitung, ihres Verbreitungsgebiets und ihrer Populationsgrösse
    • Studium des Auftretens von Vogelarten im Jahresverlauf (Phänologie)
    • Erforschung der Ökologie von national prioritären Arten

    Vorgehen

    Ein so weitreichendes Thema wie es die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Vogelwelt darstellen, erfordert sowohl Übersichtsanalysen der ganzen Vogelgemeinschaft wie auch detaillierte ökologische Studien von Einzelarten.

    Auswirkungen der Klimaveränderung auf Brutvögel

    Die Vogelwarte berechnet einen Index für die Anfälligkeit aller Brutvogelarten auf Klimaveränderungen. Der jährlich aktualisierte Index gibt Auskunft, wie sich die Populationen tatsächlich entwickeln. Bergvogelarten reagieren vermutlich empfindlicher auf steigende Temperaturen als Arten des Tieflandes und ziehen sich in den Alpen in höher gelegene Gebiete zurück. Umgekehrt wird bei wärmeliebenden Arten eine Zunahme vorausgesagt. Mit Monitoring- und Atlasdaten untersuchen wir, ob solche Veränderungen bereits stattfinden.

    Ökologie von Einzelarten

    Ökologische Untersuchungen an Arten sind unerlässlich, um klimabedingte Mechanismen zu identifizieren und zu verstehen. Dabei stehen Alpenvögel wie z.B. Alpenschneehuhn und Schneesperling im Vordergrund. Aufgrund ihrer Topografie beherbergt die Schweiz einen grossen Anteil an den europäischen Populationen dieser Arten und ist deshalb langfristig für deren Überleben verantwortlich.

    Phänologie

    Für Zugvögel ist es vorteilhaft, wenn sie im Frühling möglichst früh ins Brutgebiet zurückkehren, um sich die besten Habitate zu sichern. Anhand von langjährigen Datenreihen lassen sich klimabedingte Veränderungen bei den Ankunftszeiten eruieren. Darauf basierend entwickeln wir einen Phänologie-Index für Zugvögel.

    Bedeutung

    Die Klimaveränderung wurde als seine der Hauptbedrohungen für die Biodiversität über die nächsten Jahrzehnte identifiziert. Speziell in den Alpen sind Auswirkungen bereits erkennbar und werden sich in Zukunft noch verstärken. Die Schweiz hat international betrachtet eine hohe Verantwortung für das Überleben zahlreicher Bergvogelarten. Zudem wird die Schweizer Vogelwelt durch neu einwandernde und sich ausbreitende Arten zusätzlich verändert. Untersuchungen an Schweizer Brutvögeln haben deswegen eine hohe Priorität.

    Ergebnisse

    Mit Daten aus dem ‚Monitoring Häufige Brutvögel‘ konnten wir zeigen, dass innerhalb eines Jahrzehnts bereits mehr als ein Drittel der Arten bei der Höhenverbreitung einen Aufwärtstrend aufwiesen. Die Ergebnisse des Brutvogelatlas 2013–2016 werden eine vertiefte Analyse der Veränderungen in der Höhenverbreitung im Vergleich zu 1993–1996 gestatten.

    Das Schneehuhn wandert pro Dekade bis zu 100 m weiter nach oben. Topografiebedingt nimmt der zur Verfügung stehende Lebensraum gegen oben ab. Bereits konnte ein regional unterschiedlicher Rückgang der Art nachgewiesen werden. Im schweizweiten Durchschnitt liegt der Rückgang bei -13 % über 18 Jahre.

    Basierend auf ID-Meldungen untersuchten wir, ob sich die Periode der höchsten Gesangsaktivität im Frühling innerhalb der letzten zehn bis 15 Jahren verschoben hat. Gewisse Arten zeigen keine Veränderung, andere hingegen haben den Gesangsaktivitätspeak innerhalb von zehn Jahren um über zehn Tage nach vorne verschoben.

    Projektleitung

    Thomas Sattler, Hans Schmid, Lukas Jenni

    Partner

    Dr. Boris Schröder, Technische Universität Braunschweig, Deutschland
    Dr. Niklaus Zimmermann, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Birmensdorf, Schweiz
    Dr. Janine Bolliger, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Birmensdorf, Schweiz
    Dr. Richard Gregory, Dr. Ruud Foppen, European Bird Census Council (EBCC)
    Bundesamt für Umwelt BAFU

    Publikationen

    Visinoni, L., C. A. Pernollet, J.-F. Desmet, F. Korner-Nievergelt & L. Jenni (2015):
    Microclimate and microhabitat selection by the Alpine Rock Ptarmigan (Lagopus muta helvetica) during summer.
    Maggini, R., A. Lehmann, N. Zbinden, N. E. Zimmermann, J. Bolliger, B. Schröder, R. Foppen, H. Schmid, M. Beniston & L. Jenni (2014):
    Assessing species vulnerability to climate and land use change: the case of the Swiss breeding birds.
    Strebel, N., M. Kéry, M. Schaub & H. Schmid (2014):
    Studying phenology by flexible modelling of seasonal detectability peaks.
    Vittoz, P., D. Cherix, Y. Gonseth, V. Lubini, R. Maggini, N. Zbinden & S. Zumbach (2013):
    Climate change impacts on biodiversity in Switzerland: A review.
    Chamberlain, D., R. Arlettaz, E. Caprio, R. Maggini, P. Pedrini, A. Rolando & N. Zbinden (2012):
    The altitudinal frontier in avian climate impact research.
    Zbinden, N., R. Maggini, V. Keller & H. Schmid (2012):
    SBI Bird Index SBI® Climate Change.
    Maggini, R., A. Lehmann, M. Kéry, H. Schmid, M. Beniston, L. Jenni & N. Zbinden (2011):
    Are Swiss birds tracking climate change? Detecting elevational shifts using response curve shapes.