Konflikte Vögel - Mensch
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    Vögel und Golfplätze

    Wie naturverträglich ist der boomende Golfsport? Die Schweizerische Vogelwarte Sempach wollte es wissen und untersuchte deshalb verschiedene Golfplätze.

    Ziele

    Golfpromotoren weisen gerne darauf hin, dass Golfplätze auch wertvoll für Pflanzen und Tiere sein können, aber Beweise für diese Behauptung sind noch kaum je erbracht worden. Deshalb wollten wir in unserem Projekt Antworten auf folgende Fragen finden.

    a) In welchen Landschaften ist es verantwortbar, Golfplätze zu errichten? Wo wäre der Schaden für die Natur zu gross?
    b) Wie reagieren Brutvogelbestände auf den Bau von Golfplätzen?
    c) Ist es möglich, dass ein Golfplatz neben seiner Funktion als Spielfläche auch Lebensraum für anspruchsvollere Tier- und Pflanzenarten bieten kann?
    d) Können auf einem Golfplatz bei optimaler Pflege und Gestaltung Naturschutzziele erreicht werden?

    Vorgehen

    Beim Bau des Golfplatzes Holzhäusern (Kanton Zug), welcher auf vormals intensiv landwirtschaftlich genutztem Land verwirklicht wurde, sind zahlreiche naturnahe Lebensräume geschaffen worden. Wir untersuchten die Wirkung dieser Massnahmen auf Tiere und Pflanzen. Anzahl und Lage der Brutvogelreviere sowie das Artenspektrum und -potenzial der Reptilien, Amphibien, Tagfalter, Laufkäfer, Heuschrecken und Libellen wurden ein Jahr nach Fertigstellung des Golfplatzes (1996) untersucht. Brutvögel und Landschaftselemente wurden zusätzlich auf einer vergleichbaren Referenzfläche im intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiet kartiert. Aufgrund dieser Erhebungen wurden insgesamt 34 Naturziele für den Golfplatz formuliert. In den Jahren 2001–2003 wurde bei allen Naturzielen geprüft, ob sie erreicht wurden. Parallel dazu wurden auf weiteren Golfplätzen Brutvogelbestandsaufnahmen durchgeführt und eine umfassende Literaturrecherche durchgeführt.

    Bedeutung

    Golf ist unbestritten die Sportart mit dem grössten Landverbrauch pro Sportler, und seit 1990 wurden in der Schweiz mehr Golfplätze gebaut, als in allen früheren Zeiten zusammengenommen. Das Projekt gibt die erste Übersicht über das aktuelle Wissen zum Thema Vögel auf Golfplätzen aufgrund einer Literaturrecherche und eigenen Brutvogel-Bestandsaufnahmen auf drei Golfplätzen. Zum Thema Vögel auf Golfplätzen gibt es erst sehr wenig publizierte Daten aus Mitteleuropa. Insgesamt liegen für diese Untersuchung nur von 13 Golfplätzen fundierte Brutvogellisten vor. Nur in fünf Fällen ist ein Vergleich mit der Umgebung bzw. mit dem Ausgangszustand vor dem Bau des Golfplatzes möglich. Populationsökologische Studien auf Golfplätzen fehlen bis anhin vollständig.

    Ergebnisse

    Vergleichende Daten zum Vorkommen von Brutvögeln und anderen Artengruppen auf Golfplätzen und in deren Nachbarschaft sind in Europa sehr selten. Trotzdem wird klar, dass Golfplätze in einer naturnahen Umgebung aus Naturschutzgründen sehr problematisch sind. Selbst in intensiv genutzten Landschaften braucht ein Golfplatz genügend ökologische Ausgleichsflächen, damit er als Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzengemeinschaft dienen kann. Golfplätze, die in einer intensiv genutzten Umgebung liegen und mindestens einen Drittel ökologische Ausgleichsflächen aufweisen, können für Vögel als Lebensräume attraktiv sein.

    Auf dem Golfplatz Holzhäusern wurden von den 34 gesetzten Naturzielen bis im Jahr 2003 deren 14 vollständig erreicht oder übertroffen, 8 Ziele wurden knapp, die übrigen 12 mehr oder weniger deutlich verfehlt. Der durchschnittliche Zielerreichungsgrad betrug 71,5 %. Artenspektrum, Artenzahl und Individuendichte haben sich vor allem bei den gewässer- und gehölzgebundenen Artengruppen (Libellen, Amphibien, Heckenbrüter und Wasservögel) sowie bei den Tagfaltern positiv entwickelt.

    Die Schweizerische Vogelwarte Sempach hat ein Positionspapier Golfplätze über Planung und Unterhalt von Golfplätzen erarbeitet.

    Projektleitung

    Roman Graf, Simon Birrer

    Partner

    Migros Genossenschafts-Bund
    Klubschule Migros Luzern
    Golfplatz Holzhäusern
    Carabus Naturschutzbüro Luzern
    Heinz Bolzern, Büro für Naturschutzökologie, Luzern

    Publikationen

    Graf, R., H. Bolzern & T. Röösli (2004):
    Können auf Golfplätzen Naturschutzziele erreicht werden?