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    Rohrkolben

    Mit dem Anbau von Rohrkolben sollen gleichzeitig ein Rohstoff produziert und ein Feuchtgebiet als Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen werden. Das Projekt erprobt die technische Machbarkeit und evaluiert die Wirkung auf die Natur.

    Ziele

    Der Rohrkolben ist eine einheimische Pflanzenart, die schon seit Jahrhunderten für verschiedenste Zwecke wie zur Energiegewinnung, in der Humanmedizin (Watteersatz), als Nahrung und zum Lehmbau genutzt, aber bisher kaum kommerziell angebaut wurde. In Geuensee im Kanton Luzern existiert allerdings eine kleinflächige Versuchsanlage, und es gibt positive Erfahrungen aus Bayern und Estland. Da der Rohrkolben in Mitteleuropa auf periodisch überschwemmten, schlammig-nährstoffreichen Böden die natürliche Vegetationgesellschaft bildet, wäre ein Anbau auf wiedervernässten Landwirtschaftsböden problemlos möglich. Die Rohrkolbenfelder sind mit "natürlichen" Sümpfen morphologisch nahezu identisch und könnten so auch wichtige Lebensraumfunktion für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten übernehmen.

    Die Schweizerische Vogelwarte hat in ihrem Projektgebiet Wauwiler Ebene, zusammen mit Partnern ein Rohrkolben-Versuchsfeld angelegt. Dabei soll untersucht werden, wie diese neue Kultur bewirtschaftet werden muss (Erntezeitpunkt, -methode, Überschwemmungsdauer), damit Wildtiere und Pflanzen optimal profitieren können. Die neuen Rohrkolbenfelder sollen das heute noch spärliche Feuchtgebietsangebot in der Wauwiler Ebene erweitern und so der bedrohten Fauna und Flora der Sumpfgebiete neuen Lebensraum zur Verfügung stellen.
    In einem Parallelprojekt, welches von der Seecon GmbH initiiert und von der Stiftung RegioPlus finanziert wird, soll eine Vermarktungskette für Rohrkolbenprodukte etabliert und die Testproduktion von Rohrkolben-Baumaterialien (Dämmstoffe, Rohrkolbenputze, Matten) aufgebaut werden.

    Vorgehen

    Als Standort wurde ein 1 ha grosses, an das Naturschutzgebiet angrenzendes Gebiet ausgewählt. Eine nahe Pumpstation des Meliorationswerks wurde so umgebaut, dass das zukünftige Feld dosiert mit Wasser beschickt werden kann. Der Humus in den Randbereichen musste abgestossen und zu niedrigen, randlichen Grenzdämmen aufgeschichtet werden, damit nachbarliche Parzellen nicht durch Vernässungen beeinträchtigt werden. Das Rohrkolbenfeld wurde mit Rohrkolbensamen eingesät.
    Ein wissenschaftliches Beobachtungsprogramm wurde installiert. Die Auswirkungen verschiedener Einstau- und Bewirtschaftungsmassnahmen auf Vögel, Amphibien und Libellen wurden von der Schweizerischen Vogelwarte untersucht.

    Bedeutung

    Im Projekt kann die Wirkung einer innovativen landwirtschaftlichen Idee für gefährdete Tier- und Pflanzenarten dokumentiert werden. Es könnten sich Möglichkeiten eröffnen, in mehreren zur Wieder-Vernässung neigenden, ehemaligen Riedgebieten der Schweiz (z.B. Orbe-Ebene, Berner Seeland, St. Galler Rheintal, Linthebene) als Alternative zu teuren Restaurationsarbeiten an den Meliorationswerken eine landwirtschaftliche Kultur mit positiven ökologischen Auswirkungen zu etablieren. Ganz neue Möglichkeiten für den Schutz der Fauna der Feuchtgebiete werden eröffnet. Die faunistischen Untersuchungen der Vogelwarte zeigten, dass Rohrkolbenfelder insbesondere auf Libellen, Amphibien, Rallen, Schwimmenten und kleinere Reiherarten sehr positive Auswirkungen haben können. So siedelten sich im Rohrkolbenfeld Wauwilermoos alle vier regelmässig in der Schweiz brütenden Rallenarten an. Nebst Knäk- und Krickenten sind auch Zwergdommel und Nachtreiher öfters anzutreffen. Sie nutzen wohl das grosse Nahrungsangebot, das sich in Form eines sehr grossen Wasserfroschbestands, im Rohrkolbenfeld in kurzer Zeit entwickelt hat.

    Ergebnisse

    Die faunistischen Untersuchungen der Vogelwarte zeigten, dass Rohrkolbenfelder insbesondere auf Libellen, Amphibien und Vögel (vor allem Rallen, Schwimmenten und kleinere Reiherarten) positive Auswirkungen haben können. So siedelten sich im Rohrkolbenfeld Wauwilermoos alle vier regelmässig in der Schweiz brütenden Rallenarten an. Nebst Knäk- und Krickenten sind auch Zwergdommel und Nachtreiher des öfteren anzutreffen. Sie nutzen wohl das grosse Nahrungsangebot, das sich in Form eines sehr grossen Wasserfroschbestands im Rohrkolbenfeld in kurzer Zeit entwickelt hat.

    Projektleitung

    Roman Graf, Petra Horch

    Partner

    Seecon GmbH, Wolhusen
    Strafanstalt Wauwilermoos

    Donatoren

    Zigerli-Hegi-Stiftung

    Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO unterstützt das Projekt im Rahmen des Impulsprogramms zur Unterstützung des Strukturwandels im ländlichen Raum (Regio Plus).