Lebensräume
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    Lebensraumverbundsystem St. Galler Rheintal

    Die reichen Naturwerte des St. Galler Rheintals sollen untereinander vernetzt und langfristig gesichert werden.

    Ziele

    Im St. Galler Rheintal erprobt die Schweizerische Vogelwarte Sempach verschiedene Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt im Kulturland. Mit Blumenwiesen und Buntbrachen in Kombination mit Gebüschgruppen sollen Schwarzkehlchen, Dorngrasmücke, Neuntöter und Goldammer angelockt werden. Von Säumen entlang von Grabenböschungen oder am Rand von Ackerland sollen Sumpfrohrsänger, Schwarzkehlchen und Goldammer profitieren.

    Die Fördermassnahmen werden begleitet von wissenschaftlichen Untersuchungen und einer laufenden Erfolgskontrolle. Folgende Fragen stehen im Vordergrund:

    • Wie verändern sich die landwirtschaftliche Nutzung, die Landschaft und die Vogelbestände über die Jahre?
    • Beeinflussen die Lebensraumaufwertungen die Bestände und Zusammensetzung der Brutvogelarten?
    • Welche Massnahmen braucht es in welcher Quantität und Qualität, damit Vogelbestände im Grünland/Mischwirtschaftsgebiet positiv reagieren?
    • Wie lassen sich zusätzliche naturnahe Strukturen realisieren?

    Vorgehen

    In Zusammenarbeit mit Landwirten werden qualitativ hochwertige Biodiversitätsförderflächen angelegt. Dazu gehören Buntbrachen, Säume, Hecken, Blumenwiesen und Kleingewässer. Mit dem Angebot einer gesamtbetrieblichen Beratung sollen die Landwirte motiviert werden, weitere Flächen ökologisch vielfältig zu bewirtschaften.

    Seit 2004 läuft zwischen Rietaach, Dreibrücken, Kriessern und Dürrenbach ein Vernetzungsprojekt gemeinsam mit der Landwirtschaft. Es werden Blumenwiesen und Brachen neu angesät und Kleingewässer und Gebüschgruppen neu geschaffen.

    Im Rahmen der laufenden Erfolgskontrolle werden jedes Jahr die getroffenen Massnahmen kartiert, alle zwei Jahre die Vogelbestände in einem Teilbereich erfasst und alle 5–10 Jahre die Landschaftsveränderungen festgehalten.

    Bedeutung

    Die ökologische Vielfalt des St. Galler Rheintals ist auch heute noch hoch. Kerngebiet ist das Schollenriet, ein ehemaliges Torfabbaugebiet mit einer aussergewöhnlichen Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Das 53 Hektaren grosse Naturschutzgebiet gilt heute als Flachmoor und Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Trotz seiner beachtlichen Grösse reicht diese "Naturinsel" zur Erhaltung der aktuellen Tier- und Pflanzenvielfalt nicht aus. Für überlebensfähige Populationen müssen über das ganze Tal verteilt neue naturnahe Lebensräume entstehen.

    Ergebnisse

    Ausserhalb der Naturschutzgebiete sind in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft über 90 ha naturnahe Lebensräume neu geschaffen oder ökologisch aufgewertet worden. Dank den Renaturierungen brütete das Weisssternige Blaukehlchen 2006 erstmals im St. Galler Rheintal. Dies ist eine echte Sensation, gab es doch zuvor erst eine einzige Brut in der Schweiz am Neuenburgersee im Jahre 1927! Von den Aufwertungen profitiert haben ferner Neuntöter, Schwarzkehlchen, Teichrohrsänger, Goldammer und Rohrammer.

    Projektleitung

    Petra Horch, Roman Graf

    Partner

    Verein Pro Riet Rheintal
    Ökobüro Hugentobler, Altstätten

    Publikationen

    Rudin, M., P. Horch, I. Hugentobler, U. Weber & S. Birrer (2010):
    Bestandsentwicklung von Brutvögeln im ökologisch aufgewerteten St. Galler Rheintal.
    Holzgang, O. & H.P. Pfister (2003):
    Der Feldhase im Alpenrheintal.