Lebensräume
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    Lebensraumverbundsystem Wauwilermoos

    Die Wauwiler Ebene wird seit 1995 unter fachlicher Begleitung der Schweizerischen Vogelwarte ökologisch aufgewertet. Es werden neue Methoden und Typen von Biodiversitätsförderflächen getestet. Ausserdem werden Grundlagen für die fachgerechte Pflege und die Aufwertung der vorhandenen Naturschutzgebiete bereitgestellt.

    Ziele

    • Auf Ziel- und Leitarten ausgerichtete Pflege und Bewirtschaftung des Naturraums Wauwiler Ebene, d.h. Förderung des Lebensraums und Fortpflanzungserfolgs von Kiebitz, Feldlerche, Sumpfrohrsänger, Goldammer, Feldhase und 24 weiteren Ziel- und Leitarten
    • Sachgerechte Umsetzungs- und Wirkungskontrolle der geplanten bzw. durchgeführten Massnahmen
    • Austesten neuer Massnahmen im von Futteranbau dominierten Kulturland
    • Monitoring der Landschaftsentwicklung

    Vorgehen

    Mit Hilfe eines Vernetzungsprojekts, das von den umliegenden Gemeinden getragen wird und in welchem die Schweizerische Vogelwarte die Projektleitung innehat, sollen möglichst viele spezifische Massnahmen für den Schutz von Vogelarten des eher feuchten offenen Kulturlandes (z.B. Kiebitz, Sumpfrohrsänger) umgesetzt werden. Dabei ist das Schaffen temporär vernässter Standorte besonders wichtig.

    Ergebnisse

    Inzwischen wurde die zweite, sechsjährige Projektphase abgeschlossen, und die dritte läuft bereits. Der Anteil der naturnahen Lebensräume hat seit Projektbeginn von 4,4 auf 11,4 % (2014) zugenommen. Den grössten Flächenzuwachs erreichten die artenreichen Wiesen (von 12 auf 107,5 ha). Ebenfalls stark zugenommen (von 8 auf 20) haben die stehenden Kleingewässer (Teiche, Tümpel, Weiher). Die Anzahl der Hecken hat sich von 55 auf 119 gesteigert. Die meisten Zielorganismen reagierten positiv auf diese Veränderungen. Insgesamt konnte die Anzahl der Landwirtschaft-Indikatorarten von 11 auf 18 gesteigert, ihre Revierzahl mehr als verdoppelt werden. So hat die Goldammer stark zugenommen, und der Feldhase zeigt seit kurzem einen Aufwärtstrend. Sumpfrohrsänger und Feldlerche können sich mit schwankenden Beständen immerhin auf tiefem Niveau halten. Der Kiebitz konnte sowohl Bestand (von ca. 10 auf 60 Paare) als auch Bruterfolg bedeutend steigern, die Ringelnatter hat sich vom Westteil aus wieder auf die ganze Ebene ausgebreitet. Lauchschrecke, Sumpfschrecke und weitere Heuschreckenarten haben aus Refugien heraus wieder einen grossen Teil der Ebene besiedelt. Ihre Bestände stabilisierten sich, wenn auch auf teilweise geringem Niveau.

    Welche Vogelarten wurden in der Wauwiler Ebene seit 1999 beobachtet?

    Das Schutz-, Gestaltungs- und Nutzungskonzept für das Reservat Wauwilermoos aus dem Jahr 2002 wurde 2012 vollständig überarbeitet. Im Winter 2009/10 wurden Pumpteiche von ca. 3 ha Fläche geschaffen. Dafür wurde ein Kanal ausgehoben und das Aushubmaterial an dessen Ufer als Damm deponiert. Im Sommerhalbjahr wird die so entstandene Fläche mit Wasser gefüllt. Das Wasser stammt von der Entwässerung des Landwirtschaftsgebietes und wird mittels einem Pumpwerk in den Teich gefüllt. Zu den Zugzeiten der Watvögel kann das Wasser teilweise, im Winter ganz abgelassen werden, damit das Schilf in den Poldern gemäht werden kann. 2015 konnte die baufällige Beobachtungs- und Beringungshütte am Nordrand des Reservats durch einen Neubau ersetzt werden, der nun auch dem Publikum permanent offen steht. Nördlich davon werden im Winter 2016/2017 Flutmulden gebaut, um die Attraktivität der Flächen für durchziehende Watvögel zu erhöhen.

    Projektleitung

    Roman Graf

    Publikationen

    Duss, M., K. S. Meichtry-Stier, G. Pasinelli, B. Baur & S. Birrer (2012):
    Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken.