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    Mit Vielfalt punkten - Bauern beleben die Natur

    Im Projekt "Mit Vielfalt punkten - Bauern beleben die Natur" werden innovative Instrumente entwickelt, die Landwirte zu einer Förderung der Biodiversität anregen sollen. Gleichzeitig werden mit Hilfe dieser Instrumente Landwirtschaftsbetriebe aufgewertet (Fallbeispiele). Zudem soll die Idee einer "naturfreundlichen Produktion" bei Landwirten, Bevölkerung und politischen Entscheidungsträgern bekannt gemacht werden.

    Vorgehen

    Als erstes wurde ein Punktesystem entwickelt, welches die Leistungen der Landwirte zur Förderung der Biodiversität bewertet. Dieses Punktesystem dient den Landwirten zur Selbstevaluation ihrer ökologischen Leistung. Um die Wirksamkeit des Punktsystems zu bewerten, prüften wir auf 133 Betrieben, ob die mittels Punkten bewertete Leistung eines Betriebs effektiv mit der Artenvielfalt korreliert.

    Daneben untersuchen wir, ob eine gesamtbetriebliche Beratung dazu führt, dass Landwirte auf ihren Höfen mehr und gezieltere Massnahmen zu Gunsten der Biodiversität umsetzen. Als Beratungshilfe wurde ein Leitartensystem entwickelt. Dieses sensibilisiert die Landwirte und unterstützt und motiviert sie zur Umsetzung von Massnahmen zur ökologischen Aufwertung ihrer Betreib. Die Erfahrungen aus dem Projekt fliessen laufend in die Weiterbildung und Beratung der Landwirte ein.

    Bedeutung

    Eine naturfreundliche Landwirtschaft ist für das Überleben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten von existenzieller Bedeutung. Ohne die typischen Tier- und Pflanzenarten des Kulturlandes würde dies zur reinen Produktionsfläche für Agrarerzeugnisse verkommen. Mit einer naturfreundlichen Landwirtschaft entwickelt sich für die Bevölkerung eine belebtere Umwelt mit erlebnisreichen Landschaften und mehr Lebensqualität.

    Das vorliegende Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau durchgeführt. In Partnerschaft mit den Labelorganisationen IP-Suisse (20'000 Landwirte) und Bio Suisse (6'000 Landwirte) verfolgen wir das Ziel, die Tier- und Pflanzenvielfalt im Kulturland optimal zu fördern. IP-Suisse und Bio Suisse bewirtschaften zusammen mehr als ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz. Es besteht also eine einmalige Chance, grossflächig eine naturfreundliche Landwirtschaft zu fördern. Mit dem vorgestellten Ansatz für eine naturfreundliche Landwirtschaft nimmt die Schweiz eine Vorreiterrolle im Bereich der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen erlangen ein. Die Erkenntnisse des Projekts werden die Weiterentwicklung der Schweizerischen Agrarpolitik befruchten und so noch grössere, flächige Wirkung entfalten.

    Ergebnisse

    Seit 2009 liegt das Punktesystem in je einer Version für das Tal- und das Berggebiet vor. Auf 133 Landwirtschaftsbetrieben haben wir in den Jahren 2009–2011 geprüft, ob die Zahl der Punkte eine Aussage zur Biodiversität erlaubt. Wir kennen von allen Betrieben die Punktezahl, die angebauten Kulturen, die Biodiversitätsförderflächen sowie deren Qualität. Zudem haben wir auf der ganzen Betriebsfläche Pflanzen, Heuschrecken, Tagfalter und Brutvögel kartiert. Insgesamt zeigte sich, dass das Punktesystem ein einfach zu erfassender Indikator ist, und dass eine gute Korrelation zwischen der Punktezahl und der auf dem Betrieb vorhandenen Biodiversität besteht (Birrer et al. 2014, Zellweger et al. 2016).

    Von den Betrieben, die wir 2009 untersuchten, erhielten im Anschluss 24 Betriebe eine gesamtbetriebliche Beratung. Zuerst erfassten die Beraterinnen und Berater das ökologische Potenzial der Betriebe. Danach entwickelten sie gemeinsam mit den Bewirtschaftenden konkrete Aufwertungsmassnahmen und analysierten die damit verbundenen betriebswirtschaftlichen Auswirkungen. Lag Einigkeit vor, unterzeichneten beide Seiten eine Vereinbarung über die bis 2015 zu realisierenden Aufwertungen. Bei der Beratung hat sich das im Rahmen des Projekts entwickelte Leitartensystem als wertvolles Instrument erwiesen. Gemäss dieser Vereinbarungen sollte die Fläche der Biodiversitätsförderflächen von 8,9 auf 13,5 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche steigen. Die Fläche der Biodiversitätsfördermassnahmen mit Qualitätsstufe II sogar von 3,3 auf 8,5 %. Eine Zwischenevaluation im Jahr 2012 hat gezeigt, dass die meisten der vorgesehenen Massnahmen umgesetzt wurden. 2015 wurden alle Kartierungen auf den 24 beratenen und den 24 Kontroll-Betrieben wiederholt. Die Auswertungen laufen zurzeit noch.

    Die IP-SUISSE hat sich entschieden das Punktesystem einzusetzen. Die Richtlinien der IP-Suisse verlangen, dass die Labelproduzenten eine Mindestpuntkzahl erreichen. Die Migros, Hauptabnehmerin von IP-Suisse Produkten, vermarktet diese unter dem Label TerraSuisse. Die Vogelwarte berät IP-SUISSE und Migros bei der Weiterentwicklung dieses Labels im Bereich Biodiversität und ist für die Wirkungskontrolle zuständig (siehe Projekt TerraSuisse). Auch BIO SUISSE hat Ende 2012 einen Massnahmenkatalog Biodiversität verabschiedet, der sich stark an das Punktesystem anlehnt. Alle Knospe-Betriebe müssen mindestens 12 Massnahmen aus diesem Katalog erfüllen.

    Das Projekte lieferte vielfältige, praktische Erfahrungen, z.B. wie und wo Biodiversitätsförderflächen am besten angelegt werden oder mit welchen Massnahmen Landwirte ihre Biodiversitätsleistungen gegenüber den Konsumenten besser sichtbar machen können. Von diesen Erfahrungen sollen auch andere Betriebe und Beratende profitieren können. Mit dem Handbuch "Förderung der Biodiversität auf dem Landwirtschaftsbetrieb" haben wir deshalb ein umfassendes Hilfsmittel für die Umsetzung von biodiversitätsfördernden Massnahmen auf Betrieben entwickelt.

    Punktesystem Tal
    Punktesystem Berg
    Anleitung zum Punktesystem
    Flyer "Mit Vielfalt punkten"
    Vollständige Liste der Publikationen aus dem Projekt

    Projektleitung

    Simon Birrer, Markus Jenny
    in Zusammenarbeit mit Lukas Pfiffner und Sibylle Stöckli, Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL

    Partner

    IP-SUISSE
    BIO SUISSE

    Donatoren

    Bundesamt für Landwirtschaft BLW
    Bundesamt für Umwelt BAFU
    MAVA Stiftung
    ERNST GÖHNER STIFTUNG
    AVINA STIFTUNG
    Sophie und Karl Binding Stiftung
    STIFTUNG DREIKLANG
    Vontobel-Stiftung
    Paul Schiller Stiftung
    Stiftung Temperatio
    Hamasil-Stiftung
    Strafin-Foundation
    Anna Maria und Karl Kramer-Stiftung

    Publikationen

    Zellweger-Fischer, J., P. Althaus, S. Birrer, M. Jenny, L. Pfiffner & S. Stöckli (2016):
    Biodiversität auf Landwirtschaftsbetrieben mit einem Punktesystem erheben.
    Birrer, S., R. Bircher, V. Chevillat, R. Graf, D. Hagist, R. Home, M. Jenny, L. Pfiffner, S. Stöckli, B. Steinemann, G. Weidmann & J. Zellweger-Fischer (2015):
    Mit Vielfalt punkten - Bauern beleben die Natur - Jahresbericht 2015.
    Zellweger-Fischer, J., S. Birrer, M. Jenny, S. Stoeckli & L. Pfiffner (2015):
    A Credit Point System for assessing and enhancing biodiversity at the farm scale - and beyond.
    Birrer, S., J. Zellweger-Fischer, S. Stoeckli, F. Korner-Nievergelt, O. Balmer, M. Jenny & L. Pfiffner (2014):
    Biodiversity at the farm scale: A novel credit point system.
    Birrer, S., V. Chevillat, R. Graf, D. Hagist, R. Home, M. Jenny, L. Pfiffner, S. Stöckli & J. Zellweger-Fischer (2014):
    Mit Vielfalt punkten - Bauern beleben die Natur. Jahresbericht 2014.
    Home, R., O. Balmer, I. Jahrl, M. Stolze & L. Pfiffner (2014):
    Motivations for implementation of ecological compensation areas on Swiss lowland farms
    Birrer, S., M. Jenny, F. Korner-Nievergelt, K. Meichtry-Stier, L. Pfiffner, J. Zellweger-Fischer & J.L. Zollinger (2013):
    Ökologische Vorrangflächen fördern Kulturlandvögel
    Jenny, M., J. Zellweger-Fischer, O. Balmer, S. Birrer & L. Pfiffner (2013):
    The credit point system: an innovative approach to enhance biodiversity on farmland.
    Jenny, M., S. Stöckli, S. Birrer & L. Pfiffner (2013):
    Mit Vielfalt punkten. Bauern messen Biodiversität.
    Chevillat, V., O. Balmer, S. Birrer, V. Doppler, R. Graf, M. Jenny, L. Pfiffner, C. Rudmann & J. Zellweger-Fischer (2012):
    Gesamtbetriebliche Beratung steigert Qualität und Quantität von Ökoausgleichsflächen.
    Jahrl, I., C. Rudmann, L. Pfiffner & O. Balmer (2012):
    Motivationen für die Umsetzung von Ökoausgleichsmassnahmen.
    Pfiffner, L. & R. Graf (2010):
    Mit Leitarten die Vielfalt fördern.