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    Fortpflanzungsökologie der Rauchschwalbe

    Besonders in der Fortpflanzungszeit sind Rauchschwalben von gutem Nahrungsangebot abhängig. Der Energiebedarf der aufwachsenden Brut ist enorm. Im Projekt wird der Einfluss von Wetter- und Lebensraumeigenschaften auf den Bruterfolg und die Kondition der Jungen untersucht. Die elterlichen Leistungen beeinflussen die Überlebenschancen der Jungvögel im ersten Jahr entscheidend.

    Ziele

    Dieses Projekt dient der Untersuchung der Nahrungsökologie einer typischen Vogelart der Feldflur. Wir fragen, mit welcher Strategie Rauchschwalben das Verhältnis von Aufwand und Ertrag für die Futtersuche optimieren, wie sie ihre Zeit und Energie einsetzen, um möglichst erfolgreich zu brüten und genügend lebenstüchtige Junge aufzuziehen.

    Vorgehen

    Das Untersuchungsgebiet in der Ebene von Wauwil im Kanton Luzern ist für die Kulturlandschaften des Mittellandes typisch. An den 60 einbezogenen Höfen brüteten 1998–2004 rund hundert Rauchschwalbenpaare. Die Entwicklung der Schwalbennestlinge, das Angebot an Schwalbennahrung in den landwirtschaftlichen Kulturen und die Wetterbedingungen wurden detailliert aufgezeichnet.

    Ergebnisse

    Zu zweit bringen die Schwalbeneltern täglich 250–350 Futterportionen mit 15 bis 20 Insekten ans Nest. Bis zum Ausfliegen der Jungen sind dies 100'000 Fliegen und Mücken, was gut einem Kilo Insektenfutter entspricht. Damit die Altvögel so viel Futter beschaffen können, braucht es rings um den Standort gute Nahrungsquellen. Heckenränder, hochstämmige Obstgärten, Einzelbäume und Viehweiden haben sich als optimale Jagdgebiete erwiesen. Hier finden die Rauchschwalben zwei- bis dreimal mehr Insekten als auf Wiesen und in Äckern.

    Bei Regenwetter, wenn sehr wenige Insekten fliegen, finden die Rauchschwalben ihr Futter vor allem im Stall, unter dem Blätterdach von Bäumen oder entlang von Hecken und über Gewässern. In solchen Situationen bringen die Eltern aber nur halb so viele Mahlzeiten ans Nest. Die Nestlinge zehren in dieser Phase von ihren Fettreserven und können so 1–3 Regentage unbeschadet überstehen. Doch bei einer längeren Schlechtwetterperiode sterben viele Jungvögel. Im Juli 2001 verhungerten 40 % der Bruten im Untersuchungsgebiet.

    Projektleitung

    Luc Schifferli, Beat Naef-Daenzer

    Partner

    Universität Bern
    Université de Genève
    Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

    Donatoren

    Migros-Genossenschaft (Welttiertag)
    Ella und J. Paul Schnorf-Stiftung
    Stiftung für Suchende
    Privatpersonen

    Publikationen

    Schifferli, L., M.U. Grüebler, H.A.J. Meijer, G.H. Visser & B. Naef-Daenzer (2014):
    Barn Swallow Hirundo rustica parents work harder when foraging conditions are good.
    Jenni-Eiermann, S., E. Glaus, M.U. Grüebler, H. Schwabl & L. Jenni (2008):
    Glucocorticoid response to food availability in breeding barn swallows (Hirundo rustica).