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    Gartenrotschwanz

    Der Gartenrotschwanz ist in der Schweiz zwar noch weit verbreitet, aber nur noch in ganz wenigen Regionen häufig. Seine Bestände haben seit 1990 stark abgenommen.

    Ziele

    Die Untersuchung soll zeigen, wie wichtig in Obstgärten Flächen mit lückiger Vegetation für die Ansiedlung und den Nahrungserwerb des Gartenrotschwanzes sind. Die Ergebnisse der Masterarbeit sollen in einem Merkblatt zur Information und Instruktion von Landwirten bereitgestellt werden.

    Vorgehen

    Die Untersuchungen erfolgten auf drei Stufen:
    1. Abklärung, ob in besetzten Gartenrotschwanzrevieren mehr Fläche von lückiger Bodenvegetation bedeckt ist als in unbesetzten Kontrollflächen derselben Obstgärten. Dabei wird die Bodenvegetation im Umkreis von 50 m um das besetzte Nest (Revier) resp. um eine mögliche Brutstelle (Kontrollfläche) beschrieben.
    2. Anlage von insgesamt 10 vegetationsarmen Flächen (mit einer Bodenfräse bearbeitete Flächen) in einem Gebiet mit bekannten Vorkommen von mehreren Gartenrotschwanzpaaren (Bruderholz-Süd, BL). An der Grenze zwischen der vegetationsarmen Fläche zur umgebenden dichten Wiese werden Pfähle als Warten angeboten. An einzelnen Orten wurde die Attraktivität (aller Flächen) zusätzlich mit Mehlwürmern erhöht. Ermittlung der Bevorzugung/Meidung der vegetationsarmen resp. der dicht bewachsenen Fläche.
    3. Experimente mit Gefangenschaftsvögeln: Es wurden in Volieren Flächen mit unterschiedlicher Vegetationsstruktur (dichter Grasbestand, lückige Vegetation, erstjährige Buntbrache) und unterschiedlicher Nahrungsdichte angeboten und protokolliert, welche für die Nahrungsaufnahme bevorzugt werden. Als Nahrung werden Mehlwürmer verwendet. Die Experimente wurden mit Jungvögeln aus Zuchten 2006 im Laufe des Spätsommers durchgeführt.

    Bedeutung

    Obstgärten und Streuobstbestände sind landschaftsprägende Elemente des traditionell bewirtschafteten Kulturlandes. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich mit der Intensivierung der Grünlandnutzung die Lebensraumsituation in Obstgärten für die ehemals typischen Brutvogelarten dieses Lebensraums grundlegend verschlechtert. Wiedehopf, Steinkauz, Wendehals und Rotkopfwürger sind grossräumig verschwunden. Es spricht vieles dafür, dass neben dem Rückgang der Obstgärten ein weiterer wichtiger Grund für den Rückgang der typischen Obstgartenvögel die Nahrungsgrundlage ist. Dabei ist vor allem für den Gartenrotschwanz nicht in erster Linie die vorhandene Biomasse ausschlaggebend, sondern die Erreichbarkeit von Beutetieren.

    Ergebnisse

    Die Beobachtungen zum Nahrungsverhalten an Gartenrotschwänzen konnte erfolgreich durchgeführt werden. Insgesamt konnten 24 Gartenrotschwanzreviere und 24 Kontrollflächen verglichen werden. In den Feldexperimenten konnten von 7 Individuen Daten erhoben werden. In den Experimenten mit Gefangenschaftsvögeln wurden 9 Individuen beobachtet.

    Der Flächenanteil an lückiger Vegetation ist in den Revieren rund dreimal höher als in nicht besetzten Kontrollflächen. Wie vermutet, nutzen die Gartenrotschwänze die lückigen Vegetationsflächen deutlich häufiger als die hohe, dichte Wiesenvegetation für den Nahrungserwerb (95 % aller Fangflüge). Kein Unterschied war jedoch kurz nach der Mahd zu beobachten. Dieselben Resultate zeigten sich auch in den Volierenexperimenten, wo nicht einmal eine vierfach erhöhte Nahrungsmenge in der dichten Vegetation die beobachteten Gartenrotschwänze dazu veranlasste, häufiger in der dichten Vegetation zu jagen.

    Projektleitung

    Diese Studie wurde als Masterarbeit an der Universität Basel von Nicolas Martinez durchgeführt und von Niklaus Zbinden und Lukas Jenni betreut.

    Partner

    FiBL
    Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain BL

    Donatoren

    Stiftung Dr. Joachim de Giacomi

    Publikationen