Ökologische Forschung
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    Überlebensrate, Raumnutzung und Wanderungen von Steinkäuzen.

    Warum die Schweizer Steinkauzpopulation bislang nicht von den Bestandszunahmen im grenznahen Ausland begünstigt wurde, ist derzeit unklar. Ein Forschungsprojekt der Schweizerischen Vogelwarte klärt die offenen Fragen zu Lebensraumansprüchen und Ausbreitungsverhalten.

    Ziele

    Seit vielen Jahren setzen sich Vogelschützer beispielhaft für die Erhaltung der letzten Vorkommen des Steinkauzes ein. Mit Erfolg, denn die Bestände der kleinen Eule nehmen im grenznahen Ausland stetig zu. Leider sind die einheimischen Steinkauzbestände nach wie vor sehr klein. Weshalb dies so ist, ist unklar.

    Schwerpunkt des Projekts ist die Ausbreitung und Ansiedlung junger Steinkäuze, eine kritische Phase, in der die Sterblichkeit hoch ist. Wir klären, wann und warum Vögel sich auf die Suche nach einem eigenen Brutrevier machen, welche Lebensräume sie dabei unterwegs nutzen und welche Faktoren ihr Überleben beeinflussen. Auch bei Altvögeln fehlen Kenntnisse über die Raumnutzung und das Verhalten nach dem Selbständigwerden ihrer Jungen.

    Vorgehen

    In einer Steinkauzpopulation in Württemberg (Deutschland) werden jährlich rund 100 Jung- und Altvögel mit Kleinstsendern ausgerüstet. Die Verfolgung dieser Vögel zeigt, dass auch grosse Ortsverschiebungen häufig sind, und wie hoch der Austausch zwischen den Teilpopulationen ist. Weiter lässt sich mit Hilfe der Telemetrie die Sterblichkeit der Steinkäuze im Jahresverlauf exakt feststellen.

    Obstgärten mit knorrigen Bäumen, die viele natürliche Höhlen bieten, sind für wandernde Steinkäuze sichere und warme Raststätten. An Stelle der fehlenden Naturhöhlen könnte warmer und sicherer Unterschlupf in der Schweiz auch mit künstlichen Höhlen angeboten werden.

    Bedeutung

    Der Steinkauz ist eine von 50 Prioritätsarten des Programms Artenförderung Vögel Schweiz, das die Schweizerische Vogelwarte Sempach und der SVS/BirdLife Schweiz mit Unterstützung des BAFU durchführen. Für den erfolgreichen, nachhaltigen Schutz von Arten ist die Schliessung der bestehenden Wissenslücken von zentraler Bedeutung. Dank der ähnlichen Lebensraumbedingungen können die in Württemberg erarbeiteten Erkenntnisse direkt auf die Schweizer Verhältnisse übertragen werden. Sie tragen somit zum Schutz und zur Förderung dieser seltenen Art in der Schweiz bei. Die Populationen in Süddeutschland und dem französischen Jura sind zudem die wichtigste Quelle für eine natürliche Wiederbesiedlung des schweizerischen Mittellandes.

    Projektleitung

    Beat Naef-Daenzer und Martin Grüebler

    Partner

    Max Planck Institut für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell
    Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V.

    Donatoren

    Schweizerischer Nationalfonds

    Publikationen

    Michel, V. T., M. V. Jiménez-Franco, B. Naef-Daenzer & M. U. Grüebler (2016):
    Intraguild predator drives forest edge avoidance of a mesopredator.
    Bock, A., B. Naef-Daenzer, H. Keil, F. Korner-Nievergelt, M. Perrig & M. Grüebler (2013):
    Roost site selection by Little Owls Athene noctua in relation to environmental conditions and life-history stages
    Steinkauz

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