Vogelzug
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    Phänologie des Vogelzugs – Umweltfaktoren und individuelles Verhalten

    Mehr als 2 Milliarden Singvögel überqueren jedes Jahr auf dem Weg zwischen ihren europäischen Brut- und afrikanischen Überwinterungsgebieten das Mittelmeer und die Sahara. Die saisonale Nahrungsverfügbarkeit unterwegs und im afrikanischen Winterquartier bestimmt zusammen mit den kurzfristigen Wetterbedingungen, wie sich ein Vogel zu verhalten hat, damit er ins Brutgebiet zurückkommt. Für die meisten Arten ist nicht geklärt, welches die kritischen Faktoren sind, die darüber entscheiden, welche Route ein Individuum wählt, und wie es den zeitlichen Ablauf den variablen Umweltbedingungen anpasst.

    Ziele

    • Wo liegen die Überwinterungsgebiete ausgewählter paläarktischer Zugvögel?
    • Welche Rolle spielen die saisonalen Umweltbedingungen auf dem Zug und im Zielgebiet auf die Zugmuster und ihre Variabilität?
    • Wie stark bestimmen Umweltfaktoren im Überwinterungsgebiet die Fortpflanzung während der Brutzeit?
    • Sind Populationen mit eng begrenzter Verbreitung im Überwinterungsgebiet stärker von den dortigen Umweltschwankungen beeinflusst als Populationen mit grossräumigen Überwinterungs­gebieten?

    Vorgehen

    Die Eingrenzung der Überwinterungsgebiete ausgewählter Vogelpopulationen erfolgt über indirekte Bestimmung von Aufenthaltsorten und -zeiten (siehe Geolocator). Somit können Umweltbedingungen auf dem Zug und in den Überwinterungsgebieten berücksichtigt werden. Untersuchungen zur Habitatnutzung ermöglichen die Identifizierung potentiell wichtiger Umweltfaktoren.

    Vergleiche von Bruterfolg in Verbindung mit Umweltfaktoren sollen Auskunft darüber geben, wie stark die art-/populationsspezifische Abhängigkeit zwischen dem Überwinterungs- und dem Brut­gebiet ist. Zusätzlich soll erforscht werden, in welche Masse Zugstrategien erblich festgelegt sind, und welche Rolle die individuelle Anpassungsfähigkeit spielt.

    Zurzeit werden diese Fragen mit Studien am Wiedehopf, Alpensegler und Steinschmätzer intensiv untersucht. Verschiedene weitere Arten werden im Rahmen von internationalen Kooperationen mit Partnern bearbeitet.

    Bedeutung

    Der Grad an Flexibilität, mit dem verschiedene Zugvögel auf sich ändernde Umweltbedingungen reagieren, zeigt die Möglichkeiten und Grenzen phänotypischer Anpassungen. Wenn lokal begrenzte Populationen einer ähnlichen Isolierung im Überwinterungsgebiet unterliegen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass variable Umweltbedingungen im Überwinterungsgebiet (z.B. Dürre) sich negativ auf die Population im Brutgebiet auswirken können.

    Die Kenntnis dieser dynamischen Prozesse tragen einerseits zum fundamentalen Verständnis des Vogelzugs bei, können aber auch für wirkungsvolle, artspezifische Schutzmassnahmen entscheidend sein.

    Ergebnisse

    • Quantifizierung der Anzahl von Kleinvögeln, die im Herbst aus den europäischen Brutgebieten nach Afrika südlich der Sahara ziehen.
    • Bestimmung der Überwinterungsgebiete von verschiedenen Wiedehopf-, Alpensegler-, Rauchschwalben- und Nachtigall-Populationen.
    • Non-stop Flug Alpensegler während ihres Aufenthalts in Afrika südlich der Sahara.
    • Zugvögel verbinden Ökosysteme weltweit: sie transportieren Nährstoffe, Energie und andere Organismen über riesige Distanzen und beeinflussen dadurch ganze Lebensgemeinschaften.

    Projektleitung

    Felix Liechti, Silke Bauer, Steffen Hahn, Christoph Meier, Rien van Wijk

    Partner

    Franz Bairlein, Institut für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland", Wilhelmshaven (Steinschmätzer)
    Martin Schulze, NABU Sachsen-Anhalt, Regionalverband Merseburg-Querfurt (Bienenfresser)
    Dirk Tolkmitt, Ornithologen-Verband Sachsen-Anhalt (OSA) (Wendehals)
    Terje Lislevand, University of Bergen, Norwegen (Temminckstrandläufer)

    Donatoren

    Schweizerischer Nationalfonds (SNF, Wiedehopf)
    Wolfermann-Nägeli Stiftung (Alpensegler)
    Rosmarie und Armin Däster-Schild Stiftung (Alpensegler)
    Stiftung Accentus (Wiedehopf)

    Publikationen

    Liechti, F., C. Scandolara, D. Rubolini, R. Ambrosini, F. Korner-Nievergelt, S. Hahn, R. Lardelli, M. Romano, M. Caprioli, A. Romano, B. Sicurella & N. Saino (2015):
    Timing of migration and residence areas during the non-breeding period of barn swallows Hirundo rustica in relation to sex and population.
    Hahn, S., T. Emmenegger, S. Lisovski, V. Amrhein, P. Zehtindjiev & F. Liechti (2014):
    Variable detours in long-distance migration across ecological barriers and their relation to habitat availability at ground.
    Liechti, F., W. Witvliet, R. Weber & E. Bächler (2013):
    First evidence of a 200-day non-stop flight in a bird.
    Salewski, V., M. Flade, A. Poluda, G. Kiljan, F. Liechti, S. Lisovski & S. Hahn (2013):
    An unknown migration route of the 'globally threatened' Aquatic Warbler revealed by geolocators.
    Van Wijk, R. E., M. Schaub, D. Tolkmitt, D. Becker & S. Hahn (2013):
    Short-distance migration of Wrynecks Jynx torquilla from Central European populations.
    Bächler, E., S. Hahn, M. Schaub, R. Arlettaz, L. Jenni, J. W. Fox, V. Afanasyev & F. Liechti (2010):
    Year-Round tracking of small Trans-Saharan migrants using light-level geolocators.