Gebäude und Vögel
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    Bauen für Segler

    Alpen-, Mauer- und Fahlsegler sind drei Vogelarten, die es geschafft haben, sich die Bauten des Menschen zunutze zu machen. Sie sind heute oft heimliche Untermieter in unseren Gebäuden. Ihre Brutplätze sind durch Renovationen und Umbauten bedroht. Der Verlust eines Nistplatzes kann dazu führen, dass ein Paar ein oder mehrere Jahre hintereinander keine Jungen aufziehen kann. Dies bedeutet, dass der Bestand schrumpft, weil Abgänge nicht durch neue Jungvögel ersetzt werden.

    Unsere Bauweise wird immer perfekter, an neuen Gebäuden werden Löcher und Hohlräume vermieden, die die Segler neu besiedeln könnten. Bei Renovationen wird darauf geachtet, dass alte Löcher und Nischen zugemacht werden und keine neuen Lücken entstehen. Durch Abriss und Wiederaufbau von Gebäuden werden alte, oft seit Jahrzehnten belegte Nistplätze zerstört.

    Sie als Hausbesitzerin oder -besitzer, Mieterin oder Mieter, Architektin oder Architekt und/oder Baufachperson haben es in der Hand, Segler zu unterstützen. Das vorliegende Merkblatt soll Ihnen einige konkrete Hinweise geben, wie Sie dabei vorgehen müssen.

    Wo nisten Segler?

    • An der Hauswand, dort wo Dach und Mauer aufeinandertreffen (A)
    • Ziegellücken, wenn ein Ziegel auf der Ziegelleiste hinuntergerutscht ist (B)
    • Lüftungsziegel (C)
    • Bei Dachabsätzen und -zusammenschlüssen (D)

    Traufe

    • Hinter der Dachrinne (E)
    • Spalt beim Zusammenschluss von Trauf untersicht und Hauswand (F)
    • Lüftungslöcher in der Mitte der Traufuntersicht (G)  

    Giebel

    • Unter Firstziegel (H)  

    Fassade

    • Unter Fassadenelementen (I) und in Mauerlöchern

    Mauerkrone

    • Einschlupf an der Hauswand, wie (A)

     In Storenkasten

    • Über oder hinter Sonnenstoren oder Rolladenkästen (K)

    Diese Liste ist nicht vollständig. Selbstverständlich ist es möglich, dass Sie auch einmal an einem andern Ort ein Seglernest vorfinden.

    Was muss vorhanden sein, damit ein Nistplatz akzeptiert wird?

    Mauersegler

    • Sie benötigen einen dunklen Raum mit einer minimalen Grundfläche von 25 x 18 cm und 8–12 cm Höhe.
    • Ist das Einschlupfloch rund, sollte der Durchmesser 5 cm betragen. Ein rechteckiges oder ovales Einschlupfloch sollte mindestens 6 cm lang und 3 cm hoch sein. Grössere Einfluglöcher werden ebenfalls akzeptiert, locken aber auch Tauben an.
    • Die Distanz zwischen Einflugloch und Nistplatz sollte 1 m nicht überschreiten.
    • Wenn der Platz für das Nest weit (20 cm–1 m) vom Einschlupfloch entfernt ist, sollte sich der Weg gleich hinter dem Einflugloch auf mindestens 12 cm verbreitern, da die Segler ihre Flügel einsetzen, um sich auf waagrechter Unterlage vorwärts zu bewegen. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie der Vogel vom Einschlupfloch zu seinem Nest gelangt. Überlegen Sie sich dabei, ob ihm nicht doch noch irgendwo eine Latte oder etwas ähnliches den weiteren Durchgang verwehrt.
    • Die Nestunterlage sollte möglichst waagrecht sein. Ist sie geneigt, sollten Sie besser noch eine Leiste anbringen, so dass das Nest nicht abrutschen kann.
    • Der Untergrund vom Einflugloch bis zum Nest muss rau sein, damit sich die Segler festkrallen können. Am besten verwenden Sie rauen Stein, raues Verputzmaterial oder ungehobeltes Holz, z.B. Unterdächer aus hölzernen Dachunterzugsschindeln.
    • Die Einflugöffnungen sollen idealerweise 4–16 m über Boden liegen. Ein freier An- und Abflug muss gewährleistet sein, d.h. es dürfen keine Bäume oder Sträucher den Anflug behindern.

    Fahlsegler

    • Für ihn gelten weitgehend dieselben Bedingungen wie für den Mauersegler.

    Alpensegler

    • Alpensegler bevorzugen grössere Hohlräume, in welchen mehrere Paare nisten können. Sie akzeptieren jedoch auch Einzelnistplätze.
    • Mindestmasse eines Hohlraumes für einen Alpenseglerbrutplatz: Grundfläche 35 x 30 cm, Höhe 20 cm.
    • Ist das Einflugloch rund, sollte sein Durchmesser mindestens 9 cm betragen; 12 x 5–6 cm ist das optimale Mass für eine rechteckige oder ovale Öffnung (minimal: 4 cm). Längliche Spalten, wie sie bei den Beispielen A und F (Abb. 1) meist vorhanden sind, werden ebenfalls gerne angenommen.
    • Als grosser Hohlraum für mehrere Paare eignen sich zum Beispiel die Dachtraufe oder der ungenutzte Dachstock von Türmen oder hohen Kirchen (Einflugöffnungen vergleiche Abbildungen 1, 2 und 8).
    • In Dachstöcken: Alpensegler können ihre Nester auch seitwärts an Balken oder rauhen Mauern ankleben. Dazu klettern sie oft auch in die Höhe. Strukturen, die als mögliche Nistplätze für die Segler gedacht sind, müssen auf jeden Fall vom Einflugloch aus zu Fuss zu erklettern sein, da sich Alpensegler selbst in einem grossen Innenraum nicht fliegend fortbewegen.
    • Bei der Suche nach neuen Nistplätzen fliegen die Alpensegler nur Ecken, Nischen und Winkel an, die mindestens 5 m über Boden liegen.

    Woran erkennen Sie ein Seglernest?

    Als Nistmaterial verwenden Segler nur Material, welches durch die Luft gewirbelt wird: Federchen, kleine Blättchen, Haare oder winzige Halme. Aus diesem Nistmaterial kleben sie mit Speichel einen kleinen Nestkranz zusammen, in dessen Mitte oft der nackte Boden sichtbar bleibt. Wenn Alpensegler Jahr für Jahr am Nest weiterbauen, können regelrechte Türmchen daraus entstehen.

    Spatzen hingegen tragen sehr viel Nistmaterial ein. Ihr Nest ist mehr ein Haufen aus trockenem Gras, Stroh, Papier und Blättern. Manchmal übernehmen Mauersegler solche Spatzennester. Dies lässt sich daran erkennen, dass die eigentliche Nestmulde «verleimt» ist, sich also Halme oder Ähnliches nicht einfach herausziehen lassen. Taubennester sind in der Regel stark verschmutzt, da Tauben ihren Kot im Nest absetzen und nicht wegtragen.

    Was tun, wenn Sie beim Renovieren auf ein Nest stossen?

    Sie sind auf ein Nest mit Jungvögeln oder Eiern gestossen. Belassen Sie das Nest und seine Umgebung unbedingt so wie es ist. Achten Sie darauf, dass die Einflugöffnung von aussen auch weiterhin für die Altvögel erreichbar bleibt. Sind die Jungen bereits geschlüpft, werden sich die Eltern mit Sicherheit weiterhin um ihre Jungen bemühen. Achten Sie darauf, dass den Seglern durch das Baugerüst nicht der Zugang zum Brutplatz verwehrt wird.

    Sie sind auf eines oder mehrere leere Nester gestossen. Falls es möglich ist, sollten Sie die Zugänge zu den Nestern nicht verschliessen und die Umgebung des Nestes nicht verändern. Müssen Sie das Nest für Renovationsarbeiten entfernen, sollten Sie versuchen, anschliessend am selben Ort wieder Platz für ein Nest zu schaffen. Sie können die Segler zudem dadurch unterstützen, dass Sie das alte Nest am neuen Ort anbringen.

    Sie haben Segler an «Ihrem» Gebäude und möchten renovieren oder umbauen

    Versuchen Sie zuerst festzustellen, um welche Seglerart(en) es sich handelt. Versuchen Sie dann, Ihre Renovations- oder Umbaupläne entsprechend den angegebenen Massnahmen auf die Segler abzustimmen. Passen Sie, sofern dies möglich ist, das Aufstellen des Gerüstes und die Renovationstätigkeit den Brutzeiten der Segler an: Stellen Sie bei Mauerseglerbrutplätzen das Gerüst erst ab Mitte August und entfernen Sie es spätestens Ende April wieder. Stellen Sie bei Alpenseglerbrutplätzen das Baugerüst nicht vor Mitte September. Führen Sie im Sommer zuerst die Innenumbauten aus. Diese Forderung klingt vielleicht unverhältnismässig, doch wenn Sie schon das Glück haben, einen so seltenen Vogel wie den Alpensegler an Ihrem Gebäude zu beherbergen, lohnt es sich, darauf Rücksicht zu nehmen.

    Überbrückungsmassnahmen

    Falls ein Aufstellen des Baugerüstes zu Beginn der Brutzeit unausweichlich ist, können Sie versuchen, den Seglern Nistkästen anzubieten. Befestigen Sie diese, sobald das Gerüst steht, auf der Höhe des alten Einflugloches aussen am Gerüst. Lassen Sie die Nistkästen dort, bis die Brutzeit abgeschlossen ist. Achtung, diese Möglichkeit ist nur als Notlösung zu verstehen. Sie funktioniert oft, doch nicht immer.

    Gerüstbau während der Brutzeit

    • Ziehen Sie das Baugerüst erst bis zu den Einflugöffnungen hoch, wenn die Brutzeit der Segler vorbei ist.
    • Lassen Sie bei hochgezogenem Gerüst das Netz oder die Plastikbahnen im Umkreis von mindestens 5 Metern um das Einflugloch weg.
    • Wenn das Baugerüst bereits hochgezogen ist, aber gerade keine Bauarbeiten in der Nähe des Einflugloches stattfinden, dann sollten Sie die Laufbretter dort entfernen und für die Bauarbeiter eine Gerüstsicherung anbringen.
    • Wenn Bauarbeiten in der Nähe der Einflugöffnung stattfinden, dann sollten Sie veranlassen, dass täglich nach Arbeitsschluss die Laufbretter an dieser Stelle entfernt werden (vgl. Checkliste unten).

    Die aufgezählten Massnahmen beabsichtigen, den Seglern den freien An- und Abflug zu ermöglichen.

    Renovation ausserhalb der Brutzeit, Sie wollen die Nistplätze erhalten

    Die Vögel sind nicht da, also fallen Vorsichtsmassnahmen weg. In diesem Fall brauchen Sie nur auf die Erhaltung der Einflugöffnung, des Nestes sowie das Freilassen des Weges von der Öffnung zum Nest zu achten. Nicht vergessen sollten Sie jedoch, dass die Einflugöffnung wieder freiliegen muss und die Störungen abgeschlossen sein müssen, wenn die Segler im Frühjahr wieder eintreffen.

    Schaffen neuer Nistplätze und/oder Anbringen von Nistkästen

    Weiter oben wurde bereits darauf hingewiesen, welche Bedingungen bei einem im Gebäude integrierten Brutplatz erfüllt sein müssen, damit ein Segler einziehen kann. Wenn Sie den Seglern lieber Nistkästen anbieten wollen, so finden Sie Angaben unter Nisthilfen.

    Verschmutzungen

    Liegen die Einfluglöcher in der Flucht der senkrechten Hauswand (A, F, I), dann sollten Sie sich überlegen, wie wichtig Ihnen eine saubere Fassade wirklich ist. Sie können Kotspritzer an der Fassade ganz vermeiden, wenn Sie die Einflugöffnung für den Nistplatz verlegen (anstelle von A oder F nach G oder E). Es ist allerdings möglich, dass die Segler zu Beginn Mühe haben mit dem Auffinden der neuen Einflugöffnung. Liegt das Nest in einem Storenkasten, ist es oft an den Kotspuren am Fenster erkennbar (K). Bedenken Sie, dass die Segler nur während kurzer Zeit im Jahr da sind und Junge aufziehen. Meist ist es möglich, während dieser Zeit die Verschmutzung zu tolerieren.

    Feinde

    Feinde der Segler sind vor allem Marder und Falken. Bei Seglernistplätzen auf einer Mauerkrone oder Alpenseglerkolonien in einem Dachstock sollten Sie darauf achten, dass diese Nistplätze nicht für Marder, Katzen oder andere Nestplünderer zugänglich sind. Informationen, wie Sie dem Marder den Zutritt verwehren können, erhalten Sie bei der zuständigen Wildhut oder Jagdverwaltung.

    Ungeziefer

    Auch Segler haben einige Parasiten. Sie sind jedoch für den Menschen ungefährlich und bleiben entweder auf den Vögeln oder in der direkten Umgebung des Nestes. Am auffälligsten sind die recht grossen, aber harmlosen Seglerlausfliegen. Hält man einen Segler in der Hand, sieht man oft, wie sich die abgeplatteten, etwas spinnenartig aussehenden Insekten rasch im Gefieder verkriechen.

    So können Sie den Seglern Brutplätze an Ihrem Haus einrichten

    1) Lüftungsziegel, ein Beispiel für einen Mauerseglernistplatz

    Bedingungen aussen: Lüftungsziegel alleine genügen nicht. Sie sind nur dort sinnvoll, wo das Schrägdach ca. 40 Grad oder steiler ist. Unterhalb des Lüftungsziegels muss mindestens 1 m freie Bahn sein. Das heisst, es dürfen kein Schneerechen und keine Dachrinne oder Ähnliches direkt im Anflugbereich liegen.

    Bedingungen hinter dem Lüftungsziegel: Der Lüftungsziegel muss so auf der Ziegellatte liegen, dass der Einschlupf auf das Unterdach möglich ist. Bei Renovationen wird häufig das Dach isoliert. Das Isolationsmaterial, welches dann das Unterdach bildet, hat meist eine glatte Oberfläche. Schaffen Sie deshalb hinter dem Lüftungsziegel auf dem Unterdach eine raue Unterlage. Damit die Mauersegler ihr Nest richtig befestigen können, sollten Sie zudem mit Hilfe einer kleinen Latte einen waagrechten Platz schaffen, damit die Segler dort ihr Nest anlegen können.

    Bemerkungen

    Nistplätze auf dem Unterdach sollten zumindest in warmen Gegenden nicht auf der Südseite eines Gebäudes installiert werden. Bei intensiver Sonneneinstrahlung wird es nämlich unter den Ziegeln sehr heiss. Die jungen Mauersegler beginnen dann wegen der Hitze herumzuwandern und verirren sich oder stürzen aus dem Einflugloch.

    Checkliste - woran Sie denken müssen:

    • Freier An- und Abflug. Segler fliegen ihre Nistplätze nicht gerne durch Gebüsch oder Bäume an. Auch Gerüstläufe hindern sie am An- und Abfliegen.
    • Die Höhe über Boden muss unbedingt berücksichtigt werden.
    • Die Grösse des Einflugloches muss der Vogelart angepasst sein.
    • Festkrallmöglichkeiten beim Einflugloch und auf dem Weg zum Nest.
    • Dunkler Raum als Nistplatz.
    • Einflug besonders beim Alpensegler bevorzugt von unten.
    • Raue Nestunterlage.
    • Verirrungs- und Absturzmöglichkeiten vermeiden.
    • Nistplätze auf dem Zwischendach unter den Ziegeln sollten zumindest in warmen Gegenden nicht an einem südexponierten Dach eingerichtet werden.

    2) Dachtraufe, ein Beispiel für einen Alpenseglernistplatz

    Bedingungen aussen: An- und Abflug müssen frei sein. Die Einflugöffnung kann entweder an der Hauswand liegen (F), in der Mitte der Traufunterseite (G) oder unter der Dachrinne, über dem Stirnbrett (E). Um sich beim Einflugloch festkrallen zu können, benötigen die Segler eine raue Unterlage, zum Beispiel ungehobeltes Holz, Stein oder Verputz. 

    Bedingungen innen: Je nach zur Verfügung stehendem Hohlraum bieten sich für die Alpensegler verschiedene Möglichkeiten. Entsprechen die Masse nur der empfohlenen Nistkastengrösse, dann werden die Alpensegler einfach auf dem Boden ihr Nest einrichten. Ist die Traufe in der Länge unterteilt, müssen Sie bei jeder Unterteilung ein Einflugloch einrichten. Ist die Traufe nicht unterteilt, das heisst durchgehend, dann genügt es, wenn Sie alle 2–3 m eine Einschlupföffnung anbieten.

    Ist die Traufe hoch, so dass für die Alpensegler Gelegenheit besteht, an der Hauswand in die Höhe zu klettern, dann können Sie sie noch weiter unterstützen. Richten Sie einzelne, waagrecht aus der Mauer vorstehende Vorsprünge ein. Diese werden gerne angenommen, um darauf ein Nest festzukleben.

    Bemerkungen: Wenn die Traufuntersicht aus einzelnen Längslatten besteht, dann müssen Sie darauf achten, dass die Spalten nicht breiter als 1,5 cm werden. Sonst kann es beim Herumklettern der Jungtiere zu Unfällen kommen.

    Literaturhinweis

    Scholl, I. (2016): Nistplätze für Mauer- und Alpensegler. VerOek, Uster. 21 S. (Bezug: Schweizerische Vogelwarte, 6204 Sempach)

    Impressum: Merkblätter für den Seglerschutz

    © Schweizerische Vogelwarte, CH-6204 Sempach.
    Autoren: Iris Scholl, Dominik Pfluger, Alfred Engeler und Hans Schmid
    Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.

    Mit Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL, Pro Natura und Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz.