Gefahren für Vögel
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    Vogelkiller Glas

    Der Tod an Scheiben ist in der zivilisierten Welt eines der grössten Vogelschutzprobleme überhaupt. Hunderttausende von Vögeln kommen allein in unserem Land jedes Jahr um, weil sie mit Glas kollidieren.

    Viele Gebäude könnten vogelfreundlicher gebaut, viele Fallen entschärft werden. Wir zeigen Ihnen, wo Gefahr droht und wie sie behoben werden kann. Vogelschutz beginnt an den eigenen vier Wänden - helfen Sie mit!

    Vögel und Glas - ein Problem von unterschätzter Dimension

    Vögel können Hindernisse in ihren Lebensräumen leicht umfliegen. Aber auf unsichtbare Hindernisse wie Glasscheiben sind sie nicht vorbereitet. Die Gefahr einer Kollision ist heute enorm gross. Nach verschiedenen Untersuchungen ist pro Jahr und Gebäude mit mindestens einem Todesopfer zu rechnen, vermutlich mit wesentlich mehr, denn die Dunkelziffer ist sehr hoch. Oft kommt es selbst an Orten zu Kollisionen, wo man eigentlich nicht damit rechnen würde. Auch wenn Vögel nach einem Aufprall unverletzt scheinen, so geht dennoch jeder zweite später an inneren Verletzungen ein. Betroffen sind fast alle Vogelgruppen, darunter auch seltene und bedrohte Arten.

    Glas ist eine doppelte Gefahrenquelle:

    • Es reflektiert die Umgebung: Bäume und der Himmel spiegeln sich und täuschen dem Vogel einen Lebensraum vor.
    • Es ist durchsichtig: Der Vogel sieht den Busch hinter den Glasscheiben und nimmt dabei das Hindernis nicht wahr.

    Schutzmassnahmen vor dem Bau

    Bevor Sie Glas an Stellen einsetzen, wo es eine Gefahr für Vögel sein könnte, machen Sie sich bitte folgende Überlegungen:

    • Muss es wirklich transparentes oder stark spiegelndes Glas sein?
    • Würde auch eine mobile Vorrichtung reichen, die nur im Bedarfsfall aufgestellt wird (z.B. Windschutz)?
    • Kann eine Konstruktionsart gewählt werden, bei der die Scheiben zwischen Mauern zurückversetzt werden?
    • Wo wird die Gefahr am grössten und wie kann man ihr vorbeugen?

    Nutzen Sie Alternativen:

    • geripptes, geriffeltes, mattiertes, sandgestrahltes, geätztes, eingefärbtes, bedrucktes Glas (Punktraster, Bedeckung mind. 25%)
    • möglichst reflexionsarmes Glas (Reflexionsgrad max. 15%)
    • Milchglas, Kathedralglas, Glasbausteine, Stegplatten
    • andere undurchsichtige Materialien
    • mit Sprossen unterteilte Fenster
    • Oberlichter statt seitliche Fenster
    • Glasflächen neigen statt im rechten Winkel anbringen

    Handelsübliches, getöntes Glas ist nicht empfehlenswert, da dieses normalerweise die Umgebung stark reflektiert.

    Nachträgliche Schutzmassnahmen

    Bei bestehenden Gefahrenquellen gilt:

    • nur eine flächig wirkende, sich möglichst von der Umgebung abhebende
      Markierung bringt den nötigen Schutz
    • sehr wirkungsvoll sind senkrechte, ca. 2 cm breite Klebestreifen, die man im Abstand von höchstens 10 cm zueinander anbringt
      (oder 1 cm breite Streifen bei 5 cm Abstand)
    • nur Klebefolien oder -bänder von guter Qualität verwenden
    • Markierungen wenn immer möglich auf der Aussenseite anbringen

    Achtung: Folien können Spannungen in den Scheiben verursachen, was in Ausnahmefällen zu Glasbruch führen kann; kontaktieren Sie im Zweifelsfall den Glashersteller.

    Einfach, aber wirkungsvoll

    Unter Umständen erzielen Sie auch mit folgenden Mitteln eine gute Wirkung (immer möglichst aussenseitig anbringen):

    • Jalousien, Rollos, helle Gardinen, Kordelbänder, Folienbänder
    • Streifenvorhänge (Lamellen) in Wintergärten
    • farbige Dekorationen, Zeichnungen mit Finger- & Fensterfarben
    • Firmensignete, Schaufensterdekorationen, Dekorsprays
    • Gitter, Mückenschutznetze, Nylonschnüre, Baumwollfäden, grobmaschige, kräftige Netze oder Lochbleche

    Futterstellen, Nistkästen etc. sollte man möglichst nicht in Fensternähe anbringen. Oder wenn schon: In einer Distanz von max. 1 m von der Scheibe, so dass ein Vogel bei einem plötzlichen Start gegen die Scheibe noch keine hohe Geschwindigkeit erreicht hat.

    Gestaltung der Umgebung

    Je attraktiver ein Ort für Vögel ist, desto höher ist das Kollisionsrisiko. So ermittelten wir an transparenten Lärmschutzwänden mit Begrünung eine viermal höhere Kollisionsrate als an gehölzfreien Strecken. Wo grosse Glasflächen unvermeidlich sind, empfehlen wir, keine Bäume und Büsche in der näheren Umgebung zu pflanzen bzw. bestehende zu entfernen. Auch ein üppiger Pflanzenwuchs im Wintergarten erhöht das Risiko.

    Was tun, wenn trotzdem ein Vogel verunfallt?

    Ein Vogel liegt benommen am Boden, atmet schwer und flüchtet nicht. Legen Sie ihn in eine Kartonschachtel mit Luftlöchern und stellen Sie diese ins Dunkle. Gehen Sie damit nach 1-2 Stunden ins Freie (bitte keine Experimente im Hausinnern!) und lassen Sie den Vogel fliegen. Startet er nicht, dann bringen Sie ihn in die nächste Vogelpflegestation (Adresse bei der Vogelwarte oder beim Schweizer Vogelschutz erfragen) oder in eine Kleintierpraxis.

    Beratung gewünscht?

    Bei Bauprojekten oder bei Vogelschutzproblemen an bestehenden Gebäuden beraten wir Sie gerne. Schicken Sie uns Kopien von Bauplänen oder ein paar Fotos. Wir versuchen, zusammen mit Ihnen eine praxistaugliche Lösung zu finden. Eine einmalige Beratung ist kostenlos.

    Weitere Informationen

    Eine umfangreiche Webseite zum Thema Vögel und Glas finden Sie unter www.vogelglas.info

    Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis

    © Schweizerische Vogelwarte Sempach & SVS/BirdLife Schweiz, Sempach und Zürich, 2006
    Autor: H. Schmid
    Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.

     

    Merkblatt

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