April 2017
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    Ornitho.ch – 10 Jahre Dienst an der Feldornithologie

    Ornitho.ch ist seit 10 Jahren ein sehr oft genutztes und beliebtes Online-Portal. Es dient zur einfachen Eingabe von Beobachtungen, als Informationsplattform und zunehmend auch als Werkzeug für verschiedene Monitoringprojekte.

    Vom Seidenreiher gingen allein 2016 3001 Meldungen ein. Sie belegen, dass die Art über die letzten 10 Jahre in der östlichen Landeshälfte an immer mehr Orten auftritt und Winternachweise zunehmen
    Vom Seidenreiher gingen allein 2016 3001 Meldungen ein. Sie belegen, dass die Art über die letzten 10 Jahre in der östlichen Landeshälfte an immer mehr Orten auftritt und Winternachweise zunehmen
    Foto © Mathias Schäf
    Die Zahl der Zugriffe auf ornitho.ch ist stark gestiegen. Aktuell erfolgen jeden Monat 1–2 Millionen Seitenaufrufe.
    Die Zahl der Zugriffe auf ornitho.ch ist stark gestiegen. Aktuell erfolgen jeden Monat 1–2 Millionen Seitenaufrufe.
    Hans Schmid (links) und Gaëtan Delaloye
    Hans Schmid (links) und Gaëtan Delaloye
    Foto © Archiv Vogelwarte

    Wer «vor Urzeiten» Beobachtungslisten und Meldezettel an Vogelwarte, regionale Organisationen und Zeitschriften sandte – oft 3× dieselbe Beobachtung in unterschiedlicher Form – der weiss, wie aufwändig dies war. Viele Feldornithologen führten dazu noch eine eigene Kartei mit für jede Art separaten Karteikarten. Die Mühsal gipfelte darin, dass man oft Monate warten musste, bis man mit Glück ein paar seiner speziellsten Beobachtungen in gedruckter Form wiederfand. Wollte man sich zuvor einen Überblick verschaffen, half bestenfalls das «Buschtelefon » ein bisschen weiter. Die Vogelwarte führte zwar schon Ende der 1980er-Jahre mit «IDEXT» eine Melde-Software ein. Sie gestattete jedoch nicht, dass man sich zeitnah z.B. über das ornithologische Geschehen in seiner Region informieren konnte.

    Angesichts dieser «steinzeitlichen » Verhältnisse war es kein Wunder, dass ornitho.ch blitzartig zum Erfolg wurde, als ein junger Genfer Ornithologe aus dem Groupe des jeunes von Nos Oiseaux, Gaëtan Delaloye, die Melde- Plattform in den ersten Tagen 2007 mit Hilfe der Vogelwarte und den Partnerorganisationen Ala, Ficedula und Nos Oiseaux schweizweit einführte.

    Melden als Lust statt Last

    Ornitho.ch sollte von Beginn weg den Feldornithologen das Leben einfacher machen. Beobachtungen festzuhalten sollte möglichst schlank gehen, doppeltes Melden oder das Führen eines Buches mit den Feldbeobachtungen entfallen. Mit der Einführung der ornitho- App NaturaList, mit der man quer durch Europa Nachweise vom Ameisenlöwen bis zur Zornnatter eingeben kann, mit dem Global Log-in, welches das Einloggen auf allen rund 40 ornitho-Portalen mit demselben Passwort gestattet und mit der Öffnung von ornitho.ch auch für die Erfassung von Säugetieren, Amphibien, Reptilien und Insekten (in Zusammenarbeit mit dem CSCF und der karch) gingen wir diesen Weg konsequent weiter. Melden ist somit wirklich «easy» geworden.

    Mit mittlerweile über 12 Millionen Nachweisen und 360 000 Bildern bietet ornitho.ch die Möglichkeit für beliebige Datenbankabfragen und für Überblicke über das zeitliche und örtliche Auftreten unserer Vogelarten.

    Dank ornitho.ch verfügt die Vogelwarte über qualitativ hochstehende Daten, die wir für unsere Projekte und Dienstleistungen nutzen können. Sie dienen etwa für das Berechnen von Bestandstrends seltener Arten, für die Erstellung des Brutvogelatlas, für wissenschaftliche Analysen und Modellierungen sowie für internationale Projekte wie das EuroBirdPortal. Regelmässig genutzt werden sie für Artenförderungsprojekte und praktische Anwendungen, etwa für die Beurteilung von Projekten wie Windkraftanlagen.

    Wohin geht die Reise?

    Immer wichtiger wird die Erfassung der Beobachtungen per Smartphone gleich im Feld. 2016 wurden bereits 21 % der Meldungen per Smartphone erfasst, 2015 waren es erst 12 %. Mit der bevorstehenden Einführung der App NaturaList auch für das iPhone dürfte die Rate dieses Jahr 30 % übersteigen.

    Immer mehr wird ornitho.ch auch für eigentliche Monitoring- Projekte verwendet. Die Erfassung der Ergebnisse der Wasservogelzählung oder von Erhebungen von Raufusshühnern oder von Koloniebrütern wird zum neuen Standard. Künftig wird man auch Seltenheitsprotokolle eingeben können. Die Abwicklung über ornitho. ch sollte auch den avifaunistischen Kommissionen die Arbeit erleichtern.

    All jenen, die zum unglaublichen Erfolg von ornitho.ch beigetragen haben, gebührt ein herzlicher Dank!

    10 Jahre ornitho.ch

    Das Internetportal ornitho.ch und die dazu gehörende App Natura- List haben die Feldornithologie in der Schweiz und in Europa revolutioniert. Entwickler Gaëtan Delaloye, und Hans Schmid von der Vogelwarte erzählen.

    Wie kam es zu ornitho.ch?

    GD: Innerhalb der Genfer Jugendgruppe von Nos Oiseaux kam der Wunsch auf, dass wir unsere Beobachtungen via Internet übermitteln und sie quasi «in Echtzeit» gegenseitig einsehen könnten. Diese Idee zündete – und ich setzte sie als Programmierer um und entwickelte ornitho. ch. Meine Gattin Noémie und ich haben in der Folge die Firma Biolovision GmbH mit Sitz in Ardon gegründet, die heute rund vierzig Internetportale betreut.

    Und dann kam ornitho landesweit zum Einsatz...

    HS: Die Vogelwarte hat das Potenzial rasch erkannt, das sich für die Übermittlung der Beobachtungen und den Informationsaustausch – namentlich auch für die Feldornithologen – eröffnete. In Zusammenarbeit mit der Ala, Nos Oiseaux und Ficedula konnten wir ornitho.ch im Januar 2007 für die ganze Schweiz öffnen. Es war ein sofortiger Erfolg und was mich besonders freut, es hat zu einem besseren Austausch zwischen den Ornithologen in allen Landesteilen beigetragen.

    Was waren die grössten Herausforderungen?

    GD: ornitho.ch gleicht heute äusserlich noch stark jenem von 2007, doch wurden seither viele technische Verbesserungen und weitere Funktionalitäten eingebaut. Dies ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der nationalen und der internationalen Steuerungsgruppe. Das Portal erfordert dauernde technische Anpassungen, etwa wegen der Zunahme der Zugriffe oder wegen der häufigen Änderungen, die Google uns beschert. Änderungen, die nicht angekündigt werden und auf die wir rasch reagieren müssen!

    Welche Visionen gibt es?

    HS: Wir stehen an einem Wendepunkt. Bislang wurden über das Portal vorab Gelegenheitsbeobachtungen erfasst. Nun wird ornitho. ch weiterentwickelt, so dass künftig auch die Erhebungen von spezifischeren Monitoring-Projekten darüber ablaufen können, dies im europäischen Rahmen. Zu erwähnen sind die Wasservogelzählungen, die Erhebung von Koloniebrütern und die Seltenheitsbeobachtungen. Den oft überlasteten Seltenheitskommissionen können wir bald die Arbeit erleichtern, indem wir ihnen eine durchdachte Komplettlösung anbieten. Das Portal muss sich auch auf die zunehmende Nutzung durch Smartphones und Tablets einstellen und die Entwicklung von Apps fortsetzen, namentlich auch für das iPhone.