Dezember 2017
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    Je mehr Spaziergänger, desto weniger Vögel

    Freizeitaktivitäten in der Natur werden immer beliebter, was zu mehr Begegnungen zwischen Menschen und Vögeln führt. Doch solche Begegnungen können von den Vögeln als Bedrohung wahrgenommen werden, was zu körperlichem Stress führt, der negative Folgen für die Vögel hat. Forschende der Schweizerischen Vogelwarte wollten mit einem Experiment herausfinden, wie sich menschliche Aktivitäten auf die Vögel während der Ansiedlungsphase in einem Gebiet auswirken.


    Foto © Fanny Le Bagousse

    Dazu spazierten die Fachleute zwei Mal täglich durch mehrere unberührte, also nicht von Wegen durchschnittenen, Flächen eines Waldes in Frankreich. Dabei trugen sie Lautsprecher auf sich, welche ununterbrochen menschliche Konversationen abspielten und imitierten so normale Spaziergänger. Diese Begehungen fanden in der Ansiedlungsphase der Vögel statt, also bevor die Reviergrenzen festlagen. Später wurden in den experimentell begangenen Gebieten und in angrenzenden, nicht begangenen Kontrollgebieten die Vogelreviere gezählt.

    In den Flächen mit Störung war die Anzahl Reviere gegenüber den Kontrollflächen um 15 % reduziert und die Zahl der Arten lag um 15,2 % tiefer. Betroffen waren nur Standvögel und Kurzstreckenzieher, da die Langstreckenzieher während der experimentellen Begehungen noch nicht aus den Winterquartieren zurückgekehrt waren.

    Das Experiment zeigt, dass auch Freizeitaktivitäten, die Menschen als wenig störend bezeichnen würden, Vögel bereits negativ beeinflussen können. Diese Erkenntnisse müssen künftig bei der Besucherlenkung im Wald einbezogen werden, insbesondere in geschützten Gebieten.

    Bötsch, Y., Tablado, Z., & L. Jenni (2017): Experimental evidence of human recreational disturbance effects on bird-territory establishment. Proc. R. Soc. B 284: 20170846.