Medienmitteilungen
    zurück
    Seite teilen

    Brutvogelatlas 2013–2016 zeigt Gewinner und Verlierer (10.12.2015)

    Zum ersten Mal brütete dieses Jahr ein Grünlaubsänger in der Schweiz. Für andere Vögel, wie den Rotkopfwürger und den Grossen Brachvogel schwindet hingegen die Hoffnung, dass sie sich als Brutvögel in der Schweiz halten können. So erfreulich das Auftauchen neuer Arten sein kann, so alarmierend ist das Verschwinden einst weit verbreiteter Vögel.

    Einer der ersten in der Schweiz geschlüpften Jungvögel des Grünlaubsängers. Die Art unterscheidet sich vom sehr ähnlichen und in der Schweiz weit verbreiteten Zilpzalp insbesondere durch die helle Flügelbinde.
    Einer der ersten in der Schweiz geschlüpften Jungvögel des Grünlaubsängers. Die Art unterscheidet sich vom sehr ähnlichen und in der Schweiz weit verbreiteten Zilpzalp insbesondere durch die helle Flügelbinde.
    Foto © Lionel Maumary Bild in Druckqualität
    Der letzte Brutnachweis des prächtig gefärbten Rotkopfwürgers in der Schweiz stammt aus dem Jahr 2009.
    Der letzte Brutnachweis des prächtig gefärbten Rotkopfwürgers in der Schweiz stammt aus dem Jahr 2009.
    Foto © Mathias Schäf Bild in Druckqualität
    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Sempach. – Am 20. Juni dieses Jahres entdeckte der Ornithologe Fabian Schneider in den Waadtländer Voralpen ein singendes Männchen des Grünlaubsängers. Rund drei Wochen später konnte sein Kollege Lionel Maumary nach intensiver Suche die Sensation bestätigen: Die Anwesenheit zweier Altvögel mit sechs Jungen war der Beweis, dass der Grünlaubsänger erstmals in der Schweiz gebrütet hatte. Der insbesondere in Russland und Zentralasien beheimatete Vogel ist ein naher Verwandter unseres Zilpzalps.

    Bereits zum wiederholten Male gelang seit Beginn der Arbeiten für den Brutvogelatlas 2013–2016 der Nachweis einer neuen Brutvogelart. Wie im Falle des Grünlaubsängers steht ein solches Ereignis meist im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Art.

    Doch so gross die Freude über solche Zuzügler und steigende Artenzahlen sind: Sie sind nur eine Seite der Medaille. Die noch laufenden Arbeiten am Brutvogelatlas 2013–2016 der Schweizerischen Vogelwarte machen bereits heute deutlich, dass mehrere ehemals weit verbreitete Brutvögel aus der Schweiz verschwunden sind. Mit den grossen Hochstamm-Obstgärten haben wir auch den Rotkopfwürger verloren. Und den auf grosse ungestörte Feuchtgebiete angewiesenen Grossen Brachvogel können wir nur noch bestaunen, wenn er die Schweiz auf dem Zug durchquert oder hier überwintert. Beide Arten konnten seit Beginn der Arbeiten am Brutvogelatlas nicht mehr als Brutvögel nachgewiesen werden.

    „Das Verschwinden von Vogelarten widerspiegelt den schleichenden Rückgang der Biodiversität in der Schweiz. Daran ändert auch ein neuer Brutvogel nichts, so sehr wir uns darüber freuen,“ gibt Peter Knaus von der Vogelwarte zu bedenken. Veränderungen bei den Brutvogelarten verdeutlichen die Wichtigkeit des neuen Brutvogelatlas 2013–2016, der letztlich auch aufzeigen soll, wie sich die Natur um uns wandelt. 

    Brutvogelatlas 2013–2016: Volkszählung der Brutvögel
    Von 2013 bis 2016 ermittelt die Vogelwarte Sempach, wo in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein wie viele und welche Vögel brüten. Ziel dieser Zählung ist es, einen Überblick über den Zustand und den Wandel unserer Vogelwelt zu gewinnen. Weil Vögel auf vielfältige Lebensräume angewiesen sind, widerspiegelt ihre Situation diejenige der gesamten Natur und der Landschaft. Der Brutvogelatlas 2013–2016 wird zudem zeigen, in welchen Regionen und für welche Vogelarten Fördermassnahmen am dringendsten sind.
    www.vogelwarte.ch/atlas

    Weitere Auskünfte

    Peter Knaus
    Tel. 041 462 97 32
    peter.knaus@vogelwarte.ch 

    Michael Schaad
    Tel. 041 462 97 35
    michael.schaad@vogelwarte.ch