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    Neu auf der Liste der Schweizer Brutvogelarten (29.10.2013)

    Am Südufer des Neuenburgersees kam es diesen Sommer zu einer ornithologischen Sensation: Zum ersten Mal hat hier ein Pärchen Silberreiher zwei Junge aufgezogen. Damit ist der elegante Schreitvogel die 220. Vogelart, die in der Schweiz gebrütet hat. Entdeckt wurde die Brut im Rahmen der Arbeiten für den Brutvogelatlas 2013–2016 der Schweizerischen Vogelwarte Sempach.

    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Sempach/Chevroux. – In einem abgelegenen Winkel des grössten Schilfgebiets der Schweiz hat dieses Jahr ein Pärchen Silberreiher erstmals seine Jungen aufgezogen. Zwei Ornithologen, die das Gebiet wie ihre Westentasche kennen, hatten die Brut unabhängig voneinander entdeckt. Während Pascal Rapin über Wochen hinweg Hinweise auf ein Brutverhalten des Pärchens sammelte, beobachtete Jacques Jeanmonod Anfang August die Fütterung zweier frisch ausgeflogener Jungvögel.

    „Der Silberreiher ist die 220. Vogelart, die seit Beginn des 19. Jahrhunderts in der Schweiz gebrütet hat“, bestätigt Peter Knaus, der die Arbeiten für den neuen Brutvogelatlas der Schweizerischen Vogelwarte Sempach koordiniert. Entdeckt wurde die Brut bereits im ersten Jahr der bis 2016 dauernden Feldarbeiten. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts breitet sich der Silberreiher von Osten her nach Mitteleuropa aus. „In den letzten Jahren brütete die Art bereits in Frankreich, Deutschland und Holland. Wir hatten damit gerechnet, dass der elegante Reiher auch bei uns bald Junge aufziehen würde“, erklärt Knaus.

    Pascal Rapin ist nicht erstaunt, dass sich der Silberreiher ausgerechnet das Südufer des Neuenburgersees zum Brüten ausgesucht hat: „Die Grande Cariçaie ist ein Schilfgebiet von nationaler und internationaler Bedeutung. Das Gebiet dient zahlreichen Brutvögeln, Wintergästen und rastenden Zugvögeln als Lebensraum,“ erklärt er. „Der Silberreiher braucht zum Brüten ungestörte und fischreiche Schilfgebiete, wie sie die Grande Cariçaie bietet.“ Jeanmonod seinerseits ist optimistisch: „Wir hoffen, dass dieser Bruterfolg der Beginn einer Besiedlung der Schweiz durch den Silberreiher ist.“

    Nach dem Stelzenläufer ist der Silberreiher die zweite neue Brutvogelart, die 2013 in der Schweiz entdeckt wurde. Grund dafür ist die erhöhte Aufmerksamkeit, welche die Brutvögel dieses Jahr erhielten: Über 2000 Freiwillige haben heuer aus 17'000 Quadratkilometern gegen 300'000 Beobachtungen von Brutvögeln gemeldet. Damit wurde mehr als ein Drittel unserer Landesfläche von Ornithologinnen und Ornithologen besucht.

    Brutvogelatlas 2013–2016: Volkszählung der Brutvögel
    Von 2013 bis 2016 ermittelt die Vogelwarte Sempach, wo in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein wie viele und welche Vögel brüten. Ziel dieser Zählung ist es, einen Überblick über den Zustand und den Wandel unserer Vogelwelt seit dem letzten Brutvogelatlas vor 20 Jahren zu gewinnen. Weil Vögel auf vielfältige Lebensräume angewiesen sind, widerspiegelt ihre Situation diejenige der gesamten Natur und der Landschaft.
    www.vogelwarte.ch/atlas

    Bilanz nach der ersten Atlassaison
    :
    - Mehr als 600 Mitarbeitende haben bei den Erhebungen in 800 ausgewählten Kilometerquadraten mitgemacht.
    - Dabei haben sie insgesamt die Distanz Sempach – Hawaii (12‘400 km) zu Fuss zurückgelegt. Dazu waren sie rund 8000 Stunden lang unterwegs – insgesamt fast ein ganzes Jahr.
    - 197 Arten wurden 2013 als Brutvögel nachgewiesen, darunter auch Seltenheiten wie Mittelsäger, Mornellregenpfeifer, Stelzenläufer und Brachpieper.