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    Die Schweizerische Vogelwarte Sempach rät: Hände weg von Jungvögeln! (19.04.2017)

    Viele Jungvögel verlassen ihr Nest noch bevor sie richtig fliegen können. Doch auch ausserhalb des Nestes werden sie weiterhin von ihren Eltern gefüttert und umsorgt. Die Schweizerische Vogelwarte empfiehlt daher, Jungvögel dort zu lassen, wo sie sind.

    Dieses junge Rotkehlchen trägt noch sein gepunktetes Jugendkleid und ist noch nicht selbständig. Deshalb wird es von seinen Eltern auch ausserhalb des Nestes weiter betreut.
    Dieses junge Rotkehlchen trägt noch sein gepunktetes Jugendkleid und ist noch nicht selbständig. Deshalb wird es von seinen Eltern auch ausserhalb des Nestes weiter betreut.
    Foto © Markus Varesvuo Bild in Druckqualität
    Stockenten sind sogenannte Nestflüchter und folgen ihrer Mutter bereits kurz nach dem Schlüpfen zum nächsten See oder Fluss. Diese jungen Stockenten haben ihre Mutter auf dem Weg zum Wasser verloren, weshalb sie im „Kindergarten“ der Vogelwarte aufgezogen wurden.
    Stockenten sind sogenannte Nestflüchter und folgen ihrer Mutter bereits kurz nach dem Schlüpfen zum nächsten See oder Fluss. Diese jungen Stockenten haben ihre Mutter auf dem Weg zum Wasser verloren, weshalb sie im „Kindergarten“ der Vogelwarte aufgezogen wurden.
    Foto © Marcel Burkhardt Bild in Druckqualität
    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Sempach. – In der Vogelpflegestation der Schweizerischen Vogelwarte herrscht momentan Hochbetrieb. Täglich werden zahlreiche scheinbar verwaiste Jungvögel eingeliefert. Im letzten Jahr wurden dort rund 500 Jungvögel aufgezogen. Dies entspricht knapp der Hälfte aller 2016 in der Pflegestation eingelieferten Vögel. Diese gut gemeinte Hilfe ist aber in den meisten Fällen gar nicht nötig. Im Gegenteil: Oft führt sie dazu, dass gesunde Jungvögel von ihren Eltern getrennt werden.

    Nur scheinbar verlassen

    Ein Jungvogel ist meist nur scheinbar verlassen und hilflos. Er wird auch nach dem Verlassen des Nestes von seinen Eltern weiterhin gefüttert und betreut. Daher gilt: Jungvögel dort lassen, wo sie sind! „Zwar geht es den Jungen bei uns gut, und sie können in Ruhe heranwachsen. Wir können ihnen aber nicht alles beibringen, was sie von ihren Eltern lernen würden“, weiss Vreni Mattmann, Tierpflegerin an der Vogelwarte. „Dies könnte sich später negativ auf ihre Überlebenschancen auswirken“.

    Wann ist ein Eingreifen sinnvoll?

    Die Vogelwarte empfiehlt, Jungvögel grundsätzlich an ihrem Fundort zu lassen. Einschreiten soll man nur, wenn sich ein Vogel in unmittelbarer Gefahr befindet. Sitzt beispielsweise eine junge Amsel auf der Strasse, so kann man sie – auch mit blossen Händen – aufheben und ins nächste Gebüsch tragen. Dort werden die Altvögel sie auch weiterhin füttern.

    Ist der Jungvogel verletzt oder wird er von den Eltern während einer Stunde nicht mehr gefüttert, bringt man ihn am besten in die nächstgelegene Pflegestation. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach vermittelt gerne die entsprechende Adresse.

    Was tun?
    Verletzte und kranke Vögel sowie verlassene Jungvögel gehören in die Hände von Fachleuten! Die Schweizerische Vogelwarte Sempach betreibt eine eigene Pflegestation. Diese kann unter Tel. 041 462 97 00 und ohne Voranmeldung (Mo-Fr 8-12 Uhr und 13.30-17 Uhr) erreicht werden; an Wochenenden und Feiertagen ist ein Pikettdienst organisiert.

    Entenbruten auf Flachdächern und Balkonen
    Stockenten brüten normalerweise am Boden in einem Versteck. In Dörfern und Städten suchen sie sich manchmal auch Flachdächer und Balkone als Neststandort aus. Zwar sind die Eier dort sicher vor Füchsen und Katzen. Dafür ist der Weg ans Wasser für die Entenfamilie oft sehr gefährlich und unter Umständen nur mit menschlicher Hilfe zu bewältigen. Wie das am besten geschieht, kann man hier nachlesen.

    Weitere Auskünfte

    Livio Rey
    Schweizerische Vogelwarte
    6204 Sempach
    Tel. 041 462 97 14
    livio.rey@vogelwarte.ch

     

    Vreni Mattmann
    Schweizerische Vogelwarte
    6204 Sempach
    Tel. 041 462 97 14
    vreni.mattmann@vogelwarte.ch