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    Viel Aufwand – kaum Ertrag (02.05.2017)

    Für den Steinkauz ist die Jungenaufzucht in vielfältigen und extensiv genutzten Landwirtschaftsgebieten am einfachsten. Hier findet er auch in einem kleinen Revier genügend Futter und kann seine Jungen in kürzerer Zeit häufiger damit versorgen. Fachleute der Schweizerischen Vogelwarte konnten zeigen, dass die kleine Eule in intensiv genutzten Ackerlandgebieten mehr Zeit für die Jagd benötigt, dabei grössere Distanzen zurücklegt und die Jungen trotzdem weniger oft füttert. Ganz zu deren Nachteil.

    Der Steinkauz füttert seine Jungen mit Mäusen, grossen Insekten (im Bild eine Raupe) und anderen kleinen Tieren.
    Der Steinkauz füttert seine Jungen mit Mäusen, grossen Insekten (im Bild eine Raupe) und anderen kleinen Tieren.
    Foto © Marcel Burkhardt Bild in Druckqualität
    Steinkauzeltern sind nachts ständig unterwegs, um die hungrigen Schnäbel ihrer Jungen zu stopfen. Das gelingt vor allem in strukturreichen Gebieten, weil diese mehr Nahrung bieten.
    Steinkauzeltern sind nachts ständig unterwegs, um die hungrigen Schnäbel ihrer Jungen zu stopfen. Das gelingt vor allem in strukturreichen Gebieten, weil diese mehr Nahrung bieten.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte Sempach Bild in Druckqualität
    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Sempach. – Die Aufzucht der Jungen ist für Vogeleltern eine anstrengende Angelegenheit. Steinkäuze umsorgen ihre drei bis vier Jungen über einen Monat lang. Als Bewohnerin von Obstgärten und landwirtschaftlicher Kulturen ist die kleine Eule mit den goldgelben Augen auf einen strukturreichen Lebensraum angewiesen. Um die Jungen ausreichend mit Futter zu versorgen, braucht es ein grosses Revier – könnte man zumindest meinen.

    Doch das Gegenteil trifft zu, wie Forschende der Vogelwarte Sempach am Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau herausfanden. Mit Hilfe von GPS-Sendern zeichneten sie die Jagdflüge von Steinkauz-Weibchen auf. In monotonen Agrarlandschaften nutzen die Steinkäuze sechs Mal grössere Gebiete als in strukturreichen Lebensräumen.

    Die Reviere sind im intensiv genutzten Ackerland deshalb so gross, weil nur wenig Nahrung vorhanden ist. Für jedes Beutetier muss ein Weibchen hier zweieinhalb Mal weiter fliegen als Weibchen in guten Gegenden. Dort können die Weibchen in der gleichen Zeit 25 % mehr Futter verfüttern, was zu einem besseren Bruterfolg und zu einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit der Jungen führt.

    In einem kleinen Reviere mit viel Futter zu jagen ist für den Steinkauz also besser, als wenn er in einem grossen Territorien viel Energie und Zeit für die Jagd aufwenden muss. „Unsere Studie zeigt, wie wichtig strukturreiche Inseln in den eintönigen Landwirtschaftsgebieten sind“, betont Studienleiter Martin Grüebler von der Vogelwarte Sempach

    Source
    Staggenborg J, Schaefer HM, Stange C, Naef-Daenzer B and Grüebler M (2017). Time and travelling costs during chick-rearing in relation to habitat quality in Little Owls Athene noctua. Ibis, doi: 10.1111/ibi.12465

    Weitere Auskünfte

    Michael Schaad
    Tel. 041 462 97 35
    michael.schaad@vogelwarte.ch

    Martin Grüebler
    Tel. 041 462 97 22
    martin.gruebler@vogelwarte.ch