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    Erstmals nachgewiesen: 200 Tage Nonstop-Flug beim Alpensegler (08.10.2013)

    Längster Nonstop-Flug: Mit neuester Technik konnten Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach nachweisen, dass Alpensegler über die Hälfte des Jahres ununterbrochen in der Luft sind. Damit wird eine alte Vermutung bestätigt.

    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Sempach. – Auch Vögel müssen zwischendurch landen, um zu fressen und sich zu erholen. Eine Ausnahme machen Segler, die perfekt an das Leben in der Luft angepasst sind. Sie ernähren sich von fliegenden Insekten, die sie im Flug fangen. Lange wurde vermutet, dass sie nicht einmal zum Schlafen landen, sondern die Nacht hoch oben im Himmel verbringen. Der beste Hinweis für dieses rastlose Leben waren Radarbilder, die nachts Mauersegler in grosser Höhe zeigten.

    Jetzt haben Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach erstmals nachgewiesen, dass der nahe verwandte Alpensegler mehr als sechs Monate ununterbrochen in der Luft bleiben kann. Nach der Brutzeit im Jahr 2011 haben die Forscher Alpensegler mit sogenannten „Geolocatoren“ ausgestattet. Diese in Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule in Burgdorf entwickelten rund 1g leichten technischen Meisterwerke messen und speichern während eines Jahres, wie hell es in der Umgebung des Vogels ist. Daraus lässt sich die Tageslänge und damit auch die geografische Position des Vogels berechnen. Als Spezialität waren die Geräte für diese Untersuchung mit einem Aktivitätssensor ausgestattet, der festhält, ob der Vogel mit den Flügeln schlägt oder nicht.

    Mit dem Geolocator auf dem Rücken flogen die Alpensegler in ihre Winterquartiere, verbrachten dort die kalte Jahreszeit und kehrten im Frühling wieder in die Schweiz zurück, wo die Fachleute ihnen die Sensoren wieder abnahmen. „Die Auswertung der Daten von drei Alpenseglern hat gezeigt, dass die Vögel den Winter mehrheitlich in Westafrika verbringen“, erläutert Felix Liechti, Leiter der Abteilung Vogelzugforschung der Schweizerischen Vogelwarte und Erstautor der Studie. „Revolutionär ist die Erkenntnis, dass die Vögel auf dem Hinzug und im Winterquartier ununterbrochen in der Luft waren“.

    Die Resultate weisen darauf hin, dass Alpensegler alle lebenswichtigen Körperfunktionen auch im Dauerflug aufrecht erhalten können. Sie benötigen keinen Schlaf, wie wir Menschen ihn kennen.

    Quelle
    Liechti, F. et al. First evidence of a 200-day non-stop flight in a bird. Nat. Commun. 4:2554 doi: 10.1038/ncomms3554 (2013). http://dx.doi.org/10.1038/ncomms3554

    Alte Methode – modernste Technik
    Ein Geolocator besteht aus einem Lichtsensor, einem Zeitgeber, einem Datenspeicher und einer Batterie. In einem Zeitintervall von vier Minuten wird rund um die Uhr die Intensität des Lichts gemessen und gespeichert. Nach der Rückkehr der Vögel ermitteln die Wissenschaftler aus dem zeitlichen Verlauf der Lichtintensität für jeden Tag Sonnenauf- und -untergang. Daraus wiederum lassen sich sowohl die Tageslänge als auch die Zeitpunkte der Tages- und Nachtmitte bestimmen. Die Tageslänge gibt schliesslich Auskunft über die geografische Breite, auf der sich der Vogel an jenem Tag befand. Anhand der Tages- bzw. Nachtmitte lässt sich die geografische Länge eruieren. Der Verlauf der Lichtintensität hängt auch vom Wetter, der Vegetation und dem Verhalten des Vogels ab. Zudem kann um die Zeit der Tag- und Nachtgleiche keine geografische Breite bestimmt werden. Deshalb ist die Ungenauigkeit dieser Messtechnik sehr viel grösser als etwa bei einem Satellitensender. Dennoch lassen sich Zugrouten, Rastplätze und Winterquartiere mit Genauigkeiten von 100–200 km identifizieren.

    Dr. Felix Liechti
    Bereits in der Diplom- und Doktorarbeit beschäftigte sich Felix Liechti mit Fragestellungen zum Vogelzug. Seit 1991 arbeitet er an der Schweizerischen Vogelwarte, wo er gemeinsam mit Prof. Bruno Bruderer insbesondere die Erforschung des Vogelzugs mit Hilfe von Radar vorantrieb. Ein Meilenstein war das mehrjährige Projekt zur Vogelzugforschung in der westlichen Sahara. Seit 2007 leitet er die Abteilung Vogelzugforschung der Schweizerischen Vogelwarte und ist Lehrbeauftragter für Ornithologie an der Universität Basel. Der 1957 geborene Felix Liechti stammt aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden und wohnt heute in Emmenbrücke.

    Die Schweizerische Vogelwarte Sempach
    Die Schweizerische Vogelwarte Sempach ist eine private, von der Bevölkerung getragene gemeinnützige Stiftung und setzt sich für die Erforschung und den Schutz der wildlebenden Vögel ein. Im Bereich Vogelzugforschung gehört sie weltweit zu den führenden Institutionen. Insbesondere hat sie die Beobachtung des Vogelzugs mittels Radar etabliert. In den letzten Jahren war sie federführend in der Miniaturisierung von Telemetriesendern und Geolocatoren.