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    Zu mild, um in die Schweiz zu fliegen (09.01.2014)

    Mehrere Hunderttausend Wasservögel verbringen die kalte Jahreszeit auf Schweizer Seen und Flüssen. Doch weil die Winter milder werden, nehmen immer weniger Vögel den Weg zu uns unter die Flügel. Wie viele es dieses Jahr sind, wird am kommenden Wochenende ermittelt: Dann organisiert die Schweizerische Vogelwarte die grosse Wasservogelzählung.

    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Sempach. – Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas und ein Paradies für Wasservögel. Rund eine halbe Million Enten, Möwen und Taucher verbringen die kalte Jahreszeit auf unseren Seen und Flüssen. Doch die Wintergäste aus Nord- und Osteuropa werden seltener. Die Winter sind milder geworden und auch die Gewässer in Nordeuropa frieren nicht mehr jedes Jahr zu. So sind weniger Vögel gezwungen, den weiten Weg bis in die Schweiz zu fliegen. Sie finden auch weiter nördlich und östlich genügend zu fressen.

    „Im letzten Winter zählten freiwillige Mitarbeitende der Vogelwarte schweizweit bloss noch rund 120‘000 Reiherenten und 6‘000 Schellenten“, sagt Verena Keller von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, „so wenig, wie seit den Siebzigerjahren nicht mehr.“ Ob sich der Trend fortsetzt, wird sich nächstes Wochenende zeigen. Dann findet die grosse Wasservogelzählung dieses Winters statt.

    Der Rückgang dieser Wintergäste erklärt sich mit Blick auf die Situation in Europa. Daten der Internationalen Wasservogelzählungen zeigen, dass Reiher- und Schellenten in den letzten 30 Jahren zunehmend weiter nördlich überwintern. Ihre Winterbestände in Nordeuropa sind stark gestiegen, während der Trend in Mitteleuropa rückläufig ist. Diese grossräumige Verschiebung geht einher mit einem Anstieg der Temperaturen im Frühwinter um fast 4°C. Die klimabedingte Verlagerung führt dazu, dass der Schutzstatus der Winterquartiere von Wasservögeln europaweit neu beurteilt werden muss.

    Quelle:
    Lehikoinen, A., K. Jaatinen, A. V. Vähätalo, P. Clausen, O. Crowe, B. Deceuninck, R. Hearn, C. A. Holt, M. Hornman, V. Keller, L. Nilsson, T. Langendoen, I. Tománková, J. Wahl & A. D. Fox (2013): Rapid climate driven shifts in wintering distributions of three common waterbird species. Global Change Biology 19: 2071–2081.

    Wasservogelzählung
    In der Schweiz werden seit den Fünfzigerjahren jeden Winter Wasservögel gezählt. Diese europaweit koordinierten winterlichen Wasservogelzählungen sind Teil eines der grössten und ältesten internationalen Überwachungsprogramme. In der Schweiz werden die Zählungen von der Schweizerischen Vogelwarte organisiert und von rund 500 freiwilligen Mitarbeitenden durchgeführt. Am kommenden Wochenende findet in der Schweiz und in ganz Europa die grosse Wasservogelzählung statt.