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    Bericht 2015 (23.09.2015)

    Vierzig Prozent der Schweizer Brutvögel sind bedroht. Zwar lässt der neue Swiss Bird Index der Rote-Liste-Arten eine Stabilisierung auf tiefem Niveau erkennen. Doch für viele Brutvögel ist die Lage nach wie vor dramatisch. Heute präsentiert die Vogelwarte die Fakten zur Situation der Vögel in der Schweiz erstmals in einer einzigen übersichtlichen Zusammenfassung.

    Im Aussehen erinnert der Girlitz an den Kanarienvogel, mit dem er nahe verwandt ist. Seine Bestände haben in den letzten zehn Jahren um einen Viertel abgenommen.
    Im Aussehen erinnert der Girlitz an den Kanarienvogel, mit dem er nahe verwandt ist. Seine Bestände haben in den letzten zehn Jahren um einen Viertel abgenommen.
    Foto © Mathias Schäf Bild in Druckqualität
    Der Swiss Bird Index SBI® für alle Brutvogelarten (blau) zeigt seit 1990 eine positive Entwicklung, während derjenige für die Arten der Roten Liste (rot) deren Abnahme verdeutlicht.
    Der Swiss Bird Index SBI® für alle Brutvogelarten (blau) zeigt seit 1990 eine positive Entwicklung, während derjenige für die Arten der Roten Liste (rot) deren Abnahme verdeutlicht.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte Bild in Druckqualität
    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Sempach. – Wussten Sie, dass auf unseren Seen alljährlich rund eine halbe Million Wasservögel den Winter verbringen und viele von ihnen extra dafür in die Schweiz kommen? Oder dass vierzig Prozent unserer Brutvögel auf der Roten Liste stehen, darunter viele Vögel des Landwirtschaftsgebiets? In einer Art „Gesundheits-Check“ fasst die Vogelwarte erstmals die Kennzahlen zum Zustand der Vögel in der Schweiz in einem einzigen Bericht zusammen. Der Bericht ist ein Gradmesser für den Zustand unserer Natur insgesamt.

    Im Zentrum steht der Swiss Bird Index SBI®, der die Entwicklung der Schweizer Brutvogelbestände der letzten 25 Jahren aufzeigt. Für die bedrohten Arten zeigt der Teilindex, dass sich die Bestände auf tiefem Niveau stabilisieren. Thomas Sattler, verantwortlicher Abteilungsleiter an der Vogelwarte, gibt zu bedenken: „Bei vielen Arten der Roten Liste hat der Abwärtstrend bereits lange vor 1990 eingesetzt.“ Und er gibt sich vorsichtig optimistisch: „Ob wir die Talsohle wirklich durchschritten haben und es mit den bedrohten Vogelarten wieder aufwärts geht, werden die nächsten Jahre zeigen“.

    Gleichzeitig zeigen landesweite, mit rund 2800 Freiwilligen durchgeführte Zählungen, dass auch die Bestände weit verbreiteter Arten schrumpfen, die nicht auf der Roten Liste stehen. Zu ihnen gehört der Girlitz. Sein an das Geräusch einer rostigen Velokette erinnernder Gesang ist im Frühling deutlich seltener zu hören, als noch vor einem Vierteljahrhundert.

    Die Vogelwarte macht es sich zur Aufgabe, die Gründe für solche Bestandsabnahmen herauszufinden und Fördermassnahmen zu erarbeiten.

    Quelle
    Sattler, T., V. Keller, P. Knaus, H. Schmid & B. Volet (2015): Zustand der Vogelwelt in der Schweiz. Bericht 2015. 35 S.
    Vollständiger Bericht
    Mehr Informationen unter: www.vogelwarte.ch/zustand

    Freiwilligenarbeit als Voraussetzung für eine solide Datengrundlage
    Der Swiss Bird Index SBI® wurde 2005 von der Schweizerischen Vogelwarte als Set von Indikatoren für den Zustand der Umwelt entwickelt. Er dokumentiert die Situation der Schweizer Brutvögel seit 1990. Der SBI® inklusive seiner Teilindices basieren auf der Bestandsentwicklung von 173 regelmässigen einheimischen Brutvogelarten, die alle gleich viel zum SBI® oder einem Teilindex beitragen. Die Arten verschiedener Lebensräume werden mit unterschiedlichen Erfassungsmethoden gezählt, welche in vier Monitoringprojekten zusammengefasst sind. Insgesamt liegen dem SBI® alleine aus dem Jahre 2014 rund 167‘000 einzelne Beobachtungen von 976 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugrunde.

    Weitere Auskünfte

    Peter Knaus
    Tel. 041 462 97 32
    peter.knaus@vogelwarte.ch

    Michael Schaad
    Tel. 041 462 97 35
    michael.schaad@vogelwarte.ch