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Elstern
Bei der Schweizerischen Vogelwarte Sempach sind in den Jahren 1984-1997 1190 Meldungen aus der ganzen Schweiz über die Entwicklung der Elsternpopulationen eingegangen.
58% der Melder stellten gleichbleibende, 29% zunehmende und 13% abnehmende Bestände fest. Insgesamt kann man also von gleichbleibenden bis leicht zunehmenden Elsterbeständen sprechen. Untersuchungen in verschiedenen Städten des Auslandes und Beobachtungen im Inland haben jedoch gezeigt, dass die Elster verstärkt Städte und Dörfer besiedelt.
Hierzu gibt es folgende Vermutungen:
Vermutlich wird die Elster vorerst in manchen Städten und Dörfern noch weiter zunehmen. Es gibt jedoch zahlreiche Regulationsmechanismen, welche eine unbegrenzte Zunahme der Elsternbestände verhindern. So treten bei hoher Bestandsdichte vermehrt Nichtbrüter auf, welche die Brutpaare bei der Jungenaufzucht erheblich stören können und so den Bruterfolg schmälern. Zwischen benachbarten Brutpaaren nimmt die Aggression bei zunehmender Bestandsdichte zu. Auch durch das beschränkte Nahrungsangebot wird der Elsternbestand in Grenzen gehalten. Schliesslich haben selbst die Stadtelstern natürliche Feinde. Besonders Rabenkrähen vertreiben sie oft von ihren Nestern und rauben Eier und Junge.
Die Elster ist ein Allesfresser. Insekten und vielerlei Pflanzenteile (Getreidekörner, Eicheln, Sämereien) bilden die Hauptnahrung. Daneben frisst die Elster auch Mäuse, Jungvögel, Eier und Abfall.
Untersuchungen aus ganz Europa zeigen, dass der Vogelanteil an der Elsternnahrung stark schwankt, im Schnitt aber nur 2-3 Gewichtsprozente ausmacht. Der höchste Wert (7,6 Gewichtsprozent der Nahrung für die Elsternnestlinge) wurde in einer holländischen Untersuchung ermittelt. Auch in diesem Beispiel waren jedoch nur 0,4% der Beutestücke Vögel, Eier oder Nestlinge.
Lokal kann der Bruterfolg von Kleinvögeln durch Elstern geschmälert werden. So kommt eine belgische Studie zum Ergebnis, dass Elstern etwa jedes vierte Freibrüternest ausraubten. Die meisten Singvogelarten brüten jedoch mindestens zweimal im Jahr und können Gelegeverluste bis in den Juli hinein durch Ersatzgelege ausgleichen. Im Frühsommer lässt der Druck der Elster beträchtlich nach, da nur noch ein kleiner Teil der Elstern eine eigene Brut zu verpflegen hat.
Über grössere Siedlungsgebiete betrachtet konnte noch nie eine durch Elstern verursachte Bestandsabnahme bei Kleinvögeln festgestellt werden. So nahm in Osnabrück zwischen 1984 und 1991 nicht nur die Elster stark zu, sondern gleichzeitig auch der Brutbestand von 17 Kleinvogelarten (um durchschnittlich 30%). Sogar die Amsel, deren Nester nach Aussagen aus der Bevölkerung besonders häufig von Elstern ausgeraubt werden, nahm um 48% zu. Als einzige Art nahm die Kohlmeise ab. Meisen sind jedoch als Höhlenbrüter nur wenig durch Nesträuber gefährdet. Wir kennen in der Schweiz kein Wohnquartier, aus welchem eine Vogelart wegen den Elstern verschwunden wäre. Die Zunahme der Elster hat also im allgemeinen keinen nachweisbaren Einfluss auf den Bestand von Singvogelarten. Zudem werden in Städten und Vorstädten viel mehr Singvögel durch Hauskatzen getötet als durch Elstern.
Kaum, denn freie Brutplätze werden bald von umherstreifenden Nichtbrütern eingenommen. Die Elster ist in allen Kantonen jagdbar, aber nur in den Kantonen GL, GR, JU und VD dürfen mit entsprechender Bewilligung auch Nicht-Jäger Elstern schiessen.
Bestehende Nester von Freibrütern können kaum geschützt werden. Die Gefahr, dass die Eltern das Nest wegen Störungen verlassen, ist zu gross. Vorsorglicher Schutz ist jedoch möglich. Dichte Dornsträucher und deckungsreiche, einheimische Gehölze (Schwarzdorn, Weissdorn, Wildrosen, Schwarzer Holunder) bieten den Kleinvögeln relativ sichere Neststandorte. Für Rotschwänze und andere Nischenbrüter (Bachstelze, Grauschnäpper) wurde ein sicherer Dreiecknistkasten entwickelt. Dieser kann bei der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach bezogen werden (Preis: Fr. 39.- plus Versandspesen, Stand April 1998).
© Schweizerische Vogelwarte Sempach und Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Sempach und Zürich.
Autor: R. Graf
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