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Entwicklung der Kulturlandschaft und der Brutvogelbestände im Engadin

Auch im Unterengadin wurde die landwirtschaftliche Nutzung in den letzten Jahren intensiviert. In welchem Mass sich die Landschaft dadurch effektiv verändert hat, und wie sich dies auf die Brutvögel ausgewirkt hat, will die Schweizerische Vogelwarte nun erforschen.

Kulturlandschaft und Brutvögel im Engadin

Ziele

  • Quantifizierung der in jüngster Zeit erfolgten nutzungsbedingten Veränderungen der Landschaft und Brutvogelbestände in einer der für Kulturlandvogelarten wichtigsten Regionen der Schweiz.
  • Darstellen von verschiedenen Szenarien einer zukünftigen Entwicklung von Landschaft und Biodiversität unter unterschiedlichen landwirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
  • Aufzeigen der Auswirkungen verschiedener landschaftsrelevanter Instrumente (ÖQV, Meliorationen, Güterzusammenlegung, Bewässerung) auf die Engadiner Kulturlandschaft.
  • Erarbeiten und Umsetzen von Strategien für die Aufwertung von Defizitgebieten und den Erhalt von noch wenig beeinträchtigten Untersuchungsflächen.
  • Argumente erarbeiten, die den Umbau des Direktzahlungssystems in eine im Sinne des Vogelschutzes gewünschte Richtung lenken.
  • Mit den lokalen und regionalen Politikern wird die Diskussion über die Ergebnisse der Untersuchungen geführt. Artikel in Fachzeitschriften und Publikumsschriften, auch in der Tourismusfachpresse werden veröffentlicht.

Vorgehen

  • Datenaufarbeitung, Methodenerarbeitung, Lobbying (2009)
  • Homologisierung der Schlüssel und Aufnahmemethoden
  • Finanzierung, Beschaffung von Drittmitteln
  • Wiederholung der Kartierung Brutvögel auf ausgewählten Untersuchungsflächen
  • Kartierung der Vegetation, Landschaft, Strukturen in den gleichen Flächen
  • Auswertung der gewonnenen Daten
  • Wissenschaftliche Berichterstattung; Aufbereitung der Ergebnisse für die Öffentlichkeit; Diskussion der Ergebnisse mit lokalen und regionalen Politikern und Interessenvertretern (Landwirtschaft, Tourismus) Artikel in Landwirtschafts- und Tourismusfachpresse.

Bedeutung

Die inneralpine Kulturlandschaft des Engadins bietet mosaikartig verflochtene, vielfältige Lebensräume und weist daher eine grosse Artenvielfalt (Flora und Fauna) auf. Gerade in offenen und halboffenen Lebensräumen der inneralpinen Täler kommt eine Gruppe von Vogelarten vor, die in der übrigen Schweiz höchstens noch in viel geringerer Dichte anzutreffen ist. Diese Lebensgemeinschaft hängt von einer nachhaltigen, weitgehend extensiven Landbewirtschaftung ab, wie sie bis vor kurzem im Engadin praktiziert wurde. Diese Bewirtschaftungsweise geriet in den letzten Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen zunehmend unter Druck. Zumindest in landwirtschaftlichen Gunstlagen, wird die Nutzung zusehends intensiver. Das Ausmass der Auswirkungen dieser Intensivierungswelle auf Landschaft und Vogelwelt wurden zwar für das Engadin bislang nicht untersucht; es wird aber kaum bestritten, dass beispielsweise die in jüngster Zeit festgestellten Veränderungen in Verbreitungsmuster und Dichte des Engadiner Braunkehlchenbestands darauf zurückzuführen sind. Inwiefern auch andere Kulturlandvogelarten betroffen sind, ist unbekannt. Im Engadin besteht die (für den Alpenraum wohl einmalige) Gelegenheit, den Landschaftswandel seit den 1980er-Jahren grossräumig zu dokumentieren und dessen Auswirkungen auf die Kulturlandvögel darzustellen. Denn bereits in den Jahren 1987/88 wurden im gesamten Engadin zwischen Martina und Maloja 38 repräsentative Flächen bezüglich Vegetation, Strukturen, Nutzungsintensität und Brutvogelarten untersucht. Die Daten aus diesen Erhebungen dienen als Grundlage für den Vergleich.

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