
Weinberge sollen wieder zu einem Refugium für gefährdete Vogelarten werden. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach unterstützt naturnahe Formen des Weinanbaus.
Rebbauflächen können attraktive Lebensräume für viele Vogelarten sein, darunter viele gefährdete Arten der Roten Liste. Die Eignung der Weinberge für Vögel hängt aber von der Art und Weise der Bewirtschaftung ab. Im Projekt werden die Ansprüche der in Weinbergen lebenden Vogelarten abgeklärt, geeignete Formen der Nutzung entwickelt und in Walliser Rebbergen ausgetestet und umgesetzt.
Der Vergleich verschiedener Rebberge bezüglich Arten und Anzahl von Brutvögeln und bezüglich Bewirtschaftungsformen zeigt, wie eine Rebparzelle genutzt werden soll, um qualitativ hochwertigen Wein zu produzieren und gleichzeitig auch die Vogelwelt zu fördern. Die gewonnenen Erkenntnisse werden mit Unterstützung durch VITIVAL in die Praxis umgesetzt. Schliesslich dienen jährliche Erhebungen der Brutvögel als Erfolgskontrolle.
Landesweit gibt es rund 150 km2 Rebbaufläche, ein Drittel davon im
Wallis. Diese Spezialkulturen haben das Potenzial, eine reiche Vielfalt
an bedrohten Vogelarten zu beherbergen, die in der intensiv genutzten
Kulturlandschaft ansonsten kaum mehr geeigneten Lebensraum finden. Mit
einfachen Mitteln können Weinberge durch eine ökologische
Bewirtschaftung als Lebensraum für Wiedehopf, Heidelerche, Dorngrasmücke
und Zaunammer aufgewertet werden.
Weinberge erscheinen heutzutage auf den ersten
Blick feindlich für die meisten Vogelarten. In 13 verschiedenen
Weinbergen zwischen Martigny und Leuk hat die Schweizerische Vogelwarte
Sempach die Vogelwelt erfasst. Pro Weinberg wurden 4-11 Brutvogelarten
festgestellt, darunter drei gefährdete Arten der Roten Liste:
Heidelerche, Ortolan und Zaunammer. Je begrünter die Rebflächen sind,
desto mehr Vögel beherbergen sie. Die reichhaltigsten Weinberge waren
jene von Salgesch und Varen, welche Niederhecken, natürliche Böschungen
sowie begrünte Parzellen aufweisen. Erstaunlicherweise waren Weinberge
mit der modernen Drahtbau reichhaltiger an Vogelarten als jene mit
Stickelbau. Erstere werden mechanisiert bewirtschaftet, deshalb stehen
ihre Reihen weiter auseinander, und das erlaubt einen Krautwuchs am
Boden.
Sierro, A. & R. Arlettaz (2003):
L'avifaune du vignoble en Valais central : évaluation de la diversité à l'aide de transects.
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