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Hans Schmid ist diplomierter Biologe. Seit seiner Jugend faszinieren
ihn Vögel; seit langem interessiert er sich für deren Schutz.
Heute ist er stellvertretender Programmleiter an der Schweizerischen Vogelwarte
Sempach. In verschiedenen Projekten untersuchte er, wie die Vögel
vor Kollisionen an Glasfronten geschützt werden können.
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Vögel und Glas - ein Problem von unterschätzter Dimension.
Wieso?
Hans Schmid: Wenn man an seinem Haus pro Jahr einen Vogel
zusammenliest, der in eine Scheibe reingeflogen ist, dann denkt man: "Ist
nicht so schlimm, so etwas kommt halt vor". Doch solche Kollisionen
kommen stündlich an unzähligen Gebäuden vor. Die Vögel
zahlen deshalb einen enorm hohen Blutzoll. Auch viele Vögel, die
eine Kollision scheinbar unverletzt überleben, gehen später
oft noch an inneren Verletzungen ein.
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Wie viele Vögel sind jährlich betroffen?
Hans Schmid: Genaue Zahlen gibt es nicht,
denn solche Zahlen wären nur mit einem enormen Aufwand zu erarbeiten.
Eine Untersuchung aus Amerika deutet auf 1-10 Opfer pro Haus und Jahr.
Diese Grössenordnung dürfte auch für schweizerische Gebäude
in etwa richtig sein. Die Schweiz hat alleine etwa 1,5 Mio Gebäude...
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Weshalb wird Glas als doppelte Gefahrenquelle bezeichnet?
Hans Schmid: Glas kann Vögeln aufgrund
von zwei unterschiedlichen Phänomenen zum Verhängnis werden.
Einerseits sind viele Glastypen transparent. Ein Vogel sieht beispielsweise
durch einen Windschutz hindurch und will deshalb den Baum dahinter ansteuern.
Andererseits gibt es heute viele Gläser, die aufwändige Beschichtungen
aufweisen und die mehr oder weniger stark spiegeln. In ihnen reflektieren
sich also Wolken oder ein Baum, die sich vor dem Gebäude befinden.
Der Vogel wird in einem solchen Fall ein Opfer des Spiegelbildes.
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Gibt es Vogelarten, die speziell gefährdet sind?
Hans Schmid: Von solchen Kollisionen ist
eine breite Palette von Vogelarten betroffen. Es liegt in der Natur der
Sache, dass es vorab Bewohner von Siedlungsgebieten trifft. Doch erleiden,
nebst zahlreichen Singvögel, z.B. auch viele Sperber, Eisvögel
und Spechte den Kollisionstod.
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Bei welchen Bauten/Gebäuden besteht die grösste
Gefahr?
Hans Schmid: Besonders gefährlich sind
Glaselemente, die in den "freien Luftraum" hinausragen, also
bspw. ein transparenter Windschutz oder eine Verglasung über eine
Gebäudeecke. Dazu sind Scheiben mit einem höheren Reflexionsgrad
latente Gefahrenherde.
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Glashaus
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reflektierende Glasfront
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Wartehäuschen
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Was muss ich als Architekt bei der Planung eines modernen
Hauses mit einer Glasfront beachten?
Hans Schmid: Wir empfehlen, den Aspekt des
Vogelschutzes unbedingt bereits bei der Planung zu berücksichtigen.
So können professionelle, dauerhafte, ästhetisch
ansprechende und trotzdem günstige Lösungen gefunden werden.
Dies erspart spätere Klagen durch Bauherren - und schlechte Presse!
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Welche Schutzmassnahmen zur Verminderung der Kollisionen sind möglich?
Hans Schmid: Viele Möglichkeiten ergeben sich bei
der Art der Konstruktion. Muss es immer bis in die hinterste Ecke Glas
sein? Bei Hochbauten empfehlen wir, reflexionsarme Gläser (Reflexionsgrad
max. 15 %) einzusetzen. Bei exponierten
Stellen mit durchsichtigem Glas hilft bspw. ein Siebdruck mit einem
Punktraster. An Lärmschutzwänden haben sich die sogenannten
Vogelschutzstreifen sehr bewährt.
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Welche Alternativen habe ich nachträglich noch?
Hans Schmid: Schutzvorrichtungen an bestehenden
Gebäuden anzubringen ist schwieriger und oft müssen da Mittel
eingesetzt werden, die nicht so dauerhaft sind. Möglichkeiten gibt
es aber an sich viele: Ein heller Vorhang am Wohnzimmerfenster oder im
Wintergarten, Insektenschutzgitter an Fenstern (aussen), Klebestreifen
an einem Windschutz, phantasievolle Dekors oder Werbegrafik auf freistehenden
Scheiben. Eine
Reihe von Möglichkeiten sind auf unserer speziell dafür
konzipierten Website www.vogelglas.info
aufgezeigt.
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Was soll ich tun, wenn ein Vogel trotzdem in eine Scheibe meines Wintergartens
geflogen ist?
Hans Schmid: Einem Kollisionsopfer kann man leider nicht
gross helfen. Ist es benommen, legt man es für ein, zwei Stunden
in eine Schuhschachteln mit Luftlöchern. Danach versucht man, den
Vogel im Freien wieder fliegen zu lassen. Hat sich der Zustand nicht verbessert,
bringt man den Vogel in die nächste Pflegestation.
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Wo kann ich mich beraten lassen?
Hans Schmid: Viele Hinweise findet man auf
der schon erwähnten Website. Wir bieten aber auch einen kostenlosen
Beratungsservice an - wenn's sein muss auch vor Ort. Ideal ist, wenn uns
Baupläne oder Fotos von Gebäuden zugestellt werden, damit wir
optimal beraten können.
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Was unternimmt die Vogelwarte sonst noch, um dem Problem zu begegnen?
Hans Schmid: Wir haben in den letzten Jahren zusammen mit
dem Schweizer Vogelschutz-BirdLife Schweiz verschiedene Aktivitäten
entfaltet, um vermehrt auf das Problem aufmerksam zu machen. So gab es
verschiedene Beiträge in Radio und Fernsehen und öfters Pressemitteilungen.
Wir verschickten Merkblätter an sehr viele Adressen, namentlich auch
in der Bauwirtschaft. Zudem arbeiten wir mit der Glasindustrie und mit
internationalen Experten zusammen, um neue Lösungen zu finden.
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