Medienmitteilung vom 2. September 2010

 

Wiedehopf
Grosserfolg: Der Walliser Bestand des bedrohten Wiedehopfs konnte in den letzten Jahren verfünffacht werden .
(Foto: © Erich Lüscher)

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OrtolanEin ganzes Bündel von Massnahmen wurde zur Rettung der letzten Ortolane der Schweiz eingeleitet.
(Foto: © Markus Varesvuo)

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Walliser Aussenstelle der Vogelwarte Sempach feiert ihr 10-jähriges Bestehen

Vor zehn Jahren eröffnete die Schweizerische Vogelwarte Sempach ihre Walliser Aussenstelle, um die ausserordentliche Vielfalt an seltenen und bedrohten Vogelarten im Alpenkanton noch besser zu fördern. Jetzt gibt es beachtliche Fortschritte zu vermelden, die nur dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit vielen lokalen Partnern wie den Landwirten, Winzern und Förstern, den kantonalen und kommunalen Behörden sowie Privatpersonen zustande kamen.

Salgesch / Sempach. – Am 3. September wird gefeiert: Die Walliser Aussenstelle der Schweizerischen Vogelwarte Sempach darf bei ihrem 10-jährigen Bestehen auf viel Erreichtes zurückblicken. Eingeladen sind alle Partner, welche die Vogelwarte beim Schutz der Walliser Vogelwelt unterstützt haben: Landwirte, Winzer, Repräsentanten der kantonalen Behörden, von privaten und öffentlichen Unternehmungen, von Natur- und Vogelschutzorganisationen etc. Der Festakt wird im Winzerdorf Salgesch im Beisein der Behörden von Kanton und Gemeinde stattfinden. Neben dem Wiedersehen der verschiedenen Partner wird es Gelegenheit geben, an die wichtigsten Vorhaben und Zusammenarbeiten zu erinnern, die sich in den vergangenen Jahren ergeben haben.

Wichtigste Aufgabe der Walliser Aussenstelle der Vogelwarte ist es, das Überleben und den Schutz bedrohter Vogelarten im Kanton zu sichern. Der Leistungsausweis in den zehn Jahren darf sich sehen lassen: Der Bestand des gefährdeten Wiedehopfs hat sich verfünffacht, für ihn wurden mehr als 700 Nistkästen in den Obstgärten der Rhoneebene montiert. Diese Schutzarbeit basiert auf wissenschaftlichen Abklärungen der Gefährdung, die in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bern durchgeführt wurden. Der Ziegenmelker profitiert von ausgelichteten Föhrenwäldern, die Zwergohreule von Altgrasstreifen und der Wendehals von speziellen Nistkästen. Inzwischen haben sich die fünf Mitarbeitenden der Aussenstelle auch der Förderung von Steinrötel, Braunkehlchen, Birkhuhn, Uhu, Ortolan und Nachtigall angenommen. Ebenso konnten im Rhonetal für Turmfalken und Schleiereulen Nisthilfen montiert und dabei die Kontakte zu den Landwirten intensiviert werden, den entscheidenden Akteuren bei der ökologischen Aufwertung des Kulturlandes. Die erfreuliche Zunahme der Turmfalken als geschätzten Mäusejägern liess nicht lange auf sich warten.

Zusammen mit Vitival, der Vereinigung der Walliser Winzer für Integrierte Produktion, konnten auch diverse Rebberge ökologisch aufgewertet und damit zum Refugium für Heidelerche und Zaunammer werden.

Dank den guten Kontakten und der Strategie der kleinen Schritte konnten jedes Jahr diverse Verbesserungen realisiert werden, sowohl in der Ebene wie auch an den Hängen des Rhonetals. Mehr als 10 km gepflanzter Hecken und von Schwarzkehlchen frisch besiedelte Buntbrachen zeugen davon.

 

 

Weitere Auskünfte

Alain Jacot
Aussenstelle Wallis
Schweizerische Vogelwarte
3970 Salgesch
Tel. 079 774 42 62
  Dr. Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 21. Juli 2010

 

Waldohreulen
Dank grossem Mäuseangebot war die Brutsaison 2010 sehr erfolgreich: Vier frisch flügge Waldohreulen warten darauf, von den Eltern gefüttert zu werden .
(Foto: © Hans Reinhard)

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Kontrolle einer Schleiereulenbrut
Aussergewöhnliche Brutsaison 2010

Babyboom bei den Eulen

Der Bruterfolg bei den einheimischen Eulenarten ist dieses Jahr weit überdurchschnittlich. Ein hoher Mäusebestand machte es möglich.

Sempach. – Zwar war der Winter recht hart und lang. Doch dies hinderte die Eulen dieses Jahr nicht daran, sehr zeitig mit Brüten zu beginnen. In den Bergwäldern des Jura waren letztmals 2005 viele Raufusskauzbruten zu finden. Danach blieben die Bestände unterdurchschnittlich. "Allein in meinem Gebiet gab es dieses Jahr mehr als 20 Bruten", freut sich Pierre-Alain Ravussin, freiwilliger Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach, der die heimliche Eulenart seit mehr als 25 Jahren im Waadtländer Jura studiert. "Die meisten davon hatten 5, ja manche 7 oder 8 Junge im Nest. Das ist sehr ungewöhnlich." Die Eulen hatten dieses Jahr Bedingungen wie im Schlaraffenland, denn es wimmelte von Mäusen. Diese wiederum hatten stark zugenommen, weil es massenhaft Buchnüsschen gab.

Auch andere Eulenarten profitierten vom Mäuseüberfluss. So brüteten Waldkäuze im Mittelland stellenweise schon Mitte Februar. Während in normalen Jahren die Paare um 2 Junge aufziehen, gab es heuer welche, die 6 Junge erfolgreich aufzogen. Auch bei der Waldohreule fielen die Brutbestände hoch und die Jungenzahlen überdurchschnittlich aus. Schlechter steht es um die Schleiereule. Diese Art litt stark unter den letzten kalten Wintern. Sie ist momentan aus verschiedenen Gebieten verschwunden. Simon Birrer, Eulenspezialist der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, meint dazu: "Die Schleiereule hat momentan ein Tief. Es wird mehrere Jahre mit gutem Bruterfolg und schneearmen Wintern brauchen, bis sich die Situation bei ihr wieder normalisiert."

 

Je früher, desto besser

Der Zeitpunkt, an dem Vögel mit der Eiablage beginnen, ist entscheidend. Je besser die Nahrungsbedingungen sind, desto früher setzt sie ein. Und je zeitiger Vögel mit dem Brutgeschäft beginnen, desto mehr Eier bzw. Junge produzieren sie. Frühe Bruten ermöglichen den Jungen zudem, mehr Erfahrung bis zum nächsten Winter zu sammeln. Damit haben sie bessere Überlebenschancen.

 

 

Weitere Auskünfte

Simon Birrer
Leiter Programm „Grundlagen für die Praxis“
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 38
  Dr. Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 9. Juli 2010

 

Mauersegler
Jagende Mauersegler: So können wir die Flugkünstler im Sommer am Himmel beobachten (Foto: © Alain Georgy).
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Mauersegler

Mauersegler: Vorne ruht ein Altvogel, im Hintergrund drei halbwüchsige Nestlinge.
(Foto: © Karl Weber).

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Mauersegler

Diese jungen Mauersegler haben Glück gehabt: Im Holznistkasten steigen die Temperaturen weniger hoch als unter Dachziegeln, wo tagsüber mehr als 50°C gemessen werden.
(Foto: © Alain Georgy).

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Hochbetrieb an der Vogelwarte in Sempach

Hitzestress für junge Mauersegler

Die Vogelwarte in Sempach hat alle Hände voll zu tun, denn die Sommerhitze treibt Jungsegler zum verfrühten Absprung.

Sempach. – Junge Mauersegler leiden unter den hochsommerlichen Temperaturen. An den Brutplätzen unter Dachziegeln kann es tagsüber über 50°C heiss werden. Die noch nicht flugfähigen Jungvögel versuchen der unerträglichen Hitze auszuweichen, verlassen das Nest vorzeitig und landen unsanft am Boden. Wenn sie Glück haben, werden sie dort von Passanten gerettet und in eine Vogelpflegestation gebracht.

Die Vogelwarte in Sempach wird zurzeit mit solchen gefiederten Patienten überhäuft. „Täglich treffen neue Jungsegler bei uns ein“, weiss Vreni Mattmann, die Leiterin der Pflegestation. Die Aufzucht von jungen Seglern gelingt gut. Im Alter von ca. 42 Tagen werden die Mauersegler flugfähig und sind dann ganz selbstständig. Eine weitergehende Betreuung durch die Eltern oder die Vogelpflege braucht es dann nicht mehr.

 

Förderung von Mauerseglern

Als typische Felsenbrüter eroberten die Segler Dörfer und Städte mit ihren zahlreichen "künstlichen Felsen". Die Anpassung der Mauersegler an die Gebäude geht soweit, dass Bruten an natürlichen Felsen heute zur Ausnahme geworden sind. Durch die enge Bindung der Segler an die menschliche Umgebung liegt das Schicksal dieser Vögel weitgehend in unserer Hand. Mit Information, Beratung am Bau sowie mit der Überwachung und Betreuung der Brutplätze versucht die Vogelwarte, diese Verantwortung ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Geholfen werden kann den Mauerseglern auch mit künstlichen Nisthilfen. Solche sind an der Vogelwarte zum Stückpreis von CHF 49.- zuzüglich Porto und Verpackung erhältlich.

 

Mauersegler sind keine Schwalben

Segler und Schwalben sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich. Trotzdem gibt es zwischen den beiden Vogelfamilien eigentlich nur eine Gemeinsamkeit: Beide sind ausgeprägte Flugjäger. Die Spezialisierung auf das Fangen fliegender Insekten bewirkte, dass sich beide Gruppen in eine sehr ähnliche Richtung entwickelt haben. Die Familie der Schwalben gehört zu den Singvögeln, jene der Segler ist mit den Kolibris verwandt. Die Beine der Segler sind äusserst kurz und nur fürs Landen an senkrechten Wänden geeignet. Schwalben dagegen setzen sich gerne auf Zweige und Drähte.

 

 

 

 

Weitere Auskünfte

Hans Schmid
Leiter Fachbereich „Überwachung der Vogelwelt“
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 26
  Dr. Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 24. Juni 2010

 

Kiebitz

Der Kiebitz ist im Kulturland stark unter Druck. (Foto: © Markus Jenny).
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Kiebitz

Wenige Tage altes Kiebitzküken. Bis es im Alter von fünf bis sechs Wochen flugfähig ist, drohen viele Gefahren (Foto: © Ruedi Wüst-Graf).
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Kiebitz

Brütender Kiebitz auf einem Mais-Stoppelfeld (Foto: © Markus Jenny).
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Kiebitz

Der Elektrozaun schützt die Kiebitzkolonie im Wauwilermoos vor Füchsen und anderen Feinden (Foto: © Markus Jenny).
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Traktor$

Hier wird der Neststandort des Kiebitz vom Traktor geschont (Foto: © Luc Schifferli).
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Erfolgreiche Schutzmassnahmen für bedrohten Watvogel

Neue Hoffnung für den Kiebitz

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach engagiert sich gemeinsam mit Landwirten für einen besseren Bruterfolg des stark gefährdeten Kiebitzes. Jetzt beginnen die Anstrengungen Früchte zu tragen!

Sempach. – „Die Zahl der Kiebitzpaare im Wauwilermoos, in der heute wichtigsten Kolonie der Schweiz, hat sich mehr als verdoppelt“, freut sich Luc Schifferli, der Leiter des Förderprojekts. „Gegenwärtig sind es 37 Brutpaare. Das Regenwetter hat den Küken zwar arg zugesetzt. Trotzdem sind bereits 25 flügge und wir rechnen mit einem weiteren Dutzend. Wenn sich unsere Erwartungen erfüllen, wächst trotz misslichem Wetter erneut ein starker Jahrgang 2010 heran“, zieht er ein sehr erfreuliches Fazit. Das erfolgversprechende Projekt beruht auf einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Vogelwarte und Landwirten.

Der Kiebitz lebt im Kulturland, wo ohne Schutzmassnahmen die meisten Bruten unter den Pflug geraten oder von Füchsen gefressen werden. Der miserable Bruterfolg ist für den Einbruch der Schweizer Brutpopulation verantwortlich. Heute gibt es in unserem Land noch rund 100 Paare. Im Wauwilermoos nördlich von Sursee LU fördert die Vogelwarte zusammen mit Landwirten den Nachwuchs des Kiebitzes. Mitarbeitende der Vogelwarte markieren alle Nester und die Bauern schonen sie beim Mähen, Pflügen und Eggen. Elektrisch geladene Weidezäune schützen die Gelege vor Nesträubern. Dank diesen gemeinsamen Anstrengungen schlüpfen drei Viertel der Gelege, ohne Nesterschutz wären es nur 30 %.

Kaum geschlüpft, verlassen die Kiebitzfamilien das Nest und suchen selbst nach Nahrung. Deshalb werden zusätzliche Felder eingezäunt, um den Küken die sichere Nahrungssuche innerhalb der Zäune zu ermöglichen. Dieser Extraaufwand hat sich gelohnt, denn seither werden genügend Junge flügge, um die Kiebitzpopulation im Gleichgewicht zu halten. Der eigentliche Durchbruch gelang, als sich mehrere Bauern für eine kiebitzfreundliche Landwirtschaft entschieden. Sie bearbeiten ihre Felder erst zwei Wochen nach dem Schlüpfen der Jungen, so dass die Kiebitze unbehelligt bleiben. Für Mehraufwand und Ertragseinbussen werden die Bewirtschafter von Kanton und Bund entschädigt.

 

Jeder Kiebitz zählt!

Der auffällig schwarz-weiße Vogel mit charakteristischer Federhaube war früher ein häufiger Brutvogel auf kurzgrasigen Feuchtwiesen und extensiv genutzten Ackerflächen. Seit Mitte der Neunzigerjahre hat der Kiebitzbestand in der Schweiz einen dramatischen Rückgang um 80% erlitten. Nach neusten Erhebungen umfasst sein Bestand schweizweit nur noch 100 Paare. Jede einzelne Brut verdient daher Schutzmassnahmen.

Kanton Zürich ca. 30 Paare  Neeracherried, Flughafen Kloten, Greifensee, Lützelsee
Kanton Bern 8-10 Paare Fraubrunnenmoos, Grosses Moos
Kanton Luzern 30-37 Paare Wauwilermoos, Ostergau
Kanton Schwyz ca. 6 Paare  u.a. Nuolener Ried
Kanton Zug ca. 8 Paare Cham-Zug
Kanton Aargau ca. 20 Paare Reusstal
Kanton Thurgau  2-8 Paare  Seebachtal

 

 

Kiebitzschutz dank breiter Unterstützung

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach dankt allen beteiligten Behörden, Fachstellen und den Landwirten für ihren Einsatz sowie der Dr. Bertold Suhner-Stiftung, der Ernst-Göhner-Stiftung, der Stiftung für Suchende, der Vontobel-Stiftung, der Zigerli-Hegi-Stiftung und der Paul Schiller Stiftung, die das Förderungsprojekt mit grosszügigen Beiträgen unterstützen.

 

 

 

 

Weitere Auskünfte

Dr. Luc Schifferli
Projektleiter
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 27
  Dr. Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 17. Juni 2010

Feldlerche

Die Feldlerche weist weiterhin stark sinkende Bestandszahlen auf, weil viele ihrer Bruten vermäht werden. (Foto: © Mathias Schäf). [download] (Format .jpg, 1726 KB)

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Biodiversitätsziele für Vögel nicht erreicht

Vogelwarte zieht Bilanz: noch keine Besserung für die Vogelwelt eingetreten

Die Schweiz hat sich zusammen mit anderen europäischen Staaten verpflichtet, den Rückgang der Biodiversität bis 2010 zu stoppen. Im Jahr der Biodiversität wird nun Bilanz gezogen. Der Swiss Bird Index SBI® der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zeigt, dass die Schweiz dieses Ziel bei den Brutvögeln klar verfehlt. Die Bestände vieler für den Naturschutz besonders wichtiger Vogelarten gehen weiterhin zurück oder verharren auf einem sehr tiefen Niveau.

Sempach. – Die angestrebte Besserung in der heimischen Vogelwelt ist nicht eingetroffen. Der Swiss Bird Index®, der die Entwicklung der Schweizer Brutvögel zusammenfasst, weist über den Zeitraum 1990 bis 2009 keinen bestimmten Trend auf. Bei gefährdeten Arten konnte die negative Entwicklung nicht aufgehalten werden. Von vielen Arten wie Rebhuhn, Purpurreiher, Wachtelkönig, Bekassine, Zwergohreule, Brachpieper und Ortolan brüten heute nur noch sehr wenige Paare in der Schweiz. „Um den fortschreitenden Verlust der Biodiversität zu stoppen, braucht es den Einsatz aller Akteure in Land- und Forstwirtschaft, Raumplanung und Politik", meint Niklaus Zbinden, der zuständige Programmleiter an der Vogelwarte.

Besonders düster sind die Prognosen für die in Wiesen brütenden Vogelarten. Die Situation von Kiebitz und Feldlerche wird sich ohne ein Gegensteuern in der Agrarpolitik weiter verschärfen. Die intensive Bodenbearbeitung oder Mahd lässt viele Bruten gar nicht aufkommen.

Der Swiss Bird Index SBI® zeigt auch, welche Auswirkungen ein harter Winter auf die Brutbestände haben kann. "Nach dem harten Winter 2008/09 gab es bei vielen Arten einen Einbruch beim Brutbestand", stellt Niklaus Zbinden fest. So verschiedene Arten wie Steinhuhn und Sommergoldhähnchen erlitten einen Rückgang von über 30 % gegenüber dem Vorjahr. Rein witterungsbedingte Bestandsschwankungen dürfen aber im Vergleich zu den langfristigen Entwicklungen nicht überbewertet werden.

 

Faktenblatt Swiss Bird Index® [Download]

 

 

Weitere Auskünfte

Dr. Verena Keller
Fachbereichsleiterin
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 20
  Dr. Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45
  Dr. Niklaus Zbinden
Programmleiter „Überwachung der Vogelwelt“
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 25

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Medienmitteilung vom 26. April 2010

Steinkauz

Der Steinkauz ist ein Charaktervogel der traditionellen Agrarlandschaften. Die schöne Eule begeistert Jung und Alt.
(Foto: © Herbert Keil, FOGE)
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Junge Steinkäuze
Die Kleinst-Sender verschwinden vollständig im Gefieder, sichtbar ist nur die feine und flexible Antenne. Bald werden diese Jungvögel die elterlichen Reviere verlassen und abwandern. Dank der modernen technischen Hilfsmittel können die Biologen die Wanderung und die folgende Ansiedlung verfolgen.
(Foto: © Herbert Keil, FOGE)
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Wohin des Wegs? Überlebensrate, Raum-nutzung und Wanderungen von Steinkäuzen

Seit vielen Jahren setzen sich Vogelschützer beispielhaft für die Erhaltung der letzten Vorkommen des Steinkauzes ein. Mit Erfolg, denn die Bestände der kleinen Eule nehmen in Süddeutschland und Frankreich stetig zu. Die letzten Schweizer Steinkäuze haben von dieser erfreulichen Entwicklung leider noch nicht profitiert, und die Bestände sind nach wie vor kritisch klein. Weshalb, ist derzeit unklar, hängt aber vermutlich mit dem Ausbreitungsverhalten der kleinen Eule zusammen. Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung der einheimischen Eulen FOGE, der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und der Vogelwarte Radolfzell soll helfen, die vielen offenen Fragen zu klären.

Tierpopulationen stehen über sich ausbreitende Individuen in Verbindung. Ist diese Ausbreitung, auch Dispersal genannt, über längere Zeit zu gering, oder bleibt sie gar ganz aus, können lokale Populationen aussterben, auch wenn die Lebensraumbedingungen günstig wären. Die Bedeutung des Dispersals für den Schutz und die Förderung von Arten ist aufgrund theoretischer Studien seit Längerem bekannt. Dennoch ist vieles unerforscht, beispielsweise das Dispersal der Steinkäuze. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Beobachtung der sehr mobilen Vögel bis vor kurzem technisch kaum möglich war. Aufgrund enormer technischer Fortschritte in der Mikroelektronik wurden in den vergangenen Jahren Kleinstsender entwickelt, mit denen Jungvögel nach dem Verlassen des Nests weiter verfolgt werden können. So können wir erforschen, wo und warum sich die Jungtiere ansiedeln und wie viele bis zur nächsten Brutzeit überleben. Auch bei Altvögeln können so Kenntnisse über die Raumnutzung und das Überleben nach dem Selbständigwerden ihrer Jungen gewonnen werden. Für den erfolgreichen, nachhaltigen Schutz von Arten ist es von zentraler Bedeutung, solche Wissenslücken zu schließen. Das Projekt in der Ludwigsburger Steinkauzpopulation möchte hier einen bedeutenden Beitrag leisten.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Das gemeinsame Unternehmen der Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V., der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und der Vogelwarte Radolfzell wird wichtige Fragen der naturschutzbiologischen Grundlagenforschung im Zusammenhang mit Überleben, Dispersal und Raumnutzung untersuchen. Dadurch sollen gleichzeitig auch fehlende Grundlagen für den Schutz und die Förderung des Steinkauzes in der Schweiz erarbeitet werden. Ideale Voraussetzungen bietet dabei die große und wachsende Population im Raum Ludwigsburg, Baden-Württemberg. In dieser und in umliegenden Populationen werden jährlich mehrere hundert Jungvögel beringt. Dank der ähnlichen Lebensraumbedingungen können die Erkenntnisse auf die Schweizer Verhältnisse übertragen werden und tragen somit zur Förderung der seltenen Eule in der Schweiz bei. Die Populationen in Süddeutschland, im Elsass und dem französischen Jura sind zudem die wichtigsten Quelle für eine natürliche Wiederbesiedlung des schweizerischen Mittellandes.
Der Steinkauz ist in der Schweiz und vielen Teilen Europas gefährdet. Das vorliegende Projekt ist für den Schutz und die Förderung der Art von großer Bedeutung. Nicht zuletzt soll durch die Erforschung des Dispersalverhaltens junger Steinkäuze geklärt werden, warum der Schweizer Steinkauzbestand stagniert, obwohl die Populationen im grenznahen Ausland wachsen. Ist der Grund dafür bekannt, kann eine Ansiedlung wandernder Käuze durch geeignete Aufwertung potenziellen Lebensraums gefördert werden.

Offene Fragen

Das Leben des Steinkauzes ist im Grossen und Ganzen gut erforscht. Doch gerade bei den für den Artenschutz wichtigen Aspekten bleiben noch viele Fragen offen. Das gemeinsame Forschungsprojekt möchte folgende Fragen beantworten:

  • Wie hoch ist die Sterblichkeit von Jungvögeln, und was sind die Todesursachen in der Zeit zwischen dem Ausfliegen und der ersten Brut?
  • Wie verläuft die Abwanderung der Jungvögel bezüglich Ablauf, Dauer, Richtung, Habitatwahl, Distanz und Ansiedlung? Wie groß ist schließlich der Bruterfolg der Jungvögel?
  • Wie gut überleben die Brutvögel nach der Brutzeit? Wie nutzen sie ihren Lebensraum im Winter?

Mit modernster Technik dem Steinkauz auf der Spur

Nach einer erfolgreichen Pilotstudie 2009 wird die eigentliche Untersuchung 2010-2011 in Baden-Württemberg im Raum Ludwigsburg durchgeführt. Die Beantwortung der Fragen erfordert die intensive Anwendung von Radio-Telemetrie. Wir setzen modernste, Mikro-Prozessor-gesteuerte Sender ein (entwickelt durch die Berner Fachhochschule und die Schweizerische Vogelwarte Sempach). Diese laufen rund ein Jahr und können bis zu einer Distanz von 50 km geortet werden. Ortungen und Verhaltensbeobachtungen erfolgen durch ein Team von Biologen. Umfangreiche Empfangsausrüstung, wie stationäre Antennen auf Masten, wird eingesetzt. Pro Saison sollen 50-100 Jungkäuze vor dem Ausfliegen mit Sendern versehen werden. Die Vögel werden in der ersten Zeit täglich, später in größeren Zeitabständen geortet und wenn möglich auch auf Sicht kontrolliert. Die räumlichen Verschiebungen und Überlebensraten werden anhand standardisierter Beobachtungsreihen der Individuen berechnet. Die zentralen Fragen werden in einer Doktorarbeit erforscht, zusätzlich werden Master-Studierende verschiedener Hochschulen ergänzende Untersuchungen durchführen.

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach ist eine private, gemeinnützige Stiftung für Vogelkunde und Vogelschutz. Die enge Verflechtung von ornithologischer Grundlagenforschung mit praktischen Schutzprojekten für bedrohte Vogelarten ist eine der Stärken des am Sempachersee in der Zentralschweiz gelegenen Instituts. Finanziell getragen wird die Schweizerische Vogelwarte Sempach von Spenden aus der breiten Bevölkerung.

www.vogelwarte.ch

 

Die Vogelwarte Radolfzell

Die Vogelwarte Radolfzell gehört zum Max-Planck-Institut für Ornithologie. Das renommierte Forschungsinstitut am Bodensee erforscht vor allem das Verhalten von Vögeln, unter anderem die Gehirnentwicklung bei der Ausprägung des Vogelgesangs, Strategien bei der Partnerwahl, Partnerwahl und Brutfürsorge sowie den globalen Vogelzug und seine Beeinflussung durch den Klimawandel, Krankheitserreger und menschliche Einflüsse.

www.orn.mpg.de

 

Die Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V.

Der Verein engagiert sich für Tierschutz- und Erhaltungsprogramme landesweit für alle Eulenarten und dabei vorrangig für die am meisten bedrohten und am wenigsten bekannten Arten in ihrem Kampf ums Überleben.

www.eulenforschung.de

 

Weitere Auskünfte

Dr. Beat Naef-Daenzer
Projektleiter
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 34

 

Dr. Martin Grüebler
Projektleiter im Feld
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 22

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Medienmitteilung vom 21. April 2010

Seerose

Der Neubau für Vogelkunde und Vogelschutz wird die Arbeit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach auf Jahrzehnte hinaus beflügeln.
(Foto: © Schweizerische Vogelwarte Sempach)
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Vogelwarte lädt die Bevölkerung ein:

Willkommen an der Vogelwarte!
Tage der offenen Tür am 1./2. Mai

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach lädt die Bevölkerung ein, den Neubau zu besichtigen, der ein Musterbeispiel für ökologisches Bauen darstellt. Gleichzeitig bietet sich die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen werfen und die vielfältige Arbeit der Vogelwarte kennen zu lernen, die von der Pflege verletzter Vögel bis zur Erforschung des Vogelzugs reicht.

Sempach. – In leuchtendem Rot erstrahlt das neue Gebäude der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach. Mit der konsequent ökologischen Bauweise setzt die Vogelwarte einen Meilenstein. Und: Das neue Gebäude wird die Vogelkunde und den Vogelschutz in unserem Land auf Jahrzehnte beflügeln. In einer Zeit, in der 40 % der einheimischen Vogelarten bedroht sind, ist die Vogelwarte sehr stark gefordert – und entsprechend dankbar für die jetzt zur Verfügung stehende neue zweckmässige Infrastruktur.

Eine ökologische Pionierleistung

Mit ihrem Neubau hat die Vogelwarte ein Musterbeispiel für ökologisches Bauen verwirklichen können. Als Baumaterial und für die Beheizung wurde Holz gewählt. Die neue Vogelwarte ist das erste Bürogebäude der Zentralschweiz, das die hohen ökologischen Anforderungen der Labels Minergie-P und Minergie-Eco erfüllt. Minergie-P steht für einen sehr geringen Energieverbrauch, Minergie-Eco für die Verwendung umweltfreundlicher Baustoffe und die Vermeidung langer Transportwege. Nur dank optimaler Zusammenarbeit von Architekten, Fachplanern und Bauunternehmen konnte diese Pionierleistung erbracht werden. Eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach produziert Solarstrom, die WCs werden mit Regenwasser gespült, und die Frischluft wird zur Vorwärmung bzw. Vorkühlung über ein Erdregister zugeführt.

Der Neubau wurde durch zweckgebundene Beiträge von Stiftungen, von Firmen, von vielen Kantonen und von privaten Gönnerinnen und Gönnern ermöglicht. Nur dank dieser grosszügigen und keineswegs selbstverständlichen Unterstützung konnte die laufende Forschungs- und Schutzarbeit auch während der Bauphase ungeschmälert vorangetrieben werden. Dafür ist die Vogelwarte all denjenigen, die das grosse Projekt mit ihrem Wohlwollen ermöglichten, sehr dankbar!

Willkommen an der Vogelwarte!

Die Vogelwarte lädt die Bevölkerung ein, das neue Forschungsgebäude in Sempach zu besichtigen. Besuchen Sie den Neubau mit Büros, Archiv, Bibliothek und Labor. Blicken Sie hinter die Kulissen des ersten ökologischen Holzbaus der Zentralschweiz mit dem Label Minergie-P-Eco. Erfahren Sie mehr über unsere Forschung, unsere Schutzprojekte und die Vogelpflege.

Samstag, 1. Mai 2010, 10-17 Uhr
Sonntag, 2. Mai 2010, 10-17 Uhr

Die Vogelwarte in Kürze

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach ist eine gemeinnützige Stiftung, die finanziell und ideell von der Bevölkerung getragen wird. Sie setzt sich politisch unabhängig und fachlich fundiert für die einheimische Vogelwelt ein. Zehntausende von Gönnerinnen und Gönnern ermöglichen mit grossen und kleinen Spenden die Arbeit und die Unabhängigkeit der Vogelwarte.

Die Pflege kranker oder verletzter Wildvögel ist die bekannteste, aber nicht die einzige Aufgabe der Vogelwarte: Weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind beispielsweise die Forschungsarbeiten der Vogelwarte zum Vogelzug. Und unterstützt von über 1'500 Freiwilligen behalten wir die Bestandsentwicklungen der einheimischen Vogelarten genau im Auge. Weiter untersuchen wir, was die Vögel benötigen, um überleben zu können und gehen den Gefährdungsursachen auf den Grund. Mit Schutzprojekten fördern wir bedrohte Arten. Dabei verfolgen wir das Ziel, eine vielfältige Vogelwelt in intakten Landschaften zu fördern und zu erhalten – für Menschen, Tiere und Pflanzen.


Weitere Auskünfte

Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45

 

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Medienmitteilung vom 17. März 2010

Ortolan

Der Ortolan steht in der Schweiz am Rande des Aussterbens. Die Förderungsmassnahmen zum Schutz der Art finden im März-April in der Leuker Felsensteppe statt. (Foto: © Peter Keusch, Susten)
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Hanglage

Die 4 Massnahmen zum Schutz des Ortolans werden in den südexponierten Hängen bei Leuk durchgeführt, das Auslichten bewaldeter Gebiete, die Beweidung der Felsensteppe und das kontrollierte Abbrennen der Krautschicht – das Anlegen von Haferfeldern in der Rhoneebene. (Foto: © Emmanuel Revaz)
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Eine letzte Chance für den Ortolan

In nur 20 Jahren ist der Ortolan zum seltensten Brutvogel der Schweiz geworden. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach hat in Zusammenarbeit mit dem Kanton Wallis an den südexponierten Felsensteppen von Leuk ein ambitiöses Massnahmenpaket zum Schutz dieser Vogelart lanciert.

Sempach und Salgesch. – 2009 wurden nur noch 7 singende Ortolane gefunden – alle im Wallis, davon 5 in der Leuker Felsensteppe. Wie andernorts in Mitteleuropa haben die Bestände auch hier stark abgenommen, und die Art steht in der Schweiz am Rande des Aussterbens. Zwischen 1993-96 konnten noch rund 200 singende Ortolanmännchen alljährlich in der Schweiz gezählt werden.

Der Ortolan bevorzugt trockene Pionierstandorte, welche reich an Samen- und Insektennahrung sind. Seit rund 30 Jahren haben sich die Felsensteppen stark verändert – Verbuschung und Vergandung haben zu einer dramatischen Abnahme von Insekten- und Pflanzenarten geführt. Der Ortolan und viele weitere seltene Tier- und Pflanzenarten haben unter diesen Veränderungen stark gelitten. In der Hoffnung diese negative Entwicklung zu stoppen, müssen in der Walliser Felsensteppe verschiedene, einander ergänzende Förderungsmassnahmen realisiert werden.

Förderungsmassnahmen zur Rettung des Ortolans:

  1. In Zusammenarbeit mit lokalen Landwirten werden in der Rhoneebene Haferfelder angelegt. Diese proteinreiche Getreideart ist eine wertvolle Nahrungsquelle für den Ortolan, insbesondere im Frühling nach Ankunft aus den afrikanischen Winterquartieren.
  2. Stark verbuschte und bewaldete Zonen werden ausgelichtet.
  3. Die Felsensteppe wird mit Walliser Schwarzhalsziegen beweidet.
  4. Felsensteppen mit einer zu dichten Vegetationsdecke werden unter kontrollierten Bedingungen abgebrannt. Das Abbrennen einer rund 3 ha grossen Fläche wird durch erfahrene Spezialisten aus Frankreich durchgeführt und findet je nach Witterung zwischen dem 20. und dem 27. März statt. Bei dieser Massnahme handelt es sich um ein wissenschaftliches Experiment, welches ausschliesslich dem Natur- und Artenschutz dient.

Mit diesen Massnahmen wird der Lebensraum Felsensteppe aufgewertet, so dass die Artenvielfalt zunimmt. Diese Förderungsmassnahmen wurden von den Gemeinden, dem Kanton Wallis und der Eidgenossenschaft bewilligt.

2010: Jahr der Biodiversität

Das Projekt ist eine konkrete Naturschutzmassnahme im Jahr der Biodiversität. Neben dem Ortolan profitiert eine ganze Lebensgemeinschaft von den Förderungsmassnahmen, insbesondere die seltenen und typischen Arten der offenen und trockenen Steppen des Naturparks Pfyn-Finges. Darunter seltene Orchideenarten, lokal verbreitete Tagfalter und die farbenprächtige Smaragdeidechse. Dieses Projekt erstreckt sich über 3 Jahre (2010-2012) und wird voraussichtlich rund Fr 250'000.- kosten. Rund die Hälfte davon wird von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach getragen, ein Fünftel vom Kanton Wallis und der Rest von verschiedenen Sponsoren.

 

Weitere Auskünfte

Reto Spaar
Leiter Artenförderung
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 31

 

Alain Jacot
Schweizerische Vogelwarte
Aussenstelle Wallis
Tel. 027 456 88 56
Nat. 079 774 42 62

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Medienmitteilung vom 15. Februar 2010

Verantwortungslose Abschüsse

Gänsesäger

Verantwortungslose Abschüsse von geschützten Gänsesägern lehnt die Schweizerische Vogelwarte Sempach ab. (Foto: © Verena Keller).
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Zusammenfassung
Wissenschaftliche Studien

 

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Gänsesäger unter Druck

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach ist über die Abschüsse von Gänsesägern sehr besorgt. Neuste Studien belegen, dass die alpinen Gänsesäger eine eigenständige Population bilden. Deshalb trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung für diese geschützte Vogelart.

Sempach. – Die Vogelwarte ist sehr besorgt über die zunehmende Bereitschaft einzelner Kantone, Bewilligungen zum Abschuss von Gänsesägern zu erteilen. Der jüngste Fall betrifft den Kanton Schwyz. Die Abschüsse der geschützten Vögel lösen die Probleme der gefährdeten Seeforellen und anderer Fischarten nicht. Wie die Staatskanzlei des Kantons Schwyz erkannt hat, ist nämlich der Lebensraum der Seeforelle durch bauliche Massnahmen und die Nutzung der Fliessgewässer durch Wasserkraftwerke stark beeinträchtigt.

Der Gänsesäger brütet an Seen und grösseren Flüssen. Der Schweizer Bestand wird auf 500 Paare geschätzt. Im Winter gesellen sich zu unseren Brutvögeln Gäste aus Nordeuropa. Neue Studien der Vogelwarte Sempach über das Verhalten und die Genetik der Gänsesäger belegen, dass die Gänsesäger des Alpenraums eine eigenständige Population bilden.  „Die Schweiz trägt deshalb für diese alpine Population eine besondere Verantwortung“, so die Schlussfolgerung von Verena Keller, der Leiterin der wissenschaftlichen Studie. Abschüsse könnten die kleine alpine Population des Gänsesägers gefährden. Deshalb und weil die Jagd auf den Gänsesäger nichts zum Wohl der Seeforellen und weiterer gefährdeter Fischarten beiträgt, soll dieses verantwortungslose Vorgehen gestoppt werden.


Weitere Auskünfte

Verena Keller
Leiterin der Studie
Schweizerische Vogelwarte,
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 20

 

Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45

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