![]() Medienmitteilung vom 27. November 2009 Einsamer Sänger in der dunklen Jahreszeit ![]() Im Gegensatz zu anderen Vogelarten singt das Rotkehlchen auch im Winter. Deswegen gilt es in Grossbritannien als Weihnachtsvogel. Mit seinem Gesang verkündet das Rotkehlchen den Besitz eines Winterreviers, den es als Einzelgänger hartnäckig gegen jeden Artgenossen verteidigt. ![]() Rotkehlchen zeigen wenig Scheu vor Menschen. Die meisten Rotkehlchen, die den Winter bei uns verbringen, sind Gäste aus Deutschland, Tschechien, Polen, Schweden und Finnland. ![]() Rotkehlchen singen auch im Winter laut und eifrig. Sie gelten daher in Grossbritannien als Weihnachtssymbol. Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden!
Rotkehlchen als AdventssängerIn der dunklen Jahreszeit verhalten sich die meisten freilebenden Vögel ruhig. Nur das Rotkehlchen überrascht mit seinem lauten, quirligen Gesang. Rotkehlchen singen meist in der Dämmerung. Männchen wie Weibchen verkünden auf diese Weise den Besitz eines Winterreviers, das sie energisch verteidigen. In der Regel besucht daher nur ein Rotkehlchen das Futterhäuschen. Sempach. – Rotkehlchen zeigen wenig Scheu vor Menschen. Sie verfolgen unsere Gartenarbeiten von nahe und schnappen sich Insekten und Würmer, die durch den Spaten an die Erdoberfläche kommen. So zutraulich Rotkehlchen gegenüber Menschen sind, so zänkisch und unverträglich verhalten sie sich gegenüber Artgenossen. Im Winter ist die Nahrung für diese Art besonders knapp. Deshalb besetzt jedes Männchen und jedes Weibchen ein eigenes Revier, das es nachdrücklich gegen jedes andere Rotkehlchen verteidigt. Am Futterbrett erscheint daher meistens nur ein einzelnes Rotkehlchen. Wie helfen wir dem Rotkehlchen?Als Insekten- und Beerenfresser profitiert das Rotkehlchen von einer naturnahen Gartengestaltung. Einheimische Beerensträucher wie Schwarzer Holunder, Vogelbeerbaum, Mehlbeere, Pfaffenhütchen und Wolliger Schneeball bieten im Herbst und Winter eine beliebte Nahrung für alle Beerenfresser. An den Futterstellen im Winter fressen Rotkehlchen besonders gern Haferflocken und kleine Rosinen.
Weitere AuskünfteMatthias Kestenholz Leiter Kommunikation Schweizerische Vogelwarte 6204 Sempach Tel. 041 462 97 45 Mittwoch, 25. November 2009
Dieses Opfer des Vogelkillers Glas gilt es zu vermeiden: Gimpelmännchen mit gebrochenem Genick nach einer Kollision mit einer Glasscheibe. (© Archiv Vogelwarte)
Glasfassade am Museum Rietberg in Zürich: Wenn Fachleute schon vor dem Bau auf Vögel achten, sind auch ästhetische Lösungen möglich. (© Archiv Vogelwarte)
Eine einfache und wirksame Lösung am Schulhaus Landquart: Die aufgeklebten Folienringe machen Vögel auf das Hindernis Glasscheibe aufmerksam. (© Archiv Vogelwarte) Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden!
Vogelkiller Glas: Schlimmer als befürchtetSF Einstein zeigt was man dagegen tun kannDer Vogelkiller Glas ist schlimmer als bisher angenommen. Aufgrund einer Erhebung über das Vogelsterben an Glasscheiben schätzen Fachleute nun, dass in der Schweiz jedes Jahr Millionen von Vögeln sterben. Denn selbst unproblematisch wirkende Scheiben entpuppten sich als Vogelkiller. Zweites Resultat der gemeinsamen Erhebung von SF Einstein, Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach: Es sind nicht nur bestimmte Vogelarten betroffen, sondern alle! Ein vermeidbarer Tod: Mit verschiedenen Massnahmen kann man Vögel retten, wie die Sendung Einstein am Donnerstag, 26. November zeigt. Im September lancierten das Wissensmagazin „Einstein“ des Schweizer Fernsehens zusammen mit der Vogelwarte Sempach und dem Schweizer Vogelschutz SVS unter dem Namen „Vogelkiller Glas“ eine Studie zur Beobachtung von problematischen Fenster- und Glasflächen. Denn bisher war das Problem von Vogelkollisionen zwar bekannt, aber genauere Zahlen sowie Angaben über Umstände wie Wetter oder Tageszeit fehlten. Während 16 Wochen kontrollierten freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 15 verschiedene Gebäude Tag für Tag. Dazu kamen die Meldungen des Fernsehpublikums: Gut 100 Fragebogen, oft ergänzt durch Fotos, dokumentieren die unterschiedlichsten Unfallsituationen. Von Zaunkönig bis Eichelhäher: Vogelkiller Glas trifft alleDie Resultate der Erhebung zeigen, dass die Problematik noch komplexer ist, als die Fachleute angenommen haben: Selbst Scheiben und Fenster, die Fachleuten als eher unproblematisch ansahen, haben zum Tod von Vögeln geführt. Die Stichproben von «Vogelkiller Glas» ergaben zudem, dass sämtliche Vogelarten zu Opfern werden können: vom kleinen Zaunkönig bis zum stattlichen Eichelhäher. Das wichtigste Ergebnis: Die Zahl der jährlichen Scheibenopfer für die Schweiz dürfte um ein Vielfaches höher liegen als bis anhin vermutet. Die Fachleute gingen aufgrund einer amerikanischen Studie von ein bis zwei toten Vögeln pro Jahr und Gebäude aus – in der Schweiz wären das mehrere Hunderttausend Scheibenopfer jedes Jahr. «Vogelkiller Glas» zeigt nun, dass im Durchschnitt auch fünf bis sechs Vögel je Haus realistisch sind. Nach dieser Schätzung sterben in der Schweiz Millionen von Vögeln an Fenstern und anderen Glasflächen, die in der modernen Architektur sehr im Trend liegen. Weitere Auskünfte
Weitere InformationenInformationen Vögel und Glas mit Tipps zum Vogelschutz: Medienmitteilung vom 9. Oktober 2009 Langjährige ökologische Aufwertungen haben das Terrain für die Rückkehr des Rebhuhns vorbereitet ![]() Einige Rebhühner werden vor der Freilassung mit einem kleinen Sender ausgestattet, der auf dem Rücken des Vogels knapp erkennbar ist. So können die Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach die Rebhühner mehrere Monate auf Schritt und Tritt überwachen und überprüfen, ob ihnen der ökologisch aufgewertete Lebensraum zusagt. ![]() Eindrückliche Wirkung der Buntbrachen: Der Bestand des Schwarzkehlchens ist in der Champagne genevoise in 20 Jahren um 490% gewachsen, in keiner anderen Region der Schweiz gibt es so viele Schwarzkehlchen-Reviere. Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden!
Neue Chance für das RebhuhnBeinahe wäre das Rebhuhn in der Schweiz ausgestorben. Nach jahrelangem Einsatz durch die Schweizerische Vogelwarte Sempach und den Kanton Genf ist westlich von Genf im Landwirtschaftsgebiet dank umfangreichen ökologischen Aufwertungen ein attraktiver Lebensraum entstanden. In der Champagne genevoise soll nun wieder ein Bestand von Rebhühnern aufgebaut werden. Den Grundstock bilden junge gezüchtete Rebhühner, die im Herbst freigelassen werden. Die Freilassungen werden von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach durchgeführt und wissenschaftlich begleitet. Sempach. – Die jungen Rebhühner sind startbereit. In wenigen Wochen werden sie ihren neuen Lebensraum in Besitz nehmen. Die in Volieren gezüchteten Vögel werden dann gut drei Monate alt sein. Ihre neue Heimat westlich von Genf bietet alles, was Rebhühner brauchen. Weites offenes Ackerland hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Lebensraum entwickelt. Neben den Anbauflächen bieten die angelegten Buntbrachen und Hecken dem Rebhuhn Nahrung und Unterschlupf. „Dank diesen mustergültigen ökologischen Aufwertungen im Kulturland erhält das Rebhuhn hier eine zweite Chance“ freut sich Jérôme Duplain von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Ohne das grosse Engagement der Vogelwarte und des Kantons Genf würde das Rebhuhn ganz aus der Westschweiz verschwinden. Dem Rebhuhn das Terrain zur Rückkehr bereiten„Das Ackerland in der Champagne genevoise westlich von Genf hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Lebensraum für das Rebhuhn entwickelt“ erläutert Bernard Lugrin von der Gemeinde Bernex, einer der Initianten des Projekts. Landwirte, Gemeinden, der Kanton Genf und die Schweizerische Vogelwarte Sempach haben diese Pionierarbeit geleistet. Entstanden sind 40 Hektaren ökologische Ausgleichsflächen in Form von Brachen. Diese naturnahen Strukturen bewirkten bei diversen Vogelarten markante Bestandszunahmen, auch bei seltenen Arten wie Schwarzkehlchen, Dorngrasmücke, Orpheusspötter und Grauammer. Für das Rebhuhn kam die Lebensraumaufwertung jedoch zu spät. Die paar wenigen verbliebenen Individuen reichten nicht aus für eine Bestandserholung. Auswilderung als Grundstock für einen neuen BestandMit der Auswilderung von in diesem Sommer gezüchteten Rebhühnern soll jetzt ein neuer Bestand heranwachsen. Gottlieb Dändliker, der verantwortliche Inspecteur cantonal de la Faune des Kantons Genf, hofft, dass sie den Bestand stärken und ihm zum Aufschwung verhelfen werden. Das grosszügig aufgewertete Kulturland bietet ihnen das nötige Umfeld. Grounding des RebhuhnsVon allen einheimischen Vogelarten produziert das Rebhuhn die grössten Gelege: Bis zu 20 Eier legt das Weibchen in sein Nest. Doch dieser Rekord konnte die Vogelart nicht vor dem Niedergang bewahren. Denn das Rebhuhn kommt mit der modernen Landwirtschaft nicht zurecht. Auf den grossen, eintönigen Agrarflächen findet es kaum mehr Sämereien von Wildkräutern als Nahrung. Auch die als Deckung wichtigen Hecken sind vielerorts verschwunden. Und die eingesetzten Pestizide vernichteten die für die Jungen so wichtige Insektennahrung. Von mehr als 10'000 Vögeln in den 1960er-Jahre sank der schweizerische Bestand auf je eine Handvoll Individuen in den Kantonen Genf und Schaffhausen. Ohne umfassende Fördermassnahmen durch ökologische Aufwertungen des Lebensraums und Freilassungen gezüchteter Vögel würde das Rebhuhn innert Kürze für immer aus der Schweiz verschwinden.
Weitere Auskünfte
Medienmitteilung vom 17. September 2009 Rückkehr des Königs der Lüfte
Flügger Jungadler aus dem Jura kurz vor dem Verlassen seines Brutplatzes.
(© hu) [download] (Format .jpg, 0.81 MB)
Der König der Lüfte ist heute wieder im ganzen Alpenraum präsent. Auch der Jura wird nun langsam wiederbesiedelt.
(© David Jenny) [download] (Format .jpg, 2.89 MB)
Erwachsene Steinadler wurden im Jura in den letzten Jahren immer häufiger festgestellt. Nun gelang auch erstmals ein Brutnachweis.
(© Christof Widmer) [download] (Format .jpg, 2.84 MB) Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden!
Erstmals seit 150 Jahren brütet der Steinadler wieder im Schweizer JuraDer Steinadler ist als Charaktervogel der Berge bekannt. In den Alpen nistet er seit Menschengedenken meist im Bereich der Waldgrenze und jagt in den offenen alpinen Matten vorwiegend Murmeltiere. Doch auch im Jura brütete der Steinadler regelmässig bis ins 19. Jahrhundert. Vor etwa 150 Jahren wurden die letzten Vögel dort erlegt. 2009 brütete nun erstmals wieder ein Steinadlerpaar im schweizerischen Jura. Der Jura, ein geeigneter Lebensraum für SteinadlerImmer wieder flogen in den letzten Jahren junge Steinadler aus dem Alpenraum bis in den Jura, wo sie gebietsweise geeignete Lebensbedingungen finden. Es gibt offene, abgelegene Flächen, ein ausreichendes Nahrungsangebot und mögliche Brutplätze in Felsen oder auf Bäumen. Als Beutetiere wurden beim kürzlich gefundenen Horst Jungtiere von Reh und Gämse sowie Füchse, Igel und eine Hauskatze nachgewiesen. Erste Brut im französischen Jura bereits 1994Normalerweise kehren die Jungadler mit der Geschlechtsreife wieder in den Alpenraum zurück, wo sie sich verpaaren. 1994 hat sich zum ersten Mal ein Steinadlerpaar im französischen Südjura niedergelassen und seither mehrmals erfolgreich gebrütet. Nicht zufällig befindet sich dieses Paar genau an der Stelle, wo sich Alpenbogen und Jura am nächsten kommen. Die jetzt entdeckte Jurabrut liegt im deutschweizerischen Jura, weit weg vom ersten Horst im Südjura. Allerdings ist die Distanz von hier zu den nächsten Steinadlern der Alpenpopulation relativ klein.
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| Hans Schmid Schweizerische Vogelwarte 6204 Sempach Tel. 041 462 97 26 |
Eva Inderwildi Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz Tel. 044 457 70 27 |
Ab 16. September schaltet die Sendung Einstein unter www.einstein.sf.tv Informationen auf.
Medienmitteilung vom 27. August 2009
2009 bester Bruterfolg für den Kiebitz seit Jahren
34 junge Kiebitze wurden 2009 im luzernischen Wauwilermoos flügge, so viele wie seit Jahren nicht mehr. Dieser Erfolg beruht auf einer Kombination von zwei Schutzmassnahmen: Im Kerngebiet der Brutkolonie im Ackerland wurde auf landwirtschaftliche Nutzung verzichtet, und das Gebiet wurde grossräumig eingezäunt, um Füchse und andere Räuber von den Nestern fernzuhalten. Der Bruterfolg zeigt, dass man bei der Förderung des Kiebitzes auf dem richtigen Weg ist. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach wird sich aber weiterhin Jahre engagieren müssen, bis der Bestand des attraktiven Watvogel gesichert ist.
Sempach. – „Die vielen jungen Kiebitze sind der Lohn unserer Arbeit“, freut sich Luc Schifferli von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Der Ornithologe betreut im luzernischen Wauwilermoos ein Projekt zur Rettung des bedrohten Watvogels. Nur noch knapp hundert Brutpaare des Kiebitzes gibt es in der ganzen Schweiz. Die Art ist stark gefährdet. Die grösste Kolonie lebt im Wauwilermoos. 27 Paare zählten die Sempacher Forscher diesen Frühling. Aus 25 Gelegen wurden insgesamt 34 Küken flügge, das sind 1,26 Junge pro Paar. Um den lokalen Bestand langfristig stabil zu halten, braucht es 0,7 Junge pro Paar. Jetzt wurde dieser Wert erstmals seit Jahren übertroffen, so dass der kleine Bestand wieder etwas wachsen kann.
Um den Nesträubern auf die Schliche zu kommen, wurden Fotofallen eingesetzt. Als nächtliche Besucher konnten Füchse und einzelne Hauskatzen nachgewiesen werden, tagsüber waren es Rabenkrähen. Ohne Nesterschutz schlüpfen nur ein Drittel der Gelege, im Schutze von Elektrozäunen gibt es dagegen praktisch keine Verluste durch Nesträuber. Frisch geschlüpfte junge Kiebitze sind schon in den ersten Lebenstagen zu Fuss unterwegs und verlassen zum Teil den eingezäunten Bereich. Intensive Beobachtungen der Jungen lieferten den Hinweis, wie grossflächig das Gebiet eingezäunt werden muss, damit die jungen Kiebitze auch auf ihren Erkundungen der Umgebung geschützt bleiben.
Damit die Kiebitznester auf den Äckern nicht durch Landmaschinen zerstört werden, wurden seit 2005 alle Kiebitzgelege markiert. Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten ging in dieser Zeit kein Kiebitzgelege bei landwirtschaftlichen Feldarbeiten verloren. Wenn allerdings die Bodenbearbeitung während der Bebrütungszeit erfolgte, wurden verhältnismässig viele Gelege aufgegeben. Daher ist es nötig geworden, die vom Kiebitz als Neststandorte benützten Äcker bis nach Abschluss der Brutzeit brach liegen zu lassen. Dank dem Entgegenkommen der Landwirte konnten die Kiebitze 2009 ungestört und erfolgreich brüten.
Die Dr. Bertold Suhner-Stiftung, die Ernst Göhner-Stiftung, die Stiftung für Suchende, die Vontobel-Stiftung und die Zigerli-Hegi-Stiftung unterstützen das Artenförderungsprojekt Kiebitz der Schweizerischen Vogelwarte Sempach finanziell.Medienmitteilung vom 23. Juli 2009
Der harte Winter bescherte viel Nahrung für den Steinadler
Dieses Frühjahr brüteten im Engadin nur gut die Hälfte der Steinadlerpaare, in den Südalpen gar nur ein Drittel. Und dies trotz eines grossen Nahrungsangebots, denn die vielen Opfer des harten Winters 2008/09 unter den Gämsen, Steinböcken und Rothirschen bescherten den Adlern einen reich gedeckten Tisch. Grund für den geringen Bruterfolg: Jungadler, von Fallwild angelockt, stressen die Brutpaare und sind damit Teil einer natürlichen Geburtenkontrolle.
Sempach. – Im Rahmen einer langfristigen Überwachung von 31 Steinadlerpaaren im Engadin konnten diesen Frühling bei 18 von ihnen Bruten nachgewiesen werden, 6 haben ihre Brut bis Ende Juni wieder abgebrochen. Im südlich angrenzenden Nationalpark Stilfser Joch fanden italienische Kollegen von 13 Paaren nur 4 brütend.
Damit liegt die Brutaktivität der Steinadler trotz optimalen Nahrungs-grundlagen 2009 deutlich tiefer als im langjährigen Mittel. Ob dies die Steinadlerpaare durch eine höhere Anzahl von Zweierbruten wettmachen können (in ca. ¼ der erfolgreichen Bruten fliegen 2 Jungadler aus), wird sich erst zeigen, wenn die flüggen Nestlinge Ende Juli ausfliegen.
Medienmitteilung vom 25. Juni 2009
Swiss Bird Index SBI®, wichtige Kenngrösse zur nachhaltigen Entwicklung

Der Gesamttrend aller regelmässigen Brutvögel weist eine zaghaft positive Tendenz auf.
(© Schweizerische Vogelwarte Sempach)
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Der Index der bedrohten Vogelarten der Roten Listen verharrt auf sehr tiefem Niveau.
(© Schweizerische Vogelwarte Sempach)
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„Auf tiefem Niveau stabilisiert“ – so lässt sich die Lage der Vogelwelt in der Schweiz anhand der neusten Zahlen des Swiss Bird Index SBI® beschreiben. Die Daten für den SBI® werden von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach alljährlich erhoben und zeigen die Entwicklung seit 1990.
Sempach. – Die Zahlen zur Entwicklung der Vogelwelt fliessen jetzt auch in die offizielle Umweltstatistik des Bundesamtes für Statistik BFS ein. Erstens, weil Vögel schon seit langem als erstklassige Indikatoren für den Zustand der Umwelt gelten. Und zweitens, weil die Schweizerische Vogelwarte Sempach über präzise Daten verfügt, die jährlich landesweit erhoben werden.
Keller, V., M. Kéry, H. Schmid & N. Zbinden (2009): Swiss Bird Index SBI®: Update 2008. Faktenblatt. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.
Medienmitteilung vom 11. Juni 2009
Viele Bruten und auch brütende Weibchen werden vermäht

Das Braunkehlchen braucht spät geschnittene Blumenwiesen.
Seine Zukunft hängt von einer mässigen, wenig intensiven Graslandnutzung ohne Düngung, Bewässerung und Silage ab.
(Foto: © Markus Jenny)
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Zum Schutz der Feldlerche und anderer in Wiesen brütender Vögel sollen Heuwiesen im Berggebiet erst ab Mitte Juli gemäht werden.
(Foto: © Markus Jenny)
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In diesen Tagen hält der Sensenmann Ernte. Für die in Wiesen brütenden Vögel kommt er mit dem Mäher. Tausende von Bruten werden vernichtet. Bei den bedrohten Braunkehlchen werden auch brütende Weibchen vermäht, wie eine Studie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zeigt.
Sempach. – Der Tod ereilt die Weibchen der Braunkehlchen beim Brüten. Sie kommen unter den Mähmaschinen um, wie eine Studie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach belegt.
Zwei Jahre lang wurden die Braunkehlchen bei ihrem Brutgeschäft im Unterengadin detailliert beobachtet. 71 Altvögel wurden mit Farbringen oder Minisendern ausgerüstet, um deren individuelles Schicksal verfolgen zu können. 80 % der Männchen, aber lediglich 68 % der Weibchen überlebten die Brutzeit. Die Verluste traten genau zum Zeitpunkt der Mahd auf. Zwei von zwanzig Weibchen wurden nachweislich auf dem Nest vermäht. Ihr Brutinstinkt ist offenbar so stark, dass sie das Nest auch dann nicht verlassen, wenn die Mähmaschine immer näher kommt. Durch diesen Verlust von Weibchen läuft der Bestandsrückgang 1,7 Mal schneller ab als wenn ausschliesslich Eier und Nestlinge verloren gingen.
Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Telefon 041 462 97 45
Grüebler M.U., Schuler H., Müller M., Spaar R., Horch P. & Naef-Daenzer B. (2008):
Female biased mortality caused by anthropogenic nest loss contributes to population decline and adult sex ratio of a meadow bird.
Biological Conservation 141: 3040-3049.
Medienmitteilung vom 3. Juni 2009
Praktischer Vogelschutz in der Landwirtschaft


Der Turmfalke ist ein gewandter Mäusejäger, der seine Beute im Rüttelflug sucht (Foto: © Alfred Limbrunner).
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Ausrangierte Badewannen und andere Behälter werden häufig als Viehtränken genutzt. Ohne Ausstiegshilfen sind diese Trinkstellen gefährliche Fallen für Greifvögel und Eulen. Jedes Jahr ertrinken in solchen Wannen Dutzende von Mäusejägern, weil sie über die glatten Wände nicht mehr hinausgelangen können.
Sempach. – Vor allem während der Sommermonate werden immer wieder ertrunkene Turmfalken und Schleiereulen in Viehtränken aufgefunden. Diese gewandten Mäusejäger besiedeln die Landwirtschaftsgebiete. In der warmen Jahreszeit suchen sie gerne Viehtränken zum Trinken und Baden auf. Viehtränken wie z.B. alte Badewannen oder Brunnentröge aus Beton werden ihnen aber oft zum Verhängnis. Beim Versuch zu trinken tauchen die Vögel ins Wasser ein. Mit durchnässtem Gefieder schaffen sie es wegen der glatten Wände dann nicht mehr hinaus und ertrinken elend.
Daniela Heynen
Leiterin Fachbereich „Konflikte Vögel-Mensch“
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 40
Medienmitteilung vom 28. Mai 2009
Die Schweizerische Vogelwarte Sempach rät:

Jungvögel werden auch nach dem Verlassen des Nestes von ihren Eltern weiter umsorgt. Hier füttert ein Rotkehlchen sein Junges.
(Foto: © Manfred Rogl)
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Sempach – Viele Jungvögel verlassen ihr Nest sehr früh, oft schon bevor sie überhaupt richtig fliegen können. Sie werden aber auch ausserhalb des Nestes von ihren Eltern weiterhin gefüttert und umsorgt. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach empfiehlt daher, Jungvögel dort zu lassen, wo sie sind.
In der Vogelpflegestation der Schweizerischen Vogelwarte Sempach herrscht momentan Hochbetrieb. Täglich werden zahlreiche scheinbar verwaiste Jungvögel eingeliefert. Diese gut gemeinte Hilfe ist aber in den meisten Fällen gar nicht nötig, sondern führt oft dazu, dass gesunde Jungvögel von ihren Eltern getrennt werden.
Ein Jungvogel ist meist nur scheinbar verlassen und hilflos. Er wird auch nach dem Verlassen des Nestes von seinen Eltern weiter gefüttert und betreut. Daher gilt: Hände weg von Jungvögeln! „In menschlicher Obhut gedeihen die Jungen zwar auch gut, erhalten aber nicht die elterliche Fürsorge“, weiss Vreni Mattmann, Tierpflegerin an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Dies wirkt sich später negativ auf deren Überlebenschancen aus.
Ungeschickt umherflatternde Jungvögel wirken auf den ersten Blick verlassen. Meist sind sie aber weder verletzt noch aus dem Nest gefallen. Fast immer machen sie sich mit Bettelrufen bemerkbar, so dass die Eltern genau wissen, wo sie füttern müssen. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach empfiehlt daher, Jungvögel unbedingt an ihrem Fundort zu lassen. Einschreiten soll man nur, wenn sich ein Vogel in unmittelbarer Gefahr befindet. Sitzt z.B. ein junges Rotkehlchen auf der Strasse, so hebt man es auf und bringt es ins nächste Gebüsch. Mit blossen Händen berühren ist kein Problem, die Altvögel füttern die Jungen weiter. Ist das Junge verletzt oder wird es von den Eltern tatsächlich über eine Stunde nicht mehr versorgt, bringt man es am besten in die nächstgelegene Pflegestation. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach vermittelt gerne die entsprechende Adresse.
Die ersten Tage nach dem Verlassen des Nestes sind besonders gefährlich. Katzen, Sperber, Krähenvögel haben leichtes Spiel mit den noch unerfahrenen und unbeholfenen Jungvögeln. Trotzdem bringt es insgesamt Vorteile, wenn die Jungvögel das Nest so schnell wie möglich verlassen, selbst wenn sie noch nicht richtig flugfähig sind. Solange alle Jungen im Nest vereint sind, besteht die Gefahr, dass ein Nesträuber die ganze Brut zunichte macht. Sobald die Jungen das Nest verlassen und sich im Revier verteilt haben, droht kein Totalverlust der Brut mehr.
» Infonet: Hände weg von Jungvögeln ...
Matthias Kestenholz
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45
Medienmitteilung vom 14. Mai 2009
Die Schweizerische Vogelwarte Sempach und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz halten fest, dass es zwischen dem Schutz der Vögel und der Produktion von Windenergie ein Problem gibt, und zwar nicht nur für Zugvögel, sondern auch für brütende Arten. Sehr gefährlich wäre es, an ungeeigneten Stellen Windenergieanlagen zu bauen.
Sempach und Zürich. – Windenergieanlagen sind grundsätzlich Gefahrenquellen für Vögel. Im Gegensatz zu der von Suisse Eole verbreiteten Mitteilung (vom Dienstag) besteht im Zusammenhang mit Windenergieanlangen für Vögel daher sehr wohl ein Problem.
Gut dokumentiert ist, dass insbesondere grosse Arten wie Störche und Greifvögel mit den schnell drehenden Rotoren der Windräder kollidieren. Zugvögel sind gefährdet, wenn sie Alpenpässe und Jurahöhen überqueren, auf denen Windenergieanlagen stehen. Auch für Brutvögel können Windräder problematisch sein: Einerseits indem sie den Lebensraum gefährdeter Arten wie der Heidelerche entwerten. Anderseits indem die zu einer Windenergieanlage gehörende Erschliessung mit Zufahrtsstrassen und Freileitungen bislang unberührte Gebiete beeinträchtigen und zu Störungen für sensible Vogelarten führen, darunter das stark gefährdete Auerhuhn.
Der SVS und die Vogelwarte betonen, dass es durchaus Orte gibt, an denen Windanlagen aus Sicht des Schutzes der Vögel möglich sind. Dies setzt aber in jedem Fall eine sorgfältige Standortabklärung voraus. Die Probleme könnten zum Beispiel vermindert werden, indem man in unserem Land Windenergieanlagen in einigen wenigen Windparks bündelt und diese nur dort baut, wo der Konflikt am kleinsten ist.
Die Schweizerische Vogelwarte und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz weisen auch das Argument von Suisse Eole zum Klimawandel zurück. Die Windenergie in der Schweiz leistet einen kleinen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels. Damit eine weitere Zerstörung der Natur rechtfertigen zu wollen, wäre ein grosser Fehler und nicht nachhaltig.
Matthias Kestenholz |
Werner Müller |
Medienmitteilung vom 4. Mai 2009
Richard Maurer neuer Stiftungsratspräsident

Wechsel im Stiftungsrat der Schweizerischen Vogelwarte Sempach: Dr. Richard Maurer (rechts) aus Holderbank, Kanton Aargau, ist der neue Präsident der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Sein Vorgänger Dr. Jürg Rohner (links) präsidierte von 1999-2009 das Aufsichtsorgan der Vogelwarte. (Foto: © Schweizerische Vogelwarte Sempach).
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Sempach. – Am letzten Sonntag, 3. Mai, ist Richard Maurer in Basel zum neuen ehrenamtlichen Präsidenten des Stiftungsrates der Schweizerischen Vogelwarte Sempach gewählt worden.
Der 64-jährige Richard Maurer wohnt in Holderbank AG, ist promovierter Biologe und leitet die Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Richard Maurer ist ein ausgewiesener Naturschutzfachmann mit langjähriger Erfahrung.
Er tritt die Nachfolge von Jürg Rohner aus Reinach BL an, der zehn Jahre lang das oberste Führungsorgan der Vogelwarte leitete.
Stiftungsrat und Belegschaft sind Jürg Rohner für sein enormes Engagement und seine massgeblichen Beiträge zum Gedeihen der Vogelwarte zu grösstem Dank verpflichtet. In die Amtszeit von Jürg Rohner fielen insbesondere die Institutsreform im Jahr 2000, die Etablierung des Programms "Artenförderung Vögel Schweiz" und der mutige Entscheid, der Vogelwarte mit dem Neubauprojekt eine zweckmässige, moderne Infrastruktur zu geben.
» Stiftungsrat der Vogelwarte
Matthias Kestenholz
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45
Medienmitteilung vom 23. April 2009
Vogelwarte und IP-Suisse engagieren sich für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft


Sempach. – Mehrere europäische Untersuchungen zeigen, dass die aus vielen Gegenden verschwundene Feldlerche von offenen Stellen in Getreidefeldern profitieren kann. Ausgehend von diesem Wissen entwickelte die Schweizerische Vogelwarte Sempach Förderungsmassnahmen. Gemeinsam mit IP-Suisse-Landwirten setzt sich die Vogelwarte dafür ein, diese Massnahmen zugunsten der Feldlerche und anderer Tiere des Landwirtschaftsgebietes landesweit umzusetzen.
Ende der 1990er Jahre haben Studien gezeigt, dass Feldlerchen oft in unmittelbarer Nähe sogenannter „Fehlstellen“ in den Getreidefeldern brüten, wo kein Getreide wächst und wo die Vegetation niedrig und lückig geblieben ist. So entstand die Idee, in intensiv bewirtschafteten Winterweizenfeldern gezielt Stellen ungesät zu lassen.
Judith Fischer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Angewandte Projekte
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 73
Medienmitteilung vom 12. März 2009
Schneeweisser Prachtskerl


Der schmucke Seidenreiher ist hauptsächlich im Mittelmeerraum beheimatet. In der Schweiz tritt er üblicherweise nur im Sommerhalbjahr auf. Erstmals überwinterten zwei Vögel in der Deutschschweiz, einer davon in Zug.
Sempach. – Dem hübschen kleinen weissen Reiher mit den schwarzen Beinen und den gelben Füssen scheint es in Zug zu gefallen. Bereits am 24. August des vergangenen Jahres haben ihn Ornithologen an der Zuger Promenade zum ersten Mal gesichtet. Seither hat er dort ausgeharrt und den Winter erfolgreich überstanden. Dies war wohl nur möglich, weil der Vogel sich recht zahm zeigte und immer mal wieder einen Fisch vom örtlichen Berufsfischer erhielt. "Dies ist das erste Mal, dass ein Seidenreiher in der Deutschschweiz überwintert" weiss Hans Schmid von der Schweizerischen Vogelwarte. Zuvor gab es erst einmal eine Überwinterung in der Schweiz, nämlich 1994/95 am Neuenburgersee. Heuer überwinterte ein zweiter Vogel auch am Klingnauer Stausee.
Die vorab im Mittelmeerraum beheimateten Seidenreiher gehören zu den möglichen Profiteuren des Klimawandels. In den letzten Jahren stiessen die Vögel nordwärts vor und brüten jetzt auch in Holland, England und Irland.
Hans Schmid
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 00
Medienmitteilung vom 26. Februar 2009
Demografische Analyse sagt rosige Zukunft für den Bartgeier voraus

Der Bartgeierbestand in den Alpen entwickelt sich erfreulich, wie eine neue Studie der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach zeigt. Damit dies so bleibt ist es wichtig, dass die Mortalität sich nicht vergrössert. Potenzielle Gefahren stellen geplante Windkraftanlagen sowie eine Zunahme von Giftsködern gegen die sich ausbreitenden Wölfen dar.
(Foto: © Raphaël Arlettaz)
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Die Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen ist eine Erfolgsgeschichte: vor 100 Jahren ausgerottet brüten nun wieder über 10 Paare im Alpenbogen. Möglich wurde dieser Erfolg, weil seit 1986 jährlich 2-10 Junge ausgewildert wurden. Wissenschaftler der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach haben nun durch ein demografisches Modell die Zukunftsperspektiven der Alpenbartgeier untersucht. Die Zukunft scheint rosig, vorausgesetzt dass keine neue Todesursachen für die Altvögel hinzukommen. Gefahren drohen durch Vergiftungen und Kollisionen an Windkraftanlagen, von denen zahlreiche in Planung sind.
Sempach und Bern. – Der Bartgeier ist wegen seiner Grösse mit einer Spannweite von bis zu 3 m der König unter den Alpenvögeln. Leider wurde er am Ende des 19. Jahrhundert in den Alpen ausgerottet. Seine Neugier, die den direkten Abschuss erleichterte, und seine Vorliebe für Knochen, die ihn empfindlich gegen Giftköder machten, wurden ihm zum Verhängnis.
Zu Beginn der 1980er Jahre startete ein internationales Wiederansiedlungsprojekt mit dem Ziel, eine sich selbsterhaltende Population in dem Alpen zu schaffen. Viele Zoos und Zuchtstationen schlossen sich in einem länderübergreifenden Zuchtprogramm zusammen, so dass jährlich 2 bis 10 Junge an geeigneten Orten ausgewildert werden konnten. Im Jahre 1997 brütete erstmals wieder ein freilebendes Paar erfolgreich, und in der Folge nahm der Bestand bis auf 10 Brutpaare (2008) zu. Die aufwändigen Aussetzungen sind aber sehr kostspielig. Um die beschränkten finanziellen Ressourcen effizient einzusetzen, stellte sich die Frage, wie lange weitere Aussetzungen notwendig sind, um das Ziel der Ansiedlung einer sich selbsterhaltenden Bartgeierpopulation zu erreichen.
Mitarbeiter des Wiederansiedlungsprojekt, viele Naturinteressierte sowie Leute aus der Wildhut und Jägerschaft haben in den letzten 20 Jahren zehntausende von Bartgeierbeobachtungen zusammen getragen und an die Datenbank des Internationalen Bartgeiermonitorings übermittelt. Auf dieser Grundlage haben Forscher der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach unter der Leitung von Dr. Michael Schaub und Prof. Raphaël Arlettaz den Bartgeier einer vertieften Analyse der Bestandsentwicklung unterzogen und die Ergebnisse im renommierten Journal of Applied Ecology publiziert. Sie schätzen Bruterfolg und Überleben der sich etablierenden Vögel und prognostizierten daraus die erwartete Entwicklung der Population. Sie stellten fest, dass der natürliche Bruterfolg der bestehenden Population für ein weiteres Anwachsen des Bestands bereits ausreichen.
Die Auswertungen zeigten auch, dass die positive Populationsentwicklung wesentlich von der hohen Überlebensrate der Altvögel begünstigt ist. Die Population reagiert aber sehr empfindlich, wenn die Sterblichkeit auch nur wenig zunimmt. Ausgehend von einer Zahl von 100 Individuen, was etwa dem gegenwärtigen Bestand entspricht, sterben zur Zeit durchschnittlich jährlich 4 Tiere. Diesen Verlust kann durch die erbrüteten Jungen ausgeglichen werden und erlaubt immer noch eine Zunahme der Population. Erhöht sich die Sterblichkeit, so dass 2 zusätzliche Bartgeier pro Jahr sterben, so kann dies durch den Bruterfolg nicht mehr ausgeglichen werden und die Population nimmt bereits wieder ab. Die Gefahr, dass die Mortalität zunimmt, ist aber sehr real. Erstens wird befürchtet, dass der Einsatz von Giftködern gegen den Wolf zunimmt. Zweitens, werden in den Alpen immer mehr Windkraftanlagen gebaut und geplant, an deren Rotoren nachgewiesenermassen viele grosse Vögel umkommen. Eine gute Standortevaluation dieser Anlagen ist damit unabdingbar, um den schönen Erfolg der Rückkehr des Königs der Alpen nicht wieder zu gefährden.
Die erfreulichen Resultate dieser Studie sind eine wichtige Grundlage, um über die Weiterführung des Wiederansiedlungsprojekts zu entscheiden. Die Stiftung Pro Bartgeier, welche die Wiederansiedlungen in der Schweiz durchführt, evaluiert zur Zeit auch weitere Aspekte, insbesondere die genetische Zusammensetzung der ausgewilderten Population. Auswilderungen sollen nur so lange wie nötig weitergeführt werden, damit frei werdende Ressourcen bald auch anderen Schutzprojekten, etwa der Auswilderungen in weiteren Gebieten, in denen Bartgeier ausgestorben sind, zu Gute kommen (etwa in Sardinien oder Südspanien).
PD Dr. Michael Schaub (v.a. deutsch) |
Prof. Dr. Raphaël Arlettaz (v.a. französisch) |
Dr. Daniel Hegglin |
Schaub, M., Zink, R., Beissmann, H., Sarrazin, F., and Arlettaz, R. 2009. When to end releases in reintroduction programmes: demographic rates and population viability analysis of bearded vultures in the Alps.
Journal of Applied Ecology 46: 92-100. doi: 10.1111/j.1365-2664.2008.01547.x
Medienmitteilung vom 27. Januar 2009
Ungewöhnliche Sichtungen von Dreizehenmöwen in der Schweiz

Von anderen Möwenarten unterscheidet sich die kleine Dreizehenmöwe durch den gelben Schnabel und die schwarzen Füsse ohne Hinterzehe. Dieser Vogel wurde am 25. Januar 2009 in Kreuzlingen TG fotografiert.
(© Martin Trachsel)
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Das kräftige Sturmtief Joris verfrachtete zahlreiche Dreizehenmöwe vom Atlantik ins schweizerische Binnenland. Dieser Vogel wurde am 25. Januar 2009 am Genfersee bei Allaman VD gesichtet.
(© Marc Bastardot)
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Sempach. – Seit Samstag sind in der Schweiz an vielen Orten Dreizehen-möwen beobachtet worden. Diese kleine Möwe verbringt den Winter auf hoher See und erreicht das Landesinnere nur selten. Bis ins Binnenland Schweiz verirrt sie sich nur ausnahmsweise. In den letzten Tagen häufen sich nun aber die Beobachtungen: Vom Bodensee, Zürichsee, Neuenburgersee, Genfersee und vom Rhein sind schon 140 Meldungen an der Vogelwarte Sempach eingetroffen.
„Die Dreizehenmöwen wurden wohl vom Weststurm Joris ins Binnenland verfrachtet“, erklärt Peter Knaus von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach den Einflug. Insgesamt dürften sich mehr als 85 Dreizehenmöwen auf Schweizer Gewässern aufhalten – das sind so viele wie noch nie!
Den letzten grösseren Einflug gab es vor zehn Jahren nach dem Sturm Lothar im Dezember 1999. Normalerweise verirren sich pro Jahr nur 4-5 Individuen in die Schweiz. Viele der jetzt beobachteten Dreizehenmöwen waren geschwächt, einige wurden tot gefunden.
Ihren Namen trägt die Dreizehenmöwe, weil sie im Gegensatz zu ihren Verwandten keine Hinterzehe besitzt. Der Meeresvogel brütet an steilen Klippen an den Küsten des Nordatlantiks.Eine Schweizerkarte mit allen aktuellen Beobachtungen von Dreizehenmöwen findet sich auf der Internetseite www.ornitho.ch unter dem Stichwort „Dreizehenmöwen 2009“.
Peter Knaus
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 32
Medienmitteilung vom 22. Januar 2009
Jubiläum in Sempach: Vogelwarte überwacht seit 50 Jahren die Vogelwelt

Die Vogelwelt landesweit zu überwachen ist eine wichtige Aufgabe der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. 1500 freiwillige Mitarbeitende stehen ihr dabei zur Seite.
(Foto: © Schweizerische Vogelwarte Sempach)
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Der Winterbestand des Silberreihers ist stark angewachsen: In dreissig Jahren von fast Null auf über 200 Vögel.
(Foto: © Andreas Hafen)
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Sempach. – Am kommenden Wochenende wird in Sempach das Jubiläum 50 Jahre Überwachung der Vogelbestände gefeiert. Am jährlichen Treffen der freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schweizerischen Vogelwarte Sempach steht die langfristige, landesweite Überwachung der einheimischen Vogelwelt im Mittelpunkt.
„Vögel machen uns auf Veränderungen in unserer Umwelt aufmerksam. Darum ist die Überwachung ihrer Bestände so wichtig“ sagt Matthias Kestenholz, Sprecher der Vogelwarte. Das gut funktionierende Frühwarnsystem zeigt auch, wo und bei welchen Vogelarten Schutzmassnahmen vordringlich sind. Damit kann die Vogelwarte sehr gezielt handeln.
Die wichtige Aufgabe der Bestandsüberwachung leisten die mehr als 1500 Freiwilligen der Vogelwarte. Es sind meist erfahrene Ornithologinnen und Ornithologen mit sehr guten Kenntnissen und einem breiten Wissen über die schweizerische und europäische Vogelwelt.
Seit 1959 werden an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach die Beobachtungsmeldungen konsequent gesammelt und analysiert. Pro Jahr sind das rund 400'000 Vogelbeobachtungen aus dem ganzen Land. Neuerdings können die freiwilligen Mitarbeitenden ihre Beobachtungen direkt über Internet unter www.ornitho.ch melden. Diese Plattform ist auch für weitere Interessierte frei zugänglich. Die Bestandsüberwachung wird vom Bundesamt für Umwelt finanziell unterstützt.Dank der laufenden landesweiten Überwachung der Vogelwelt werden auch spezielle Entwicklungen und aussergewöhnliche Beobachtungen dokumentiert:
Vom Silberreiher gab es zwischen 1900 und 1971 nur 15 Nachweise in der Schweiz. Seither ist sein Bestand stark angewachsen. Heute sind es im Winter jeweils über 200 der eleganten Vögel.
Im Herbst 2008 wurde im Jura eine Steppenkragentrappe gesichtet. Für diesen aus Zentralasien stammende Vogel ist es erst der dritte Nachweis in der Schweiz nach 1840 und 1916.
Im Juli 2005 tauchte am Sempachersee vor der Vogelwarte ganz unerwartet eine Rüppellseeschwalbe auf. Ihre nächsten Vorkommen liegen in Libyen.Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45
Medienmitteilung vom 6. Januar 2009
Überraschung für Vogelfreunde zum Neuen Jahr

Der Seidenschwanz ist wenig scheu und lässt sich mit etwas Glück im Garten beobachten. Typisch für den Seidenschwanz sind die Federhaube und das gelbe Schwanzende. (Foto: © Alain Saunier).
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Nicht geerntete Äpfel sind bei Seidenschwänzen sehr beliebt.
(Foto: © Jean-Lou Zimmermann).
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Sempach. – Zum Jahresbeginn erlebt die Schweiz einen der seltenen Einflüge von Seidenschwänzen aus Skandinavien. In den letzten Wochen und Tagen sind an der Vogelwarte in Sempach bereits mehr als 300 Beobachtungen eingegangen. Der Einflug wurde zuerst in der Ostschweiz registriert, ist jetzt aber in allen Landesteilen festzustellen. Als grösste Trupps wurden 100 Individuen in Uznach SG, 80 in Chur GR und 92 in Auvernier NE gesichtet.
„Dies ist ein ganz schönes verspätetes Weihnachtsgeschenk für alle Vogelfreunde“ freut sich Hans Schmid, Leiter Informationsdienst der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Der starengrosse Seidenschwanz ist ein besonders attraktiver Singvogel. Er zeigt sich aber in den meisten Wintern kaum in unserem Land. Nur wenn für die Beerenfresser die Nahrung in Nordeuropa knapp wird, weichen die Seidenschwänze bis in die Schweiz aus.
Derzeit lassen sich die Wintergäste in Gärten, Parks, Hecken und Obstgärten beobachten. Dort suchen die Seidenschwänze nach Beeren von Sträuchern und nach Fallobst. Am liebsten fressen sie die Früchte des Vogelbeerbaums, des Gemeinen Schneeballs, der Mistel, des Weissdorns und des Ligusters.
Das unvorhersehbare, teilweise massenhafte Auftreten von Seidenschwänzen galt im Mittelalter als Vorzeichen für Kriege oder Seuchen. Heute begeistern die Seidenschwänze eine wachsende Zahl von Vogelbeobachterinnen und -beobachtern. Sichtungen von Seidenschwänzen können der Vogelwarte unter www.vogelwarte.ch gemeldet werden.
Weitere Auskünfte |
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Hans Schmid |
Matthias Kestenholz |
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