Medienmitteilung vom 27. November 2009

Einsamer Sänger in der dunklen Jahreszeit

Rotkehlchen

Im Gegensatz zu anderen Vogelarten singt das Rotkehlchen auch im Winter. Deswegen gilt es in Grossbritannien als Weihnachtsvogel. Mit seinem Gesang verkündet das Rotkehlchen den Besitz eines Winterreviers, den es als Einzelgänger hartnäckig gegen jeden Artgenossen verteidigt.
(© Günter Moosrainer)
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Rotkehlchen

Rotkehlchen zeigen wenig Scheu vor Menschen. Die meisten Rotkehlchen, die den Winter bei uns verbringen, sind Gäste aus Deutschland, Tschechien, Polen, Schweden und Finnland.
(© Robert Gross)
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Rotkehlchen

Rotkehlchen singen auch im Winter laut und eifrig. Sie gelten daher in Grossbritannien als Weihnachtssymbol.
(© Jean-Lou Zimmermann)
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Rotkehlchen als Adventssänger

In der dunklen Jahreszeit verhalten sich die meisten freilebenden Vögel ruhig. Nur das Rotkehlchen überrascht mit seinem lauten, quirligen Gesang. Rotkehlchen singen meist in der Dämmerung. Männchen wie Weibchen verkünden auf diese Weise den Besitz eines Winterreviers, das sie energisch verteidigen. In der Regel besucht daher nur ein Rotkehlchen das Futterhäuschen.

Sempach. – Rotkehlchen zeigen wenig Scheu vor Menschen. Sie verfolgen unsere Gartenarbeiten von nahe und schnappen sich Insekten und Würmer, die durch den Spaten an die Erdoberfläche kommen. So zutraulich Rotkehlchen gegenüber Menschen sind, so zänkisch und unverträglich verhalten sie sich gegenüber Artgenossen. Im Winter ist die Nahrung für diese Art besonders knapp. Deshalb besetzt jedes Männchen und jedes Weibchen ein eigenes Revier, das es nachdrücklich gegen jedes andere Rotkehlchen verteidigt. Am Futterbrett erscheint daher meistens nur ein einzelnes Rotkehlchen.

Mit seinem eifrigen Gesang, den es vor allem in der Dämmerung vorträgt, markiert das Rotkehlchen sein Revier. Im Winter fällt uns der kleine Sänger besonders auf, da die anderen Vogelarten erst wieder im Frühling singen. Dank  dem winterlichen Gesang gilt das Rotkehlchen in Grossbritannien als Weihnachtssymbol. Bei den Briten gilt: Kein Weihnachtskärtchen ohne Rotkehlchen!

Die meisten Rotkehlchen, die man bei uns von November bis Februar trifft, sind Gäste aus dem Norden, die im Frühling den Rückweg in ihre Brutgebiete in Deutschland, Polen, Schweden und Finnland antreten werden. Die meisten in der Schweiz brütenden Rotkehlchen sind im Herbst weggezogen in die Küstenregionen Südfrankreichs und Spaniens. Nur 5-10% der Rotkehlchen leben ganzjährig in der Schweiz.

Wie helfen wir dem Rotkehlchen?

Als Insekten- und Beerenfresser profitiert das Rotkehlchen von einer naturnahen Gartengestaltung. Einheimische Beerensträucher wie Schwarzer Holunder, Vogelbeerbaum, Mehlbeere, Pfaffenhütchen und Wolliger Schneeball bieten im Herbst und Winter eine beliebte Nahrung für alle Beerenfresser. An den Futterstellen im Winter fressen Rotkehlchen besonders gern Haferflocken und kleine Rosinen.


Weitere Auskünfte


Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 45

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Mittwoch, 25. November 2009

Vogelkillers Glas

Dieses Opfer des Vogelkillers Glas gilt es zu vermeiden: Gimpelmännchen mit gebrochenem Genick nach einer Kollision mit einer Glasscheibe. (© Archiv Vogelwarte)
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Glasfassade am Museum Rietberg

Glasfassade am Museum Rietberg in Zürich: Wenn Fachleute schon vor dem Bau auf Vögel achten, sind auch ästhetische Lösungen möglich. (© Archiv Vogelwarte)
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Lösung am Schulhaus Landquart

Eine einfache und wirksame Lösung am Schulhaus Landquart: Die aufgeklebten Folienringe machen Vögel auf das Hindernis Glasscheibe aufmerksam. (© Archiv Vogelwarte)
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Vogelkiller Glas: Schlimmer als befürchtet

SF Einstein zeigt was man dagegen tun kann

Der Vogelkiller Glas ist schlimmer als bisher angenommen. Aufgrund einer Erhebung über das Vogelsterben an Glasscheiben schätzen Fachleute nun, dass in der Schweiz jedes Jahr Millionen von Vögeln sterben. Denn selbst unproblematisch wirkende Scheiben entpuppten sich als Vogelkiller. Zweites Resultat der gemeinsamen Erhebung von SF Einstein, Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach: Es sind nicht nur bestimmte Vogelarten betroffen, sondern alle! Ein vermeidbarer Tod: Mit verschiedenen Massnahmen kann man Vögel retten, wie die Sendung Einstein am Donnerstag, 26. November zeigt.

Im September lancierten das Wissensmagazin „Einstein“ des Schweizer Fernsehens zusammen mit der Vogelwarte Sempach und dem Schweizer Vogelschutz SVS unter dem Namen „Vogelkiller Glas“ eine Studie zur Beobachtung von problematischen Fenster- und Glasflächen. Denn bisher war das Problem von Vogelkollisionen zwar bekannt, aber genauere Zahlen sowie Angaben über Umstände wie Wetter oder Tageszeit fehlten. Während 16 Wochen kontrollierten freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 15 verschiedene Gebäude Tag für Tag. Dazu kamen die Meldungen des Fernsehpublikums: Gut 100 Fragebogen, oft ergänzt durch Fotos, dokumentieren die unterschiedlichsten Unfallsituationen.

Von Zaunkönig bis Eichelhäher: Vogelkiller Glas trifft alle

Die Resultate der Erhebung zeigen, dass die Problematik noch komplexer ist, als die Fachleute angenommen haben: Selbst Scheiben und Fenster, die Fachleuten als eher unproblematisch ansahen, haben zum Tod von Vögeln geführt. Die Stichproben von «Vogelkiller Glas» ergaben zudem, dass sämtliche Vogelarten zu Opfern werden können: vom kleinen Zaunkönig bis zum stattlichen Eichelhäher. Das wichtigste Ergebnis: Die Zahl der jährlichen Scheibenopfer für die Schweiz dürfte um ein Vielfaches höher liegen als bis anhin vermutet. Die Fachleute gingen aufgrund einer amerikanischen Studie von ein bis zwei toten Vögeln pro Jahr und Gebäude aus – in der Schweiz wären das mehrere Hunderttausend Scheibenopfer jedes Jahr. «Vogelkiller Glas» zeigt nun, dass im Durchschnitt auch fünf bis sechs Vögel je Haus realistisch sind. Nach dieser Schätzung sterben in der Schweiz Millionen von Vögeln an Fenstern und anderen Glasflächen, die in der modernen Architektur sehr im Trend liegen.

 

Weitere Auskünfte

Hans Schmid
Schweizerische Vogelwarte Sempach
041 462 97 26
  Eva Inderwildi
Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
044 457 70 27

 

Weitere Informationen

Informationen Vögel und Glas mit Tipps zum Vogelschutz:
http://www.vogelglas.info/

Download Merkblatt (PDF-Reader erforderlich)
http://www.birdlife.ch/a_pdf/Vogelkiller_Glas.pdf

Download Liste Pflegestationen (PDF-Reader erforderlich)
http://www.birdlife.ch/pdf/pflegestationen.pdf

Link zu Einstein-Internetseite
http://www.sf.tv/sendungen/einstein/manualx.php?docid=vogelkiller

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Medienmitteilung vom 9. Oktober 2009

Langjährige ökologische Aufwertungen haben das Terrain für die Rückkehr des Rebhuhns vorbereitet

Rebhuhn

Einige Rebhühner werden vor der Freilassung mit einem kleinen Sender ausgestattet, der auf dem Rücken des Vogels knapp erkennbar ist. So können die Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach die Rebhühner mehrere Monate auf Schritt und Tritt überwachen und überprüfen, ob ihnen der ökologisch aufgewertete Lebensraum zusagt.
(© Markus Jenny)
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Schwarzkehlchen

Eindrückliche Wirkung der Buntbrachen: Der Bestand des Schwarzkehlchens ist in der Champagne genevoise in 20 Jahren um 490% gewachsen, in keiner anderen Region der Schweiz gibt es so viele Schwarzkehlchen-Reviere.
(© Benoît Renevey)
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Neue Chance für das Rebhuhn

Beinahe wäre das Rebhuhn in der Schweiz ausgestorben. Nach jahrelangem Einsatz durch die Schweizerische Vogelwarte Sempach und den Kanton Genf ist westlich von Genf im Landwirtschaftsgebiet dank umfangreichen ökologischen Aufwertungen ein attraktiver Lebensraum entstanden. In der Champagne genevoise soll nun wieder ein Bestand von Rebhühnern aufgebaut werden. Den Grundstock bilden junge gezüchtete Rebhühner, die im Herbst freigelassen werden. Die Freilassungen werden von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach durchgeführt und wissenschaftlich begleitet.

Sempach. – Die jungen Rebhühner sind startbereit. In wenigen Wochen werden sie ihren neuen Lebensraum in Besitz nehmen. Die in Volieren gezüchteten Vögel werden dann gut drei Monate alt sein. Ihre neue Heimat westlich von Genf bietet alles, was Rebhühner brauchen. Weites offenes Ackerland hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Lebensraum entwickelt. Neben den Anbauflächen bieten die angelegten Buntbrachen und Hecken dem Rebhuhn Nahrung und Unterschlupf. „Dank diesen mustergültigen ökologischen Aufwertungen im Kulturland erhält das Rebhuhn hier eine zweite Chance“ freut sich Jérôme Duplain von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Ohne das grosse Engagement der Vogelwarte und des Kantons Genf würde das Rebhuhn ganz aus der Westschweiz verschwinden.

Dem Rebhuhn das Terrain zur Rückkehr bereiten

„Das Ackerland in der Champagne genevoise westlich von Genf hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Lebensraum für das Rebhuhn entwickelt“ erläutert Bernard Lugrin von der Gemeinde Bernex, einer der Initianten des Projekts. Landwirte, Gemeinden, der Kanton Genf und die Schweizerische Vogelwarte Sempach haben diese Pionierarbeit geleistet. Entstanden sind 40 Hektaren ökologische Ausgleichsflächen in Form von Brachen. Diese naturnahen Strukturen bewirkten bei diversen Vogelarten markante Bestandszunahmen, auch bei seltenen Arten wie Schwarzkehlchen, Dorngrasmücke, Orpheusspötter und Grauammer. Für das Rebhuhn kam die Lebensraumaufwertung jedoch zu spät. Die paar wenigen verbliebenen Individuen reichten nicht aus für eine Bestandserholung.

Auswilderung als Grundstock für einen neuen Bestand

Mit der Auswilderung von in diesem Sommer gezüchteten Rebhühnern soll jetzt ein neuer Bestand heranwachsen. Gottlieb Dändliker, der verantwortliche Inspecteur cantonal de la Faune des Kantons Genf, hofft, dass sie den Bestand stärken und ihm zum Aufschwung verhelfen werden. Das grosszügig aufgewertete Kulturland bietet ihnen das nötige Umfeld.
Vor der Freilassung werden die Rebhühner mit individuell nummerierten Ringen und Miniatursendern versehen. Der noch fragile Bestand wird von den Fachleuten aus Sempach laufend überwacht, dank der Miniatursender kann der Standort jedes einzelnen Vogels mit der Peilantenne über mehrere Monate genau eruiert werden.

Grounding des Rebhuhns

Von allen einheimischen Vogelarten produziert das Rebhuhn die grössten Gelege: Bis zu 20 Eier legt das Weibchen in sein Nest. Doch dieser Rekord konnte die Vogelart nicht vor dem Niedergang bewahren. Denn das Rebhuhn kommt mit der modernen Landwirtschaft nicht zurecht. Auf den grossen, eintönigen Agrarflächen findet es kaum mehr Sämereien von Wildkräutern als Nahrung. Auch die als Deckung wichtigen Hecken sind vielerorts verschwunden. Und die eingesetzten Pestizide vernichteten die für die Jungen so wichtige Insektennahrung. Von mehr als 10'000 Vögeln in den 1960er-Jahre sank der schweizerische Bestand auf je eine Handvoll Individuen in den Kantonen Genf und Schaffhausen. Ohne umfassende Fördermassnahmen durch ökologische Aufwertungen des Lebensraums und Freilassungen gezüchteter Vögel würde das Rebhuhn innert Kürze für immer aus der Schweiz verschwinden.


Weitere Auskünfte

Jérôme Duplain
Projektleiter
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 86
  Gottlieb Dändliker
Inspecteur cantonal de Faune
Direction Générale de la Nature et du Paysage de l'Etat de Genève
1205 Genève

Tel. 022 388 55 32
  Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 17. September 2009

Rückkehr des Königs der Lüfte

Flügger Jungadler
Flügger Jungadler aus dem Jura kurz vor dem Verlassen seines Brutplatzes.
(© hu)
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König der Lüfte
Der König der Lüfte ist heute wieder im ganzen Alpenraum präsent. Auch der Jura wird nun langsam wiederbesiedelt.
(© David Jenny)
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Steinadler
Erwachsene Steinadler wurden im Jura in den letzten Jahren immer häufiger festgestellt. Nun gelang auch erstmals ein Brutnachweis.
(© Christof Widmer)
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Erstmals seit 150 Jahren brütet der Steinadler wieder im Schweizer Jura

Der Steinadler ist als Charaktervogel der Berge bekannt. In den Alpen nistet er seit Menschengedenken meist im Bereich der Waldgrenze und jagt in den offenen alpinen Matten vorwiegend Murmeltiere. Doch auch im Jura brütete der Steinadler regelmässig bis ins 19. Jahrhundert. Vor etwa 150 Jahren wurden die letzten Vögel dort erlegt. 2009 brütete nun erstmals wieder ein Steinadlerpaar im schweizerischen Jura.

Sempach. – Der besetzte Steinadlerhorst im Deutschschweizer Jura wurde im Frühjahr 2009 von einem Vogelkenner eher zufällig entdeckt. Anfang August ist ein gesunder Jungvogel dem Horst entflogen. Der Fund kommt einer kleinen Sensation gleich, denn es ist die erste Brut eines Steinadlers im Schweizer Jura seit über 150 Jahren. Historische Quellen berichten von letzten Steinadlerhorsten im Berner und im Solothurner Jura um 1820 und bis um 1850 im Westschweizer Jura und im angrenzenden Frankreich. Damals galt der Steinadler als ‚verderblicher Räuber’ und wurde gezielt, nicht selten am Horst, abgeschossen. Auch in den Alpen verfolgte man den Steinadler, hier überlebte er aber die Ausrottungsphase. Seither hat er sich vollständig erholt, man spricht heute gar von einer Sättigung des Bestands.

Der Jura, ein geeigneter Lebensraum für Steinadler


Immer wieder flogen in den letzten Jahren junge Steinadler aus dem Alpenraum bis in den Jura, wo sie gebietsweise geeignete Lebensbedingungen finden. Es gibt offene, abgelegene Flächen, ein ausreichendes Nahrungsangebot und mögliche Brutplätze in Felsen oder auf Bäumen. Als Beutetiere wurden beim kürzlich gefundenen Horst Jungtiere von Reh und Gämse sowie Füchse, Igel und eine Hauskatze nachgewiesen.


Erste Brut im französischen Jura bereits 1994

Normalerweise kehren die Jungadler mit der Geschlechtsreife wieder in den Alpenraum zurück, wo sie sich verpaaren. 1994 hat sich zum ersten Mal ein Steinadlerpaar im französischen Südjura niedergelassen und seither mehrmals erfolgreich gebrütet. Nicht zufällig befindet sich dieses Paar genau an der Stelle, wo sich Alpenbogen und Jura am nächsten kommen.

Die jetzt entdeckte Jurabrut liegt im deutschweizerischen Jura, weit weg vom ersten Horst im Südjura. Allerdings ist die Distanz von hier zu den nächsten Steinadlern der Alpenpopulation relativ klein.


Steinadler reagieren empfindlich auf Störungen

Steinadler bauen ihre Nester in gut versteckten unzugänglichen Felsen oder auf Bäumen. Auf Annäherungen während der Brutzeit reagieren sie sehr empfindlich, und Bruten können abgebrochen werden. Nähere Ortsangaben zum jetzt gefundenen Horst werden daher nicht gemacht. Eine fachkundige Überwachung bietet zudem Gewähr für den reibungslosen Ablauf des Brutgeschehens am historisch bedeutsamen Horst. Weitere Bruten sind auch in den kommenden Jahren zu erwarten.


Weitere Auskünfte


Hans Schmid
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 26


Dr. David Jenny
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 079 646 28 32

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Medienmitteilung vom 14. September 2009

Sendung von SF Einstein über den „Vogelkiller Glas“

Vogelkiller Glas
Der Tod an Scheiben ist in der zivilisierten Welt eines der grössten Vogelschutzprobleme. Hunderttausende von Vögeln kommen
allein in unserem Land jedes Jahr um, weil sie mit Glas kollidieren.
(© Hans Schmid)
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Vogelkiller Glas
Glasfronten sind für Vögel gefährliche Fallen, besonders wenn Bäume oder naturnahe Landschaften darin spiegeln.
(© Hans Schmid)
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Hunderttausende Vögel sterben an Glasfronten – Abhilfe ist möglich

Das unbemerkte Sterben – so könnte man den Tod Hunderttausender Vögel an den immer zahlreicher werdenden Verglasungen an Schweizer Gebäuden bezeichnen. Auf dieses Problem und mögliche Lösungen macht die Sendung „Einstein“ des Schweizer Fernsehens vom Donnerstag, 17. September aufmerksam. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz zeigen dort gemeinsam, welche Gebäude mit Glasfronten für Vögel besonders problematisch sind. Die Bevölkerung wird aufgerufen, Vogelkollisionen zu melden. Gezeigt wird auch die Suche nach Lösungen zum Entschärfen der gläsernen Vogelfallen.

Sempach und Zürich. – Der Tod von Vögeln an den Scheiben ist eines der grösseren Vogelschutzprobleme. Vögel können Glas nicht erkennen. In der Schweiz verunfallen und sterben jedes Jahr Hunderttausende von Vögeln an Fensterscheiben. Bei Hauswarten ist dies ein bekanntes Problem, doch die Öffentlichkeit hat dieses stille Sterben bisher kaum beachtet. Fast alle Vogelgruppen sind betroffen, darunter auch seltene und bedrohte Arten. Da grossflächige Glasfronten und Spiegelfassaden, Wintergärten, gläserne Wartehäuschen und Ähnliches im Trend sind, dürfte sich das Problem weiter zuspitzen.

Um das unbemerkte Sterben zu verhindern, starten der Schweizer Vogelschutz SVS und die Vogelwarte Sempach gemeinsam eine Informationskampagne, über die die Sendung „Einstein“ des Schweizer Fernsehens berichtet. Sie zeigen Beispiele besonders tückischer Gebäude. Auch die Hilfe der Bevölkerung ist gefragt. An sie wird ein Appell gerichtet, Kollisionen von Vögeln zu melden, mit dem Ziel, wichtige Informationen zu Gefahrenstellen, heiklen Tageszeiten und Lichtverhältnissen zu gewinnen. Die Resultate dieses Aufrufes über Vogelkollisionen werden in einer zweiten Sendung im November vorgestellt. Die Fachleute führen dann vor Augen, dass gute Lösungen möglich sind, wenn spiegelndes Glas vermieden und die Gläser mittels Markierungen für die Vögel erkennbar gemacht werden.

Wer sich jetzt schon informieren möchte, wie sich Glasfallen entschärfen lassen, kann beim Schweizer Vogelschutz SVS (Tel. 044 457 70 20) und bei der Vogelwarte Sempach (Tel. 041 462 97 00) die Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" bestellen oder das Merkblatt "Vogelkiller Glas" von der Internetseite herunterladen.


Weitere Auskünfte

Hans Schmid
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 26
Eva Inderwildi
Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
Tel. 044 457 70 27



Ab 16. September schaltet die Sendung Einstein unter www.einstein.sf.tv Informationen auf.

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Medienmitteilung vom 27. August 2009

2009 bester Bruterfolg für den Kiebitz seit Jahren

Kiebitz
Ein Viertel der knapp hundert Schweizer Kiebitzpaare brütet im luzernischen Wauwilermoos. Dank Nesterschutz mit Elektrozäunen und Verzicht der landwirtschaftlichen Nutzung war ihr Bruterfolg 2009 so gross wie schon lange nicht mehr: 34 Küken wurden flügge.
(© Matthias Kestenholz)
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Kiebitzküken
Nach dem Schlüpfen verlassen die Kiebitzküken das Nest für immer. Sie werden von den Eltern gewärmt und betreut, suchen aber selbst nach Nahrung.
(© Mathias Schäf)
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Elektrozäune
Elektrozäune schützen die Gelege vor Nesträubern. Ohne Nesterschutz schlüpfen nur ein Drittel der Gelege.
(© Martin Grüebler)
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Hoffnungsschimmer für Luzerner Kiebitze

34 junge Kiebitze wurden 2009 im luzernischen Wauwilermoos flügge, so viele wie seit Jahren nicht mehr. Dieser Erfolg beruht auf einer Kombination von zwei Schutzmassnahmen: Im Kerngebiet der Brutkolonie im Ackerland wurde auf landwirtschaftliche Nutzung verzichtet, und das Gebiet wurde grossräumig eingezäunt, um Füchse und andere Räuber von den Nestern fernzuhalten. Der Bruterfolg zeigt, dass man bei der Förderung des Kiebitzes auf dem richtigen Weg ist. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach wird sich aber weiterhin Jahre engagieren müssen, bis der Bestand des attraktiven Watvogel gesichert ist.

Sempach. – „Die vielen jungen Kiebitze sind der Lohn unserer Arbeit“, freut sich Luc Schifferli von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Der Ornithologe betreut im luzernischen Wauwilermoos ein Projekt zur Rettung des bedrohten Watvogels. Nur noch knapp hundert Brutpaare des Kiebitzes gibt es in der ganzen Schweiz. Die Art ist stark gefährdet. Die grösste Kolonie lebt im Wauwilermoos. 27 Paare zählten die Sempacher Forscher diesen Frühling. Aus 25 Gelegen wurden insgesamt 34 Küken flügge, das sind 1,26 Junge pro Paar. Um den lokalen Bestand langfristig stabil zu halten, braucht es 0,7 Junge pro Paar. Jetzt wurde dieser Wert erstmals seit Jahren übertroffen, so dass der kleine Bestand wieder etwas wachsen kann.

Doppelter Nesterschutz


Möglich wurde dieser Bruterfolg des Kiebitz durch eine Kombination von zwei Schutzmassnahmen. Einerseits wurden zwei Äcker, die seit der Ernte im Vorjahr brach lagen, von der Bewirtschaftung ausgenommen, so dass die Kiebitze von Landwirtschaftsmaschinen unbehelligt brüten konnten. Zu verdanken ist dies dem grossen Verständnis der Landwirte Hans Huber und Ferdi Bisang aus Kottwil, auf deren Parzellen 17 Kiebitzpaare brüteten. Andererseits wurde das ganze Brutgebiet mit Elektrozäunen grossräumig abgesperrt, um Füchse, Katzen und andere Räuber von den Nestern fernzuhalten. Da Kiebitze am Boden brüten, sind sie Feinden besonders ausgesetzt.


Schutzmassnahmen erforscht


Am Boden brütende Vogelarten gehören zu den grössten Sorgenkindern im Vogelschutz. Ihre Förderung ist sehr aufwändig und schwierig, da die Bruten vielen Gefahren ausgesetzt sind. Die jetzt erfolgreich eingesetzten Schutzmassnahmen wurden wissenschaftlich geprüft.

Um den Nesträubern auf die Schliche zu kommen, wurden Fotofallen eingesetzt. Als nächtliche Besucher konnten Füchse und einzelne Hauskatzen nachgewiesen werden, tagsüber waren es Rabenkrähen. Ohne Nesterschutz schlüpfen nur ein Drittel der Gelege, im Schutze von Elektrozäunen gibt es dagegen praktisch keine Verluste durch Nesträuber. Frisch geschlüpfte junge Kiebitze sind schon in den ersten Lebenstagen zu Fuss unterwegs und verlassen zum Teil den eingezäunten Bereich. Intensive Beobachtungen der Jungen lieferten den Hinweis, wie grossflächig das Gebiet eingezäunt werden muss, damit die jungen Kiebitze auch auf ihren Erkundungen der Umgebung geschützt bleiben.

Damit die Kiebitznester auf den Äckern nicht durch Landmaschinen zerstört werden, wurden seit 2005 alle Kiebitzgelege markiert. Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten ging in dieser Zeit kein Kiebitzgelege bei landwirtschaftlichen Feldarbeiten verloren. Wenn allerdings die Bodenbearbeitung während der Bebrütungszeit erfolgte, wurden verhältnismässig viele Gelege aufgegeben. Daher ist es nötig geworden, die vom Kiebitz als Neststandorte benützten Äcker bis nach Abschluss der Brutzeit brach liegen zu lassen. Dank dem Entgegenkommen der Landwirte konnten die Kiebitze 2009 ungestört und erfolgreich brüten.

Die Dr. Bertold Suhner-Stiftung, die Ernst Göhner-Stiftung, die Stiftung für Suchende, die Vontobel-Stiftung und die Zigerli-Hegi-Stiftung unterstützen das Artenförderungsprojekt Kiebitz der Schweizerischen Vogelwarte Sempach finanziell.



Weitere Auskünfte


Dr. Luc Schifferli
Projektleiter
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 27

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Medienmitteilung vom 23. Juli 2009

Der harte Winter bescherte viel Nahrung für den Steinadler

Adlermutter
Adlermutter mit Jungvogel am Horst: Die Jungen-Aufzucht braucht viel Zeit und Energie. Dringen fremde Adler ins Revier ein, so drückt „sozialer Stress“ den Bruterfolg.
(© David Jenny)
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König der Lüfte
Der König der Lüfte ist heute wieder im ganzen Alpenraum präsent.
(© David Jenny)
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verlassenes Gelege
Verlassene Gelege sind bei bestimmten Steinadler-Paaren an der Tagesordnung. Meist gehen sie auf sozialen Stress zurück, ausgelöst durch umherstreifende fremde Artgenossen.
(© David Jenny)
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Steinadler
Verpaarte Steinadler verteidigen während des ganzen Jahres ein Territorium von 30 bis 100 km2 Grösse. Dringen fremde Artgenossen ein, werden sie meist heftig attackiert und vertrieben.
(© Christof Widmer)
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Mässiger Bruterfolg beim König der Lüfte

Dieses Frühjahr brüteten im Engadin nur gut die Hälfte der Steinadlerpaare, in den Südalpen gar nur ein Drittel. Und dies trotz eines grossen Nahrungsangebots, denn die vielen Opfer des harten Winters 2008/09 unter den Gämsen, Steinböcken und Rothirschen bescherten den Adlern einen reich gedeckten Tisch. Grund für den geringen Bruterfolg: Jungadler, von Fallwild angelockt, stressen die Brutpaare und sind damit Teil einer natürlichen Geburtenkontrolle.

Sempach. – Im Rahmen einer langfristigen Überwachung von 31 Steinadlerpaaren im Engadin konnten diesen Frühling bei 18 von ihnen Bruten nachgewiesen werden, 6 haben ihre Brut bis Ende Juni wieder abgebrochen. Im südlich angrenzenden Nationalpark Stilfser Joch fanden italienische Kollegen von 13 Paaren nur 4 brütend.

Damit liegt die Brutaktivität der Steinadler trotz optimalen Nahrungs-grundlagen 2009 deutlich tiefer als im langjährigen Mittel. Ob dies die Steinadlerpaare durch eine höhere Anzahl von Zweierbruten wettmachen können (in ca. ¼ der erfolgreichen Bruten fliegen 2 Jungadler aus), wird sich erst zeigen, wenn die flüggen Nestlinge Ende Juli ausfliegen.


Fallwild lockt junge, noch unverpaarte Einzeladler an

Der Grund für die geringe Lust der Paare am Brüten ist bekannt: Die noch unverpaarten Jungadler, die 4 Jahre lang bis zu ihrer Geschlechtsreife im Alpenraum herumstreifen, werden von Fallwild angezogen. Dabei kommt es vor, dass bis zu fünf Einzeladler auftreten und von den lokalen Paaren angegriffen werden. Luftkämpfe sind dann vorprogrammiert, nicht selten führen sie zum Tod der Rivalen. Im Januar kamen auf diese Weise im Lumnez ein adultes Weibchen und ein junges Männchen gleichzeitig zu Tode und im Engadin starben im März und April je ein verpaarter Adler vermutlich nach Luftkämpfen.

Es liegt auf der Hand, dass derart gestresste Adlerpaare kaum Zeit für ihr Brutgeschäft finden.


Alpenraum praktisch ausgebucht mit Adlerrevieren


Der geringe Bruterfolg ist Ausdruck einer hohen Dichte von Steinadlern im Alpenraum. In den Schweizer Alpen gibt es heute wieder 320 Steinadlerpaare. Für weitere Paare ist kaum mehr Platz. Vor hundert Jahren war der Steinadler aufgrund gnadenloser Verfolgung im Alpenraum praktisch ausgestorben.


Trotzdem: absoluter Schutz ist notwendig


Das Wiedererstarken des Steinadlerbestands bis in den Bereich der Sättigung wiederspiegelt die gewandelte Einstellung gegenüber den Greifvögeln. Während sie früher verfolgt wurden, oft sogar mit Unterstützung der Behörden, sind sie heute wieder Teil einer vielfältigen Natur im Alpenraum. Für den sensiblen König der Lüfte ist auch in Zukunft absoluter Schutz notwendig, denn eine Lockerung der Schutzbestimmungen würde den Bestand sehr rasch wieder gefährden.


Weitere Auskünfte


Dr. David Jenny
Regionalkoordinator Oberengadin
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 081 854 02 48


Dr. Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 25. Juni 2009

Swiss Bird Index SBI®, wichtige Kenngrösse zur nachhaltigen Entwicklung

Gesamttrend

Der Gesamttrend aller regelmässigen Brutvögel weist eine zaghaft positive Tendenz auf.
(© Schweizerische Vogelwarte Sempach)
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Index der bedrohten Vogelarten

Der Index der bedrohten Vogelarten der Roten Listen verharrt auf sehr tiefem Niveau.
(© Schweizerische Vogelwarte Sempach)
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Mehlschwalbe
Der Bestand der Mehlschwalbe ist rückläufig. Mit Nisthilfen an Gebäudefassaden kann man ihr wirksam helfen.
(© Markus Varesvuo)
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Buntspecht
Beim Buntspecht und bei vielen anderen Waldvögeln sind die Bestände in den letzten Jahren deutlich angewachsen.
(© Stefan Gerth)
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Vogelwelt als offizieller Umweltindikator

„Auf tiefem Niveau stabilisiert“ – so lässt sich die Lage der Vogelwelt in der Schweiz anhand der neusten Zahlen des Swiss Bird Index SBI® beschreiben. Die Daten für den SBI® werden von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach alljährlich erhoben und zeigen die Entwicklung seit 1990.

Sempach. – Die Zahlen zur Entwicklung der Vogelwelt fliessen jetzt auch in die offizielle Umweltstatistik des Bundesamtes für Statistik BFS ein. Erstens, weil Vögel schon seit langem als erstklassige Indikatoren für den Zustand der Umwelt gelten. Und zweitens, weil die Schweizerische Vogelwarte Sempach über präzise Daten verfügt, die jährlich landesweit erhoben werden.

Entwicklung der Brutvogelbestände

Für die Gesamtheit der regelmässig in der Schweiz brütenden Vogelarten ergibt sich seit 1990 eine leicht positive Tendenz. Dazu beigetragen haben vor allem häufige und weit verbreitete Vogelarten. Einige gefährdete Vogelarten zeigten in den letzten Jahren keinen Rückgang mehr, doch verharren ihre Bestände auf extrem tiefem Niveau.

Je nach Lebensraum verläuft die Bestandsentwicklung unterschiedlich – am positivsten bei den Waldvögeln und recht ausgeglichen bei Bewohnern der Feuchtgebiete und der Siedlungen. Nach wie vor kritisch ist die Lage für die Vögel im Kulturland. Insbesondere Bodenbrüter wie Braunkehlchen und Feldlerche schreiben nach wie vor tiefrote Zahlen.


Messinstrument für die nachhaltige Entwicklung


Der Swiss Bird Index SBI® fasst nicht nur die Entwicklung der Vogelbestände zusammen. Er dient beispielsweise auch dem Bundesrat, wenn es darum geht systematisch zu überprüfen, wie gut die Schweiz den in der Strategie für nachhaltige Entwicklung gesteckten Zielen näher gekommen ist.

Bei der nachhaltigen Entwicklung geht es darum, neben der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der gesellschaftlichen Solidarität auch die ökologische Verantwortung gleichberechtigt wahrzunehmen. Stabile Vogelbestände sind ein deutlicher Hinweis auf eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Vögel sind also aussagekräftige Gradmesser für den Umgang des Menschen mit Natur und Landschaft.


Bestandsüberwachung dank hunderten von Freiwilligen


Die anspruchsvollen Bestandserhebungen führen freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schweizerischen Vogelwarte Sempach durch. Dreimal pro Saison sind sie frühmorgens in ihrem Kilometerquadrat unterwegs und notieren alle optisch und akustisch festgestellten Vögel. Insgesamt werden 267 repräsentativ über die ganze Schweiz verteilte Testflächen überwacht. Für Koloniebrüter und heimliche Arten kommen weitere Informationsquellen dazu. In Sempach werden die Daten gesammelt, ausgewertet und unter anderem für die Berechnung des Swiss Bird Index SBI® herangezogen.


Weitere Auskünfte


Dr. Verena Keller
Ornithologin, Projektleiterin Swiss Bird Index SBI®
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 20


Dr. Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 45


Dr. André de Montmollin
Leiter des Diensts Nachhaltige Entwicklung
Bundesamt für Statistik BFS
Tel. 032 713 64 72



Quelle

Keller, V., M. Kéry, H. Schmid & N. Zbinden (2009): Swiss Bird Index SBI®: Update 2008. Faktenblatt. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

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Medienmitteilung vom 11. Juni 2009

Viele Bruten und auch brütende Weibchen werden vermäht

Braunkehlchen

Das Braunkehlchen braucht spät geschnittene Blumenwiesen.
Seine Zukunft hängt von einer mässigen, wenig intensiven Graslandnutzung ohne Düngung, Bewässerung und Silage ab.
(Foto: © Markus Jenny)
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Feldlerche

Zum Schutz der Feldlerche und anderer in Wiesen brütender Vögel sollen Heuwiesen im Berggebiet erst ab Mitte Juli gemäht werden.
(Foto: © Markus Jenny)
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Übermähte Jungvögel
Kein schönes Bild: Übermähte Jungvögel.
(Foto: © Markus Jenny)
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Blumenwiese
Diese Blumenwiese bei Sent im Unterengadin wird zum Schutz der Bodenbrüter erst spät gemäht. Vogelschutz und attraktive Landschaft ergänzen sich hier ideal.
(Foto: © Roman Graf)
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Vielfacher Vogeltod in den Wiesen

In diesen Tagen hält der Sensenmann Ernte. Für die in Wiesen brütenden Vögel kommt er mit dem Mäher. Tausende von Bruten werden vernichtet. Bei den bedrohten Braunkehlchen werden auch brütende Weibchen vermäht, wie eine Studie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zeigt.

Sempach. – Der Tod ereilt die Weibchen der Braunkehlchen beim Brüten. Sie kommen unter den Mähmaschinen um, wie eine Studie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach belegt.

Zwei Jahre lang wurden die Braunkehlchen bei ihrem Brutgeschäft im Unterengadin detailliert beobachtet. 71 Altvögel wurden mit Farbringen oder Minisendern ausgerüstet, um deren individuelles Schicksal verfolgen zu können. 80 % der Männchen, aber lediglich 68 % der Weibchen überlebten die Brutzeit. Die Verluste traten genau zum Zeitpunkt der Mahd auf. Zwei von zwanzig Weibchen wurden nachweislich auf dem Nest vermäht. Ihr Brutinstinkt ist offenbar so stark, dass sie das Nest auch dann nicht verlassen, wenn die Mähmaschine immer näher kommt. Durch diesen Verlust von Weibchen läuft der Bestandsrückgang 1,7 Mal schneller ab als wenn ausschliesslich Eier und Nestlinge verloren gingen.

Zu intensive Grünlandnutzung


Die moderne, intensive Grünlandnutzung mit Silage, Düngung und Bewässerung führt dazu, dass das Gras schneller wächst und die Vegetation immer monotoner wird. Heute landet das Gras mehr und mehr in weissen Plastiksiloballen als in Heustöcken. Durch diese fundamentale Änderung der Grünlandnutzung werden die Wiesen im Vergleich zu früher viel zeitiger und viel häufiger genutzt. Heute fällt der erste Schnitt der Wiesen zeitlich immer enger mit der Brutzeit der Wiesenvögel zusammen. Und ein immer grösserer Anteil der Bruten fällt den Mähmaschinen zum Opfer.


Aderlass der Wiesenbrüter


Dass die Bestände diesen Aderlass nicht verkraften, liegt auf der Hand. Der schweizerische Bestand des Braunkehlchens ist in den letzten zehn Jahren um weitere 20 % geschrumpft, ebenso jener der Feldlerche, ebenfalls ein in Wiesen brütender Singvogel.


Vogelwarte fordert: Mehr Wiesen erst im Juli mähen


Die Probleme der Wiesenbrüter könnten durch das Konzept der abgestuften Bewirtschaftungsintensität entschärft werden. Die Wiesen sollen unterschiedlich genutzt werden, je nach Standort, Nutzungspotenzial, ihrer Lage auf dem Betrieb und dem Verwendungszweck des Futters extensiv oder etwas intensiver. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach fordert daher, den Flächenanteil spät geschnittener Heuwiesen deutlich zu erhöhen. Im Berggebiet sollte ein Grossteil der Wiesen sogar erst ab Mitte Juli gemäht werden. Nur so lässt sich verhindern, dass die Wiesenbrüter aus immer mehr Regionen verdrängt werden.


Alle Wiesenbewohner sind betroffen


Braunkehlchen und Feldlerche teilen ihr Schicksal mit weiteren Wiesenbrütern: Die Wachtel, der Baumpieper und der in der Schweiz vom Aussterben bedrohte Wachtelkönig erleiden ebenfalls gravierende Verluste durch zu frühe Mahd. Und nicht zu vergessen Rehkitze, Junghasen, Honigbienen, Heuschrecken und Schmetterlinge.


Weitere Auskünfte

Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Telefon 041 462 97 45

Quelle

Grüebler M.U., Schuler H., Müller M., Spaar R., Horch P. & Naef-Daenzer B. (2008):
Female biased mortality caused by anthropogenic nest loss contributes to population decline and adult sex ratio of a meadow bird.
Biological Conservation 141: 3040-3049.

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Medienmitteilung vom 3. Juni 2009

Praktischer Vogelschutz in der Landwirtschaft

Turmfalke 1
In offenen Viehtränken und Brunnentrögen ertrinken jeden Sommer Dutzende von Turmfalken (Foto: © Claudia Müller). Mit einem Holzbrett als Kletterhilfe lassen sich diese Todesfallen leicht entschärfen.
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Turmfalke 2

Der Turmfalke ist ein gewandter Mäusejäger, der seine Beute im Rüttelflug sucht (Foto: © Alfred Limbrunner).
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Viehtränken als Todesfallen für Turmfalken & Co.

Ausrangierte Badewannen und andere Behälter werden häufig als Viehtränken genutzt. Ohne Ausstiegshilfen sind diese Trinkstellen gefährliche Fallen für Greifvögel und Eulen. Jedes Jahr ertrinken in solchen Wannen Dutzende von Mäusejägern, weil sie über die glatten Wände nicht mehr hinausgelangen können.

Sempach. – Vor allem während der Sommermonate werden immer wieder ertrunkene Turmfalken und Schleiereulen in Viehtränken aufgefunden. Diese gewandten Mäusejäger besiedeln die Landwirtschaftsgebiete. In der warmen Jahreszeit suchen sie gerne Viehtränken zum Trinken und Baden auf. Viehtränken wie z.B. alte Badewannen oder Brunnentröge aus Beton werden ihnen aber oft zum Verhängnis. Beim Versuch zu trinken tauchen die Vögel ins Wasser ein. Mit durchnässtem Gefieder schaffen sie es wegen der glatten Wände dann nicht mehr hinaus und ertrinken elend.

Kletterhilfen als Rettung


„Durch eine einfache Massnahme können die Vögel vor diesem qualvollen Tod bewahrt werden“, erklärt Daniela Heynen von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Am besten stellt man in den Trog eine einfache Kletterhilfe wie ein Brett oder ein Gitter. Wichtig ist, dass solche Kletterhilfen mindestens bis zum oberen Beckenrand reichen. Noch weniger Aufwand erfordert das Hineinlegen eines rauen Holzbrettes (mindestens 60 cm lang, 20 cm breit und 2 cm hoch), das auf dem Wasser schwimmt und bei Algenbewuchs ausgetauscht wird.


Weitere Gefahrenquellen


Zusätzliche Gefahrenquellen sind offene Jauchegruben, deren Inhalt von den Vögeln nicht als flüssiges Medium wahrgenommen wird. Auch hier kommt es immer wieder zu Unglücken. Als Vorbeugung gegen solche Unfälle hilft das Abdecken des Jaucheloches. Falls dies nicht möglich ist, sollte die Jauchegrube mit Vogelschreckband überspannt werden.

Nach unten geschlossene Lüftungsschächte und andere schachtartige Baustrukturen wie Heugebläse können in den Gebäuden zur Falle für Schleiereulen werden. Die Vögel nutzen diese oft als Schlafplätze, können jedoch wegen des knappen Durchmessers nicht mehr nach oben ausfliegen. Abhilfe bietet hier die Abdeckung des oberen Eingangs mit einem Gitter oder die Schaffung einer Öffnung im unteren Bereich.


Weitere Auskünfte

Daniela Heynen
Leiterin Fachbereich „Konflikte Vögel-Mensch“
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 40

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Medienmitteilung vom 28. Mai 2009

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach rät:

Jungvögel

Jungvögel werden auch nach dem Verlassen des Nestes von ihren Eltern weiter umsorgt. Hier füttert ein Rotkehlchen sein Junges.
(Foto: © Manfred Rogl)
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Hände weg von Jungvögeln!

Sempach – Viele Jungvögel verlassen ihr Nest sehr früh, oft schon bevor sie überhaupt richtig fliegen können. Sie werden aber auch ausserhalb des Nestes von ihren Eltern weiterhin gefüttert und umsorgt. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach empfiehlt daher, Jungvögel dort zu lassen, wo sie sind.

In der Vogelpflegestation der Schweizerischen Vogelwarte Sempach herrscht momentan Hochbetrieb. Täglich werden zahlreiche scheinbar verwaiste Jungvögel eingeliefert. Diese gut gemeinte Hilfe ist aber in den meisten Fällen gar nicht nötig, sondern führt oft dazu, dass gesunde Jungvögel von ihren Eltern getrennt werden.

Nur scheinbar verlassen

Ein Jungvogel ist meist nur scheinbar verlassen und hilflos. Er wird auch nach dem Verlassen des Nestes von seinen Eltern weiter gefüttert und betreut. Daher gilt: Hände weg von Jungvögeln! „In menschlicher Obhut gedeihen die Jungen zwar auch gut, erhalten aber nicht die elterliche Fürsorge“, weiss Vreni Mattmann, Tierpflegerin an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Dies wirkt sich später negativ auf deren Überlebenschancen aus.

Wann soll man Hilfe leisten?

Ungeschickt umherflatternde Jungvögel wirken auf den ersten Blick verlassen. Meist sind sie aber weder verletzt noch aus dem Nest gefallen. Fast immer machen sie sich mit Bettelrufen bemerkbar, so dass die Eltern genau wissen, wo sie füttern müssen. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach empfiehlt daher, Jungvögel unbedingt an ihrem Fundort zu lassen. Einschreiten soll man nur, wenn sich ein Vogel in unmittelbarer Gefahr befindet. Sitzt z.B. ein junges Rotkehlchen auf der Strasse, so hebt man es auf und bringt es ins nächste Gebüsch. Mit blossen Händen berühren ist kein Problem, die Altvögel füttern die Jungen weiter. Ist das Junge verletzt oder wird es von den Eltern tatsächlich über eine Stunde nicht mehr versorgt, bringt man es am besten in die nächstgelegene Pflegestation. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach vermittelt gerne die entsprechende Adresse.

Risikoaufteilung

Die ersten Tage nach dem Verlassen des Nestes sind besonders gefährlich. Katzen, Sperber, Krähenvögel haben leichtes Spiel mit den noch unerfahrenen und unbeholfenen Jungvögeln. Trotzdem bringt es insgesamt Vorteile, wenn die Jungvögel das Nest so schnell wie möglich verlassen, selbst wenn sie noch nicht richtig flugfähig sind. Solange alle Jungen im Nest vereint sind, besteht die Gefahr, dass ein Nesträuber die ganze Brut zunichte macht. Sobald die Jungen das Nest verlassen und sich im Revier verteilt haben, droht kein Totalverlust der Brut mehr.

» Infonet: Hände weg von Jungvögeln ...

Weitere Auskünfte

Matthias Kestenholz
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 14. Mai 2009

Windenergie ist für Vögel sehr wohl ein Problem

Die Schweizerische Vogelwarte Sempach und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz halten fest, dass es zwischen dem Schutz der Vögel und der Produktion von Windenergie ein Problem gibt, und zwar nicht nur für Zugvögel, sondern auch für brütende Arten. Sehr gefährlich wäre es, an ungeeigneten Stellen Windenergieanlagen zu bauen.

Sempach und Zürich. – Windenergieanlagen sind grundsätzlich Gefahrenquellen für Vögel. Im Gegensatz zu der von Suisse Eole verbreiteten Mitteilung (vom Dienstag) besteht im Zusammenhang mit Windenergieanlangen für Vögel daher sehr wohl ein Problem.

Gut dokumentiert ist, dass insbesondere grosse Arten wie Störche und Greifvögel mit den schnell drehenden Rotoren der Windräder kollidieren. Zugvögel sind gefährdet, wenn sie Alpenpässe und Jurahöhen überqueren, auf denen Windenergieanlagen stehen. Auch für Brutvögel können Windräder problematisch sein: Einerseits indem sie den Lebensraum gefährdeter Arten wie der Heidelerche entwerten. Anderseits indem die zu einer Windenergieanlage gehörende Erschliessung mit Zufahrtsstrassen und Freileitungen bislang unberührte Gebiete beeinträchtigen und zu Störungen für sensible Vogelarten führen, darunter das stark gefährdete Auerhuhn.

Der SVS und die Vogelwarte betonen, dass es durchaus Orte gibt, an denen Windanlagen aus Sicht des Schutzes der Vögel möglich sind. Dies setzt aber in jedem Fall eine sorgfältige Standortabklärung voraus. Die Probleme könnten zum Beispiel vermindert werden, indem man in unserem Land Windenergieanlagen in einigen wenigen Windparks bündelt und diese nur dort baut, wo der Konflikt am kleinsten ist.

Die Schweizerische Vogelwarte und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz weisen auch das Argument von Suisse Eole zum Klimawandel zurück. Die Windenergie in der Schweiz leistet einen kleinen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels. Damit eine weitere Zerstörung der Natur rechtfertigen zu wollen, wäre ein grosser Fehler und nicht nachhaltig.

Weitere Auskünfte

Matthias Kestenholz
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 45

 

Werner Müller
Geschäftsführer, Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
8036 Zürich

Tel. 079 448 80 36

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Medienmitteilung vom 4. Mai 2009

Richard Maurer neuer Stiftungsratspräsident

Stiftungsrat

Wechsel im Stiftungsrat der Schweizerischen Vogelwarte Sempach: Dr. Richard Maurer (rechts) aus Holderbank, Kanton Aargau, ist der neue Präsident der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Sein Vorgänger Dr. Jürg Rohner (links) präsidierte von 1999-2009 das Aufsichtsorgan der Vogelwarte. (Foto: © Schweizerische Vogelwarte Sempach).
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Wechsel an der Spitze der schweizerischen Vogelwarte Sempach

Sempach. – Am letzten Sonntag, 3. Mai, ist Richard Maurer in Basel zum neuen ehrenamtlichen Präsidenten des Stiftungsrates der Schweizerischen Vogelwarte Sempach gewählt worden.

Der 64-jährige Richard Maurer wohnt in Holderbank AG, ist promovierter Biologe und leitet die Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Richard Maurer ist ein ausgewiesener Naturschutzfachmann mit langjähriger Erfahrung.

Er tritt die Nachfolge von Jürg Rohner aus Reinach BL an, der zehn Jahre lang das oberste Führungsorgan der Vogelwarte leitete.

Stiftungsrat und Belegschaft sind Jürg Rohner für sein enormes Engagement und seine massgeblichen Beiträge zum Gedeihen der Vogelwarte zu grösstem Dank verpflichtet. In die Amtszeit von Jürg Rohner fielen insbesondere die Institutsreform im Jahr 2000, die Etablierung des Programms "Artenförderung Vögel Schweiz" und der mutige Entscheid, der Vogelwarte mit dem Neubauprojekt eine zweckmässige, moderne Infrastruktur zu geben.

» Stiftungsrat der Vogelwarte

Weitere Auskünfte

Matthias Kestenholz
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 23. April 2009

Vogelwarte und IP-Suisse engagieren sich für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft

Feldlerche im Singflug
Feldlerche im Singflug – ein Bild, das in vielen Gegenden der Schweiz zur Seltenheit geworden ist (Foto: © Markus Jenny, Schweizerische Vogelwarte Sempach).
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Feldlerchen-Patch
Feldlerchen-"Patch" in einem Winterweizenfeld. Hier kann die Feldlerche besser landen, Nahrung suchen und ihr Nest anlegen als in der umgebenden, hohen und dichten Vegetation (Foto: © Markus Jenny, Schweizerische Vogelwarte Sempach).
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Ein neues Zuhause für Feldlerche & Co.

Sempach. – Mehrere europäische Untersuchungen zeigen, dass die aus vielen Gegenden verschwundene Feldlerche von offenen Stellen in Getreidefeldern profitieren kann. Ausgehend von diesem Wissen entwickelte die Schweizerische Vogelwarte Sempach Förderungsmassnahmen. Gemeinsam mit IP-Suisse-Landwirten setzt sich die Vogelwarte dafür ein, diese Massnahmen zugunsten der Feldlerche und anderer Tiere des Landwirtschaftsgebietes landesweit umzusetzen.

Ende der 1990er Jahre haben Studien gezeigt, dass Feldlerchen oft in unmittelbarer Nähe sogenannter „Fehlstellen“ in den Getreidefeldern brüten, wo kein Getreide wächst und wo die Vegetation niedrig und lückig geblieben ist. So entstand die Idee, in intensiv bewirtschafteten Winterweizenfeldern gezielt Stellen ungesät zu lassen.

Offene Ackerstellen als Rettungsinseln


Die Resultate einer britischen Studie waren äusserst vielversprechend. Dank solcher unbesäten Stellen oder „Patches“ brüteten die Feldlerchen länger, so dass die Anzahl ausfliegender Jungvögel um 50 Prozent höher war als in einem Vergleichsgebiet ohne Patches. In einer Untersuchung der Schweizerischen Vogelwarte Sempach konnte zudem gezeigt werden, dass Feldlerchen solche ungesäten Kleinflächen verteidigen. Weizenfelder mit Patches blieben bis im Juli in ihr Revier integriert, und eine zweite oder gar dritte Brut konnte erfolgreich aufgezogen werden. Die ungesäten Kleinflächen wurden zudem häufig zur Nahrungssuche angeflogen. Winterweizen ohne offene Stellen wurde dagegen schon ab Ende Mai gemieden. Für den Erfolg der Massnahme ist entscheidend, dass die Patches möglichst weit weg von Feldrändern und Fahrspuren angelegt werden, um die Bruten vor Nesträubern zu schützen.

Neben Feldlerchen wurden unter anderem Feldhasen und Wachteln auf den ungesäten Kleinflächen beobachtet – ein Zeichen dafür, dass diese Patches auch für andere Wildtiere wertvoll sind.


Mut zur Lücke


Nun gilt es, diese einfache aber vielversprechende Massnahme grossflächig umzusetzen. Nicht zuletzt weil sich wildtierfreundlich produzierte Lebensmittel immer grösserer Beliebtheit erfreuen, beweisen heute über tausend IP-Suisse-Landwirte Mut zur Lücke und setzen diese Massnahme zur Förderung von Feldlerchen in ihren Getreidefeldern um. Zudem hat IP-Suisse diese und eine Reihe weiterer Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt im Landwirtschaftsgebiet in ein verbindliches Punktesystem aufgenommen.


Wiesenbrüter in Not


Bis in die 1970er-Jahre war die Feldlerche ein sehr häufiger und weit verbreiteter Kulturlandvogel. Inzwischen ist der Lerchengesang in vielen Gegenden verstummt. Durch die starke Intensivierung der Landwirtschaft sind die Feldlerchenbestände europaweit stark zurückgegangen - auch im Schweizer Mittelland. Vor allem in den intensiv genutzten Grünlandgebieten werden viele Nester bei den häufigen Grasschnitten zerstört. Der kurze Zeitraum zwischen zwei Grasschnitten reicht nicht, um den Nachwuchs aufzuziehen. In den schnell, hoch und dicht wachsenden Ackerkulturen findet die Feldlerche kaum mehr die benötigte niedrige und lückige Vegetation, wo sie ihre Nester anlegen kann. Für die Feldlerchen ist es überlebenswichtig, in einer Saison mehrmals brüten zu können, da viele der Jungen die Nestlingszeit nicht überleben.


Singen in der Luft, Brüten am Boden


Die Feldlerche ist im offenen Kulturland zu Hause. Sie ist bekannt für ihren Singflug, bei dem sie hoch in die Luft emporsteigt und minutenlang jubilierend am Himmel verharrt. Feldlerchen brüten in Wiesen und Feldern und sind auf niedrige und lückige Vegetation angewiesen.



Weitere Auskünfte

Judith Fischer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Angewandte Projekte
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 73

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Medienmitteilung vom 12. März 2009

Schneeweisser Prachtskerl

Seidenreiher
Dieser Seidenreiher hat den ganzen Winter am Zugersee verbracht und ist auch jetzt noch hier zu sehen (Foto: © Beat Walser).
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Seidenreiher
(Foto: © Beat Walser)
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Seltener Reiher überwintert in Zug

Der schmucke Seidenreiher ist hauptsächlich im Mittelmeerraum beheimatet. In der Schweiz tritt er üblicherweise nur im Sommerhalbjahr auf. Erstmals überwinterten zwei Vögel in der Deutschschweiz, einer davon in Zug.

Sempach. – Dem hübschen kleinen weissen Reiher mit den schwarzen Beinen und den gelben Füssen scheint es in Zug zu gefallen. Bereits am 24. August des vergangenen Jahres haben ihn Ornithologen an der Zuger Promenade zum ersten Mal gesichtet. Seither hat er dort ausgeharrt und den Winter erfolgreich überstanden. Dies war wohl nur möglich, weil der Vogel sich recht zahm zeigte und immer mal wieder einen Fisch vom örtlichen Berufsfischer erhielt. "Dies ist das erste Mal, dass ein Seidenreiher in der Deutschschweiz überwintert" weiss Hans Schmid von der Schweizerischen Vogelwarte. Zuvor gab es erst einmal eine Überwinterung in der Schweiz, nämlich 1994/95 am Neuenburgersee. Heuer überwinterte ein zweiter Vogel auch am Klingnauer Stausee.
Die vorab im Mittelmeerraum beheimateten Seidenreiher gehören zu den möglichen Profiteuren des Klimawandels. In den letzten Jahren stiessen die Vögel nordwärts vor und brüten jetzt auch in Holland, England und Irland.

 

Weitere Auskünfte

Hans Schmid
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 00

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Medienmitteilung vom 26. Februar 2009

Demografische Analyse sagt rosige Zukunft für den Bartgeier voraus

Bartgeier

Der Bartgeierbestand in den Alpen entwickelt sich erfreulich, wie eine neue Studie der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach zeigt. Damit dies so bleibt ist es wichtig, dass die Mortalität sich nicht vergrössert. Potenzielle Gefahren stellen geplante Windkraftanlagen sowie eine Zunahme von Giftsködern gegen die sich ausbreitenden Wölfen dar.
(Foto: © Raphaël Arlettaz)
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Bartgeier: Erfolgsgeschichte mit happy-end?

Die Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen ist eine Erfolgsgeschichte: vor 100 Jahren ausgerottet brüten nun wieder über 10 Paare im Alpenbogen. Möglich wurde dieser Erfolg, weil seit 1986 jährlich 2-10 Junge ausgewildert wurden. Wissenschaftler der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach haben nun durch ein demografisches Modell die Zukunftsperspektiven der Alpenbartgeier untersucht. Die Zukunft scheint rosig, vorausgesetzt dass keine neue Todesursachen für die Altvögel hinzukommen. Gefahren drohen durch Vergiftungen und Kollisionen an Windkraftanlagen, von denen zahlreiche in Planung sind.

Sempach und Bern. – Der Bartgeier ist wegen seiner Grösse mit einer Spannweite von bis zu 3 m der König unter den Alpenvögeln. Leider wurde er am Ende des 19. Jahrhundert in den Alpen ausgerottet. Seine Neugier, die den direkten Abschuss erleichterte, und seine Vorliebe für Knochen, die ihn empfindlich gegen Giftköder machten, wurden ihm zum Verhängnis.

Zu Beginn der 1980er Jahre startete ein internationales Wiederansiedlungsprojekt mit dem Ziel, eine sich selbsterhaltende Population in dem Alpen zu schaffen. Viele Zoos und Zuchtstationen schlossen sich in einem länderübergreifenden Zuchtprogramm zusammen, so dass jährlich 2 bis 10 Junge an geeigneten Orten ausgewildert werden konnten. Im Jahre 1997 brütete erstmals wieder ein freilebendes Paar erfolgreich, und in der Folge nahm der Bestand bis auf 10 Brutpaare (2008) zu. Die aufwändigen Aussetzungen sind aber sehr kostspielig. Um die beschränkten finanziellen Ressourcen effizient einzusetzen, stellte sich die Frage, wie lange weitere Aussetzungen notwendig sind, um das Ziel der Ansiedlung einer sich selbsterhaltenden Bartgeierpopulation zu erreichen.

Mitarbeiter des Wiederansiedlungsprojekt, viele Naturinteressierte sowie Leute aus der Wildhut und Jägerschaft haben in den letzten 20 Jahren zehntausende von Bartgeierbeobachtungen zusammen getragen und an die Datenbank des Internationalen Bartgeiermonitorings übermittelt. Auf dieser Grundlage haben Forscher der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach unter der Leitung von Dr. Michael Schaub und Prof. Raphaël Arlettaz den Bartgeier einer vertieften Analyse der Bestandsentwicklung unterzogen und die Ergebnisse im renommierten Journal of Applied Ecology publiziert. Sie schätzen Bruterfolg und Überleben der sich etablierenden Vögel und prognostizierten daraus die erwartete Entwicklung der Population. Sie stellten fest, dass der natürliche Bruterfolg der bestehenden Population für ein weiteres Anwachsen des Bestands bereits ausreichen.

Die Auswertungen zeigten auch, dass die positive Populationsentwicklung wesentlich von der hohen Überlebensrate der Altvögel begünstigt ist. Die Population reagiert aber sehr empfindlich, wenn die Sterblichkeit auch nur wenig zunimmt. Ausgehend von einer Zahl von 100 Individuen, was etwa dem gegenwärtigen Bestand entspricht, sterben zur Zeit durchschnittlich jährlich 4 Tiere. Diesen Verlust kann durch die erbrüteten Jungen ausgeglichen werden und erlaubt immer noch eine Zunahme der Population. Erhöht sich die Sterblichkeit, so dass 2 zusätzliche Bartgeier pro Jahr sterben, so kann dies durch den Bruterfolg nicht mehr ausgeglichen werden und die Population nimmt bereits wieder ab. Die Gefahr, dass die Mortalität zunimmt, ist aber sehr real. Erstens wird befürchtet, dass der Einsatz von Giftködern gegen den Wolf zunimmt. Zweitens, werden in den Alpen immer mehr Windkraftanlagen gebaut und geplant, an deren Rotoren nachgewiesenermassen viele grosse Vögel umkommen. Eine gute Standortevaluation dieser Anlagen ist damit unabdingbar, um den schönen Erfolg der Rückkehr des Königs der Alpen nicht wieder zu gefährden.

Die erfreulichen Resultate dieser Studie sind eine wichtige Grundlage, um über die Weiterführung des Wiederansiedlungsprojekts zu entscheiden. Die Stiftung Pro Bartgeier, welche die Wiederansiedlungen in der Schweiz durchführt, evaluiert zur Zeit auch weitere Aspekte, insbesondere die genetische Zusammensetzung der ausgewilderten Population. Auswilderungen sollen nur so lange wie nötig weitergeführt werden, damit frei werdende Ressourcen bald auch anderen Schutzprojekten, etwa der Auswilderungen in weiteren Gebieten, in denen Bartgeier ausgestorben sind, zu Gute kommen (etwa in Sardinien oder Südspanien).

 

Weitere Auskünfte

PD Dr. Michael Schaub (v.a. deutsch)
Schweizerische Vogelwarte

Tel. 041 462 97 66
Tel. 031 631 31 64

 

Prof. Dr. Raphaël Arlettaz (v.a. französisch)
Institute of Ecology and Evolution, Conservation Biology
Universität Bern und Schweizerische Vogelwarte Sempach

Tel. 079 637 51 76

 

Dr. Daniel Hegglin
Geschäftsführer
Stiftung Pro Bartgeier

Tel. 079 352 75 46

Quelle

Schaub, M., Zink, R., Beissmann, H., Sarrazin, F., and Arlettaz, R. 2009. When to end releases in reintroduction programmes: demographic rates and population viability analysis of bearded vultures in the Alps.
Journal of Applied Ecology 46: 92-100. doi: 10.1111/j.1365-2664.2008.01547.x

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Medienmitteilung vom 27. Januar 2009

Ungewöhnliche Sichtungen von Dreizehenmöwen in der Schweiz

Dreizehenmöwe

Von anderen Möwenarten unterscheidet sich die kleine Dreizehenmöwe durch den gelben Schnabel und die schwarzen Füsse ohne Hinterzehe. Dieser Vogel wurde am 25. Januar 2009 in Kreuzlingen TG fotografiert.
(© Martin Trachsel)
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Das kräftige Sturmtief Joris verfrachtete zahlreiche Dreizehenmöwe vom Atlantik ins schweizerische Binnenland. Dieser Vogel wurde am 25. Januar 2009 am Genfersee bei Allaman VD gesichtet.
(© Marc Bastardot)
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Hochseevögel vom Winde verweht

Sempach. – Seit Samstag sind in der Schweiz an vielen Orten Dreizehen-möwen beobachtet worden. Diese kleine Möwe verbringt den Winter auf hoher See und erreicht das Landesinnere nur selten. Bis ins Binnenland Schweiz verirrt sie sich nur ausnahmsweise. In den letzten Tagen häufen sich nun aber die Beobachtungen: Vom Bodensee, Zürichsee, Neuenburgersee, Genfersee und vom Rhein sind schon 140 Meldungen an der Vogelwarte Sempach eingetroffen.

„Die Dreizehenmöwen wurden wohl vom Weststurm Joris ins Binnenland verfrachtet“, erklärt Peter Knaus von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach den Einflug. Insgesamt dürften sich mehr als 85 Dreizehenmöwen auf Schweizer Gewässern aufhalten – das sind so viele wie noch nie!

Den letzten grösseren Einflug gab es vor zehn Jahren nach dem Sturm Lothar im Dezember 1999. Normalerweise verirren sich pro Jahr nur 4-5 Individuen in die Schweiz. Viele der jetzt beobachteten Dreizehenmöwen waren geschwächt, einige wurden tot gefunden.

Ihren Namen trägt die Dreizehenmöwe, weil sie im Gegensatz zu ihren Verwandten keine Hinterzehe besitzt. Der Meeresvogel brütet an steilen Klippen an den Küsten des Nordatlantiks.


Eine Schweizerkarte mit allen aktuellen Beobachtungen von Dreizehenmöwen findet sich auf der Internetseite www.ornitho.ch unter dem Stichwort „Dreizehenmöwen 2009“.



Weitere Auskünfte

Peter Knaus
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 32

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Medienmitteilung vom 22. Januar 2009

Jubiläum in Sempach: Vogelwarte überwacht seit 50 Jahren die Vogelwelt

Beobachter

Die Vogelwelt landesweit zu überwachen ist eine wichtige Aufgabe der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. 1500 freiwillige Mitarbeitende stehen ihr dabei zur Seite.
(Foto: © Schweizerische Vogelwarte Sempach)
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Silberreiher

Der Winterbestand des Silberreihers ist stark angewachsen: In dreissig Jahren von fast Null auf über 200 Vögel.
(Foto: © Andreas Hafen)
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Die Vogelwelt im Auge behalten

Sempach. – Am kommenden Wochenende wird in Sempach das Jubiläum 50 Jahre Überwachung der Vogelbestände gefeiert. Am jährlichen Treffen der freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schweizerischen Vogelwarte Sempach steht die langfristige, landesweite Überwachung der einheimischen Vogelwelt im Mittelpunkt.

„Vögel machen uns auf Veränderungen in unserer Umwelt aufmerksam. Darum ist die Überwachung ihrer Bestände so wichtig“ sagt Matthias Kestenholz, Sprecher der Vogelwarte. Das gut funktionierende Frühwarnsystem zeigt auch, wo und bei welchen Vogelarten Schutzmassnahmen vordringlich sind. Damit kann die Vogelwarte sehr gezielt handeln.

Die wichtige Aufgabe der Bestandsüberwachung leisten die mehr als 1500 Freiwilligen der Vogelwarte. Es sind meist erfahrene Ornithologinnen und Ornithologen mit sehr guten Kenntnissen und einem breiten Wissen über die schweizerische und europäische Vogelwelt.

Seit 1959 werden an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach die Beobachtungsmeldungen konsequent gesammelt und analysiert. Pro Jahr sind das rund 400'000 Vogelbeobachtungen aus dem ganzen Land. Neuerdings können die freiwilligen Mitarbeitenden ihre Beobachtungen direkt über Internet unter www.ornitho.ch melden. Diese Plattform ist auch für weitere Interessierte frei zugänglich. Die Bestandsüberwachung wird vom Bundesamt für Umwelt finanziell unterstützt.

Spezielle Ereignisse

Dank der laufenden landesweiten Überwachung der Vogelwelt werden auch spezielle Entwicklungen und aussergewöhnliche Beobachtungen dokumentiert:

Vom Silberreiher gab es zwischen 1900 und 1971 nur 15 Nachweise in der Schweiz. Seither ist sein Bestand stark angewachsen. Heute sind es im Winter jeweils über 200 der eleganten Vögel.

Im Herbst 2008 wurde im Jura eine Steppenkragentrappe gesichtet. Für diesen aus Zentralasien stammende Vogel ist es erst der dritte Nachweis in der Schweiz nach 1840 und 1916.

Im Juli 2005 tauchte am Sempachersee vor der Vogelwarte ganz unerwartet eine Rüppellseeschwalbe auf. Ihre nächsten Vorkommen liegen in Libyen.

Weitere Auskünfte

Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 45

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Medienmitteilung vom 6. Januar 2009

Überraschung für Vogelfreunde zum Neuen Jahr

Seidenschwanz

Der Seidenschwanz ist wenig scheu und lässt sich mit etwas Glück im Garten beobachten. Typisch für den Seidenschwanz sind die Federhaube und das gelbe Schwanzende. (Foto: © Alain Saunier).
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2 Seidenschwänze

Nicht geerntete Äpfel sind bei Seidenschwänzen sehr beliebt.
(Foto: © Jean-Lou Zimmermann).
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Starker Einflug nordischer Seidenschwänze

Sempach. – Zum Jahresbeginn erlebt die Schweiz einen der seltenen Einflüge von Seidenschwänzen aus Skandinavien. In den letzten Wochen und Tagen sind an der Vogelwarte in Sempach bereits mehr als 300 Beobachtungen eingegangen. Der Einflug wurde zuerst in der Ostschweiz registriert, ist jetzt aber in allen Landesteilen festzustellen. Als grösste Trupps wurden 100 Individuen in Uznach SG, 80 in Chur GR und 92 in Auvernier NE gesichtet.

„Dies ist ein ganz schönes verspätetes Weihnachtsgeschenk für alle Vogelfreunde“ freut sich Hans Schmid, Leiter Informationsdienst der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Der starengrosse Seidenschwanz ist ein besonders attraktiver Singvogel. Er zeigt sich aber in den meisten Wintern kaum in unserem Land. Nur wenn für die Beerenfresser die Nahrung in Nordeuropa knapp wird, weichen die Seidenschwänze bis in die Schweiz aus.

Derzeit lassen sich die Wintergäste in Gärten, Parks, Hecken und Obstgärten beobachten. Dort suchen die Seidenschwänze nach Beeren von Sträuchern und nach Fallobst. Am liebsten fressen sie die Früchte des Vogelbeerbaums, des Gemeinen Schneeballs, der Mistel, des Weissdorns und des Ligusters.

Das unvorhersehbare, teilweise massenhafte Auftreten von Seidenschwänzen galt im Mittelalter als Vorzeichen für Kriege oder Seuchen. Heute begeistern die Seidenschwänze eine wachsende Zahl von Vogelbeobachterinnen und -beobachtern. Sichtungen von Seidenschwänzen können der Vogelwarte unter www.vogelwarte.ch gemeldet werden.


Weitere Auskünfte

Hans Schmid
Leiter Informationsdienst
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 26

 

Matthias Kestenholz
Leiter Kommunikation
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach

Tel. 041 462 97 45

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