![]() Medienmitteilung vom 2. September 2010
Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden! Walliser Aussenstelle der Vogelwarte Sempach feiert ihr 10-jähriges BestehenVor zehn Jahren eröffnete die Schweizerische Vogelwarte Sempach ihre Walliser Aussenstelle, um die ausserordentliche Vielfalt an seltenen und bedrohten Vogelarten im Alpenkanton noch besser zu fördern. Jetzt gibt es beachtliche Fortschritte zu vermelden, die nur dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit vielen lokalen Partnern wie den Landwirten, Winzern und Förstern, den kantonalen und kommunalen Behörden sowie Privatpersonen zustande kamen. Salgesch / Sempach. – Am 3. September wird gefeiert: Die Walliser Aussenstelle der Schweizerischen Vogelwarte Sempach darf bei ihrem 10-jährigen Bestehen auf viel Erreichtes zurückblicken. Eingeladen sind alle Partner, welche die Vogelwarte beim Schutz der Walliser Vogelwelt unterstützt haben: Landwirte, Winzer, Repräsentanten der kantonalen Behörden, von privaten und öffentlichen Unternehmungen, von Natur- und Vogelschutzorganisationen etc. Der Festakt wird im Winzerdorf Salgesch im Beisein der Behörden von Kanton und Gemeinde stattfinden. Neben dem Wiedersehen der verschiedenen Partner wird es Gelegenheit geben, an die wichtigsten Vorhaben und Zusammenarbeiten zu erinnern, die sich in den vergangenen Jahren ergeben haben. Wichtigste Aufgabe der Walliser Aussenstelle der Vogelwarte ist es, das Überleben und den Schutz bedrohter Vogelarten im Kanton zu sichern. Der Leistungsausweis in den zehn Jahren darf sich sehen lassen: Der Bestand des gefährdeten Wiedehopfs hat sich verfünffacht, für ihn wurden mehr als 700 Nistkästen in den Obstgärten der Rhoneebene montiert. Diese Schutzarbeit basiert auf wissenschaftlichen Abklärungen der Gefährdung, die in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bern durchgeführt wurden. Der Ziegenmelker profitiert von ausgelichteten Föhrenwäldern, die Zwergohreule von Altgrasstreifen und der Wendehals von speziellen Nistkästen. Inzwischen haben sich die fünf Mitarbeitenden der Aussenstelle auch der Förderung von Steinrötel, Braunkehlchen, Birkhuhn, Uhu, Ortolan und Nachtigall angenommen. Ebenso konnten im Rhonetal für Turmfalken und Schleiereulen Nisthilfen montiert und dabei die Kontakte zu den Landwirten intensiviert werden, den entscheidenden Akteuren bei der ökologischen Aufwertung des Kulturlandes. Die erfreuliche Zunahme der Turmfalken als geschätzten Mäusejägern liess nicht lange auf sich warten. Zusammen mit Vitival, der Vereinigung der Walliser Winzer für Integrierte Produktion, konnten auch diverse Rebberge ökologisch aufgewertet und damit zum Refugium für Heidelerche und Zaunammer werden. Dank den guten Kontakten und der Strategie der kleinen Schritte konnten jedes Jahr diverse Verbesserungen realisiert werden, sowohl in der Ebene wie auch an den Hängen des Rhonetals. Mehr als 10 km gepflanzter Hecken und von Schwarzkehlchen frisch besiedelte Buntbrachen zeugen davon.
Medienmitteilung vom 21. Juli 2010
![]() Dank grossem Mäuseangebot war die Brutsaison 2010 sehr erfolgreich: Vier frisch flügge Waldohreulen warten darauf, von den Eltern gefüttert zu werden . (Foto: © Hans Reinhard) [download] (Format .jpg, 3591 KB) Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden!
Kontrolle einer Schleiereulenbrut
Babyboom bei den EulenDer Bruterfolg bei den einheimischen Eulenarten ist dieses Jahr weit überdurchschnittlich. Ein hoher Mäusebestand machte es möglich. Sempach. – Zwar war der Winter recht hart und lang. Doch dies hinderte die Eulen dieses Jahr nicht daran, sehr zeitig mit Brüten zu beginnen. In den Bergwäldern des Jura waren letztmals 2005 viele Raufusskauzbruten zu finden. Danach blieben die Bestände unterdurchschnittlich. "Allein in meinem Gebiet gab es dieses Jahr mehr als 20 Bruten", freut sich Pierre-Alain Ravussin, freiwilliger Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach, der die heimliche Eulenart seit mehr als 25 Jahren im Waadtländer Jura studiert. "Die meisten davon hatten 5, ja manche 7 oder 8 Junge im Nest. Das ist sehr ungewöhnlich." Die Eulen hatten dieses Jahr Bedingungen wie im Schlaraffenland, denn es wimmelte von Mäusen. Diese wiederum hatten stark zugenommen, weil es massenhaft Buchnüsschen gab. Auch andere Eulenarten profitierten vom Mäuseüberfluss. So brüteten Waldkäuze im Mittelland stellenweise schon Mitte Februar. Während in normalen Jahren die Paare um 2 Junge aufziehen, gab es heuer welche, die 6 Junge erfolgreich aufzogen. Auch bei der Waldohreule fielen die Brutbestände hoch und die Jungenzahlen überdurchschnittlich aus. Schlechter steht es um die Schleiereule. Diese Art litt stark unter den letzten kalten Wintern. Sie ist momentan aus verschiedenen Gebieten verschwunden. Simon Birrer, Eulenspezialist der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, meint dazu: "Die Schleiereule hat momentan ein Tief. Es wird mehrere Jahre mit gutem Bruterfolg und schneearmen Wintern brauchen, bis sich die Situation bei ihr wieder normalisiert."
Je früher, desto besser Der Zeitpunkt, an dem Vögel mit der Eiablage beginnen, ist entscheidend. Je besser die Nahrungsbedingungen sind, desto früher setzt sie ein. Und je zeitiger Vögel mit dem Brutgeschäft beginnen, desto mehr Eier bzw. Junge produzieren sie. Frühe Bruten ermöglichen den Jungen zudem, mehr Erfahrung bis zum nächsten Winter zu sammeln. Damit haben sie bessere Überlebenschancen.
Medienmitteilung vom 9. Juli 2010
![]() Jagende Mauersegler: So können wir die Flugkünstler im Sommer am Himmel beobachten (Foto: © Alain Georgy). [download] (Format .jpg, 212 KB) Mauersegler: Vorne ruht ein Altvogel, im Hintergrund drei halbwüchsige Nestlinge. (Foto: © Karl Weber). [download] (Format .jpg, 451 KB) Diese jungen Mauersegler haben Glück gehabt: Im Holznistkasten steigen die Temperaturen weniger hoch als unter Dachziegeln, wo tagsüber mehr als 50°C gemessen werden. (Foto: © Alain Georgy). [download] (Format .jpg, 628 KB)
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Hitzestress für junge MauerseglerDie Vogelwarte in Sempach hat alle Hände voll zu tun, denn die Sommerhitze treibt Jungsegler zum verfrühten Absprung. Sempach. – Junge Mauersegler leiden unter den hochsommerlichen Temperaturen. An den Brutplätzen unter Dachziegeln kann es tagsüber über 50°C heiss werden. Die noch nicht flugfähigen Jungvögel versuchen der unerträglichen Hitze auszuweichen, verlassen das Nest vorzeitig und landen unsanft am Boden. Wenn sie Glück haben, werden sie dort von Passanten gerettet und in eine Vogelpflegestation gebracht. Die Vogelwarte in Sempach wird zurzeit mit solchen gefiederten Patienten überhäuft. „Täglich treffen neue Jungsegler bei uns ein“, weiss Vreni Mattmann, die Leiterin der Pflegestation. Die Aufzucht von jungen Seglern gelingt gut. Im Alter von ca. 42 Tagen werden die Mauersegler flugfähig und sind dann ganz selbstständig. Eine weitergehende Betreuung durch die Eltern oder die Vogelpflege braucht es dann nicht mehr.
Förderung von Mauerseglern Als typische Felsenbrüter eroberten die Segler Dörfer und Städte mit ihren zahlreichen "künstlichen Felsen". Die Anpassung der Mauersegler an die Gebäude geht soweit, dass Bruten an natürlichen Felsen heute zur Ausnahme geworden sind. Durch die enge Bindung der Segler an die menschliche Umgebung liegt das Schicksal dieser Vögel weitgehend in unserer Hand. Mit Information, Beratung am Bau sowie mit der Überwachung und Betreuung der Brutplätze versucht die Vogelwarte, diese Verantwortung ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Geholfen werden kann den Mauerseglern auch mit künstlichen Nisthilfen. Solche sind an der Vogelwarte zum Stückpreis von CHF 49.- zuzüglich Porto und Verpackung erhältlich.
Mauersegler sind keine Schwalben Segler und Schwalben sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich. Trotzdem gibt es zwischen den beiden Vogelfamilien eigentlich nur eine Gemeinsamkeit: Beide sind ausgeprägte Flugjäger. Die Spezialisierung auf das Fangen fliegender Insekten bewirkte, dass sich beide Gruppen in eine sehr ähnliche Richtung entwickelt haben. Die Familie der Schwalben gehört zu den Singvögeln, jene der Segler ist mit den Kolibris verwandt. Die Beine der Segler sind äusserst kurz und nur fürs Landen an senkrechten Wänden geeignet. Schwalben dagegen setzen sich gerne auf Zweige und Drähte.
Medienmitteilung vom 24. Juni 2010
![]() Der Kiebitz ist im Kulturland stark unter Druck. (Foto: © Markus Jenny). Wenige Tage altes Kiebitzküken. Bis es im Alter von fünf bis sechs Wochen flugfähig ist, drohen viele Gefahren (Foto: © Ruedi Wüst-Graf). Brütender Kiebitz auf einem Mais-Stoppelfeld (Foto: © Markus Jenny). Der Elektrozaun schützt die Kiebitzkolonie im Wauwilermoos vor Füchsen und anderen Feinden (Foto: © Markus Jenny). Hier wird der Neststandort des Kiebitz vom Traktor geschont (Foto: © Luc Schifferli). Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden!
Neue Hoffnung für den KiebitzDie Schweizerische Vogelwarte Sempach engagiert sich gemeinsam mit Landwirten für einen besseren Bruterfolg des stark gefährdeten Kiebitzes. Jetzt beginnen die Anstrengungen Früchte zu tragen! Sempach. – „Die Zahl der Kiebitzpaare im Wauwilermoos, in der heute wichtigsten Kolonie der Schweiz, hat sich mehr als verdoppelt“, freut sich Luc Schifferli, der Leiter des Förderprojekts. „Gegenwärtig sind es 37 Brutpaare. Das Regenwetter hat den Küken zwar arg zugesetzt. Trotzdem sind bereits 25 flügge und wir rechnen mit einem weiteren Dutzend. Wenn sich unsere Erwartungen erfüllen, wächst trotz misslichem Wetter erneut ein starker Jahrgang 2010 heran“, zieht er ein sehr erfreuliches Fazit. Das erfolgversprechende Projekt beruht auf einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Vogelwarte und Landwirten. Der Kiebitz lebt im Kulturland, wo ohne Schutzmassnahmen die meisten Bruten unter den Pflug geraten oder von Füchsen gefressen werden. Der miserable Bruterfolg ist für den Einbruch der Schweizer Brutpopulation verantwortlich. Heute gibt es in unserem Land noch rund 100 Paare. Im Wauwilermoos nördlich von Sursee LU fördert die Vogelwarte zusammen mit Landwirten den Nachwuchs des Kiebitzes. Mitarbeitende der Vogelwarte markieren alle Nester und die Bauern schonen sie beim Mähen, Pflügen und Eggen. Elektrisch geladene Weidezäune schützen die Gelege vor Nesträubern. Dank diesen gemeinsamen Anstrengungen schlüpfen drei Viertel der Gelege, ohne Nesterschutz wären es nur 30 %. Kaum geschlüpft, verlassen die Kiebitzfamilien das Nest und suchen selbst nach Nahrung. Deshalb werden zusätzliche Felder eingezäunt, um den Küken die sichere Nahrungssuche innerhalb der Zäune zu ermöglichen. Dieser Extraaufwand hat sich gelohnt, denn seither werden genügend Junge flügge, um die Kiebitzpopulation im Gleichgewicht zu halten. Der eigentliche Durchbruch gelang, als sich mehrere Bauern für eine kiebitzfreundliche Landwirtschaft entschieden. Sie bearbeiten ihre Felder erst zwei Wochen nach dem Schlüpfen der Jungen, so dass die Kiebitze unbehelligt bleiben. Für Mehraufwand und Ertragseinbussen werden die Bewirtschafter von Kanton und Bund entschädigt.
Jeder Kiebitz zählt! Der auffällig schwarz-weiße Vogel mit charakteristischer Federhaube war früher ein häufiger Brutvogel auf kurzgrasigen Feuchtwiesen und extensiv genutzten Ackerflächen. Seit Mitte der Neunzigerjahre hat der Kiebitzbestand in der Schweiz einen dramatischen Rückgang um 80% erlitten. Nach neusten Erhebungen umfasst sein Bestand schweizweit nur noch 100 Paare. Jede einzelne Brut verdient daher Schutzmassnahmen.
Kiebitzschutz dank breiter Unterstützung Die Schweizerische Vogelwarte Sempach dankt allen beteiligten Behörden, Fachstellen und den Landwirten für ihren Einsatz sowie der Dr. Bertold Suhner-Stiftung, der Ernst-Göhner-Stiftung, der Stiftung für Suchende, der Vontobel-Stiftung, der Zigerli-Hegi-Stiftung und der Paul Schiller Stiftung, die das Förderungsprojekt mit grosszügigen Beiträgen unterstützen.
Medienmitteilung vom 17. Juni 2010 ![]() Die Feldlerche weist weiterhin stark sinkende Bestandszahlen auf, weil viele ihrer Bruten vermäht werden. (Foto: © Mathias Schäf). [download] (Format .jpg, 1726 KB) Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden!
Vogelwarte zieht Bilanz: noch keine Besserung für die Vogelwelt eingetretenDie Schweiz hat sich zusammen mit anderen europäischen Staaten verpflichtet, den Rückgang der Biodiversität bis 2010 zu stoppen. Im Jahr der Biodiversität wird nun Bilanz gezogen. Der Swiss Bird Index SBI® der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zeigt, dass die Schweiz dieses Ziel bei den Brutvögeln klar verfehlt. Die Bestände vieler für den Naturschutz besonders wichtiger Vogelarten gehen weiterhin zurück oder verharren auf einem sehr tiefen Niveau. Sempach. – Die angestrebte Besserung in der heimischen Vogelwelt ist nicht eingetroffen. Der Swiss Bird Index®, der die Entwicklung der Schweizer Brutvögel zusammenfasst, weist über den Zeitraum 1990 bis 2009 keinen bestimmten Trend auf. Bei gefährdeten Arten konnte die negative Entwicklung nicht aufgehalten werden. Von vielen Arten wie Rebhuhn, Purpurreiher, Wachtelkönig, Bekassine, Zwergohreule, Brachpieper und Ortolan brüten heute nur noch sehr wenige Paare in der Schweiz. „Um den fortschreitenden Verlust der Biodiversität zu stoppen, braucht es den Einsatz aller Akteure in Land- und Forstwirtschaft, Raumplanung und Politik", meint Niklaus Zbinden, der zuständige Programmleiter an der Vogelwarte. Besonders düster sind die Prognosen für die in Wiesen brütenden Vogelarten. Die Situation von Kiebitz und Feldlerche wird sich ohne ein Gegensteuern in der Agrarpolitik weiter verschärfen. Die intensive Bodenbearbeitung oder Mahd lässt viele Bruten gar nicht aufkommen. Der Swiss Bird Index SBI® zeigt auch, welche Auswirkungen ein harter Winter auf die Brutbestände haben kann. "Nach dem harten Winter 2008/09 gab es bei vielen Arten einen Einbruch beim Brutbestand", stellt Niklaus Zbinden fest. So verschiedene Arten wie Steinhuhn und Sommergoldhähnchen erlitten einen Rückgang von über 30 % gegenüber dem Vorjahr. Rein witterungsbedingte Bestandsschwankungen dürfen aber im Vergleich zu den langfristigen Entwicklungen nicht überbewertet werden.
Faktenblatt Swiss Bird Index® [Download]
Medienmitteilung vom 26. April 2010 ![]() Der Steinkauz ist ein Charaktervogel der traditionellen Agrarlandschaften. Die schöne Eule begeistert Jung und Alt.
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Wohin des Wegs? Überlebensrate, Raum-nutzung und Wanderungen von SteinkäuzenSeit vielen Jahren setzen sich Vogelschützer beispielhaft für die Erhaltung der letzten Vorkommen des Steinkauzes ein. Mit Erfolg, denn die Bestände der kleinen Eule nehmen in Süddeutschland und Frankreich stetig zu. Die letzten Schweizer Steinkäuze haben von dieser erfreulichen Entwicklung leider noch nicht profitiert, und die Bestände sind nach wie vor kritisch klein. Weshalb, ist derzeit unklar, hängt aber vermutlich mit dem Ausbreitungsverhalten der kleinen Eule zusammen. Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung der einheimischen Eulen FOGE, der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und der Vogelwarte Radolfzell soll helfen, die vielen offenen Fragen zu klären. Tierpopulationen stehen über sich ausbreitende Individuen in Verbindung. Ist diese Ausbreitung, auch Dispersal genannt, über längere Zeit zu gering, oder bleibt sie gar ganz aus, können lokale Populationen aussterben, auch wenn die Lebensraumbedingungen günstig wären. Die Bedeutung des Dispersals für den Schutz und die Förderung von Arten ist aufgrund theoretischer Studien seit Längerem bekannt. Dennoch ist vieles unerforscht, beispielsweise das Dispersal der Steinkäuze. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Beobachtung der sehr mobilen Vögel bis vor kurzem technisch kaum möglich war. Aufgrund enormer technischer Fortschritte in der Mikroelektronik wurden in den vergangenen Jahren Kleinstsender entwickelt, mit denen Jungvögel nach dem Verlassen des Nests weiter verfolgt werden können. So können wir erforschen, wo und warum sich die Jungtiere ansiedeln und wie viele bis zur nächsten Brutzeit überleben. Auch bei Altvögeln können so Kenntnisse über die Raumnutzung und das Überleben nach dem Selbständigwerden ihrer Jungen gewonnen werden. Für den erfolgreichen, nachhaltigen Schutz von Arten ist es von zentraler Bedeutung, solche Wissenslücken zu schließen. Das Projekt in der Ludwigsburger Steinkauzpopulation möchte hier einen bedeutenden Beitrag leisten. Grenzüberschreitende ZusammenarbeitDas gemeinsame Unternehmen der Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V., der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und der Vogelwarte Radolfzell wird wichtige Fragen der naturschutzbiologischen Grundlagenforschung im Zusammenhang mit Überleben, Dispersal und Raumnutzung untersuchen. Dadurch sollen gleichzeitig auch fehlende Grundlagen für den Schutz und die Förderung des Steinkauzes in der Schweiz erarbeitet werden. Ideale Voraussetzungen bietet dabei die große und wachsende Population im Raum Ludwigsburg, Baden-Württemberg. In dieser und in umliegenden Populationen werden jährlich mehrere hundert Jungvögel beringt. Dank der ähnlichen Lebensraumbedingungen können die Erkenntnisse auf die Schweizer Verhältnisse übertragen werden und tragen somit zur Förderung der seltenen Eule in der Schweiz bei. Die Populationen in Süddeutschland, im Elsass und dem französischen Jura sind zudem die wichtigsten Quelle für eine natürliche Wiederbesiedlung des schweizerischen Mittellandes. Offene FragenDas Leben des Steinkauzes ist im Grossen und Ganzen gut erforscht. Doch gerade bei den für den Artenschutz wichtigen Aspekten bleiben noch viele Fragen offen. Das gemeinsame Forschungsprojekt möchte folgende Fragen beantworten:
Mit modernster Technik dem Steinkauz auf der SpurNach einer erfolgreichen Pilotstudie 2009 wird die eigentliche Untersuchung 2010-2011 in Baden-Württemberg im Raum Ludwigsburg durchgeführt. Die Beantwortung der Fragen erfordert die intensive Anwendung von Radio-Telemetrie. Wir setzen modernste, Mikro-Prozessor-gesteuerte Sender ein (entwickelt durch die Berner Fachhochschule und die Schweizerische Vogelwarte Sempach). Diese laufen rund ein Jahr und können bis zu einer Distanz von 50 km geortet werden. Ortungen und Verhaltensbeobachtungen erfolgen durch ein Team von Biologen. Umfangreiche Empfangsausrüstung, wie stationäre Antennen auf Masten, wird eingesetzt. Pro Saison sollen 50-100 Jungkäuze vor dem Ausfliegen mit Sendern versehen werden. Die Vögel werden in der ersten Zeit täglich, später in größeren Zeitabständen geortet und wenn möglich auch auf Sicht kontrolliert. Die räumlichen Verschiebungen und Überlebensraten werden anhand standardisierter Beobachtungsreihen der Individuen berechnet. Die zentralen Fragen werden in einer Doktorarbeit erforscht, zusätzlich werden Master-Studierende verschiedener Hochschulen ergänzende Untersuchungen durchführen. Die Schweizerische Vogelwarte SempachDie Schweizerische Vogelwarte Sempach ist eine private, gemeinnützige Stiftung für Vogelkunde und Vogelschutz. Die enge Verflechtung von ornithologischer Grundlagenforschung mit praktischen Schutzprojekten für bedrohte Vogelarten ist eine der Stärken des am Sempachersee in der Zentralschweiz gelegenen Instituts. Finanziell getragen wird die Schweizerische Vogelwarte Sempach von Spenden aus der breiten Bevölkerung.
Die Vogelwarte RadolfzellDie Vogelwarte Radolfzell gehört zum Max-Planck-Institut für Ornithologie. Das renommierte Forschungsinstitut am Bodensee erforscht vor allem das Verhalten von Vögeln, unter anderem die Gehirnentwicklung bei der Ausprägung des Vogelgesangs, Strategien bei der Partnerwahl, Partnerwahl und Brutfürsorge sowie den globalen Vogelzug und seine Beeinflussung durch den Klimawandel, Krankheitserreger und menschliche Einflüsse.
Die Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V.Der Verein engagiert sich für Tierschutz- und Erhaltungsprogramme landesweit für alle Eulenarten und dabei vorrangig für die am meisten bedrohten und am wenigsten bekannten Arten in ihrem Kampf ums Überleben.
Medienmitteilung vom 21. April 2010 ![]() Der Neubau für Vogelkunde und Vogelschutz wird die Arbeit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach auf Jahrzehnte hinaus beflügeln. Bilder nur für diese Mitteilung und mit Quellennachweis verwenden!
Vogelwarte lädt die Bevölkerung ein: Willkommen an der Vogelwarte!
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Matthias Kestenholz |
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Medienmitteilung vom 17. März 2010

Der Ortolan steht in der Schweiz am Rande des Aussterbens. Die Förderungsmassnahmen zum Schutz der Art finden im März-April in der Leuker Felsensteppe statt. (Foto: © Peter Keusch, Susten)
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Die 4 Massnahmen zum Schutz des Ortolans werden in den südexponierten Hängen bei Leuk
durchgeführt, das Auslichten bewaldeter Gebiete, die Beweidung der Felsensteppe und das
kontrollierte Abbrennen der Krautschicht – das Anlegen von Haferfeldern in der Rhoneebene. (Foto: © Emmanuel Revaz)
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In nur 20 Jahren ist der Ortolan zum seltensten Brutvogel der Schweiz geworden. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach hat in Zusammenarbeit mit dem Kanton Wallis an den südexponierten Felsensteppen von Leuk ein ambitiöses Massnahmenpaket zum Schutz dieser Vogelart lanciert.
Sempach und Salgesch. – 2009 wurden nur noch 7 singende Ortolane gefunden – alle im Wallis, davon 5 in der Leuker Felsensteppe. Wie andernorts in Mitteleuropa haben die Bestände auch hier stark abgenommen, und die Art steht in der Schweiz am Rande des Aussterbens. Zwischen 1993-96 konnten noch rund 200 singende Ortolanmännchen alljährlich in der Schweiz gezählt werden.
Der Ortolan bevorzugt trockene Pionierstandorte, welche reich an Samen- und Insektennahrung sind. Seit rund 30 Jahren haben sich die Felsensteppen stark verändert – Verbuschung und Vergandung haben zu einer dramatischen Abnahme von Insekten- und Pflanzenarten geführt. Der Ortolan und viele weitere seltene Tier- und Pflanzenarten haben unter diesen Veränderungen stark gelitten. In der Hoffnung diese negative Entwicklung zu stoppen, müssen in der Walliser Felsensteppe verschiedene, einander ergänzende Förderungsmassnahmen realisiert werden.
Mit diesen Massnahmen wird der Lebensraum Felsensteppe aufgewertet, so dass die Artenvielfalt zunimmt. Diese Förderungsmassnahmen wurden von den Gemeinden, dem Kanton Wallis und der Eidgenossenschaft bewilligt.
Das Projekt ist eine konkrete Naturschutzmassnahme im Jahr der Biodiversität. Neben dem Ortolan profitiert eine ganze Lebensgemeinschaft von den Förderungsmassnahmen, insbesondere die seltenen und typischen Arten der offenen und trockenen Steppen des Naturparks Pfyn-Finges. Darunter seltene Orchideenarten, lokal verbreitete Tagfalter und die farbenprächtige Smaragdeidechse. Dieses Projekt erstreckt sich über 3 Jahre (2010-2012) und wird voraussichtlich rund Fr 250'000.- kosten. Rund die Hälfte davon wird von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach getragen, ein Fünftel vom Kanton Wallis und der Rest von verschiedenen Sponsoren.
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Alain Jacot |
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Medienmitteilung vom 15. Februar 2010
Verantwortungslose Abschüsse

Verantwortungslose Abschüsse von geschützten Gänsesägern lehnt die Schweizerische Vogelwarte Sempach ab. (Foto: © Verena Keller).
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Die Schweizerische Vogelwarte Sempach ist über die Abschüsse von Gänsesägern sehr besorgt. Neuste Studien belegen, dass die alpinen Gänsesäger eine eigenständige Population bilden. Deshalb trägt die Schweiz eine besondere Verantwortung für diese geschützte Vogelart.
Sempach. – Die Vogelwarte ist sehr besorgt über die zunehmende Bereitschaft einzelner Kantone, Bewilligungen zum Abschuss von Gänsesägern zu erteilen. Der jüngste Fall betrifft den Kanton Schwyz. Die Abschüsse der geschützten Vögel lösen die Probleme der gefährdeten Seeforellen und anderer Fischarten nicht. Wie die Staatskanzlei des Kantons Schwyz erkannt hat, ist nämlich der Lebensraum der Seeforelle durch bauliche Massnahmen und die Nutzung der Fliessgewässer durch Wasserkraftwerke stark beeinträchtigt.
Der Gänsesäger brütet an Seen und grösseren Flüssen. Der Schweizer Bestand wird auf 500 Paare geschätzt. Im Winter gesellen sich zu unseren Brutvögeln Gäste aus Nordeuropa. Neue Studien der Vogelwarte Sempach über das Verhalten und die Genetik der Gänsesäger belegen, dass die Gänsesäger des Alpenraums eine eigenständige Population bilden. „Die Schweiz trägt deshalb für diese alpine Population eine besondere Verantwortung“, so die Schlussfolgerung von Verena Keller, der Leiterin der wissenschaftlichen Studie. Abschüsse könnten die kleine alpine Population des Gänsesägers gefährden. Deshalb und weil die Jagd auf den Gänsesäger nichts zum Wohl der Seeforellen und weiterer gefährdeter Fischarten beiträgt, soll dieses verantwortungslose Vorgehen gestoppt werden.
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Verena Keller |
Matthias Kestenholz |
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