Mit Vielfalt punkten - Bauern beleben die Natur Im Projekt "Mit Vielfalt punkten - Bauern beleben die Natur" werden neue Instrumente entwickelt, die Landwirte zu einer Förderung der Biodiversität anregen sollen. Gleichzeitig sollen mit Hilfe dieser Instrumente Landwirtschaftsbetriebe aufgewertet (Fallbeispiele) und die Idee einer "naturfreundlichen Produktion" bei Landwirten, Bevölkerung und politischen Entscheidungsträgern bekannt gemacht werden.

Vorgehen

Als erstes wurde ein Punktesystem entwickelt, welches die Leistungen der Landwirte zur Förderung der Biodiversität bewertet. Dieses Punktesystem dient den Landwirten zur Selbstevaluation ihrer ökologischen Leistung. Um die Wirksamkeit des Punktsystems zu bewerten, prüfen wir auf 132 Betrieben, ob die mittels Punkten bewertete Leistung eines Betriebs effektiv mit der Artenvielfalt korreliert.
Daneben untersuchen wir, ob eine gesamtbetriebliche Beratung dazu führt, dass Landwirte auf ihren Höfen mehr und gezieltere Massnahmen zu Gunsten der Biodiversität umsetzen. Dabei kommt auch ein Leitartensystem zum Einsatz. Dieses unterstützt und sensibilisiert die Landwirt zur Umsetzung von zielführenden Massnahmen auf ihren Betrieben.
Die Erfahrungen aus dem Projekt fliessen laufend in die Weiterbildung und Beratung der Landwirte ein.

Bedeutung

Eine naturfreundliche Landwirtschaft ist für das Überleben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten von existenzieller Bedeutung. Ohne die für das Agrargebiet typischen Tier- und Pflanzenarten würde das Kulturland zu einer reinen Produktionsfläche für Agrarerzeugnisse verkommen. Mit einer naturfreundlichen Landwirtschaft entwickelt sich für die Bevölkerung eine belebtere und gesündere Umwelt mit erlebnisreichen Landschaften und mehr Lebensqualität.
Das vorliegende Projekt hat zum Ziel, in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau, der IP-SUISSE (20'000 Landwirte) und BIO SUISSE (6'000 Landwirte) die Tier- und Pflanzenvielfalt im Kulturland optimal zu fördern. Die IP-SUISSE hat das Punktesystem bereits im Herbst 2007 in die organisationsinternen Richtlinien übernommen. BIO SUISSE ist an den Ergebnissen aus dem Projekt ebenfalls sehr stark interessiert. IP-SUISSE und BIO SUISSE bewirtschaften zusammen rund einen Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz. Es besteht also eine einmalige Chance, grossflächig eine naturfreundliche Landwirtschaft zu fördern. Mit dem vorgestellten Ansatz für eine naturfreundliche Landwirtschaft kann die Schweiz eine Vorreiterrolle im bewussten und nachhaltigen Nutzen natürlicher Ressourcen erlangen. Die Erkenntnisse des Projekts werden die Weiterentwicklung der Schweizerischen Agrarpolitik befruchten und so noch grössere, flächige Wirkung entfalten.

Ergebnisse

Das Projekt startete im Sommer 2007. Inzwischen liegt das Punktesystem für das Talgebiet und das Berggebiet vor. Das Leitartensystem liegt zurzeit als Entwurf vor. Die Feldsaison 2008 wurde genutzt, um methodische Fragen zu klären. Die angewandten Methoden haben sich bewährt. Auf 12 Betrieben konnten Lebensräume, Vegetation, Tagfalter, Heuschrecken und Brutvögel kartiert werden. Erste Auswertungen zeigen, dass Betriebe mit mehr Punkten tatsächlich eine höhere Biodiversität aufweisen. Im 2009 und 2010 werden Punktezahl und Biodiversität auf 120 Betrieben erfasst und ein Teil der Betriebe erstmals beraten. 2012 und 2015 wird dann die Entwicklung der Biodiversität auf diesen Betrieben kontrolliert.

Eine erste konkrete Umsetzung aus dem Projekt erfolgte durch die Aufnahme des Punktesystems inklusive einer Minimalpunktzahl in die Richtlinien der IP-SUISSE. Die Migros übernimmt Produkte der IP-SUISSE und vermarktet sie unter dem neuen Label TerraSuisse. Die Vogelwarte berät IP-SUISSE und Migros bei der Ausrichtung dieses Labels im Bereich Biodiversität und ist für die Wirkungskontrolle zuständig (siehe auch Projekt TerraSuisse).

Punktesystem Tal, Punktesystem Berg, Anleitung zum Punktesystem (PDF, 2 MB)
Flyer "Mit Vielfalt punkten" (PDF, 580 KB)

Projektleitung

Simon Birrer, Markus Jenny

Partner

Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL
IP-SUISSE
BIO SUISSE

Finanzielle Unterstützung

MAVA Stiftung,
Sophie und Karl Binding Stiftung,
Avina Stiftung,
Ernst Göhner Stiftung,
Vontobel-Stiftung,
Stiftung Dreiklang,
Bundesamt für Umwelt BAFU,
Bundesamt für Landwirtschaft BLW

Publikationen

Pfiffner, L. & R. Graf (2010):
Mit Leitarten die Vielfalt fördern.
»Zusammenfassung     »PDF-Downloadpdf-ansehen    

Birrer, S. , O. Balmer, R. Graf & M. Jenny (2009):
Biodiversität im Kulturland - vom Nebenprodukt zum Marktvorteil.
»Zusammenfassung     

Birrer, S. & O. Balmer (2008):
Mit Vielfalt punkten - Bauern beleben die Natur / Les paysans marquent des points - la nature gagne en diversité.