Frisch geschlüpfte Vogelkinder zeigen als Nestflüchter oder Nesthocker zwei auffällig verschiedene Entwicklungswege. Junge Gänse, Enten und Hühner schlüpfen als Nestflüchter mit offenen Augen und mit voll ausgebildetem Dunenkleid, das ihnen eine gute Tarnung verleiht. Sie können sich fortbewegen und selber Nahrung aufnehmen. Die elterliche Fürsorge beschränkt sich auf das Wärmen und die Führung der Küken.
Im starken Kontrast dazu stehen die Nesthocker. Dazu zählen Reiher, Greifvögel, Eulen, Spechte und alle Singvogelarten. Sie schlüpfen meist nackt und blind und verbringen ihre ersten Lebenswochen im Nest. Für ihre Ernährung und anfänglich auch für das Aufrechterhalten der Körperwärme sind sie ganz auf ihre Eltern angewiesen. Die Dunenfedern beginnen erst nach einigen Tagen zu spriessen. Auf Kosten von Sinnesorganen, Beinen und Flügeln ist vorerst vor allem der Verdauungstrakt gut ausgebildet, was ein rasches und intensives Wachstum ermöglicht. Die Nestlinge können kurz vor dem Ausfliegen sogar schwerer sein als ihre Eltern. Junge Nesthocker haben dicke farbige Wülste an den Schnabelrändern, und der Rachen ist besonders bunt. Zusammen mit den Bettelrufen wirken diese Signale stimulierend auf das Fütterungsverhalten der Altvögel. Wenn die Jungen selbständig sind, bilden sich die Schnabelwülste zurück.
Viele Jungvögel hüpfen aus dem Nest, bevor sie richtig fliegen können. Im Nest wird es immer enger, und zudem stieg das Risiko, dass das Nest ausgeraubt wird. Ungeschickt umherflatternde Jungvögel wirken auf den ersten Blick verlassen, sie werden jedoch von ihren Eltern weiter gefüttert. So lernen sie auch, immer mehr Beute selber zu fangen, und sie werden allmählich selbständig. Darum gilt das Motto: Hände weg von Jungvögeln!
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