Graureiher am Gartenweiher
Der einst hohe Bestand brach bis in den zwanziger Jahren so stark zusammen, dass der Graureiher 1926 auf die Liste der geschützten Arten gesetzt wurde
Der Graureiher
ist ein einheimischer Brutvogel. Als Fischfresser und damit als
vermeintlicher Fischereischädling wurde er ab Mitte des 19. Jahrhunderts
heftig verfolgt und als Koloniebrüter ein leichtes Opfer dieser
Nachstellungen. Der einst hohe Bestand brach bis in den zwanziger Jahren
so stark zusammen, dass der Graureiher 1926 auf die Liste der
geschützten Arten gesetzt wurde. Seither hat sich die Population
langsam, aber stetig erholt. Heute leben etwa 1400 Brutpaare in der
Schweiz.
Gedeckter Tisch am Gartenweiher
Der Graureiher ist
ein Kulturfolger, hat seine Scheu vor dem Menschen verloren und wagt
sich zunehmend auch in den Siedlungsraum vor. Besonders einladend wirken
auf ihn Weiher in Gärten. In den leicht zugänglichen, seichten Kleinstgewässern findet er reichlich Zierfische, Frösche und Molche als Nahrung.
Doch mit ein paar einfachen Vorkehrungen lassen sich die Tiere des
Gartenweihers mehr oder weniger wirksam vor dem Graureiher schützen.
Abwehrmassnahmen
-

Lassen Sie sich bei der Planung und beim Bau eines Gartenweihers von
einer Fachperson beraten. Gestalten Sie den Weiher und seine
unmittelbare Umgebung naturnah und strukturreich.
- Schaffen Sie Unterschlupf- und Deckungsmöglichkeiten für Fische oder
Amphibien, z.B. hohl aufliegende Steine und Wasserpflanzen. Einen
besonders guten Sichtschutz bieten im Sommer Seerosen und Wasserlinsen.
- Spannen Sie gefährdete Teile des Weihers mit farbigen Netzen oder Bändern ab.
- Zäunen Sie Ihren Weiher dicht dem Ufer entlang ein. Zwei in 20 cm und 35
cm Höhe angebrachte Drähte verwehren dem Graureiher den Zutritt.
Amphibien, Singvögel und Kleinsäuger gelangen weiterhin problemlos an
den Weiher.
- Vogelscheuchen und andere optische Signale können Graureiher nur
kurzfristig abhalten, und mit der Zeit gewöhnen sich die Vögel daran.
- Bringen Sie im Weiher keine Inseln, Steine oder Baumstrünke an, die dem Graureiher als Sitzgelegenheit dienen können.
Falls Sie Fische in Ihrem Weiher ansiedeln wollen
- Verwenden Sie einheimische Arten wie Moderlieschen, Bitterling,
Erlitze oder Gründling, in grösseren Weihern auch Rotfeder. Sie sind
besser an die natürlichen Verhältnisse angepasst, weniger auffällig und
bilden eine weniger leichte Beute als exotische Fische. In vielen
Zoohandlungen sind die oben aufgeführten Fischarten von April bis Juni
erhältlich. Wildfänge benötigen eine Bewilligung.
- Weiher mit Fischen sollten 1,5-2 m tief sein, so dass die Fische den Winter gut überstehen.
- Fische fressen Amphibienlaich und Kaulquappen. Frösche und Molche
haben daher bei Anwesenheit von Fischen kaum eine Chance, sich
erfolgreich fortzupflanzen.
- Bitte beachten Sie, dass Fische sich vermehren und nicht in
öffentliche Gewässer ausgesetzt werden dürfen (dies gilt auch für
Goldfische!)
Weiterführende Literatur
Leutert, F., A. Winkler & U. Pfändler (1995): Naturnahe Gestaltung im Siedlungsraum. BUWAL, Bern.
Erhältlich bei der Eidg. Drucksachen- und Materialzentrale (EDMZ), 3005 Bern.
Bestellnr.: 319.770 d
Preis: Fr. 22.-.
Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis
© Schweizerische Vogelwarte Sempach und Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz, Sempach und Zürich.
Autor: M. Rudin
Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.