
Während der Migration wechseln Vögel zwischen Flugphasen und längeren Rast-Aufenthalten, während deren die Reserven für den nächsten Flug aufgefüllt werden. Für eine erfolgreiche Migration und "fristgemässe" Ankunft im Brutgebiet ist die Wahl von qualitativ hochwertigen Rastplätzen entscheidend.

Welchen Gesetzmässigkeiten muss ein Zugvogel folgen, um die räumlich und zeitlich variierenden Lebensräume am besten nutzen zu können?
Mit Hilfe von Computermodellen wollen wir untersuchen, nach welchen
Kriterien die Vögel ihre Rastplätze auswählen, und welche Bedeutung
dabei die Futterverfügbarkeit (Qualität, Quantität, Zeitpunkt) auf
Rastplatzwahl und den Zeitplan der Migration hat.
Weiterhin möchten wir wissen, welchen rastplatz-spezifischen Variablen
eine entscheidende Rolle für den Zugablauf zukommt, und anhand welcher
Umweltvariablen die Vögel entscheiden, wann und wohin sie weiterziehen?
Die Entwicklung von Computermodellen zur Simulation des Vogelzugs soll helfen, diese Fragen zu beantworten. Von besonderer Bedeutung sind dabei sogenannte state-dependent Optimalitätsmodelle, in denen Organismen anhand von Zustandsvariablen (z.B. Körperreserven) charakterisiert werden und in jedem Zeitschritt eine bestimmte Aktivität ausführen können. Als Alternative werden wir auch individuenbasierte Modelle benutzen, die sich in wichtigen Modellannahmen von den Optimalitätsmodellen unterscheiden.
In einem ersten Schritt werden wir uns auf den Frühjahrszug konzentrieren und diesen in einem Modell detailliert untersuchen. Im Folgenden sollen Modelle für den Herbstzug bzw. für das gesamte Jahr (annual routine models) entwickelt und die Resultate aller Modelle verglichen werden.
Modelle helfen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und Hypothesen zu testen, die im Freiland nicht oder nur schwer untersucht werden können. Modelle erlauben somit, die möglichen Auswirkungen der Umweltveränderungen, z.B. durch Klimawandel, auf die Qualität der Rastplätze und damit die Migration sowie letztendlich auf Mortalität und Reproduktion der Vögel abschätzen zu können.
E-Mail, E-Mail
Prof. Marcel Klaassen, Netherlands Institute of Ecology (NIOO-KNAW), P.O.Box 1299, 3600 BG Maarssen, The Netherlands
Dr. Judy Shamoun-Baranes & Prof. Willem Bouten, IBED - Institute for Biodiversity and Ecosystem Dynamics
Universiteit van Amsterdam, Nieuwe Achtergracht 166, 1018 WV Amsterdam, The Netherlands
Bauer, S., B. J. Ens & M. Klaassen (2010):
Many routes lead to Rome: potential causes for the multi-route migration system of Red Knots, Calidris canutus islandica.
Bauer S., M. van Dinther, K.-A. Høgda, M. Klaassen & J. Madsen (2008):
The consequences of climate-driven stop-over sites changes on migration schedules and fitness of Arctic geese.
Erni, B., F. Liechti & B. Bruderer (2005):
The role of wind in passerine autumn migration between Europe and Africa.
Erni, B., F. Liechti & Bruderer, B. (2003):
How does a first year passerine migrant find its way? Simulating migration mechanisms and behavioural adaptations.