In den letzten 30 Jahren lag der Schwerpunkt unserer Forschung auf der Bedeutung grosser Hindernisse (Alpen, Mittelmeer, Sahara) für den Vogelzug. Mit der Expedition in die mauretanische Wüste in den Jahren 2003 und 2004 fand diese Forschungsperiode ihren Höhepunkt und mit der Auswertung ihren vorläufigen Abschluss.

Im Rahmen des ESA-Projekts sollen lokale Radarmessungen detaillierte Angaben zum aktuellen Zug liefern.
Ins Zentrum der Vogelzugforschung rücken nun Fragen zu den Zugrouten und Überwinterungsquartiere einzelner Arten und Populationen. Erstaunlicherweise wissen wir heute immer noch sehr wenig darüber, wo und wie die Mehrheit unserer Zugvögel in Afrika überwintern. Zwar wissen wir dank Satellitensendern bereits Einiges über den Zug grosser Vögel wie Weissstorch oder Wespenbussard, für die grosse Mehrheit der Trans-Sahara-Zieher, den kleinen Singvögeln, ist nicht viel mehr bekannt, als dass sie südlich der Sahara überwintern. Erst wenn wir wissen, welche Lebensräume unsere Zugvögel in Afrika nutzen, können wir damit beginnen zu erforschen, welche Auswirkungen die sich verändernden Umweltbedingungen (Klima, Landnutzung) auf den Fortbestand unserer Vogelpopulationen haben. Für die meisten Arten ist nicht geklärt, welchen Einfluss z.B. Niederschläge oder Nahrungsverfügbarkeit im afrikanischen Überwinterungsgebiet auf den Bruterfolg in Europa haben und umgekehrt, welchen Einfluss Bedingungen im Brutgebiet auf Zug und Überwinterungsverhalten haben. Alle zukünftigen Arbeiten sollen letztlich zu einem besseren Verständnis des gesamten Lebenszyklus von wandernden Tieren führen.

Dürreperioden in der Sahelzone wirken sich negativ auf die Bestandsentwicklung der Dorngrasmücke aus.
Bereits seit dem letzten Jahr sind wir an einem Projekt der ESA
(European Space Agency) zur Verbesserung der Flugsicherheit beteiligt
(siehe dazu auch Artikel auf Seite 1). Im Rahmen dieses Projekts sollen
Messungen und Vorhersagen das zeitliche und räumliche Auftreten von
Vögeln im Luftraum bestimmen. Während für die Auftraggeber die Reduktion
von Kollisionen zwischen Flugzeugen und Vögeln im Vordergrund steht,
eröffnet dieses Projekt für die Vogelzugforschung die mögliche
Realisierung eines lang gehegten Wunsches, nämlich die kontinuierliche,
europaweite Überwachung des Vogelzuges mit Hilfe von Radar. Zusammen mit
den von Ehrenamtlichen durchgeführten Beobachtungsprogrammen zur
Phänologie des Frühlings und Herbstzuges sollte es auch möglich sein, den
grossräumigen Ablauf des Zuges einzelner Arten zu beschreiben.
Ein solches grossräumiges Monitoring des generellen Zugablaufs
ermöglicht Einblicke in die wetter- und klimaabhängigen Veränderungen
von Zugmustern auf regionaler bis kontinentaler Ebene. Diese wiederum
können wichtige Zusammenhänge zwischen Klimaänderung und biologischen
Prozessen aufdecken helfen.