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DRS1 Radiosendung vom 16.11.06
Noch vor wenigen Jahrzehnten besiedelte das Rebhuhn klimatisch günstige Ackerbaugebiete der Schweiz. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sank dann der Bestand von 10'000 auf wenige Individuen. Die Zukunft des Rebhuhns in der Schweiz bleibt ungewiss.
Die Schweiz hat sich mit der Unterzeichnung der Biodiversitätskonvention von Rio verpflichtet, bedrohte Arten wie das Rebhuhn vor dem Verschwinden zu bewahren. Gemeinsame Bestrebungen der Schweizerischen Vogelwarte, dem Bund, den Kantonen und den Landwirten sollen dazu beitragen, diesen typischen Brutvogel der offenen Kulturlandschaft zu retten. Im Vordergrund stehen dabei Aufwertungen des Lebensraums und wissenschaftlich begleitete Aussetzungen von Rebhühnern.
Zu Beginn des Rebhuhnprojekts mussten in den beiden klimatisch günstigen Gebieten, dem Klettgau SH und der Champagne genevoise, grosse Gebietsteile ökologisch aufgewertet werden. Dadurch entstand auf mehreren Quadratkilometern Fläche ein optimaler Lebensraum für Rebhühner. Nach sieben Jahren intensiver Lebensraumaufwertung wurden 1998 im Klettgau die ersten Rebhühner ausgesetzt. Im Rahmen einer Dissertation untersuchten wir das Ansiedlungsverhalten, die Habitatnutzung und den Bruterfolg dieser Hühner. Durch positive Resultate ermutigt, entschieden sich die Schweizerische Vogelwarte und der Kanton Schaffhausen im Jahr 2002, das Projekt weiterzuführen. Die kleine Population wurde in den folgenden Jahren durch regelmässige Aussetzungen gestützt. 2004 wurde analog zum Vorgehen im Kanton Schaffhausen auch im Kanton Genf ein Wiederansiedlungsprojekt gestartet. Ein Teil der Vögel wurde besendert. Der Erfolg der Massnahmen zur Wiederansiedlung und Bestandsstützung wird im Rahmen von wissenschaftlichen Erfolgskontrollen dokumentiert. Jährlich erfassen wir in den Projektgebieten den Brutbestand sowie die Überlebens- und Reproduktionsraten der wilden und ausgesetzten Vögel. Diese Resultate sollen aufzeigen, welches die populationsbiologischen Schlüsselfaktoren sind und welche Massnahmen zur Erhaltung und Förderung des Bestands nötig sind.
Die Hauptursache des Verschwindens des Rebhuhns ist die Verarmung des Lebensraumes. Zudem zeigte sich, dass die Verluste durch Räuber, namentlich des Fuchses, während der Brutperiode sehr hoch sind und menschliche Aktivitäten die Rebhühner beträchtlich stören können. Von den durchgeführten Landschaftsaufwertungen profitieren nicht nur Rebhühner, sondern auch andere bedrohte Tiere und Pflanzen und erfreulicherweise auch die Landwirte. Als Nebenprodukt des Rebhuhnprojekts hat sich im Klettgau der Wiederanbau der alten Getreidearten Emmer und Einkorn etabliert. Produkte aus Emmer und Einkorn werden durch Grossverteiler wie die Migros und die Grossbäckerei Hiestand erfolgreich vermarktet und garantieren den Landwirten eine hohe Wertschöpfung.
Die Wiederansiedlung des Rebhuhns ist geprägt durch Erfolge und Misserfolge. So entwickelte sich der Bestand im Klettgau in den Jahren 2002 bis 2004 positiv und stabilisierte sich bei 15-20 Paaren. Im Kanton Genf zählte man 2005 rund 20 Brutpaare, wovon sechs erfolgreich brüteten. Der extrem schneereiche Winter 2005/2006 führte dann aber im Klettgau innert weniger Tage zum Zusammenbruch des kleinen Bestands und liess die Hoffnung auf eine erfolgreiche Wiederansiedlung schwinden. In beiden Wiederansiedlungsgebieten ist der Bruterfolg nach wie vor zu gering, um die Verluste zu kompensieren und die Bestände anwachsen zu lassen. Der Verlauf des Wiederansiedlungsprojekts zeigt mit aller Deutlichkeit, dass die Erhaltung überlebensfähiger Rebhuhnbestände ungewiss ist und von allen Beteiligten weitere Anstrengungen erfordert.
E-Mail, E-Mail, E-Mail
Kanton Genf
Kanton Schaffhausen
Bundesamt für Umwelt BAFU
Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
Dr. Bertold Suhner-Stiftung für Natur-, Tier- und Landschaftsschutz
CIC, Internationaler Jagdrat zur Erhaltung des Wildes
Fondation pour les animaux du monde, Vaduz
Fondation Segré
Schaffhauser Jagdschutzverein
Schaffhauser Jägervereinigung
Pro Natura Genève
TURDUS Vogel- und Naturschutzverein Schaffhausen
WWF Schaffhausen
Zigerli-Hegi-Stiftung
Buner, F. & M. Schaub (2008):
How do different releasing techniques affect the survival of reintroduced grey partridges Perdix perdix?
Buner, F., M. Jenny, N. Zbinden & B. Naef-Daenzer (2005):
Ecologically enhanced areas - a key habitat structure for re-introduced grey partridges Perdix perdix.
Jenny, M., O. Holzgang & N. Zbinden (2005):
Das Rebhuhn - Symbol für eine artenreiche Kulturlandschaft.
Jenny, M., O. Holzgang & N. Zbinden (2005):
La Perdrix grise - symbole d'un paysage agricole diversifié.
Jenny, M. (2003):
Vernetzung in drei Ackerbaugebieten des Klettgaus (SH) - Kantonales ÖQV-Projekt zur Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen.
Jenny, M., B. Josephy & B. Lugrin (2003):
Ökologische Aufwertungsmassnahmen in Ackerbaugebieten und ihre Auswirkungen auf ausgewählte Brutvogelarten.
Jenny, M., U. Weibel, B. Lugrin, B. Josephy, J.-L. Regamey & N. Zbinden (2001):
Rebhuhn. Schlussbericht 1991?2000.
Jenny, M. (2000):
Die Auswirkungen von Buntbrachen auf Brutvögel.