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Wildfallen im Siedlungsraum
Viele kleine und auch grössere Tiere nutzen überbautes Gebiet als Teil ihres Lebensraums. Unbewusst nehmen wir Menschen unseren Mitbewohnern jedoch da und dort den «Wohnraum» oder lassen sie in tödliche Fallen laufen. Wir zeigen Ihnen, wie sich dies zukünftig vermeiden lässt.
Angesprochen sind alle, die beim Neu- oder Umbau und beim Unterhalt eines Hauses mitwirken: Eigentümer, Architektin, Handwerker, Gartenbauerin, Hauswart, Immobilienverwaltung und Bewilligungsbehörden. Wer bei seiner Tätigkeit darauf achtet, bestehende Wildfallen zu beseitigen bzw. keine neuen zu schaffen, hilft mit, Dörfer und Städte als Lebensraum für eine vielfältige Tierwelt zu erhalten. Dieses verantwortungsbewusste Verhalten gegenüber der Natur steigert gleichzeitig den Erlebniswert des Siedlungsraumes.
Über das Thema «Tiere im Siedlungsraum» existiert bereits vielfältiges Informationsmaterial. Verschiedene Vereine haben zu einzelnen Tiergruppen (z.B. Vögel, Igel, Amphibien) ausführliche Merkblätter, Arbeitshilfen usw. erarbeitet. Das vorliegende Faltblatt dient Ihnen als Wegweiser zu diesen Informationen. Es zeigt die wichtigsten Gefahrenquellen für Tiere im Siedlungsraum und nennt die Anlaufstellen, bei denen Sie weitere Auskünfte erhalten. Oft braucht es nur ein wenig guten Willen, um Dörfer und Stadtquartiere auch für unsere kleinen und grösseren tierischen Mitbewohner freundlich zu gestalten.
Kamine
sind für Vögel beliebte Aussichts-, Ruhe- oder sogar Nistplätze. Sie
bergen jedoch auch ein betrachtliches Risiko, besonders wenn sie breite
Sitzflächen
und grosse Öffnungen haben: Vornehmlich kleinere und junge Vogel sowie
Fledermäuse
können durch offene Kamine abstürzen. Im Innern gefangen, geraten sie
in Panik und finden in der Enge keine Moglichkeit mehr zum Ausflug.
Für Vögel sind Glasscheiben eine häufige Todesfalle: Sie werden
im Flug nicht als Hindernisse erkannt. Meist ist der Vogel nach einer
solchen
Kollision schwer verletzt oder stirbt. Besonders problematisch sind
grosse Glasfronten
wie Wintergarten, Balkonverglasungen, Windschutz, grosse Fenster. In der
Glasfläche
spiegelt sich die Umgebung oder durchsichtige Konstruktionen täuschen
einen
hindernisfreien Lebensraum vor.
Dachstöcke
sind für Fledermäuse und auch bestimmte Vogelarten ein wichtiger
Lebensraum. Den
Dachstockbewohnern drohen jedoch durch menschliche Aktivitäten u.A.
tödliche Gefahren.
Oft werden bei saisonalen Unterhaltsarbeiten die Einschlupflöcher
verschlossen,
so dass die Tiere entweder in ihrem Wohnquartier eingeschlossen oder
davon ausgesperrt
sind. Bei Renovationen und Umbauten von Dächern können Nistgelegenheiten
oder
Wohnquartiere zerstört werden.
Ebenerdig
angelegte Licht-, Lüftungs- oder Entwässerungsschächte sind fur
Kleintiere eine tödliche Fallgrube. Kellerabgänge haben eine ähnliche
Wirkung: Amphibien, Reptilien, Laufkäfer oder Mäuse, selbst Igel können
hinunterfallen und finden keinen Ausweg mehr wegen der senkrechten
Schachtwände
oder Treppenstufen.
Kleine
Mitbewohner im Hausgarten sind in verschiedenster Weise bedroht: In der
Vegetationszeit
besteht z.B. die Gefahr, dass sie in ihrem Unterschlupf durch
Motorsensen oder
Fadenmäher vermäht werden. Der Einsatz von Netzen bei Beerenstrauchern,
Obstbaumen oder Reben wird vor allem Vogeln, aber auch Igeln zum
Verhängnis.
Im Hausgarten verwendete Gifte sind eine weitere Bedrohung. Im
Winterhalbjahr
stört man bei Unachtsamkeit Tiere in ihrem Winterquartier: Das Entfernen
oder Verbrennen des Asthaufens im Garten gefährdet den überwinternden
Igel, der Abbau der Brennholzbeige zerstört das Winterlager von
Fledermäusen,
Mäusen oder Schläfern.
Viele
Grunflächen und Garten im Siedlungsbereich sind kein geeigneter
Lebensraum
fur Tiere, da sie weder Unterschlupf noch Nahrung bieten. Einige
Beispiele: Exotische
Pflanzen sind für die einheimische Fauna meist nutzlos. Ein
kurzgeschnittener,
gedüngter Rasen ist sehr artenarm, das Fehlen von blühenden Pflanzen
macht ihn für viele Insekten wertlos. Betonmauern und versiegelte
Flächen
sind Barrieren und bieten keinen Lebensraum für Tiere.
Zäune
und Netze (Gartenzäune, flexible Weidezäune sowie Vogelschutznetze)
sind nicht nur Barrieren, die die Lebensräume von Tieren zerschneiden,
sie
können auch gefährliche Fallen darstellen für Füchse, Dachse,
Rehe, Igel, Vögel, Katzen usw: In losen oder herumliegenden Netzen
können
sich Tiere verfangen. Beim Durchschlüpfen unter dem Zaun oder durch die
Zaunzwischenräume
bleiben die Tiere hangen, sie verletzen sich oder klemmen sich ein und
können
qualvoll verenden.
So
schön ein Gartenteich oder Swimmingpool für die menschlichen
Hausbewohner
ist - für verschiedene Kleintiere wie Mäuse, Reptilien, aber auch
Füchse, Dachse, Igel und Katzen kann er zur tödlichen Fall werden.
Dies in zweierlei Hinsicht: Einerseits besteht die Gefahr des
Ertrinkens im
gefüllten, offenen Pool, andererseits können die Tiere im Winter in
den geleerten Pool hinunterstürzen. In jedem Fall gibt es für Tiere
kein Entkommen, wenn die Beckenwände zu steil oder gar senkrecht sind.
Vögel
Schweizerische
Vogelwarte Sempach
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 00
www.vogelwarte.ch
E-Mail
www.windowcollisions.info
Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz
Wiedingstrasse 78
Postfach
8036 Zürich
Tel. 044 457 70 20
E-Mail
www.birdlife.ch
Igel
Verein PRO-IGEL
Kirchgasse 16
8332 Russikon
Tel. 044 767 07 90
E-Mail
www.pro-igel.ch
Fledermäuse
SSF-Stiftung zum Schutz unserer Fledermäuse
in der Schweiz
c/o Zoo Zürich
Zürichbergstr. 221
8044 Zürich
Tel. 044 254 26 80
Nottelefon 079 330 60 60
E-Mail
www.fledermausschutz.ch
Amphibien / Reptillien
KARCH
Koordinationsstelle für Amphibien- und
Reptilienschutz in der Schweiz
Passage Maximilien-de-Meuron 6
2000 Neuchâtel
Tel. 032 725 72 07
E-Mail
www.karch.ch
Säugetiere
Kantonale Fachstellen fur Natur- und Landschaftsschutz
www.kbnl.ch
Kantonale Fachstellen fur Jagd und Fischerei
www.wild.uzh.ch
Wildtier Schweiz
Strickhofstrasse 39
8057 Zürich
Tel. 044 635 61 31
E-Mail
www.wildtier.ch
Projekt Bauen & Tiere: www.bauen-tiere.ch
Schweizer Tierschutz STS
Dornacherstrasse 101
Postfach
4008 Basel
Tel. 061 365 99 99
E-Mail
www.tierschutz.com
BAFU
Bundesamt für Umwelt
3003 Bern
Tel. 031 322 93 11
E-Mail
www.bafu.admin.ch
ACW
Forschungsanstalt
Agroscope Changins-Wädenswil
Schloss 1
Postfach
8820 Wädenswil
Tel. 044 783 61 11
www.agroscope.admin.ch
Pro Natura
Dornacherstrasse 192
Postfach
4018 Basel
Tel. 061 317 91 91
E-Mail
www.pronatura.ch
© Schweizerische
Vogelwarte Sempach
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