Eulen: bessere Überwachung mit neuer Technologie

    Eine seriöse Bestandsüberwachung von Eulen erfordert aufgrund ihrer nächtlichen Lebensweise einen speziell hohen Aufwand. Sie ist aber wegen der aktuell besonders dynamischen Bestandssituation verschiedener Arten in der Schweiz umso wichtiger.

    Der Arealgewinn des Sperlingskauzes zwischen dem Brutvogelatlas 1993–1996 und 2013–2016 geht auch seither weiter.
    Der Arealgewinn des Sperlingskauzes zwischen dem Brutvogelatlas 1993–1996 und 2013–2016 geht auch seither weiter.
    Foto © Archiv Vogelwarte
    Die Bestandsentwicklung des Raufusskauzes im Norden des Kantons Waadt, die von Pierre- Alain Ravussin und Mitarbeitenden seit 1985 überwacht wird, illustriert den negativen Trend dieser Art im gesamten Jura. Die vier schwächsten Jahre seit dem Beginn der Studie waren 2011, 2013, 2018 und 2019. Rot = Bruten in Baumhöhlen, grün = Bruten in Nistkästen.
    Die Bestandsentwicklung des Raufusskauzes im Norden des Kantons Waadt, die von Pierre- Alain Ravussin und Mitarbeitenden seit 1985 überwacht wird, illustriert den negativen Trend dieser Art im gesamten Jura. Die vier schwächsten Jahre seit dem Beginn der Studie waren 2011, 2013, 2018 und 2019. Rot = Bruten in Baumhöhlen, grün = Bruten in Nistkästen.
    Foto © Groupe ornithologique de Baulmes et environs.
    Die landesweite Bestandsentwicklung des Raufusskauzes scheint langfristig leicht negativ, aber möglicherweise stellen die verwendeten Daten die Situation nur unvollständig dar.
    Die landesweite Bestandsentwicklung des Raufusskauzes scheint langfristig leicht negativ, aber möglicherweise stellen die verwendeten Daten die Situation nur unvollständig dar.
    Foto © Archiv Vogelwarte

    Wie so oft stellen sich bei mittelhäufigen Arten, die in entlegenen Gebieten brüten, die grössten Herausforderungen bei der Bestandsüberwachung. Bei den einheimischen Eulen sind dies der Sperlingskauz, der Raufusskauz und in etwas geringerem Mass der Uhu.

    Zwei dieser drei Arten gehören zu jenen Nachtgreifern, deren Areal sich zwischen den letzten beiden Brutvogelatlanten am meisten vergrössert hat. Der Sperlingskauz hat im Jura den Kanton Neuenburg erreicht und dringt nun weiter nach Nordosten vor. Vereinzelt brütet er mittlerweile auch in tiefen Lagen der Nordschweiz. Demgegenüber hat der Uhu sein Vorkommen in einigen Regionen im Jura und in den Alpen verdichtet sowie einzelne Teile des Mittellandes wiederbesiedelt.

    Rückgang der Raufusskauzbestände im Jura

    Bei der Überwachung des Raufusskauzes gibt es wahrscheinlich ein noch grösseres Qualitätsgefälle als bei den beiden anderen Arten, weil die Bestände im Jura seit langem genau verfolgt werden, in den Alpen dagegen nur ungenügend. Die Beurteilung, wie es dem Raufusskauz schweizweit geht, ist ausserdem durch die Tatsache erschwert, dass die Entwicklungen in den beiden Gebieten offenbar unterschiedlich verlaufen: Während die Bestände im Jura deutlich rückläufig sind, scheint die Situation in den Alpen annähernd stabil auszusehen.

    Diese Befunde rufen bei allen Arten nach einer besseren Bestandsüberwachung. Zwei Richtungen bieten sich dabei an. Wir möchten einerseits von der Unterstützung durch Hilfsmittel der Bioakustik profitieren und andererseits versuchen, möglichst viele Informationen aus den von ehrenamtlichen Feldornithologinnen und Feldornithologen gesammelten Daten zu ziehen. Zurzeit sind einige Bioakustikstudien für Eulen im Gang: eine Bachelorarbeit über den Raufusskauz und den Sperlingskauz im Jura und in den Voralpen, ein langfristiges Monitoring des Uhus im Tessin und in Graubünden (intensiv im Engadin) sowie ein vom Museo cantonale di storia naturale di Lugano geleitetes Pilotprojekt zur akustischen Erfassung aller Eulenarten im Locarnese.

    Uhu: trotz seiner Grösse leicht übersehen

    Sogar beim Uhu, der von den drei hier angesprochenen Eulen wohl am besten überwachten Art, ist unser Kenntnisstand noch lückenhaft. Bei ihm stehen wir vor mehreren Herausforderungen: Nicht jedes Jahr werden die gleichen oder gar alle bekannten Reviere besucht, besetzte Reviere können bei einer Kontrolle übersehen und durch Paare besetzte Reviere können fälschlicherweise als Reviere von Einzelvögeln klassifiziert werden.

    Neuerdings wenden wir moderne Methoden an, um für diese Störeinflüsse zu korrigieren. Wir platzieren in bekannten oder vermuteten Revieren automatische Aufnahmegeräte (Akustik-Logger) und analysieren die ornitho-Daten mit sog. «Multistate- Site-Occupancy-Modellen». Zwischen 2007 und 2016 waren von 274 «Papierrevieren» 19 % nicht besetzt sowie 28 % von Einzelvögeln und 54 % von Paaren besiedelt, was total rund 220 besetzte Reviere ergab. Die Trends waren in den meisten Regionen stabil oder ansteigend, was vermutlich auf Einwanderung aus Deutschland und Frankreich zurückzuführen ist. Pro Besuch wurde ein Single-Revier in 71 % der Fälle übersehen; bei den Paar- Revieren blieben 20 % unentdeckt und 41 % wurden als Revier eines Einzelvogels angesehen; nur in 39 % der Fälle ist ein anwesendes Paar also richtig erkannt worden. Diese Ergebnisse belegen eindrücklich die Notwendigkeit der Verknüpfung von sorgfältiger Arbeit durch die freiwilligen Beobachter mit dem Einsatz moderner Akustik- Logger und anspruchsvoller Analysemethoden bei der Überwachung dieser heimlichen, nachtaktiven Arten.