Ressourcenprojekt zur Förderung der Biodiversität im Ackerland

    Eine biodiversitätsfreundliche und ressourcenschonende Produktion von Lebensmitteln ohne Ertragsverlust, ist das möglich? Gemeinsam mit unseren Partnern optimieren wir im Rahmen eines Ressourcenprojekts heute praktizierte Produktionsverfahren im Winterweizen und im Mais und untersuchen die ökologischen, ökonomischen und agronomischen Auswirkungen.

    Ziele

    Winterweizen und Mais sind die zwei häufigsten in der Schweiz angebauten Ackerkulturen. Heute ist die Bewirtschaftung dieser Kulturen meist so intensiv, dass viele früher typische Tier- und Pflanzenarten in den Äckern keine geeigneten Lebensbedingungen mehr finden. Mit biodiversitätsfreundlichen Massnahmen wollen wir grosse und kleine Organismen wie beispielsweise die Feldlerche, den Feldhasen, Laufkäfer, Spinnen, aber auch Bestäuber und weitere „Nützlinge“ gezielt in den Produktionsflächen fördern.

    Weizenfelder sollen wieder lückiger werden, damit sich Feldlerche, Feldhase & Co darin besser bewegen, ernähren und fortpflanzen können. Die Attraktivität und Qualität von Mais als Lebensraum kann durch strukturreiche und blühende Untersaaten gesteigert werden. Die Massnahmen schonen zudem die natürlichen Ressourcen Wasser, Luft und Boden. Damit diese Massnahmen auch für Landwirte attraktiv und wirtschaftlich sind, darf es nicht zur merklichen Ertragsminderung kommen.

    Vorgehen

    Die Basis zu diesem Vorhaben bilden bekannte, sogenannt konservierende bzw. regenerierende Anbauverfahren mit möglichst wenig Bodenbearbeitung. In den beiden Ackerkulturen Mais und Winterweizen sollen optimierte Verfahren mit Begrünungen und Weitsaaten die Ertragsfähigkeit sicher stellen, den Herbizid-Einsatz verringern und die Fortpflanzungs- und Überlebensbedingungen von bestimmten Zielorganismen (Feldlerche, Nützlinge) verbessern. Die Praxistauglichkeit der Massnahmen und die betriebswirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen werden durch wissenschaftliche Untersuchungen überprüft.

    Massnahmen
    Winterweizen: Ein spezielles Weitsaatmuster, welches konventionell enge Reihen mit Bereichen mit breiten Lücken (30–50 cm) kombiniert, soll der Feldlerche ermöglichen, den Winterweizen während der gesamten Brutsaison als Brut- und Nahrungshabitat zu nutzen. Zudem erwarten wir, dass verschiedene Mikrohabitate entstehen, welche die Diversität der Arthropoden (Insekten, Spinnen, etc.) in den Flächen erhöht.

    Mais: Eine Begrünung der Maisfelder durch Untersaaten soll Deckung und Nahrung für die bodenbrütende Feldlerche bieten und zum Lebensraum zahlreicher Nützlinge werden.

    Die Massnahmen werden in enger Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), den kantonalen Gutsbetrieben Bellechasse und Witzwil und den Fachinstituten (Universität Bern und Vogelwarte Sempach) entwickelt und optimiert. Die Umsetzbarkeit und die ökonomische Wirkungskontrolle der Massnahmen werden auf weiteren Betrieben (sog. Satellitenbetrieben) getestet. Die ökologische Wirkungskontrolle erfolgt durch die Universität Bern und die Schweizerische Vogelwarte, die Umsetzbarkeit und die agronomischen Auswirkungen werden durch die HAFL erfasst. Als langfristiges Ziel gilt der weitgehende Verzicht auf Pestizide. Wir rechnen damit, dass ähnliche Massnahmen auch in anderen Kulturen angewandt werden können.

    Umsetzung
    Wo: Region Grosses Moos und Umgebung, Kantone Freiburg, Bern, Solothurn und Waadt.

    Fokusbetriebe: Auf den kantonalen Gutsbetrieben Bellechasse (FR) und Witzwil (BE) erfolgt die Optimierung der Massnahmen sowie die Erfolgskontrolle zum Bruterfolg der Feldlerche.

    Satellitenbetriebe: Weitere 20–25 Privatbetriebe in der Umgebung setzen die Massnahmen um. Neben der Praxistauglichkeit der Massnahmen wird auf den Satellitenbetrieben die Steigerung der funktionellen Biodiversität erhoben.

    Projektdauer
    Start: 2019, Ende: 2024

     

    Bedeutung

    Wissenschaftliche Untersuchungen („z.B. im Klettgau SH“) zeigen, dass es im Ackerland mindestens fünf bis zehn Prozent wertvolle Biodiversitätsförderflächen bräuchte, um die Artenvielfalt dieses Lebensraums zu erhalten und zu fördern. Das sind Ziele, die unter den heutigen agrarpolitischen Rahmenbedingungen bei den Landwirten keine Akzeptanz finden. Um den Zielkonflikt zwischen Nahrungsmittelproduktion und Biodiversitätsförderung zu entschärfen, müssen die schädlichen Auswirkungen von Pestiziden verringert und die Produktionsflächen selbst wieder biodiversitätsfreundlicher gestaltet werden. In produktiven Gunstlagen sind also neue, innovative Ansätze zu verfolgen, die eine Integration der Biodiversitätsförderung bei der Produktion von Nahrungsmitteln sicherstellen.

    Ergebnisse

    Die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen im Rahmen der Dissertation von Sina Siedler an der Universität Bern und der Vogelwarte Sempach laufen seit 2019. Erste Resultate sind ab 2020 zu erwarten.

    Projektleitung

    Markus Jenny

    Partner

    HAFL (Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften)
    Universität Bern (Institut für Ökologie und Evolution)
    AGRIDEA (Schweizerische Vereinigung für die Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums)
    SWISS NO-TILL (Schweizerische Gesellschaft für bodenschonende Landwirtschaft)

    Donatoren

    Das Projekt wird im Rahmen eines Ressourcenprogramms nach Art. 77a und 77b im LwG umgesetzt. Die Finanzierung erfolgt demnach zu 50 bis 80 % durch das BLW und zu 20 bis 50 % durch die Trägerschaft.