Publikationen

    

    Martinez, N. C. Stickelberger, F. Fässler, N. Strebel & T. Roth (2020)

    Vorkommen von Wasseramsel Cinclus cinclus und Gebirgsstelze Motacilla cinerea in Abhängigkeit vom biologischen Zustand der Fliessgewässer.

    Further information

    Ornithol Beob. 117: 164–176

    Contact

    nicolas.strebel@vogelwarte.ch

    Zusammenfassung

    Wasseramsel und Gebirgsstelze sind typische Bewohner von Fliessgewässern. Beide ernähren sich zu einem grossen Teil von Fliessgewässerinvertebraten. Die Wasseramsel kann dabei als hoch spezialisiert bezeichnet werden; die wichtigsten Nahrungstiere sind Larven von Köcherfliegen, gefolgt von Stein- und Eintagsfliegen sowie Lid- und Kriebelmücken. Für die Gebirgsstelze stellen Fliessgewässerinvertebraten ebenfalls eine wichtige Nahrungsgrundlage dar. Sie gilt aber als weniger spezialisiert, da auch terrestrische Insekten ein wesentlicher Bestandteil der Nahrungsgrundlage sind. Um die Zusammenhänge zwischen dem Vorkommen von Wasseramsel und Gebirgsstelze und der Qualität sowie Häufigkeit der Invertebraten auf Landesebene zu analysieren, haben wir Daten aus dem Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016 mit verschiedenen nationalen und kantonalen Monitoringprojekten zu Fliessgewässerinvertebraten kombiniert. Sowohl die Wasseramsel als auch die Gebirgsstelze erreichten die höchsten Dichten an Fliessgewässern, die einen guten oder sehr guten biologischen Zustand aufwiesen, beurteilt anhand der vorhandenen Fliessgewässerinvertebraten. Der in der Schweiz standardmässig angewandte Index zur Berechnung der biologischen Gewässergüte (Indice biologique Suisse, IBCH) war positiv mit dem Vorkommen von Wasseramseln und Gebirgsstelzen korreliert. Die Wasseramsel hatte deutlich höhere Ansprüche an die Wasserqualität als die Gebirgsstelze – an Fliessgewässern mit ungenügender Qualität fehlte sie völlig, was sich mit der höheren Spezialisierung auf Fliessgewässerinvertebraten erklären lässt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Wasseramsel ein guter Indikator für Fliessgewässer hoher Qualität ist und dass das Nahrungsangebot einen grösseren Einfluss auf das Vorkommen von Wasseramsel und Gebirgsstelze hat als die Naturnähe eines Gewässers. Eine mögliche Erklärung könnte die zum Teil positive Wirkung von künstlichen Bauwerken sein, da Uferverbauungen, Brücken und Tunneleingänge von beiden Arten häufig als Neststandorte genutzt werden.