Publikationen

    

    Stöckli, S., M. Jenny & R. Spaar (2006)

    Eignung von landwirtschaftlichen Kulturen und Mikrohabitat-Strukturen für brütende Feldlerchen Alauda arvensis in einem intensiv bewirtschafteten Ackerbaugebiet.

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    Ornithol. Beob. 103: 145–158

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    markus.jenny@vogelwarte.ch

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    Zusammenfassung

    Im Jahr 2002 wurde im schweizerischen Klettgau die Bedeutung verschiedener Kulturen und von Mikrohabitat-Strukturen im Hinblick auf die Nistplatzwahl, das Revierverhalten und den Bruterfolg der Feldlerche untersucht. Im Gebiet wurde der Anbau ökologischer Ausgleichsflächen seit 1991 stark gefördert. Im Speziellen wurde in der vorliegenden Arbeit die extensiv angebaute, alte Weizensorte Emmer Triticum dicoccum behandelt. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach versucht mit dem Anbau von Emmer die Artenvielfalt auch auf Produktionsflächen zu fördern. Das Angebot und die Nutzung der Kulturen als Neststandort unterschied sich signifikant. Buntbrachen und Kleewiesen, Kartoffeln, Zuckerrüben, Sommerweizen und Emmer wurden im Vergleich zum Angebot bevorzugt. Eine Auswertung von Neststandorten, die von 1991 bis 1998 und 2002 erhoben wurden, ergab ein deutliches saisonales Muster für die Nutzung der einzelnen Kulturen: Von Anfang April bis Anfang Mai wurden die Nester bevorzugt in Wintergerste und Winterweizen gebaut. Bis Ende Mai stellte Emmer (Sommeranbau) eine gute Alter-native zu den zu hoch und dicht stehenden Wintergetreiden und zu den noch zu wenig entwickelten Sommerkulturen dar. Ab Anfangs Juni wurden die Nester mehrheitlich in Kartoffel- und Zuckerrübenfeldern angelegt. Bei Legebeginn betrugen die durchschnittliche Vegetationshöhe 50 cm und der Deckungsgrad 52 %. Die Feldlerche suchte sich für den Nestbau niedrige und weniger dichtwüchsige Stellen innerhalb eines Feldes aus: Am Niststandort waren Vegetationshöhe und Deckungsgrad signifikant geringer als im umgebenden Feld. Vegetationshöhe und Deckungsgrad variierten signifikant stärker in Emmer- und Sommerweizenfeldern als in Wintergetreidefeldern. Erstere bieten somit mehr Möglichkeiten für die Nestanlage. Mit dem Anbau von Emmer und Sommergetreide sowie mit der bewussten Schaffung von Mikrohabitat-Strukturen im Wintergetreide (z.B. Aussaat von Teilflächen mit doppeltem Reihenabstand oder kleine, ungesäte Flächen) kann die Eignung dieser dichtwachsenden Getreidearten als Nisthabitat verbessert und zeitlich ausgedehnt werden. Die durchschnittliche Reviergrösse über die Saison lag bei 1,8 ha im Langfeld und bei 1,5 ha in der Widen. In allen vier Monaten stieg die Reviergrösse mit kleinerem Anteil an Buntbrachen und mit höherem Anteil an Emmer und Einkorn. Eine höhere Anzahl an Kulturen führte nur im Mai zu kleineren Revieren. Bei einem Weizenanteil von mehr als 40 % waren Reviere mit mehr als 4 Kulturen signifikant kleiner als solche, die weniger Kulturen einschlossen. Die Revierflächen wurden im Laufe der Brutsaison um 6-81 % verschoben. Von April bis Juni wurde ein signifikant höherer Anteil an Buntbrachen und Feldwegen ins Revier einbezogen. Aufgegeben wurden vor allem Wintergetreideflächen.

    Abstract

    We studied the development of vegetation of different crops and its effect on nest site se-lection and territorial behaviour of Skylarks Alauda arvensis in an area of northern Switzerland during the breeding season 2002. The suitability of the different crops for nesting showed a seasonal pattern according to vegetation development: At the time of egg-laying, average vegetation height and cover were 50 cm and 52 %, respectively. Microhabitat structure was important for nest-site selection: Vegetation height and cover at the nest site were both significantly lower compared to the surrounding field. First nests in April were situated in wheat and barley fields. When these fields became too high and too dense in early May, spring-sown cereals such as emmer (an old wheat species) was an excellent alternative during May. In June, nests were situated predominantly in sugar beet, maize or potato fields. Territory size was 1.8 ha in the Langfeld area and 1.5 ha in the Widen area and, compared to other studies, relatively small. A linear regression analysis showed that territory size increased with a decreasing amount of wildflower strips and an increasing amount of emmer and einkorn in all months. In May, territory size decreased with an increasing number of crop types in the territory. The territories were shifted between April and June by 6 to 81 %, including more wildflower strips and grassy farm tracks and less winter cereals in June compared to April.
    Keywords: Alauda arvensis, Klettgau, crop suitability, territory size, territory shift, microhabitat structure.