Fütterung von Wasservögeln

      Regelmässig bewegt das Thema des Fütterns von Enten, Schwänen und Möwen die Öffentlichkeit und die Medien. Diskussionen entstehen meist dort, wo Wasservögel massiv mit Brot gefüttert werden, worauf die Behörden mit Empfehlungen oder Fütterungsverboten reagieren. In diesem Zusammenhang werden oft auch die Auswirkungen der Fütterung auf die Vögel thematisiert. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach und BirdLife Schweiz setzen sich dafür ein, dass diese Diskussion auf Fakten basiert.

      • Eine Fütterung von Wasservögeln ist nicht nötig.
      • Wasservögel sind gut an die hiesigen Winterbedingungen angepasst und finden in geeigneten Gebieten selber ausreichend Nahrung.
      • Gefährdete Wasservogelarten profitieren nicht von der Fütterung. Sie benötigen Schutz in Form von Ruhezonen, in denen sie ungestört sind.
      • Das Füttern bietet die Gelegenheit, Wasservögel aus der Nähe zu beobachten und ermöglicht es, die einzelnen Arten besser kennenzulernen.
      • Das gelegentliche Verfüttern von Brot in kleinen Mengen gefährdet die Gesundheit der Wasservögel nicht. In Gebieten, wo wenig Pflanzennahrung vorhanden ist, kann eine massive und einseitige Fütterung mit Brot aber zu Verdauungsproblemen führen. Keinesfalls verfüttert werden dürfen gewürzte Essensreste oder verschimmeltes Brot.
      • Unbegründet ist die Angst, wildlebende Wasservögel würden durch die Fütterung verfetten oder aufquellendes Brot führe zu Magenverletzungen. Dasselbe gilt für die Befürchtung, Fütterung führe zu einem erhöhten Auftreten von Legenot.
      • Das Füttern kann zu lokalen Konzentrationen von Wasservögeln führen. Für die geselligen Tiere stellt das grundsätzlich kein Problem dar. Schwäne von Orten, wo sehr intensiv gefüttert wird, sind öfter geschwächt und können einen erhöhten Parasitenbefall aufweisen. Das deutet auf Stress hin. Krankheiten können sich unter Vögeln, die eng zusammenleben, einfacher und schneller ausbreiten.
      • Ansammlungen von Wasservögeln in Parkanlagen, auf landwirtschaftlich genutzten Flächen und in der Nähe von Strassen können zu Bedenken wegen des Vogelkots und der Verkehrssicherheit führen. Erfahrungsgemäss lassen sich solche Konflikte am ehesten mit einem Fütterungsverzicht lösen, der zur Auflösung lokaler Konzentrationen und zu einer gleichmässigeren Verteilung der Wasservögel führt.
      • Das Füttern von Wasservögeln kann in Städten zu unerwünschten Begleiterscheinungen führen. Insbesondere locken herumliegende Brotreste Ratten und Strassentauben an.
      • Die Wasserqualität leidet normalerweise nicht unter der Fütterung von Wasservögeln.
      • In Wasservogelreservaten sollen sich die Vogelbestände möglichst frei von menschlichen Einflüssen entwickeln können. In den betreffenden Gebieten ist auf das Füttern der Wasservögel zu verzichten
      • Sollte die Fütterung von Wasservögeln lokal zu Konflikten führen, fällt es in die Zuständigkeit der Behörden, ein allfälliges Fütterungsverbot zu prüfen.

      Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis

      © Schweizerische Vogelwarte & SVS/BirdLife Schweiz, Sempach & Zürich, 2018.
      Autoren: M. Schaad, V. Keller, M. Kestenholz, V. Mattmann, D. Heynen & W. Müller
      Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.

       

      Merkblatt

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