Wildfallen im Siedlungsraum

    Viele kleine und auch grössere Tiere nutzen überbautes Gebiet als Teil ihres Lebensraums. Unbewusst nehmen wir Menschen unseren Mitbewohnern jedoch da und dort den «Wohnraum» oder lassen sie in tödliche Fallen laufen. Wir zeigen Ihnen, wie sich dies zukünftig vermeiden lässt.

    An wen wenden wir uns?

    Angesprochen sind alle, die beim Neu- oder Umbau und beim Unterhalt eines Hauses mitwirken: Eigentümer, Architektin, Handwerker, Gartenbauerin, Hauswart, Immobilienverwaltung und Bewilligungsbehörden. Wer bei seiner Tätigkeit darauf achtet, bestehende Wildfallen zu beseitigen bzw. keine neuen zu schaffen, hilft mit, Dörfer und Städte als Lebensraum für eine vielfältige Tierwelt zu erhalten. Dieses verantwortungsbewusste Verhalten gegenüber der Natur steigert gleichzeitig den Erlebniswert des Siedlungsraumes.

    Was bieten wir?

    Über das Thema «Tiere im Siedlungsraum» existiert bereits vielfältiges Informationsmaterial. Verschiedene Vereine haben zu einzelnen Tiergruppen (z.B. Vögel, Igel, Amphibien) ausführliche Merkblätter, Arbeitshilfen usw. erarbeitet. Das vorliegende Faltblatt dient Ihnen als Wegweiser zu diesen Informationen. Es zeigt die wichtigsten Gefahrenquellen für Tiere im Siedlungsraum und nennt die Anlaufstellen, bei denen Sie weitere Auskünfte erhalten. Oft braucht es nur ein wenig guten Willen, um Dörfer und Stadtquartiere auch für unsere kleinen und grösseren tierischen Mitbewohner freundlich zu gestalten.

    Wildtiere im Siedlungsraum - Gefahren, Hindernisse, Lösungen

    1 Kamin

    Kamine sind für Vögel beliebte Aussichts-, Ruhe- oder sogar Nistplätze. Sie bergen jedoch auch ein beträchtliches Risiko, besonders wenn sie breite Sitzflächen und grosse Öffnungen haben: Vornehmlich kleinere und junge Vogel sowie Fledermäuse können durch offene Kamine abstürzen. Im Innern gefangen, geraten sie in Panik und finden in der Enge keine Möglichkeit mehr zum Ausflug.

    • Wahl eines geeigneten Kaminhutes (im Handel erhältliche Metall- oder Plastikaufsätze).
    • Fachgerechtes, brandsicheres Anbringen eines Maschengitters.

    2 Fenster

    Für Vögel sind Glasscheiben eine häufige Todesfalle: Sie werden im Flug nicht als Hindernisse erkannt. Meist ist der Vogel nach einer solchen Kollision schwer verletzt oder stirbt. Besonders problematisch sind grosse Glasfronten wie Wintergarten, Balkonverglasungen, Windschutz, grosse Fenster. In der Glasfläche spiegelt sich die Umgebung oder durchsichtige Konstruktionen täuschen einen hindernisfreien Lebensraum vor.

    • Grosse, durchsichtige Glasflächen vermeiden.
    • Wo möglich Milchglas, geriffeltes, sandgestrahltes oder farbiges Glas wählen (Scheiben mit geringem Reflexionsgrad verwenden).
    • Vorhänge, Pflanzen, Dekorationen anbringen.
    • Spezielle Schutzmassnahmen ergreifen: Lamellen, farbige Vogelsilhouetten, Klebebänder (sog. Birdstripes).

    3 Dachstock

    Dachstöcke sind für Fledermäuse und auch bestimmte Vogelarten ein wichtiger Lebensraum. Den Dachstockbewohnern drohen jedoch durch menschliche Aktivitäten unter Umständen tödliche Gefahren. Oft werden bei saisonalen Unterhaltsarbeiten die Einschlupflöcher verschlossen, so dass die Tiere entweder in ihrem Wohnquartier eingeschlossen oder davon ausgesperrt sind. Bei Renovationen und Umbauten von Dächern können Nistgelegenheiten oder Wohnquartiere zerstört werden.

    • Den eigenen Dachstock gut beobachten und festgestellte Einschlupflöcher unbedingt offen halten, sofern sie nicht dem Steinmarder als Einstieg dienen.
    • Allenfalls Nistkästen anbringen (auf die richtige Konstruktion achten - siehe Angaben und Merkblätter von Vogel- bzw. Fledermausschutz-Organisationen).
    • Beim Umbau lohnt es sich, im Voraus Fachleute, z.B. für Fledermäuse oder spezielle Vogelarten (wie Segler), beizuziehen. Sie geben gerne Tipps, wie bestehende Kolonien über die Umbauzeit gerettet werden können oder wie sich eine Neuansiedlung begünstigen lässt.
    • Für Jungvögel werden offene Ablaufrohre an Dachrinnen oft zur Falle. Laubkörbe oder Laubbleche helfen das Problem auf einfache Weise zu entschärfen.

    4 Lichtschacht und Kellerabgang

    Ebenerdig angelegte Licht-, Lüftungs- oder Entwässerungsschächte sind für Kleintiere eine tödliche Fallgrube. Kellerabgänge haben eine ähnliche Wirkung: Amphibien, Reptilien, Laufkäfer oder Mäuse, selbst Igel können hinunterfallen und finden keinen Ausweg mehr wegen der senkrechten Schachtwände oder Treppenstufen.

    • Schacht mit einem feinmaschigen Gittergeflecht abdecken.
    • Den Schacht oder Kellerabgang mit einem erhöhten Rand oder einem Keilgraben umgeben.
    • Anbringen einer Steighilfe, z.B. mit einem schmalen Holzbrett, das über den Treppenabgang oder in den Schacht gelegt wird und dem Tier den Aufstieg ermöglicht.
    • Ein neu gebauter Lichtschacht kann mit stufig abfallenden Steinen ausgekleidet werden.

    5 Gartenunterhalt

    Kleine Mitbewohner im Hausgarten sind in verschiedenster Weise bedroht: In der Vegetationszeit besteht z.B. die Gefahr, dass sie in ihrem Unterschlupf durch Motorsensen oder Fadenmäher vermäht werden. Der Einsatz von Netzen bei Beerensträuchern, Obstbäumen oder Reben wird vor allem Vogeln, aber auch Igeln zum Verhängnis. Im Hausgarten verwendete Gifte sind eine weitere Bedrohung. Im Winterhalbjahr stört man bei Unachtsamkeit Tiere in ihrem Winterquartier: Das Entfernen oder Verbrennen des Asthaufens im Garten gefährdet den überwinternden Igel, der Abbau der Brennholzbeige zerstört das Winterlager von Fledermäusen, Mäusen oder Schläfern.

    • Es existieren verschiedene Merkblätter über naturgemässen und biologischen Gartenbau, mit einer Fülle von Tipps, wie man die tierischen Gartenbewohner schonen und fördern kann.
    • Komposthaufen vorsichtig umschichten.
    • Fadenmäher und Tellersense in Heckennähe zurückhaltend einsetzen.

    6 Gartengestaltung

    Viele Grünflächen und Garten im Siedlungsbereich sind kein geeigneter Lebensraum für Tiere, da sie weder Unterschlupf noch Nahrung bieten. Einige Beispiele: Exotische Pflanzen sind für die einheimische Fauna meist nutzlos. Ein kurzgeschnittener, gedüngter Rasen ist sehr artenarm, das Fehlen von blühenden Pflanzen macht ihn für viele Insekten wertlos. Betonmauern und versiegelte Flächen sind Barrieren und bieten keinen Lebensraum für Tiere.

    • Fachleute für Naturgartenbau sowie Garten- Merkblätter, Führer und Bücher liefern praktische Tipps für mehr Natur direkt vor der Tür! Ein vielfältiger Naturgarten ist Erholungsort für die Menschen und gleichzeitig auch Lebensraum für Fauna und Flora.
    • Beispiele: Abwechslungsreiche Anlage des Gartens mit verschiedenen Elementen wie Einzelbäumen, Sträuchern, Wiesen- und Kiesflächen, Trockenmauern, sonnigen und schattigen Plätzen. Extensiv genutzte, ungedüngte Gärten mit einheimischen Wildpflanzen sind bevorzugte Standorte für seltenere Arten.

    7 Zäune und Netze

    Zäune und Netze (Gartenzäune, flexible Weidezäune sowie Vogelschutznetze) sind nicht nur Barrieren, die die Lebensräume von Tieren zerschneiden, sie können auch gefährliche Fallen darstellen für Füchse, Dachse, Rehe, Igel, Vögel, Katzen usw: In losen oder herumliegenden Netzen können sich Tiere verfangen. Beim Durchschlüpfen unter dem Zaun oder durch die Zaunzwischenräume bleiben die Tiere hängen, sie verletzen sich oder klemmen sich ein und können qualvoll verenden.

    • Die schönste und natürlichste Abgrenzung ist eine Gartenhecke aus einheimischen Sträuchern. Sie ist gleichzeitig eine einfache und wirkungsvolle ökologische Aufwertung.
    • Soll es ein Zaun sein, so ist ein bodenfreier Holzzaun mit diagonaler Lattenanordnung zu bevorzugen.
    • Wenn möglich sollte auf das Anbringen von Netzen verzichtet werden. Falls ein Einsatz nicht zu vermeiden ist, sind geeignete Netze (feinmaschig, weich, grellfarbig) zu wählen und korrekt anzubringen und regelmässig zu kontrollieren.

    8 Schwimmbecken

    So schön ein Gartenteich oder Swimmingpool für die menschlichen Hausbewohner ist - für verschiedene Kleintiere wie Mäuse, Reptilien, aber auch Füchse, Dachse, Igel und Katzen kann er zur tödlichen Fall werden. Dies in zweierlei Hinsicht: Einerseits besteht die Gefahr des Ertrinkens im gefüllten, offenen Pool, andererseits können die Tiere im Winter in den geleerten Pool hinunterstürzen. In jedem Fall gibt es für Tiere kein Entkommen, wenn die Beckenwände zu steil oder gar senkrecht sind.

    • Schwimmbecken und steilwandige Teiche nachts und im Winter abdecken.
    • Mit einem Brett oder mit stufig aufgeschichteten Steinen eine Ausstieghilfe schaffen.
    • Den Beckenrand rundum erhöhen.
    • Eine für Flora und Fauna besonders attraktive Alternative ist die Anlage eines Feuchtbiotops oder Schwimmteiches mit flachen Uferbereichen.
    • Auch Regentonnen und Brunnen sind mit einer kleinen Ausstiegshilfe (Holz- oder Sagexplättchen) zu versehen.

    Da erfahren Sie mehr

    Vögel
    Schweizerische Vogelwarte Sempach
    6204 Sempach
    Tel. 041 462 97 00
    www.vogelwarte.ch
    info@vogelwarte.ch
    www.vogelglas.vogelwarte.ch

    BirdLife Schweiz
    Wiedingstrasse 78
    Postfach
    8036 Zürich
    Tel. 044 457 70 20
    svs@birdlife.ch
    www.birdlife.ch

    Igel
    Verein Pro Igel
    Kirchgasse 16
    8332 Russikon
    Tel. 044 767 07 90
    info@pro-igel.ch
    www.pro-igel.ch

    Fledermäuse
    SSF-Stiftung zum Schutze unserer Fledermäuse in der Schweiz
    c/o Zoo Zürich
    Zürichbergstr. 221
    8044 Zürich
    Tel. 044 254 26 80
    Nottelefon 079 330 60 60
    fledermaus@zoo.ch
    www.fledermausschutz.ch

    Amphibien / Reptillien
    KARCH
    Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz
    Passage Maximilien-de-Meuron 6
    2000 Neuchâtel
    Tel. 032 718 36 00
    info@karch.ch
    www.karch.ch

    Säugetiere
    Kantonale Fachstellen fur Natur- und Landschaftsschutz
    www.kbnl.ch
    Kantonale Fachstellen fur Jagd und Fischerei
    www.wild.uzh.ch

    Generelle Informationen

    Wildtier Schweiz
    Winterthurerstrasse 92
    8006 Zürich
    Tel. 044 635 61 31
    wild@wild.uzh.ch
    www.wildtier.ch
    Projekt Bauen & Tiere: www.bauen-tiere.ch

    Schweizer Tierschutz STS
    Dornacherstrasse 101
    Postfach
    4018 Basel
    Tel. 061 365 99 99
    sts@tierschutz.com
    www.tierschutz.com

    BAFU
    Bundesamt für Umwelt
    3003 Bern
    Tel. 058 462 93 11
    info@bafu.admin.ch
    www.bafu.admin.ch

    Agroscope
    Schloss 1
    Postfach
    8820 Wädenswil
    Tel. 058 460 61 11
    www.agroscope.admin.ch

    Pro Natura
    Postfach
    4018 Basel
    Tel. 061 317 91 91
    mailbox@pronatura.ch
    www.pronatura.ch

    © Pro Natura Seeland (Hrsg.)
    Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.

     

    Merkblatt

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