Ein neuer Verbreitungsatlas der Brutvögel in Europa

    Nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa werden zurzeit Daten zur Verbreitung der Brutvögel gesammelt. Denn die Daten des ersten vom European Bird Census Council (EBCC) publizierten Atlas sind dreissig Jahre alt.

    In den Ländern Ost- und Südosteuropas lassen sich bei Kartierungen für den europäischen Atlas neue Gegenden erkunden. Kazbegi, Georgien.
    In den Ländern Ost- und Südosteuropas lassen sich bei Kartierungen für den europäischen Atlas neue Gegenden erkunden. Kazbegi, Georgien.
    Foto © Niklaus Zbinden
    Die provisorische Karte für den Bienenfresser mit Daten bis 2014 bestätigt die Vorkommen in einem grossen Teil des Verbreitungsgebiets und lässt die Ausbreitung nach Norden erahnen. In den beim ersten Atlas nicht bearbeiteten Gebieten im Osten gibt es auch bereits viele besetzte Quadrate.
    Die provisorische Karte für den Bienenfresser mit Daten bis 2014 bestätigt die Vorkommen in einem grossen Teil des Verbreitungsgebiets und lässt die Ausbreitung nach Norden erahnen. In den beim ersten Atlas nicht bearbeiteten Gebieten im Osten gibt es auch bereits viele besetzte Quadrate.
    Auch die Türkei, die für den ersten europäischen Atlas noch nicht einbezogen wurde, möchte beim zweiten Atlas mitmachen. Im Bild: Petr Voˇríšek (2. von links) und Sergi Herrando (3. von links) im Gespräch mit Danae Portolou (rechts), der Atlas-Koordinatorin aus Griechenland, anlässlich eines Atlaskurses in der Türkei
    Auch die Türkei, die für den ersten europäischen Atlas noch nicht einbezogen wurde, möchte beim zweiten Atlas mitmachen. Im Bild: Petr Voˇríšek (2. von links) und Sergi Herrando (3. von links) im Gespräch mit Danae Portolou (rechts), der Atlas-Koordinatorin aus Griechenland, anlässlich eines Atlaskurses in der Türkei
    Foto © Verena Keller

    Der erste EBCC-Atlas war ein Meilenstein für die Ornithologie und den Vogelschutz in Europa. Doch seit der Datenerhebung in den 1980er-Jahren hat sich die Landschaft in Europa massiv verändert. Der EBCC beschloss deshalb 2011, zusammen mit seinem europäischen Netzwerk, einen neuen Verbreitungsatlas zu lancieren, genannt EBBA2. Ziel ist es, wie beim ersten Atlas, auf einem 50 × 50 km-Raster die Vorkommen der Brutvögel zu dokumentieren und damit einen direkten Vergleich mit dem ersten Atlas zu ermöglichen. Zugleich soll mit standardisierten Aufnahmen auf kleineren Flächen eine Grundlage für die Modellierung der relativen Häufigkeit geschaffen werden. Die gewählte Aufnahmemethode ist ein Kompromiss zwischen dem Wünschbaren und dem Machbaren. Denn Europa ist ein sehr heterogener Kontinent, nicht nur landschaftlich, sondern auch in Bezug auf die Möglichkeiten für Feldarbeit und Analyse.

    Die Vogelwarte nimmt beim europäischen Atlas eine wichtige Rolle ein. Als Vorsitzende der EBBA2-Steuerungsgruppe leitet Verena Keller auch das Koordinationsteam um Petr Voˇríšek in Prag und Sergi Herrando in Barcelona.

    Der Enthusiasmus, an diesem grossen europäischen Projekt mitzuarbeiten, ist in ganz Europa gross. Für Länder wie die Schweiz ist der zusätzliche Aufwand gering. Die Daten müssen lediglich in der gewünschten Form bereitgestellt werden. Für verschiedene Länder ist EBBA2 aber ein Anstoss, erstmals einen eigenen Atlas zu erarbeiten. Beispiele sind Kroatien, Ungarn und Griechenland. Für grosse Länder wie Russland ist bereits ein Gitternetz von 50 × 50 km eine Herausforderung. Für die russischen Kollegen, angeführt von Mikhail Kalyakin, war die Grösse des Unterfangens jedoch kein Grund, es gar nicht erst zu versuchen. Mit dem Atlas für die Region Moskau – mit 47 000 km2 sogar etwas grösser als die Schweiz – war 2006 bereits ein Anfang gemacht. Mit grossem Einsatz ist die Anzahl bearbeiteter oder zugesagter Quadrate seit 2013 nun bereits auf 600 gestiegen. Gemeinsam ist den Ländern in Ost- und Südosteuropa, dass sie die Datensammlung nicht ohne Unterstützung aus anderen Ländern bewerkstelligen können. Die EBBA2-Koordinatoren bieten Unterstützung bei methodischen und technischen Fragen, zur Datensammlung im Feld können aber Ornithologinnen und Ornithologen aus ganz Europa beitragen. Möglichkeiten dazu gibt es viele: Die Smartphone App «Naturalist » erlaubt es allen auf einer Ornitho-Plattform eingeschriebenen Personen, Beobachtungen auch ausserhalb des Wohnsitzlandes einzugeben. Die Daten sind dann direkt für den europäischen Atlas und für die nationalen Koordinatoren verfügbar. Weitere Möglichkeiten für die Dateneingabe sind Internetplattformen oder Excel-Tabellen, die auf der EBCC-Website zur Verfügung gestellt werden.

    Im Herbst 2014 wurden alle nationalen Koordinatoren gebeten, die bereits vorhandenen Daten für fünf ausgewählte Arten zu liefern. Dies erlaubte uns, erste provisorische Verbreitungskarten für das 50 × 50 km- Raster zu erstellen. Die Karten zeugen vom Engagement aller Beteiligten in Europa, zeigen aber auch, dass noch viel Arbeit bevorsteht.

    Alle Informationen zum Atlas und zum Mitmachen finden sich auf www.ebcc.info.