Die Feldlerche – eine Bodenbrüterin am Boden

    Die Feldlerche ist vielerorts weiterhin im Sinkflug, wie der Schweizer Brutvogelatlas 2013– 2016 bilanziert. Damit diese ikonische Landwirtschaftsart nicht weiter an Boden verliert, braucht sie eine grossräumige Förderung, insbesondere mehr wertvolle Biodiversitätsförderflächen und schonende Anbaumethoden.

    Als Bodenbrüterin ist die Feldlerche unbedingt auf eine schonende Bodennutzung angewiesen.
    Als Bodenbrüterin ist die Feldlerche unbedingt auf eine schonende Bodennutzung angewiesen.
    Foto © Mike Powles/FLPA.
    Die Feldlerche ist seit Jahren im Sinkflug. Im Mittelland ist die Dichte mittlerweile zehnmal tiefer als um 1990. Die Bestände sind aber auch in höheren Lagen rückläufig.
    Die Feldlerche ist seit Jahren im Sinkflug. Im Mittelland ist die Dichte mittlerweile zehnmal tiefer als um 1990. Die Bestände sind aber auch in höheren Lagen rückläufig.
    Feldlerche
    Feldlerche
    Foto © Mathias Schäf

    Die Feldlerche gehört in der Schweiz zu den grossen Verlierern in der Vogelwelt. Wo noch vor wenigen Jahrzehnten über einem Quadratkilometer weiträumigen, offenen Kulturlandes 20–40 Lerchen sangen, fehlt sie heute vielerorts grossräumig. Als Bodenbrüterin kommt sie bei der landwirtschaftlichen Nutzung in Bedrängnis. Im Grünland werden intensiv genutzte Wiesen zu häufig geschnitten, und auch in Ackerkulturen gibt es immer weniger Nistmöglichkeiten. Für ihr Brutgeschäft braucht die Feldlerche nur knapp sechs Wochen. Nestbau (3–4 Tage), das Legen (4–5 Tage) und Bebrüten der Eier (11–12 Tage) und die Aufzucht der Nestlinge (18–20 Tage) werden in Rekordzeit absolviert, und doch bleibt der Bruterfolg sehr oft aus. Die einst überaus häufige und allgegenwärtige Charakterart musste auf der Roten Liste als «potentiell gefährdet» eingestuft werden und ist eine der 50 Prioritätsarten der Artenförderung Vögel Schweiz.

    Rezepte vorhanden

    Die Förderung der Feldlerche wird immer dringender. Die Vogelwarte hat denn auch schon früh Rezepte entwickelt und ausgetestet, wie der Bestand der Feldlerche gestützt werden kann. Ein Mosaik aus Buntbrachen, Rotationsbrachen, Säumen, Blüh- und Ackerrandstreifen bietet ihr Platz zum Brüten, Sämereien als Nahrung und Insekten als Futter für ihre Jungen. Diese Strukturen im Kulturland, sogenannte Biodiversitätsförderflächen (BFF), haben sich als sehr erfolgreich erwiesen. Wo Landwirte und Landwirtinnen zusammen mit der Vogelwarte ein entsprechendes Angebot geschaffen haben, konnte die Feldlerche überleben, etwa im Schaffhauser Klettgau, in der luzernischen Wauwiler Ebene oder in der Champagne genevoise. Dennoch wird nach über 20 Jahren Direktzahlungen Kritik laut, die Biodiversitätsförderflächen seien nicht wirksam. Das ist falsch, denn das Problem besteht darin, dass es in den offenen Ackerbaugebieten – also genau im Lebensraum der Feldlerche – viel zu wenig Biodiversitätsförderflächen auf Ackerland gibt. Ihr Anteil liegt dort heute im Durchschnitt bei nur ca. 1,6 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Doch es wären einige Prozent mehr nötig. Die BFF auf Ackerland stehen jedoch meist in Konkurrenz zur intensiven Produktion und stossen deshalb auf Widerstand. Sie sind aber für eine ökologische, nachhaltige Schweizer Landwirtschaft unabdingbar und für die Feldlerche von existenzieller Bedeutung.

    Umsetzen – aber wie?

    Für Feldlerche, Feldhase und Co. ist es zentral, das Angebot an niedriger und lückiger Vegetation zur Brutzeit grossflächig zu erhöhen. Im Ackerbau sehen wir deshalb einen machbaren Weg darin, nicht nur das Angebot an wertvollen Biodiversitätsförderflächen zu erhöhen, sondern es mit Massnahmen auf Produktionsflächen zu kombinieren. Es gilt, Kulturen so anzubauen, dass sie Erträge liefern und gleichzeitig bessere Bedingungen für Bodenbrüter bieten. Dies gelingt etwa mit Sommergetreide, herbizidfreiem Anbau von Getreide respektive Mais mit Untersaaten sowie mit einer weiten Saat im Getreide. Die «Weite Saat», auch als «Weite Reihe» bezeichnet, wird bereits in mehreren Kantonen innerhalb von Vernetzungsprojekten als eine Massnahme auf Produktionsflächen angeboten. Die Förderung macht dort am meisten Sinn, wo die Landschaft noch weit und offen ist, das heisst von starker Überbauung und Zersiedelung noch verschont ist, und wo auch die Bodenbeschaffenheit günstig ist. Die Vogelwarte hat diese Regionen in einer Feldlerchen- Potenzialkarte bezeichnet (siehe Artikel im Avinews vom Dezember 2017).

    Vielerorts sind Vernetzungsprojekte etabliert, in welche regionale Förderkonzepte integriert und begleitet werden können. Liegen wichtige Feldlerchengebiete ausserhalb von Vernetzungsperimetern, bedeutet dies, dass keine Vernetzungsgelder fliessen und zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden müssen. In jedem Fall ist eine fachlich fundierte Beratung zur Motivation und Begleitung der Landwirte matchentscheidend.

    Die Landwirtschaft profitiert von der Feldlerchenförderung

    Die Massnahmen zur Förderung der Feldlerche wirken oft auch ressourcen- oder bodenschonend. Landwirte haben Interesse an solchen Anbauformen, denn gesunde Böden sind unabdingbar, um die Nahrungsmittelproduktion langfristig zu sichern. Deshalb interessieren sich auch Landwirtschaftskreise wieder vermehrt für bodenschonende Anbauweisen. Sie bieten nicht nur der Feldlerche eine Chance, sondern bergen auch ein grossräumiges Potenzial für die Förderung der typischen Flora und Fauna des offenen Kulturlandes. Wie das praktisch ablaufen kann, testen wir derzeit auf einer grossen Staatsdomäne im Berner Seeland. Eine schonende Bodenbearbeitung kombiniert mit Maisanbau mit Untersaat hält nicht nur die Böden langfristig gesund, sondern bietet auch der Feldlerche wieder mehr Brutmöglichkeiten, dank grösserem Anteil an niedriger und relativ lückiger Vegetation.

    Vorbildliche Produzentenorganisationen wie IP-Suisse initiieren vermehrt Programme, in denen Landwirte bei herbizidfreiem Anbau oder Verzicht auf Glyphosat höhere Preise erhalten. Mit diesen Trends tun sich sprichwörtlich «neue Felder» auf für die Förderung von Feldlerche, Feldhase und Co. Allerdings bringen auch solche ressourcenschonenden Verfahren unter Umständen Probleme mit sich. Die Unkrautbekämpfung geschieht oft mechanisch, das heisst durch Striegeln und Hacken der Kulturen. Erfolgt dies zu häufig, leiden die Bodenbrüter darunter. Synergien können hier nur genutzt werden, wenn eine gewisse Verunkrautung toleriert wird und die Kulturen grundsätzlich extensiv bewirtschaftet werden. Eine extensive Bewirtschaftungsweise fördert die Pflanzen- und Insektendiversität. Insekten sind unverzichtbare Bestäuber von Kulturpflanzen und als Fressfeinde anderer Insekten sorgen sie für weniger Schäden an Kulturen. Solche Ökosystemleistungen sind unerlässlich für die langfristige umweltfreundliche Produktion von Nahrungsmitteln.

    Die Feldlerche als Charaktervogel der offenen Kulturlandschaften darf in der Schweiz nicht weiter an Boden verlieren, denn sie ist Spiegelbild einer naturverträglichen Landwirtschaft. Mit ressourcenschonenden und extensiven Produktionssystemen ist es Feldlerche und Co. möglich, sich auch auf Produktionsflächen wieder erfolgreich fortzupflanzen. Nicht zuletzt erfreut sich auch die Bevölkerung an blühenden und lebendigen Kulturlandschaften – inklusive trillernder Feldlerchen.