Würdigung von Lukas Jenni

    Mitte Jahr beendet Prof. Dr. Lukas Jenni nach 40¾ Jahren seine erfolgreiche Karriere. Als Vorsitzender der Institutsleitung, als Wissenschaftlicher Leiter und als Forscher hat er die Vogelwarte und die Ornithologie in vielerlei Hinsicht vorangebracht.

    Lukas Jenni wegweisend: Er führt Bundesrätin Doris Leuthard durch das Vogelwarte-Besuchszentrum.
    Lukas Jenni wegweisend: Er führt Bundesrätin Doris Leuthard durch das Vogelwarte-Besuchszentrum.
    Foto © Marcel Burkhardt
    Lukas Jenni erhält im Herbst 2009 von Marilena La Grassa einen Blumenstrauss zu seinem Dienstjubiläum.
    Lukas Jenni erhält im Herbst 2009 von Marilena La Grassa einen Blumenstrauss zu seinem Dienstjubiläum.
    Foto © Felix Tobler
    Blumige Worte: Seine Repräsentationsaufgaben erfüllte Lukas Jenni mit feinem Basler Humor
    Blumige Worte: Seine Repräsentationsaufgaben erfüllte Lukas Jenni mit feinem Basler Humor
    Foto © Marcel Burkhardt
    Lukas Jenni als Architekt der Forschungsprogramme der Vogelwarte.
    Lukas Jenni als Architekt der Forschungsprogramme der Vogelwarte.
    Foto © Christian Marti

    Die grosse Laufbahn von Lukas Jenni nahm ihren Anfang in Basel. Schon als Jugendlicher liess er sich von der Vogelwelt begeistern und besuchte regelmässig Exkursionen und Vorträge der Ornithologischen Gesellschaft Basel. Nach seiner erstklassigen Maturität mit Griechisch und Latein studierte er Biologie an der Universität Basel und schloss mit einer Diplomarbeit über anatomische und ökologische Vergleiche von Bunt- und Mittelspecht ab. In den Semesterferien war er in den Walliser Alpen im Einsatz. Gleich nach dem Studienabschluss kam er im Herbst 1979 an die Vogelwarte und durfte dank den in den Semesterferien auf den Beringungsstationen Chasseral und Col de Bretolet gesammelten Erfahrungen die Leitung der nationalen Beringungszentrale übernehmen. Parallel dazu untersuchte er das Phänomen der Masseneinflüge und Massenschlafplätze in der Winterökologie des Bergfinken, das zum Thema seiner Doktorarbeit wurde. Zusammen mit seinem Doktorvater Bruno Bruderer entwickelte er ein Konzept für die Alpenzugforschung. Mittels Radarmessungen und Beringung untersuchten sie die Umweltabhängigkeit des aktiven Zuggeschehens und die Rastplatzökologie. Mit einer Arbeit über Stoffwechselprozesse bei Zugvögeln habilitierte sich Lukas 1997 an der Universität Zürich. Es folgte ein Forschungsaufenthalt an der University of Washington in Seattle. Im Jahr 2000 wurde Lukas Jenni dann zum Wissenschaftlichen Leiter gewählt und 2008 auch zum Vorsitzenden der Institutsleitung ernannt.

    Trotz der vielen Managementaufgaben, die diese Funktionen verlangten, liess sich er nicht davon abhalten, weiterhin wissenschaftlich tätig zu sein und lancierte immer wieder neue Forschungsprojekte, zum Beispiel über die Belastung von Steinadlern und anderen Beutegreifern mit Blei. Lukas Jenni begnügte sich aber nicht mit der Erforschung spannender Sachverhalte, sondern es war und ist ihm immer ein grosses Anliegen, dass die Erkenntnisse auch publiziert und somit allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Zu seinen vielen Veröffentlichungen gehören auch die Themenhefte der Vogelwarte über «Vogelzug» (1988), «Rastplätze für Zugvögel» (1992), «Biodiversität » (2005) und «Federn machen Vögel» (2010). Auch die Forschungsarbeiten über die Mauser der Singvögel, die Lukas Jenni zusammen mit Raffael Winkler vom Naturhistorischen Museum Basel durchführte, nahmen ihren Anfang auf dem Col de Bretolet und mündeten in ihrem Standardwerk «Moult and Ageing of European Passerines» von 1994, das bald zum Klassiker wurde und schnell vergriffen war. Die komplett revidierte und erweiterte Neuauflage von 2020 und das komplementäre Lehrbuch «The Biology of Moult in Birds», das für diesen Sommer angekündigt ist, krönen das Schaffen der beiden Mauserexperten.

    Als Dozent für Ornithologie an der Universität Zürich bildete er auch eine grosse Zahl von Studierenden aus, sei das in Form der Betreuung von Diplom-, Masteroder Doktorarbeiten, sei es in Form von Vorlesungen an der Uni oder in Feldkursen im Wauwilermoos und auf dem Col de Bretolet. Damit hat er mindestens eine Generation von Forscherinnen und Forschern geprägt, sie für die Ornithologie und die Wissenschaft begeistert und somit auch in dem Bereich einen positiven Einfluss ausgeübt.

    Darüber hinaus war Lukas auch in vielen nationalen und internationalen Gremien tätig. Als Beispiele seien die langjährige und einflussreiche Mitarbeit als Generalsekretär bei EURING, als Verantwortlicher des wissenschaftlichen Programms für den 22. Internationalen Ornithologen-Kongress von 1998 in Durban, Südafrika, oder die ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand der Ala genannt. Seine wissenschaftlichen Leistungen wurden mit der Verleihung des Stresemann-Preises 1995 durch die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft, mit der Wahl 2006 zum Honorary Fellow durch die American Ornithological Society und mit der Ernennung zum Titularprofessor 2013 durch die Universität Zürich gewürdigt.

    Wir danken Lukas Jenni ganz herzlich für seinen unermüdlichen Einsatz in all den Jahren und wünschen ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute!

    Matthias Kestenholz, Gilberto Pasinelli und Barbara Trösch