Aufschwung für die Vogelwelt – machen Sie mit!

    Vögel brauchen Raum zum Leben in ausreichender Menge und Qualität. Hier setzt das neue Grossprojekt «Aufschwung für die Vogelwelt» an, das die Vogelwarte in den nächsten Jahren zusammen mit Partnern umsetzen wird.

    Diese Fläche in der Wauwiler Ebene LU wurde für den Kiebitz renaturiert. Wechselfeuchte Standorte sind auch für rastende Zugvögel und die ganze Biodiversität sehr wertvoll. Vielerorts fehlen sie, da seit 1850 über 90 % der Feuchtgebiete in der Schweiz zerstört wurden.
    Diese Fläche in der Wauwiler Ebene LU wurde für den Kiebitz renaturiert. Wechselfeuchte Standorte sind auch für rastende Zugvögel und die ganze Biodiversität sehr wertvoll. Vielerorts fehlen sie, da seit 1850 über 90 % der Feuchtgebiete in der Schweiz zerstört wurden.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte
    Die Bürger- und Einwohnergemeinde Saint-Gingolph VS wertet zusammen mit der Vogelwarte, die das Biodiversitätskonzept beisteuerte, und verschiedenen Geldgebern einen einst traditionell genutzten Edelkastanienhain auf.
    Die Bürger- und Einwohnergemeinde Saint-Gingolph VS wertet zusammen mit der Vogelwarte, die das Biodiversitätskonzept beisteuerte, und verschiedenen Geldgebern einen einst traditionell genutzten Edelkastanienhain auf.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte
    In einer Bergblumenwiese wachsen an die 50 Gras- und Wiesenblumenarten, den ganzen Frühling hindurch blüht etwas. Insekten finden hier über mehrere Monate Nahrung. Davon profitieren auch Insektenfresser wie das Braunkehlchen. Die intensive Landwirtschaft hingegen führt zu Kunstwiesen mit wenigen Pflanzenarten. Dementsprechend kurz ist die Blütezeit und dementsprechend wenige Insekten kommen dort vor.
    In einer Bergblumenwiese wachsen an die 50 Gras- und Wiesenblumenarten, den ganzen Frühling hindurch blüht etwas. Insekten finden hier über mehrere Monate Nahrung. Davon profitieren auch Insektenfresser wie das Braunkehlchen. Die intensive Landwirtschaft hingegen führt zu Kunstwiesen mit wenigen Pflanzenarten. Dementsprechend kurz ist die Blütezeit und dementsprechend wenige Insekten kommen dort vor.
    Foto © Roman Graf
    Als Hotspots für die Biodiversität und als Kohlenstoffspeicher erhalten Moore heute wieder vermehrt Aufmerksamkeit. So unterstützt die Vogelwarte die Renaturierung und Wiedervernässung von Mooren und setzt sich damit neben der Artenförderung auch für den Klimaschutz ein.
    Als Hotspots für die Biodiversität und als Kohlenstoffspeicher erhalten Moore heute wieder vermehrt Aufmerksamkeit. So unterstützt die Vogelwarte die Renaturierung und Wiedervernässung von Mooren und setzt sich damit neben der Artenförderung auch für den Klimaschutz ein.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte

    Tag für Tag wird in der Schweiz Natur zerstört. Der Lebensraum für Wildpflanzen und -tiere schwindet, viele Vogelbestände schrumpfen. Rund ein Drittel aller einheimischen Pflanzen-, Tier- und Pilzarten ist bedroht, bei den Vögeln sind es 40 %. Immer mehr Fläche wird vom Menschen beansprucht, was für den Naturschutz relevante Fragen aufwirft: Wenn der Gemüseanbau mehr und mehr unter Plastik oder in Gewächshäusern stattfindet, wo findet dann die Feldlerche noch Platz zum Brüten? Wenn in den Wiesen nur noch Löwenzahn blüht und nachher nichts mehr, wovon leben dann die Insekten und wovon der Baumpieper? Wenn das Wegnetz immer dichter wird und den Zugang in die entlegensten Wälder eröffnet, wo findet das Auerhuhn noch ungestörte Wälder?

    Der Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016 hat deutlich gezeigt, dass viele einheimische Vogelarten mit etwas höheren Ansprüchen an ihren Lebensraum weiter zurückgedrängt werden. Die Vogelwarte hat daraus den dringlichen «Handlungsbedarf in 11 Punkten» abgeleitet. Ein zentrales Anliegen dabei ist es, den Vögeln mehr Lebensraum zur Verfügung zu stellen und dies in ausreichender Qualität. Denn es reicht nicht mehr, das noch Vorhandene zu bewahren. Es braucht neue attraktive Lebensräume, in denen die Biodiversität Vorrang erhält naturnahe Lebensräume, aber von Menschenhand erschaffen.

    Vorzeigeprojekte weisen den Weg

    Die Vogelwarte hat bereits in verschiedenen Regionen unseres Landes Gebiete ökologisch aufgewertet. Im Schaffhauser Klettgau hat sie mitgeholfen, im Ackerbaugebiet grossflächig Buntbrachen und Hecken anzulegen. Gleiches gelang in der Champagne genevoise. Die Bestände von Dorngrasmücke, Schwarzkehlchen und Orpheusspötter erholten sich in den immer grösseren Ausgleichsflächen. In der Wauwiler Ebene halfen neu angelegte Blumenwiesen und wechselfeuchte Standorte, die letzten Bestände von Feldlerche und Kiebitz im Luzerner Mittelland zu stärken. Bei all diesen Vorzeigeprojekten war die gute Zusammenarbeit zwischen ökologisch gesinnten Landwirten, Vogelwarte und Behörden entscheidend. 

    Diese Erfolge weisen den Weg in die Zukunft. Vom Bodensee bis zum Genfersee braucht es mehr Refugien für die Vögel und die Biodiversität. Insbesondere im Kulturland und in den Feuchtgebieten gibt es viel zu tun. Wer über Land fährt, hält vielerorts vergebens Ausschau nach Landschaften, in denen sich Äcker und Wiesen mit hochstämmigen Obstgärten, Buntbrachen und extensiven Weiden abwechseln. Und vielen Feuchtgebieten fehlen breite Schilfufer und daran anschliessende ungedüngte Sumpfwiesen. Eine solche ökologische Infrastruktur soll nun geschaffen werden, einerseits als Lebensraum für Vögel und andere Wildtiere. Andererseits aber auch als attraktive Naherholungsgebiete für uns Menschen. Gerade die letzten Monate haben gezeigt, dass jede Gemeinde über Naturoasen verfügen sollte. 

    Landesweiter «Aufschwung für die Vogelwelt»

    Die Vogelwarte will die Schaffung von solchen Naturoasen vorantreiben und lanciert daher das Projekt «Aufschwung für die Vogelwelt». Sie möchte damit einen langfristigen Beitrag leisten und gemeinsam mit verschiedensten Partnerinnen und Partnern zahlreiche Projekte im ganzen Land realisieren. Es geht darum, geeignete Flächen aufzuwerten oder neu zu gestalten und langfristig zu sichern, um für die bedrohten Vögel und die ganze Biodiversität attraktive Lebensräume zu schaffen. Dank Legaten und Erbschaften, mit welchen die Vogelwarte grosszügig bedacht wurde, kann sie in den kommenden Jahren mehrere Millionen Franken in solche Vorhaben investieren. Die entstehenden Lebensräume sollen grossflächig sein, d.h. mindestens 3 Hektar umfassen. «Aufschwung für die Vogelwelt» ist auch ein Vorbote zum 100-Jahr- Jubiläum der Vogelwarte 2024. In Form von Vogelparadiesen möchten wir der Schweizer Bevölkerung etwas zurückgeben als Dank für die langjährige Treue zur Vogelwarte. Die Projekte sollen beständig sein und langfristig vertraglich gesichert werden, so dass sie auch weit über das Jubiläum hinaus zum Wohl der Vögel erhalten bleiben.

    Die Vogelwarte ist dabei auf Partnerinnen und Partner angewiesen. Wenn Sie als Gemeindevertreterin eine Allmend ökologisch gestalten möchten oder als innovativer Landwirt der Vogelwelt zum Aufschwung verhelfen wollen, wenn Sie in ihrem lokalen Naturschutzverein ein grösseres Naturschutzprojekt realisieren oder als Waldbesitzerin ihren Forst naturnah bewirtschaften möchten, dann melden Sie sich bei uns.

    Gesucht: Flächen und Ideen!

    Die Vogelwelt können wir nur gemeinsam retten. Wichtige Aufgaben im Vogelschutz wie zum Beispiel Nistkastenparks, die Schaffung von Kleinstrukturen, Sensibilisierungsprojekte, Kampagnen oder Veranstaltungen sind nicht Gegenstand dieses Projekts. Aber alle, die über die Nutzung einer geeigneten grösseren Fläche (mit)bestimmen können, rufen wir auf, mitzuhelfen. Wir freuen uns, wenn Sie sich als Waldeigentümer, Kiesgrubenbesitzerin, Landschaftsschutzverband, Korporation, Bürger- und Einwohnergemeinde, Landwirt, Firma, Naturschutzorganisation, kommunale, kantonale oder nationale Behörde, private Landbesitzerin oder als regionaler Naturpark mit einer Idee, einem Vorhaben oder einem Projekt bei uns melden.

    So unterschiedlich die Partnerinnen und Partner sind, so unterschiedlich werden auch die Projekte und ihr Stand der Ausarbeitung sein. Folgende Voraussetzungen sollten aber erfüllt sein: (1) Das Land, das für die Vogelwelt und die Natur aufgewertet und langfristig gesichert werden kann, ist mindestens 3 ha gross und liegt an einem Ort, der sich für die Förderung der Biodiversität eignet. (2) Die Realisierung wird von einer Erfolgskontrolle begleitet und eine langfristige, zielorientierte Nutzung oder Pflege der Fläche ist gesichert. Die Fachleute der Vogelwarte sind gerne bereit mitzuhelfen, um das Projekt von der Idee bis zur Ausführung voranzubringen.

    Ziel ist ein langfristiger Aufschwung für die Vogelwelt und die ganze Biodiversität, an dem sich hoffentlich noch viele zukünftige Generationen erfreuen können.

    Ein Projekt anmelden

    Schildern Sie uns Ihre Idee oder schicken Sie uns Ihr Projektdossier, möglichst mit Angaben zum Gebiet und seiner Lage, dem Ausgangszustand und dem Potenzial für die Biodiversität, zum geplanten Vorgehen, allenfalls auch einer groben Kostenschätzung und einem Hinweis, wie die Fläche langfristig gesichert werden soll. Helfen Sie mit beim «Aufschwung für die Vogelwelt»!

    Kontaktieren Sie uns via aufschwung@vogelwarte.ch
    Erfahren Sie mehr unter www.vogelwarte.ch/aufschwung

     

    Die Vogelwarte engagiert sich

    Aufschwung für die Vogelwelt