Aufschwung für ein abgewertetes Hochmoor

    Seit 1900 hat sich die Fläche der Moore in der Schweiz um über 80 % verkleinert. Obwohl Flachund Hochmoore heute geschützt sind, verschlechtert sich ihre Lebensraumqualität fortlaufend. Mit geeigneten Aufwertungsprojekten kann das Steuer herumgerissen werden.

    Maschineneinsatz für die Natur: Ein Bagger erstellt kleine Dämme und gräbt Teiche, um das trocken gefallene Moor wieder zu vernässen.
    Maschineneinsatz für die Natur: Ein Bagger erstellt kleine Dämme und gräbt Teiche, um das trocken gefallene Moor wieder zu vernässen.
    Foto © Yvan Matthey
    Die Grosse Moosjungfer, eine in der Schweiz stark gefährdete Art, ist eine Zielart für die Aufwertungsmassnahmen im Marais de la Châtagne.
    Die Grosse Moosjungfer, eine in der Schweiz stark gefährdete Art, ist eine Zielart für die Aufwertungsmassnahmen im Marais de la Châtagne.
    Foto © Sébastien Tschanz

    Im Tal der Brévine im Kanton Neuenburg befindet sich eine Moorlandschaft von nationaler Bedeutung. Diese besteht aus mehreren Teilgebieten, die im Inventar der Hochmoore erfasst sind, darunter auch das «Marais de la Châtagne». Bis 1995 wurde in diesem Hochmoor Torf für den Gartenbau abgebaut. Danach wurde die Nutzung eingestellt und das Moor sich selbst überlassen. Der Torfabbau veränderte das Hochmoor aber so stark, dass es in den folgenden Jahren immer mehr austrocknete und von unzähligen Weiden besiedelt wurde, was zu grossen Verlusten in der typischen Hochmoorflora und -fauna führte. 2020 erwarb Pro Natura Neuenburg eine Hochmoorparzelle von knapp 5 Hektaren mit dem Ziel, das Marais de la Châtagne wieder aufzuwerten. Die Flächen sollten entbuscht, wiedervernässt und durch kleine Tümpel aufwertet werden. In diesem Planungsstand wurde die Vogelwarte kontaktiert und um Unterstützung angefragt.

    Im Rahmen ihres neuen Projekts «Aufschwung für die Vogelwelt » beteiligte sich die Vogelwarte fachlich und finanziell an der Aufwertung des Marais de le Châtagne. So erstellten wir eine Liste von Vogelarten, die ebenfalls von den Aufwertungen profitieren könnten und prüften das Massnahmenset auf seine Effektivität für die Vogelwelt. Die weitere Entwicklung des Hochmoors soll durch eine Wirkungskontrolle begleitet werden, um auch notwendige Anpassungen am Unterhalt vornehmen zu können. Die Vogelwarte stellt die Wirkungskontrolle für die Vögel sicher, insbesondere bezüglich der Entwicklung von Zielarten wie Baumpieper und Fitis. Und gemeinsam mit dem Kantonalen Amt für Fauna, Wald und Natur kontrollieren wir, wie sich die Libellenfauna entwickelt, da Libellen die Haupt-Zielartengruppe für die Aufwertung sind. Aus früheren Aufwertungen von Hochmooren in der Region lässt sich ableiten, dass gefährdete und sehr seltene Libellenarten wie die Grosse Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) und die Östliche Moosjungfer (Leucorrhinia albifrons) sehr schnell und positiv auf Hochmooraufwertungen reagieren. Wir streben auch für das Marais de la Châtagne eine rasche Kolonisation der neugeschaffenen Flachgewässer an.

    Im November 2021 führten wir die Aufwertungsarbeiten aus. Insgesamt soll eine artenreiche Vogelgemeinschaft vom aufgewerteten Lebensraum profitieren, nicht nur zur Brutzeit, sondern auch während des Zuges. Damit das Ziel der Wiedervernässung des Hochmoors und der Entwicklung eines mosaikartigen Lebensraums erreicht wird, braucht es einen regelmässigen, angepassten Unterhalt. Die Vogelwarte und Pro Natura Neuenburg haben deshalb eine langjährige Zusammenarbeit für dieses Objekt vereinbart.

    Aufschwung für die Vogelwelt

    Mit dem mehrjährigen Programm möchte die Vogelwarte Lebensräume für die Vogelwelt und die Biodiversität insgesamt aufwerten und langfristig sichern. Dafür werden Partnerinnen und Partner in der ganzen Schweiz gesucht, welche über Flächen von mindestens 3 ha verfügen. Weitere Informationen und ein Formular für die Meldung von Projekten und Ideen befinden sich auf www.vogelwarte.ch/aufschwung.