Forschung und Schutz über Grenzen hinweg

    Um Vögel zu erforschen und zu schützen, braucht es Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Die Vogelwarte beteiligt sich darum seit langem auch an internationalen Projekten.

    Kolbenente
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    Foto © Marcel Burkhardt

    Die Schweizerische Vogelwarte hat sich der Erforschung und dem Schutz der Vögel und ihrer Lebensräume verpflichtet. Dieses Engagement erfordert auch eine internationale Perspektive, weshalb grenzüberschreitende Projekte und Kooperationen der Vogelwarte eine lange Tradition haben. Das aktuellste Beispiel ist die 22. Konferenz des European Bird Census Council (EBCC) im April 2022 in Luzern.

    Ein weiteres Beispiel ist der 2020 veröffentlichte zweite Europäische Brutvogelatlas (EBBA2). Unter der Federführung des EBCC koordinierte die Vogelwarte EBBA2 zusammen mit einem europäischen Expertenteam und war massgeblich an der Datenanalyse und der Erstellung von Karten und Texten beteiligt.

    Die Vogelwarte unterstützt überdies weitere internationale Monitoringprojekte, darunter auch die beliebte Citizen-Science- Plattform ornitho.ch, auf der Tierbeobachtungen online oder mit der «NaturaList»-App gemeldet werden können. Die Vogelwarte spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Bekanntmachung von ornitho.ch, zunächst in der Schweiz und später in anderen Ländern Europas. Sie war ausserdem an der Gründung des EuroBirdPortal (EBP) und dem Pan-European Common Bird Monitoring Scheme (PECBMS) beteiligt. Diese Projekte ermöglichen einen gesamteuropäischen Überblick über Verbreitung und Brutbestände sowie deren saisonale und langfristige Veränderungen.

    In verschiedenen Forschungsprojekten untersucht die Vogelwarte die Faktoren, welche Ökologie, Verhalten und Physiologie von Vögeln in der Schweiz und anderswo beeinflussen. So wird beispielsweise der Vogelzug in der Schweiz seit den späten Sechzigerjahren mit speziellen Radarsystemen erforscht und konnte danach in den Mittelmeerraum und in die Sahara ausgeweitet werden. In neuster Zeit werden europaweit Wetterradarstationen eingesetzt, um Bewegungen von Vögeln und Insekten auf dem ganzen Kontinent quantitativ zu erfassen. Mit dem Einsatz von Geolokatoren, an deren Entwicklung die Vogelwarte massgeblich beteiligt war, wurde es möglich, die Aufenthaltsorte von immer kleineren Arten ausserhalb der Brutzeit zu ermitteln. Viele dieser Studien mit Geolokatoren wurden in internationaler Zusammenarbeit durchgeführt.

    Schliesslich koordiniert die Vogelwarte im Auftrag des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (CMS), das von über 130 Staaten ratifiziert wurde, seit 2021 den afrikanisch- eurasischen Aktionsplan für ziehende Landvögel (AEMLAP). Der AEMLAP will die Situation für ziehende Landvögel durch international koordinierte Massnahmen in der afrikanisch-eurasischen Region verbessern, mit dem Ziel, diese Arten zu schützen und zu fördern und die nachhaltige Nutzung ihrer Lebensräume sicherzustellen.