Die Vision einer naturfreundlichen Landwirtschaft

    Während beinahe vier Jahrzehnten hat sich Markus Jenny für eine naturverträgliche und vogelfreundliche Landwirtschaft eingesetzt und dabei zahlreiche Spuren hinterlassen. Nun geht er in Pension.

    Markus Jenny weiss, wie der Hase läuft. Dank seinem Engagement gibt es für den Feldhasen in ökologisch aufgewerteten Gebieten wieder Lebensraum.
    Markus Jenny weiss, wie der Hase läuft. Dank seinem Engagement gibt es für den Feldhasen in ökologisch aufgewerteten Gebieten wieder Lebensraum.
    Foto © Markus Jenny
    Markus Jenny hatte in seiner Laufbahn mit zahlreichen Arten des Kulturlandes zu tun, besonders eng verbunden ist er mit der Feldlerche.
    Markus Jenny hatte in seiner Laufbahn mit zahlreichen Arten des Kulturlandes zu tun, besonders eng verbunden ist er mit der Feldlerche.
    Foto © Markus Jenny

    Vor fast 40 Jahren begann Markus Jenny seine Dissertation zum Thema «Ökologie der Feldlerche » an der Vogelwarte mit dem Ziel, die Raumnutzung, Nahrungsökologie und Populationsdynamik dieser Art genauer zu verstehen. Sein Interesse ging schon damals weit über das Generieren von Wissen hinaus: Er wollte Lösungen für eine naturfreundliche Landwirtschaft finden und diese in die Praxis umsetzen. Er war deshalb die Idealbesetzung für die Leitung des Vogelwarteprojekts im Klettgau (siehe gegenüberliegende Seite). Dort motivierte er Landwirtinnen und Landwirte, Brachen, Säume und weitere Strukturen anzulegen. Dank seiner überzeugenden und offenen Art erlangte er bald das Vertrauen vieler Bäuerinnen und Bauern. Markus war auch immer zur Stelle, wenn Landwirte vor Problemen standen, und oft packte er selber im Feld mit an. Dank seinem Engagement und angemessenen Ausgleichszahlungen stieg der Anteil ökologisch hochwertiger Lebensräume im Klettgau bald stark an.

    Immer wieder überraschte Markus mit unkonventionellen Ideen. So begann er in den 1990er Jahren im Klettgau Emmer und Einkorn anzusäen – alte, damals beinahe vergessene Getreidesorten. Säen und Ernten reichten aber nicht aus, die Ernte sollte auch zu Produkten verarbeitet und vermarktet werden. So wurde Markus zum Mitgründer und Präsident der «IG Emmer und Einkorn» und widmete sich neben Fragen zum Naturschutz und zur Landwirtschaft auch bald zu solchen der Lebensmittelverarbeitung und des Marketings. Markus brachte dieses und viele weitere Projekte mit seinem Enthusiasmus voran, in dem er immer wieder neue Ideen entwickelte, Lösungsvorschläge einbrachte, und es verstand, die Partner dafür zu gewinnen.

    Zu Beginn der 2000er Jahre traf Markus im Urlaub zufällig auf Hans Luder, dem damaligen Präsidenten der IP-Suisse. Lange abendliche Gespräche legten schliesslich den Grundstein für eine intensive Partnerschaft von IP-Suisse und Vogelwarte. Markus entwickelte die Idee eines Punktesystems zur Beurteilung der Biodiversität auf dem Landwirtschaftsbetrieb. Heute ist dieses Punktesystem die Basis für das Label der IP-Suisse und hat sehr viel dazu beigetragen, dass Landwirtinnen und Landwirte Massnahmen zu Gunsten der Natur in ihre Arbeit integrieren und dabei messbare Ergebnisse erzielen.

    Wer sich mit Naturschutz und Landwirtschaft beschäftigt, kommt unweigerlich mit der Agrarpolitik und mit ihren Instrumenten in Kontakt. Markus brachte sein breites Erfahrungswissen in zahlreichen Gremien ein. So prägte er die Öko-Qualitätsverordnung und das Instrument der Vernetzungsprojekte mit. Stets forderte er dazu auf, sich mit der Komplexität des gesamten Landwirtschafts- und Ernährungssystems auseinanderzusetzen und die Produktion auf agrarökologische Prinzipien auszurichten.

    Mit seinem breiten Wissen und seinem Kommunikationstalent ist Markus ein beliebter Referent. Er hielt unzählige Vorträge vor verschiedensten Publikumsgruppen, vom lokalen Naturschutz- oder Jägerverein bis hin zu Expertengremien an internationalen Fachtagungen. Dabei scheute er sich nicht, auch heikle Themen anzusprechen und auf Missstände aufmerksam zu machen. So war er es, der 2011 an der Mitarbeitertagung der Vogelwarte die Teilnehmenden auf die Auswirkungen des Fleischkonsums auf die Natur hinwies und dazu aufforderte, den persönlichen Konsum kritisch zu hinterfragen. Inzwischen ist diese Problematik zum breit diskutierten Thema geworden.

    Wenn Markus Ende April in Pension geht, wird er sich voraussichtlich nicht zur Ruhe setzen. Zu vielfältig sind seine Interessen, Talente und Leidenschaften! Wir wünschen ihm sehr herzlich weiterhin viel Freude in und an der Natur!