60 Jahre Vogelzugbeobachtungen bei Fort l’Écluse F

    Jeden Herbst fliegen Tausende von Zugvögeln zwischen dem Jura und dem Genfersee nach Südwesten. Ihr Flugweg verengt sich zunehmend, bis sie bei Fort l’Écluse F in ein Quertal durch die östlichste Jurakette abbiegen können, das sich die Rhone gebahnt hat. Von einer günstig gelegenen Beobachtungsstation bei Chevrier F aus werden Taggreife und andere Zugvögel nach standardisiertem Vorgehen gezählt. Das entsprechende Bestands- Überwachungsprogramm wird von der Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO) Haute-Savoie und ihren Partnerorganisationen getragen, zu denen auch die Schweizerische Vogelwarte gehört.

    Rund 10 000 Rotmilane ziehen jedes Jahr bei Fort l’Écluse durch und machen diesen Ort zum wichtigsten Zugbeobachtungsplatz dieser Art in Europa.
    Rund 10 000 Rotmilane ziehen jedes Jahr bei Fort l’Écluse durch und machen diesen Ort zum wichtigsten Zugbeobachtungsplatz dieser Art in Europa.
    Foto © Markus Varesvuo

    Seit mehr als 60 Jahren überwachen Ornithologen den herbstlichen Vogelzug beim Jura-Durchbruch bei Écluse unweit der Schweizer Grenze, der zum Gebiet der französischen Gemeinde Chevrier gehört. Als im Jahr 2017 die bisher regional abgestützte Projektfinanzierung zu scheitern drohte, entstand eine neue, internationale Partnerorganisation, um die Fortsetzung dieses wissenschaftlichen Programms zu sichern. Ihm gehören die LPO Haute-Savoie, die schweizerische Vogelwarte und der Groupe Ornithologique du Bassin Genevois GOBG an. Dank neuer Geldquellen konnten zwei Personen angestellt werden, die zusammen mit zahlreichen Freiwilligen dafür sorgen sollen, dass die Beobachtungsstation in den kommenden Jahren jeweils zwischen dem 15. Juli und dem 15. November täglich besetzt ist.

    Jedes Jahr werden auf dem Herbstzug bei Écluse rund 30 000 bis 50 000 Greifvögel gezählt. Charaktervogel der Gegend ist der Rotmilan, denn mit rund 10 000 Durchzüglern ist Écluse für diese Art der wichtigste Zugbeobachtungsplatz in Europa. Bekannt ist der Ort auch für den eindrücklichen Durchzug von Weiss- und Schwarzstörchen. Deren Jahreshöchstzahl stammt von 2017 und liegt bei 3148 Vögeln; die grössten Trupps umfassten 370 Störche. Im letzten Jahr machten 11 000 Mäusebussarde. 9300 Schwarz- und 9000 Rotmilane sowie 5200 Wespenbussarde das Gros der ziehenden Greifvögel aus. Die reichhaltige Liste wurde durch einige Hundert Rohrweihen und Turmfalken sowie mehrere Dutzend Fischadler, Kornweihen, Baumfalken und Merline komplettiert.

    Die so aufwändig und mit Hilfe eines standardisierten Verfahrens erhobenen Zähldaten erlauben interessante Einsichten über den gesamten Zugablauf und über die Phänologie jeder einzelnen Art. Da die Zahl der an einem bestimmten Standort zur Zugzeit beobachteten Vögel meist sehr eng mit der Grösse des Bestands im Herkunftsgebiet korreliert ist, ergeben sich auf diese Weise sogar Hinweise auf die Bestandsdynamik der verschiedenen Arten. Je mehr Zugstandorte für eine solche Analyse zur Verfügung stehen, umso genauere Aussagen sind über die Bestandssituation der einzelnen Arten und Populationen möglich.

    Auch 2019 ist genug Geld vorhanden, um wieder zwei Leute anzustellen. Sie werden zusammen mit den vielen Freiwilligen aus Frankreich und der Schweiz den täglichen Betrieb der Beobachtungsstation von Mitte Juli bis Mitte November sicherstellen. Besuche auf der Station sind jederzeit möglich. Auf der Internetseite http://haute-savoie.lpo.fr sind die täglichen Zählergebnisse einsehbar.